Archiv für März 2009

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Gegen Hosenrollen

März 29, 2009

Nach einem WoW-Thema wieder mal ein klassisches Theaterthema, und zwar eines, dass im Bereich des Jugend- und Kindertheaters im besonderen, aber auch im ganz normalen Amateurtheater ein Problem ist: Hosenrollen! Der Begriff stammt aus der Opernwelt, in der es in einem gewissen Rahmen normal ist, dass man die Rollen sehr junger Männer – Pagen und so, keine wirklichen Männer – mit Frauen besetzt.

Im Theater ist das irgendwann dazu ausgeartet, so dass man einfach alles mit Frauen und Mädchen besetzt, was sich nicht wehren kann. Manchmal, speziell an professionellen Bühnen, wird das aus guten künstlerischen Gründen gemacht. Ist dann ja auch in Ordnung, auch wenn ich solche Gründe eher selten verstehe, schon gar nicht selber habe. Im Amateurtheater gibt es dann häufig Momente, in denen man einfach Rollen die Männlichkeit nehmen muss, weil man einfach mehr weibliche Darsteller hat, als männliche. Das kann ich auch verstehen.  Was ich nicht verstehen kann, ist eine Rolle, die eindeutig als männlich bezeichnet wird, und dann von einer Frau gespielt wird. Das bringt nämlich immer ein Problem ins Theater, was man sich nicht erlauben kann, oder zumindest sollte. Es stört die Illusion. Spricht eine Darstellerin von sich selbst in einer männlichen Form, kommt sofort eine Künstlichkeit in die Szene, die einfach störend ist.

Macht man das in der anderen Richtung, dann nennt man das klassischerweise Travestie, und das ist ein immerwährender Komikbringer – okay, macht man heute nicht mehr so häufig, aber Charleys Tante war ja mal lustig …

Wenn nun aber Frauen Männer spielen, geht das oft nicht anders, ist den Ensembles geschuldet, in denen es ja immer mehr Frauen als Männer gibt – ich spreche hier von Amateurgruppen, von Kindern und Jugendlichen, immer noch mal angemerkt. Aber es hat immer den gleichen Effekt: es wirkt einfach künstlich und falsch – und was dann oft noch hinzu kommt, es wirkt billig. Wenn dann noch männlich wirkende Kostüme, gemalte Schnurrbärte und tiefer gedrückte Stimme dazu kommen, ist natürlich alles aus, da hilft kein gutes Schauspiel mehr, das ist dann einfach peinlich.

Am ehesten funktioniert es, wenn Rollen wirklich verweiblicht werden, in Jugendstücken ist das auch meistens kein Problem. Aber auch sonst, macht man hier mal aus einem Schaffner eine Schaffnerin, stört das nicht weiter, weil da ja dann der Beruf die Rolle ist. Mit Nebenrollen geht das also. Bei wichtigen Rollen spielt das Geschlecht oft eine Rolle, und wenn offenkundig Frauen – hey, ich bin männlich, ich bemerke weibliche Formen quasi in Sekundenbruchteilen – Männer spielen, fehlt dann entweder eine Komponente, oder es gibt eine zu viel, auf jeden Fall werden die Ideen, die hinter dem Stück stehen, schlicht nicht geachtet.

Natürlich erscheint da das Problem, dass Stücke ja fast immer sehr männerbeladen sind, dass man kaum mal was findet, wo nicht eine deutliche Mehrheit männlich sein muss. Nun, meine Lösung für dieses Problem ist üblicherweise, dass ich Stücke für meine Gruppen selbst schreibe. Zwischendurch habe ich aber auch mal Hamlet gemacht, und alle Rollen exakt im Geschlecht getauscht habe. Ob das wirklich eine gute Idee war, keine Ahnung, so richtig hat es damals nicht funktioniert, aber trotzdem finde ich die Herangehensweise besser, als unbeholfene Umsetzungen von mehr oder weniger klassischen Theaterstoffen, in denen wichtige eigentlich männliche Rollen weiblich besetzt werden.

Und dabei bin ich keineswegs antiemanzipatorisch drauf oder ähnliches, aber ich bin dem Theater verpflichtet, der Illusion und dem Publikum. Letztlich ist es doch auch ein diskriminierender Akt, Frauen nur dann wichtige Rollen zu geben, wenn sie Männer spielen. Dann soll doch lieber die Schreibkunst angestrengt werden und neue Stücke geschrieben. Hosenrollen sind eine Pest und sie lassen Stücke immer billig aussehen.

