
Zwischenruf – Judas ist eine arme Sau
März 27, 2008Okay, ich hab Fieber, man nehme nicht zu ernst, was ich in diesem Zustand schreibe. Aber als ich mir gerade einen netten heißen Tee mit Milch gemacht habe, habe ich mich dabei erwischt, ein bisschen „Jesus Christ Superstar“ zu singen, und prompt kam mir die Philosophie …
Judas ist eine arme Sau, die vielleicht tragischste Figur der Weltliteratur. Den nehmen wir mal die Story ernst – das fällt vielen schwer, ich halte die Auferstehung auch für eine Blüte orientalischer Dichtkunst -, so muss doch klar sein, dass Jesus gekreuzigt werden musste, dass er von einem Jünger verraten werden musste, dass es ausgerechnet der enge Freund Judas Ischariot sein musste, denn der hatte nun mal so viel Vertrauen in seinen Messias, dass er sich sicher war, die Revolution würde jetzt losbrechen, wenn sein Herr bedroht sei. Und nun will also der liebe Judas das beste tun, was er sich vorstellen kann, sieht die moralisch bedenkliche Lage, will aber das Geld nicht, denkt ganz idealistisch, opfert gerne auch seine Integrität.
Und dann muss er sich anschauen, wie sich die Leute von Jesus abwenden, wie der keine Anstalten macht, einen auf Che Guevara zu machen, dass er sich auspeitschen und kreuzigen lässt – hey, so hatte der Judas nicht gewettet. Und dann wird ihm so langsam klar, dass Jesus nun irgendwie zum Märtyrer werden wird, dass er so richtig in die Sch… gepackt hat. Frustrierend, oder? Na ja, dann hängt man sich auch schon mal auf.
Und da kann man von Kreon über Hamlet und Macbeth mal die tragischen Helden der Literatur durchforsten, gegen Judas kommt in dieser Wertung eigentlich keiner an … übrigens auch nicht Romeo und Julia – die sind waren nämlich schlicht dämlich, na ja, sie waren fünfzehn … wer ist da nicht irgendwie auch dämlich?