
Wellenbrecher nach vorn
März 23, 2008Nach dem sehr witzigen und dennoch durchaus gefühlvollen „Keinohrhasen” ist schon wieder ein deutscher Film im Kino zu sehen, den man unbedingt sehen sollte und der jeden Erfolg verdient. Ich spreche - man könnte es am Titel schon bemerkt haben - von „Die Welle”.Die Geschichte sollte prinzipiell ja fast jeder aus der Schule kennen, ein Lehrer macht ein Projekt zum Thema Faschismus - genauer hier „Autokratie” - und aus dem Projekt wird ein Experiment, er gründet mit seinen Schülern eine Bewegung, die sich über den Kurs hinaus ausbreitet und bald die ganze Stadt beeinflusst.
Der Film glänzt mit guten jungen Schauspielern, einem eh glänzenden Jürgen Vogel, und einer Verdichtung der Geschichte, die sich actionreich und spannend erzählt wird, die nicht allzu sehr in den Kitsch abdriftet - ein bisschen muss natürlich sein - und vor allem ein faszinierend gut geschriebenes Ende, dass auch nach dem Lesen des Buches einigermaßen überraschend daher kommt.
Aber jetzt wollte ich eigentlich keine Rezension zum Film schreiben, sondern eigentlich den Trick beschreiben, über den der Film bei mir am stärksten funktioniert hat. Man identifiziert sich ja mit den Figuren des Films, wenn das nicht ginge, wäre der Film ein schlechter. Und interessanterweise sind es die Leute, die der Welle kritisch gegenüber stehen, die irgendwie nicht so richtig sympathisch rüberkommen, die man genauso als Quälgeister empfindet, wie das offenkundig auch die Mitglieder der Welle tun. Man spürt, wie man diese Gemeinschaft irgendwie spannend empfindet, wie man Marco - einer der Hauptfiguren, dessen Freundin im Gegensatz zu ihm die Welle vom dritten Tag an ablehnt - gönnt, dass er mit einem Mädel aus der Welle rummacht, während die Freundin einen auf Sophie Scholl macht und Flugblätter verteilt - die postwendend von den Welle-Mitgliedern wieder eingesammelt werden.
Kurz: Man sympathisiert mit der Welle, und immer wieder spürt man die Gänsehaut, wenn man diese Sympathie registriert. Eigentlich steht ja fest: Ich bin aufgeklärt, mir könnte das nicht passieren, ich bin doch Freidenker, usw. und doch ist da diese Sympathie, und die macht mir Angst, und deswegen konnte mich der Film so gefangen nehmen. Etwas, was viel zu selten passiert. Ich möchte, dass mich mehr Filme atemlos machen.
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