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Quick – 4000 … das ging aber schnell …

März 26, 2009

Die Überschrift sagt eigentlich alles, ich mein, es wäre noch gar nicht so lange her, dass ich die zweitausend Besucher vermeldet hätte, jetzt sind es schon viertausend. Das find ich sehr schön. Danke, liebe Leser!

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Naxx clear

März 21, 2009

Na, da hatte ich mich aber längere Zeit enthalten, also nicht dem WoW, aber dem Schreiben darüber. Inzwischen habe ich mit Jäger und Heilpaladin Naxxramas leer gemacht, was insgesamt recht flott gegangen ist – wir sind recht schnell eingespielt geworden, das funktioniert  besser als erwartet.

 

Seuchenviertel: im Seuchenviertel gibt es erst mal einen netten Test für den Equipstand des Raids, denn direkt am Anfang gibt es brutale Brühschleimer, die man entweder großflächig und langwierig durch die Gegend kitet, oder wie wir es machen, sich einfach darauf verlässt, dass Heilung und Tank was können – was allerdings zu Heilerhöchstleistung führt – weiß man das nicht, kann man sich schon ziemlich erschrecken, denn zwei von den Viechern machen mehr Schaden als Spinnenviertelendbossin Maexxna auf Enrage – also zumindest gefühlt. Die Schadensverteiler werden anders getestet, die müssen Gargoyles plätten, die sich immer wieder selbst hochheilen. Reicht der Fokusdamage nicht, sind die Gargoyles schon das Ende des Raids. Bei den ersten Versuchen mussten wir uns ganz schön strecken, Schmuckstücke aktivieren und ähnliches, inzwischen sind die Flattermänner auch nur noch Routine.

Dann geht es zu Noth, einem der einfachsten Bosse in Naxxramas. Hier muss man zwischendurch auf herbeikommende Skelette achten und zwischendurch macht sich der Boss mal dünne, aber inzwischen teleportiert er sich nur noch einmal, so was geht, wenn man im 10er sieben DDler mitnimmt.

Danach gibt es eine Menge Trash der gerne auch mal netten Loot verspritzt, und schon ist man bei Heigan – dem Tanzboss. Hier muss der gesamte Raid zwischendurch eine komplizierte Rennerei veranstalten, was wir mit Rauchsignalen und gekennzeichneten Vorturnern vereinfachen, was aber immer wieder zu herumliegenden Kollegen führt. Zweimal habe ich diesen Boss nun überlebt, drei- oder viermal musste ich hinterher aufgekratzt werden, ich mein, ich hätte es nun raus, aber wer weiß das  … nicht mein Lieblingsboss.

Dann geht es zu Endboss Loatheb, der für die DDler nur Spaß bedeutet, kann mein Jäger doch zwischendurch mit mehr als hundert Prozent Chance kritische Treffer verteilen, zum Heilen ist er weniger witzig, da es alle 15 Sekunden drei zum Heilen gibt, verpasst man eine Chance, kann das schon mal schwierig werden …

Konstruktviertel: hier werden seltsame Monster konstruiert, was dazu führt, dass man gegen zombieeske Fleischberge mit Namen wie „Flickwerk“ antreten muss. Der ist auch der erste Boss. Ein reiner DPS-Kampf wie man sagt, die Damagedealer fahren hier einfach ihre ideale Rotation, die Heiler rotieren ein bisschen mehr – besonders kleine Heilpaladine, die einen nicht auf Tank geskillten Todesritter hochhalten müssen, da heilt man sich die Fingerspitzen blutig. Aber mit meinem Jäger ist das der reine Spaß, 3400 Schaden pro Sekunde im 10er Raid, nicht so übel für einen Spieler, der nicht zehn Stunden pro Tag on ist.

Ihhh, Spritzen! Das fällt zum nächsten Boss Grobbulus ein, vorher stirbt man gerne mal bei einer Froggerbarriere, ein dämliches Laufspiel, für das man keine LAGs haben darf. … injiziert immer wieder in die Spieler ein Mutagen, dass man nicht einfach runterheilen darf, weil es sonst den Spieler explodieren lässt, oder so. Hier ist ständig jemand unterwegs, um irgendwo seine Gase abzulassen und am ende vom Kampf ist der ganze Raum grün vor Gaskreisen, die man tunlichst nicht berühren sollte. Aber der Boss ist, wie eigentlich viele in Naxx, eigentlich Freeloot, wenn man einmal die Wege raus hat – und joggen soll ja recht gesund sein.

Gluth ist ein anderes Kaliber. Der Riesenwauwau wird gerne wütend, verteilt Debuffs, weshalb man zwei Tanks braucht, und einen weiteren Mitspieler, der ganze Horden an Zombies bindet, die zwischendurch niedergemacht werden müssen, weil Gluth sich sonst bei deren Verspeisen wieder hoch heilt. Da haben wir schon ein paar Anläufe gebraucht, inzwischen ist er aber auch kein echtes Problem mehr.

Thaddius hingegen, der letzte Boss vom Konstruktviertel, macht immer mal wieder Sorge, weil einfach vieles funktionieren muss, damit der kein Problem ist. Erst müssen zwei Minibosse gleichzeitig fallen, die zwischendurch auch noch Fußball mit den Tanks spielen, dann müssen alle heil über einen Abgrund kommen und beim Boss auch noch auf ihre Polungen achten, was sich irgendwie nach Mechanar Hero anfühlt – selige BC-Zeiten. Immer noch ein Problemboss, und das, obwohl er beim ersten Besuch im First Try fiel.

Militärviertel: das schwerste Viertel in Naxxramas wurde unser erster leichter Durchmarsch, hatten wir uns in den vorherigen Vierteln doch schon genug Ausrüstung geholt, um hier eher Spaß zu haben, als Aufregung. Wegen des letzten Bosses, einer Bossgruppe mit apokalyptischen Reitern, muss hier allerdings immer das Setup geändert werden, was meistens dazu führt, dass unser Elementarschamane auf Heiler umskillt.

Instruktor Razuvious ist der erste Boss hier und der wird einigermaßen kompliziert von den Tanks bearbeitet, in dem sie per Kristallen Kontrolle über zwei Mitarbeiter des Instruktors gewinnen – die übernehmen dann die Arbeit, während der Raid ihren Boss niederknüppelt – wissen die Tanks, was sie tun, ist der Rest reinste Spielerei.

Danach kommt man zu Gothik, bei dem es erst mal eine Phase zu überstehen gibt, in der der Raid in zwei Teile geteilt wird, und jeweils die gleiche Arbeit zu machen hat – die getöten Gegner der einen Kammer kommen als Geister in die andere. Für die Damagedealer heißt es hier schnell sein, der Tank muss richtig gut funktionieren, für die Heiler ist es aber eher untragisch – zumindest, wenn man nicht auf der Geisterseite eingesetzt wird.

Der Höhepunkt sind die Apokalyptischen Reiter, bei denen immerhin schon einige Leute genau ihr Ding machen müssen, der also auch anfällig für den einen oder andere Wipe ist. Zwei Tanks übernehmen zwei der Reiter, und brauchen natürlich auch ihre Heiler, ein weiterer Heiler muss zwei Fernkämpfer heilen, die immer abwechselnd zwei weitere Reiter beschäftigen. Tanks und Fernkämpfer müssen wegen sich aufbauenden Debuffs immer wieder die Seiten wechseln, auch die Heiler haben hier einiges zu tun. Stirbt einer der Heiler, einer der beiden Fernkämpfer oder ein Tank, ist der gesamte Raid tot. Bei so vielen Unbekannten muss die Lösung leider hier und da mal in die Reppkosten gehen.

Und dann geht es weiter zu Sapphiron, dem Skelettdrachen, dem letzten Bossgegner vor Kel Thuzad, dem Herrn dieser Burg. Der muss sich erst mal aus vielen Knochen zusammensetzen und die einzige Schwierigkeit bei ihm ist es, dass man sich hinter erstarrenden Raidmitgliedern verstecken muss, und das rechtzeitig, wenn der Drache in seiner Flugphase ist. Erstarren die Kollegen weit weg, dann ist man verloren, denn eine Explosion tötet garantiert alle, die nicht hinter einem Eisblock versteckt sind. Bekommt man das allerdings geregelt, ist der Rest eher harmlos. Beim Heilen bin ich einfach in dem immer wieder auftauchenden Blizzard stehengeblieben, so gab es wenigstens etwas mehr zu tun …

Und dann kommt Kel Thuzad, der wirklich ein Endboss ist, denn hier beißt man sich schon das eine oder andere Mal die Beißerchen aus, bevor das so richtig funktioniert. Erstmal muss man eine ganze Reihe von Monstrositäten und Banshees erledigen, die unaufhörlich und immerhin drei Minuten lang auf den Raid zu marschieren. Dann greift der Boss selbst ein. Der nun folgende Kampf ist lang, und sogar ein bisschen länger, und Mana wird zu einer sehr geschätzten Ressource. Wichtig ist hier, dass man weit genug von einander weg steht und die Heiler sehr auf Zack sind und Leute, die in Eisblöcken gefangen werden, schnell hochheilen – Verluste sind hier eher unpraktisch – dann wird der Kampf ja noch länger. Irgendwann tauchen dann noch zwei Adds auf, die vom Second Tank beschäftigt werden müssen. Da diese Rolle bei uns üblicherweise ein Fury-Krieger macht, müssen am Ende zwei Heiler wundgeheilte Fingerkuppen ertragen, der Schaden wird nämlich immer mehr. Wir haben Kel auch schon zu neunt erledigt, was allerdings so knapp ausging, dass am Ende nur noch drei DDler standen, der Rest des Raids war ausgelöscht und sicherlich wären auch diese drei wenige Sekunden später am Boden gewesen. Immerhin ist in so einem Moment der Jubel im TS annähernd unbeschreiblich.

So weit, mein kleiner Gang durch Naxxramas, wem das Spinnenviertel fehlt, der schaue ein bisschen weiter unten, da gab es schon vor ein paar Wochen einen Eintrag drüber.

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Ein kleiner Tod

März 16, 2009

Nun, hier wäre ein kleines Vorwort nötig. Irgendwie stelle ich es immer wieder an, mir das Vertrauen von Menschen zu „erschleichen“, und die erzählen mir dann die Geschichten, die ich eigentlich nicht unbedingt hören will … für diese Menschen bin ich hoffentlich eine kleine Hilfe, mir gefällt es nämlich, hier und da eine Hilfe zu sein. Aber ich muss die Geschichten auch immer wieder loswerden, und da man so viele Problemstücke fürs Theater nicht schreiben kann … Egal, die folgende Geschichte hat sich mal irgendwann ganz ähnlich zugetragen, ich habe sie nur in Worte gefasst:

 

Ganz leise wollte sie sein, und dunkel musste es sein. Wieder betätigte sie einen Knopf ihres Handys, der ihr eine weitere Minute Vampirgeschichte ermöglichte. Klar schlafe ich, dachte sie, und folgte weiterhin den Gedanken der jungen Heldin ihres Buches. Irgendwo auf dem Flur knarrte etwas. Vielleicht war jemand auf dem Weg zum Klo, oder so. Sie zog die Decke noch ein bisschen höher, damit der Schein nicht verraten würde, dass sie noch las – morgen war Schule und Toja hätte schon vor einer Stunde aufhören müssen.

Toja, sie dachte immer noch an sich mit diesem Spitznamen, den sie sich selbst ganz früh gegeben hatte, als Victoria einfach zu lang war. Dass die anderen in der Klasse Vickie sagten, war eher nervig. Toja war ganz versunken. Fast hätte sie nicht gehört, das plötzlich Schritte näher kamen. Im letzten Moment erst, ließ sie das Buch verschwinden, das Handy auch und stellte sich aber so was von schlafend – sie ließ sogar eine Hand über die Bettkante ragen, einfach damit Mama oder Papa etwas hätten, was sie wieder reinstopfen könnten – wenn man so was machte, passten die Eltern nicht so genau auf, ob man wirklich schläft, hatte sie herausgefunden. Dann hatten sie ja was zu tun.

Sie hörte am Atem, dass ihr Vater hereingekommen war. Er stand neben ihrem Bett. Irgendwie war er sehr leise, sie hörte eigentlich nur seinen Atem. Er kratzte sich. Wie lange würde er noch warten? Irgendwas war falsch. Das Kratzen, das Gehen, es klang anders.

 Er stand neben dem Bett seiner Tochter, nur ein Handtuch über der Schulter, ihn fröstelte. Wie schön sie war, so leise und sanft im Schlaf. Ihre Hand war irgendwie aus dem Bett gefallen, eine kleine weiße Hand. Bilder schossen ihm durch den Kopf, während er langsam das Händchen nahm. Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, hob er sie an, und langsam schob er seinen Unterkörper näher. Mit ihrer Hand strich er über seine halbe Erektion, einmal, zweimal.

 Sie hatte Angst, alles war falsch, so unglaublich falsch. Aber was würde er tun, wenn sie jetzt einfach ihre Hand zurückziehen würde? Aufkeimende Panik schoss ihr in den Magen. Und dann hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf sagen: Noch glaubt er, dass du schläfst. Was macht er, wenn du aufwachst? Als würde sie sich im Schlaf drehen wollen, schob Toja ihre linke Schulter vor, ihre Hand entzog sich seiner. Sie hörte ihren Vater zischend einatmen. Sie drehte sich weiter, machte ein Geräusch, murmelte etwas. Er ging weg, einfach raus und ins Badezimmer. Eine Träne lief ihr übers Gesicht, dann folgten weitere, bis sie sich krümmte. Tief durchatmen, noch mal, tief durchatmen. Langsam wischte sie sich die Tränen weg und merkte, wie es in ihr kämpfte. Vielleicht müsste sie sich sehr bald übergeben, ganz sicher aber würde sie bald ins Bett machen, wenn sie nicht bald das Klo besuchen würde.

Im Bad duschte ihr Vater. Schnell und auf nackten Füßen rannte sie zum Gästeklo. Sie würgte trocken. Dann stand sie auch schon vor dem Klo und war einen Moment unschlüssig. Das Würgen kam nicht noch mal und sie drehte sich um, setzte sich, ließ laufen … aber es änderte nichts an dem Knoten in ihrem Bauch. Sie roch an ihrer linken Hand. Und würgte wieder. Sie musste sich die Hände wachen, sich ihre linke Hand waschen.

 War Toja wach? Als er aus der Dusche kam, hörte er Wasser im Gästeklo rauschen. Und als er sich abgetrocknet hatte, rauschte es immer noch. Er zog sich etwas an und ging langsam zum Rauschen. Toja hatte die Tür aufstehen lassen, er schaute auf seine Tochter herunter. Sie wusch sich die Hände.

 „Meine Hand riecht so seltsam … was sollte das …?!“ Toja funkelte ihn an, Tränen liefen über ihr Gesicht. „Schätzchen…“ hörte sie, spürte eine Hand, die ihr über das Haar strich. Sie riss sich los, lief in ihr Zimmer, kauerte sich in eine Ecke. Sie sprach nicht, sah durch ihn durch, wimmerte manchmal leise, aber egal, was ihr Vater sagte und tat, er bekam keine Reaktion. Und als er sie ins Bett trug und zudeckte, wirkte sie wie ein atmendes Stück Holz in seinen Armen. Sie hatte ihre Augen offen, aber sie sah nicht.

 Erst, als er schon seit einiger Zeit schlief, krabbelte Toja noch mal aus dem Bett. Sie suchte sich einen pinken Block, einen Filzschreiber und schrieb einige Minuten ganz konzentriert, bis die oberste Seite voll war. Dann ging sie wieder ins Bett, mit trockenen Augen.

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Wo sind wir eigentlich?

März 16, 2009

Hm, also manchmal hört man Geschichten, und fragt sich, was in unserem Land so los ist. Es geht um die Geschichte einer Freundin, die sich gerade auf Ausbildungsstellen für Heil-/Erziehungspflege bewirbt. Da sie künstlerisch aktiv ist, und auch in meinem Theaterstück „Eisblumen“ mitgewirkt hat, hat sie seltsame Interessen, zum Beispiel interessiert sie sich für das Thema „Edelweißpiraten“, was ich gut verstehe, da ich nicht nur ein Theaterstück zum Thema geschrieben habe, sondern auch einen Blogeintrag.

Nun wurde diese Freundin morgens um acht Uhr von einer dieser Schulen – wo sie sich beworben hat -  angerufen, und ihr wurde mitgeteilt, dass sie gar nicht zum Vorstellungsgespräch erscheinen müsste. Die Gründe seien erstens ihre Vergangenheit als Pflegekind, und zweitens ihr Interesse eben für die Edelweißpiraten.

HALLO! GEHT ES NOCH?!?!?

Sind die eigentlich völlig krank im Hirn? Ohne Scheiß, es geht hier um eine Einrichtung der evangelischen Kirche, nicht um eine der NPD. Aber das scheint sich in diesem Fall nur marginal zu unterscheiden.

Also erstens sollte eine Schule für Heilerziehung eigentlich wissen, dass ehemalige Pflegekinder nicht per se schlechtere Menschen sind, auch wenn die diversen Jugendämter gerne an so was arbeiten. Das ist Diskriminierung … und zweitens ist das Interesse an einem geschichtlichen Thema wie den Edelweißpiraten ja wohl kaum ein Nachteil. Und eine gedankliche Nähe an eine Gruppe Widerständler gegen Nazis ist auch eigentlich eher ein Vorteil für eine pädagogische Ausbildung als ein Hinderungsgrund – das ist politische Repression, sagt zumindest der ehemalige Jurist der gerade durch das Zimmer hier tigert.

Sorry, aber ich kann definitiv null Verständnis aufbringen, gar keines, noch weniger … der Verantwortliche gehört fristlos gekündigt, sonst nix …

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Magst du mir was vorlesen?

März 13, 2009

Ja ja, blöder Titel für einen Blogeintrag über „Der Vorleser“, aber wenn man gerade mal nicht kreativ ist … nun also hat der Vorleser nicht nur das Zentralabitur sondern auch das Kino erobert, und Kate Winslet hat sogar einen Oscar dafür bekommen.

Ich habe mich immer ein bisschen gefragt, warum ein netter, ziemlich konventioneller Roman mit Dramaturgieproblemen sogar als Abiturstoff behandelt werden muss oder kann – keine Frage, kein schlechtes Buch, aber auch kein Erlebnis, keine Literatur, die wirklich berührt.

Und nun ist ein Film draus geworden, der uns die Geschichte erzählt, uns zeigt wie Kate Winslet obenrum ausschaut und, ja, was und?

Die Regie hat gute Bilder gefunden, nur an wenigen Stellen hätte man ein bisschen auf die Bremse treten können. Die Schauspieler machen ihre Sache gut bis sehr gut, und David Kross könnte ein großer werden, denn er gibt eigentlich immer das Bild ab, das am besten in einem Moment passt, Kate Winslet ist auch gut, aber nicht unbedingt Oscar-gut, hier gibt es wahrscheinlich wieder mal einen kleinen „3. Reich-Film“-Bonus. Und Ralph Fiennes? Der geht total unter, verhakt sich im steinernen Aus-der-Wäsche-Gucken, hat nur eine kleine brauchbare Szene mit der jüdischen Frau, die er in Amerika besucht – der Rest wirkt regelrecht unbeholfen und irgendwie aufgesetzt. Dafür sieht man einige sehr gute deutsche Schauspieler, was ja auch mal nett ist. Bruno Ganz als älterer Jura-Professor macht seine Sache natürlich auch gut, führt aber auch zu unfreiwilliger Komik, denn warum spricht dieser Professor wie Hitler? – Ich werde Bruno Ganz vermutlich nie wieder hören können, ohne an „Der Untergang“ zu denken …

Beim Vorleser hat man versucht, ein bisschen Rahmenhandlung einzubauen, damit die dramaturgischen Schwächen der Vorlage abgefedert werden, aber diese Rahmenhandlung bleibt gegenüber der eigentlichen Handlung so schwach, dass das auch nicht so wirklich funktioniert. Und so holpert es hier und da in diesem Film, der sogar ein bisschen trocken wird, als es in den Gerichtssaal geht – übrigens eine Parallele zum Buch.

Was diesem Film völlig abgeht, ist auch nur die kleinste Prise Humor. Trotz der vor Leben strotzenden Bilder erdrückt der bleierne Ernst den Film und wenn dann die schwermütige Musik während des Abspanns läuft, steht man kurz vorm Suizid. Hier hat man einfach alles und vor allem sich selbst so ernst genommen, dass dem Film letztlich ein wenig das Leben fehlt.

Kein herausgeworfenes Kinogeld, und sicherlich ein Film, dessen Bilder nachwirken, aber so richtig funktioniert er nicht …

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Quick – Ist das Leben kein Amoklauf?

März 12, 2009

„Ist es nicht erstaunlich, dass nicht viel mehr Menschen ausrasten?“ lässt Jan Weiler seinen seltsamen Psychologen in „Drachensaat“ fragen, und wenn ich über den gestrigen Tag, über den nächsten klassischen Amoklauf nachdenke, dann kehrt mein Gedanke immer wieder zu dieser Frage zurück … warum jemand hingeht und 15 Menschen erschießt? Nee, das ist keine Frage, wegen irgendeiner Verzweiflung, einer Leere im Leben, weil er noch Jungfrau war oder weil sich irgendwer über ihn lustig gemacht hat, der Gründe gibt es so viele, und wenn der Kopf auch sagt, dass das ja wohl kein Grund zu töten sei, kennt das Herz doch die Momente, in denen man gerne genau das tun wollte. Unter normalen Umständen macht man es nicht, klar, aber nicht jeder ist normal, zumal nicht in der Pubertät. Und natürlich sind hier die menschlichen Werte nicht im Gehirn angekommen – aber was erwartet man bei Eltern, die einen halben Zug bei der Bundeswehr bewaffnen könnten – Herzensbildung? Eine Ächtung von Gewalt? – Ja, klar, sehr lustig.
Jetzt kann man natürlich sagen, hey, sowas gab es doch früher auch nicht? Richtig, früher gab es auch mehr für Menschen mit entsprechenden Neigungen zu tun, zum Beispiel Exekutionen und Selektionen in Ausschwitz, oder auch eine steile Karriere bei der RAF, was das angeht … aber ebi aller Bestürzung, die nur natürlich ist, warum sind wir eigentlich nicht genauso bestürzt, wenn in den Kriegen rund um die Welt viel mehr Tote zu beklagen sind? Weil wir da ja nicht betroffen sind? Weil es nicht vor unserer Haustür stattfindet?
Aber zurück zu dern Anfangsfrage: Ist es nicht seltsam, dass nicht noch viel mehr Menschen ausrasten? Ich find das seltsam, schließlich wird der Druck doch immer höher. Die Medien machen uns Angst vor der Rezession, vor islamistischen Terrorbombern, vor amoklaufenden Schülern, immer nur Angst! Meine Güte, jetzt haben wir uns von den angstmachenden Religionen einigermaßen wegaufgeklärt, jetzt gibt es keine kommunistische Bedrohung mehr, jetzt müssen andere Ängste aufgebaut werden, damit das Volk schön regierbar bleibt – zum Kotzen! Und dazu Leistungsdruck und Zukunftsangst, und niemand sorgt mal dafür, dass Kinder und Jugendliche aus dieser Tretmühle auch mal raus können. Keiner kümmert sich, keiner schaut hinter die Kulissen … wie verdammt einsam muss jemand sein, der so einen Scheiß macht?

Dass die Eltern Beihilfe zum Mord leisten, in dem sie Waffe und Munition herumliegen lassen, das gehört dann natürlich ins Bild, wäre ja eigentlich nicht unbedingt nötig … und mit einem Messer wäre es schon viel schwieriger geworden, so viele zu erwischen. Dass die Waffe einfach vorrätig ist, ist natürlich noch keine Aufforderung zum Amoklauf, aber es vereinfacht die Angelegenheit ungemein. Ich habe keine Ahung, warum in Privathäusern Waffen herumliegen dürfen, ich halte das für grob fahrlässig, sogar in Tresoren, aber natürlich kann man mit einer Entwaffnung der Gesellschaft keine Amokläufe verhindern, aber sie erschweren. Und vermutlich wird nun die Diskussion um Computerspiele und Paintball wieder aufkommen – *gähn* – nein, diese Sachen sind nicht schuld, die meisten Amokläufer spielen Shooter, okay, aber Amokläufe gab es schon vorher, lange vor Counterstrike – und nebenbei, die meisten von ihnen gingen auch zur Schule – klingt für mich jetzt auch sehr gefährlich … so lange man in der Gesellschaft akzeptiert, dass Jugendliche den Sinn ihres Lebens in wochenendlichen Komasaufpartys sehen, so lange Castingshows und überspannte Ideale Vorbilder generieren, die allenfalls für die Mülltonne taugen, so lange werden Menschen austicken, so oder so … es ist nur seltsam, dass nicht noch viel mehr ausrasten.

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Das Wrack will es noch mal wissen …

März 10, 2009

Ja, gilt die Überschrift jetzt Mickey Rourke oder seiner Figur Randy the Ram? Bei beiden stimmt es ja irgendwie – aber darüber ist schon viel gesprochen und geschrieben worden, also versuche ich mich lieber daran, was über den Film selbst zu schreiben.

Ach, bevor ich es vergesse, ich muss hier eine Spoilerwarnung aussprechen, ich verrate ein bisschen was über den Film …

Wrestling ist eine der ursprünglichsten Unterhaltungsformen, ein archaisches Überbleibsel vielleicht, auf jeden Fall aber eine faszinierende Parallelwelt. In dieser Welt hat Randy the Ram eine ganz große Zeit gehabt, gehörte einst zu den größten aller Stars – doch zwanzig Jahre später ist er nur noch ein verbrauchter Typ, der sich nur mit kräftiger Dopingunterstützung in den Ring schleppen kann. Er liebt eine auch nicht mehr ganz junge Frau, die in einem Stripclub ihr Geld verdient und langsam aber sicher auch nicht mehr in ihrem Business bleiben kann.

Als Legende darf Randy immer noch Matches gewinnen, aber die Hallen, in denen er das tut, sind klein, und er muss alles mögliche an Matches annehmen, schließlich muss er seine Miete und seine Drogen bezahlen. Nach einem unglaublich heftigen Hardcore-Match kollabiert Randy, sein Herz ist nicht mehr gewillt, dieses Anstrengungen mitzumachen. Nun überdenkt er langsam aber sicher sein Leben, auch durch Pam gestützt, die nicht mehr weiß, ob sie in ihm einen Freund oder einen Kunden sehen soll. Randy versucht, den Kontakt zu seiner Tochter zu erneuern, nimmt einen festen Job in einem Supermarkt an, in dem er Delikatessen verkauft.

Eigentlich könnte nun alles gut werden … aber die klassische Dramaturgie hat da natürlich was gegen …

Ja, was Mickey Rourke da zeigt, ist wirklich beeindruckend. Man sieht seinem Randy die Liebe zum Business an, man muss sich in diesen netten Kerl verlieben, der allerdings nur im Ring ein Gewinner sein kann. Er versprüht einen wunderbaren, manchmal auch etwas tollpatschig daherkommenden Charme, ein grober Klotz, der eigentlich nur seinen Job machen will, der einfach süchtig nach dem Publikum ist. Man glaubt diesem Rourke die ganze Zeit zu hundert Prozent den alternden Wrestler, und sicherlich hat es ihm geholfen, dass er zu einem gewissen Teil sein eigenes Leben spielt. Aber das ist schon ein starker Auftritt, mit dem er den Rest des Ensembles auch etwas an die Wand spielt.

Natürlich ist der Verlauf ein bisschen vorhersehbar, Randy ist nun mal leider außerhalb des Rings ein Looser und muss scheitern – wenn man das Ende denn als Scheitern sehen will. Ansonsten gibt es für mich nur eines an diesem Film auszusetzen: es gibt viel Handkameragezappel, das geht mir immer etwas auf den Keks, habe den stilistischen Sinn davon auch noch nicht verstanden.

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Quick – Nachklapp „Maia im Fieber“

März 4, 2009

Heute kam dann die Kritik in der Zeitung, und die war recht eindeutig gut … nahezu unerwartet … ich hatte beim Gespräch mit der Mitarbeiterin der Zeitung eine gewisse Verwirrung bei ihr festgestellt, was ich bei der Art meines Stückes auch nicht seltsam fand … aber meine Statements haben ihr wohl geholfen, auch wenn ich die Sachen, die sie von mir zitiert hat, so nie gesagt habe …
Wie dem auch … insgesamt ein Artikel, den die jungen Herrschaften sich rahmen dürfen, wenn zum Beispiel vom „intensiven Spiel“ meiner Hauptdarstellerin gesprochen wird … ja, da kann man ganz zufrieden sein …

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Maia im Fieber – Premiere

März 1, 2009

Also: „Maia im Fieber“ ist ein Theaterstück, dass ich geschrieben habe und das am Freitag Premiere hatte. Sechs junge Damen und ein junger Herr haben ihr Bestes gegeben, das umzusetzen, was sich mein „krankes Hirn“ (Zitat vom Chef) so ausgedacht hat. Tja, und was soll ich sagen, bisher waren alle voll des Lobes … versteh ich gar nicht …

Ich hab wohl so literarisch gearbeitet, wie noch nie, also sehr viele Hinterbedeutungen eingebaut, viele Anspielungen, sogar Insider, die bisher nicht funktioniert haben, weil die Freunde, die diese Insider kennen, bisher noch keinen Grund gesehen haben, auch mal ins Theater zu kommen.

Dazu haben einige der jungen Herrschaften auch noch richtig gut gespielt, das Bühnenbild ist genauso effektvoll, wie ich mir das vorgestellt hab – „sehr effektiv“ meinte der Chef … wenn jetzt noch mehr als zwanzig Zuschauer pro Vorstellung kämen, könnte man direkt zufrieden sein.

Gestern wurde es dann noch schöner, weil eine zweite Vorstellung seltsamerweise mal besser war, als die Premiere, auch wenn hier und da ein bisschen gehetzt wurde – man, das Stück ist doch eh recht kurz. Und gestern war auch noch eine Schreiberin der Lokalzeitung da – juhuuuu, wir werden nicht ignoriert – was aber dem Stück nicht mehr helfen wird, weil wir ja nur noch heute Nachmittag spielen. Immerhin sind wir angefragt worden, ob wir das Stück auch vor Schülern spielen würden … wenn das technisch möglich ist, werden wir uns da dran machen, ist doch klar …

Schade ist wie immer nur, dass man ein Stück schreibt, ein halbes Jahr daran herumprobt, und nach einem Wochenende wieder alles vorbei ist … andererseits habe ich vor wenigen Wochen noch ganz anders gesprochen, da klang es eher nach: Gut, wenn das endlich vorbei ist. Aber so ist das mit Darstellern im Alter zwischen 14 und 16 Jahren, die nehmen das immer erst in der letzten Woche ernst … schade eigentlich, man hätte noch eine Menge mehr rausholen können.