Aufgrund freundlicher Einladung bin ich nun bei Google Wave gelandet, dieses ist mein Account: hollarius@googlewave.com … wer mit mir Wellen auslösen will, mag mich adden … ![]()
immerhin habe ich auch schon meinen ersten Wellenchat gehabt, ist schon spannend … wie wird das erst, wenn das Ding so richtig mit allem funktioniert …
Archiv für Oktober 2009

Quick – Neues Spielzeug: Google Wave
Oktober 28, 2009
Kritik
Oktober 27, 2009Ich hasse Kritik, wie alle Regisseure hasse ich Kritik. Beschwert sich jemand, halte ich mir die Ohren zu. Hat jemand bessere Ideen als ich, dann bin ich demjenigen persönlich auf Monate hin sauer. Ich bin Regisseur, ich bin Chef …
So, einmal den Quatsch hingeschrieben, ich befürchte, solche Regisseure gab es mal, gibt es hier und da vielleicht noch, aber ich jetzt persönlich, bin nicht so. Ich finde Kritik richtig gut. Ich finde alles gut, was dem Stück hilft. Und wenn andere bessere Ideen haben als ich, dann setze ich diese Ideen um.
Aber eine Sache ist doof, wenn Kritik schwammig und unkonstruktiv kommt. „Finde ich nicht gut“, ist immer ein Totschlagargument, jedes „Nein“ ohne Begründung ist der Tod aller Kreativität – schon ein „Nein“ mit Begründung kann im falschen Moment furchtbar sein, aber ohne Begründung …
Das Problem ist natürlich auf der einen Seite, dass die unkonstruktive Kritik nicht weiterhilft, schlimm ist das, klar, aber noch viel schlimmer ist das Gefühl, das dabei rumkommt. Man hat ein Gefühl für sein Stück, vielleicht sogar ein kleines bisschen Euphorie, will mit Freude weitermachen, und dann schlägt diese Art von Kritik so richtig in die Magengrube. Denn die transportiert eine Sache: Negative Energie. Und die ist im Allgemeinen immer ein Problem – ich setze sie nur in einem Fall künstlich ein, wenn ein Ensemble zu euphorisch vor einer Vorstellung ist – dann nämlich braucht es ein bisschen negative Energie, um zurück zur Konzentration zu kommen. Im Probenprozess brauch ich negative Energie ungefähr so dringend wie einen Tritt in den Unterleib.

Weil es so schön …
Oktober 26, 2009… zum vorherigen Video passt … aber bitte bis ganz zum Ende anschauen …. erst dann passt es so richtig …

Aufgeschnappt und weitergeplärrt VI:
Oktober 25, 2009„Warum heißt es Gebet, wenn ich zu Gott spreche, und Psychose, wenn Gott zu mir spricht ?“
gerade bei Klaus Klinke #hierwirdslustig gefunden …

Über Pornografie
Oktober 25, 2009Ja, ich mach mir über sinnvolle und weniger sinnvolle Sachen Gedanken, ich weiß, und Pornografie ist nach landläufiger Ansicht wenig sinnvoll. Nun ja, ich bin ledig und habe Hormone, also muss ich gewisse angestaute Energien auch schon mal abbauen, und selten, früher war das häufiger, nutze ich dafür auch mal Pornografie.
Irgendwann in dieser Woche gab es einen Bericht über den Niedergang der Pornobranche, über immer weniger Filme, die verkauft würden – inzwischen ist dieser Markt fast vollständig im Internet zu Hause, man kann schon mit wenig Aufwand dort Geld verdienen, wenn man keine Scham hat und diese aber zeigt.
Naja, so spannend fand ich den Bericht jetzt nicht, aber es war eine Spielszene aus einem Amateurporno zu sehen, und die hat mich zum Denken gebracht. Natürlich war sie schlecht gespielt, dass ist ja eigentlich Tradition in der Pornografie, aber gar nicht außergewöhnlich schlecht gespielt, nur normal schlecht – ich hätte innerhalb von fünf Minuten den Dialog besser schreiben können und ihn auch mit den Darstellern so einproben, dass es echt gewirkt hätte – und in der Sendung klang das so, als ob das am Amateurstatus der Darsteller gelegen hätte …
Hm, also erst mal verdienten die Leute da Geld mit dem was sie taten, also sind sie keine Amateure, die das nur zum Spaß machen und weil sie die Kunstform so lieben, das sind Profis. Nun, ich habe keine sehr große Pornoerfahrung, aber ich habe auch keinen noch so professionellen Porno gesehen, in dem große Schauspielkunst geliefert wurde, nur wenige waren besser als die Laiendarsteller (auch nicht Amateure, denn das hat mit Liebhaberei ja so gar nichts zu tun) in diesen schrecklichen Billigserien K11 oder Niedrig & Kuhnt (ja, niedrig kommt ganz gut hin).
Pornografie ist voll von schlechtem Schauspiel, man sieht so viel Sex wie schlechtes Schauspiel – genau deswegen bediene ich mich eher ungern dieses Mittels, ich komm mit der Ästhetik einfach nicht klar.
Und dann habe ich mich gefragt, warum das so ist, warum in Pornografie so schlecht gespielt wird – wenn doch kurz auf das Spiel folgend etwas wirklich gemacht wird, was Schauspieler dann doch vermeiden und faken. Dustin Hoffman hat vor Rainman monatelang mit Autisten zusammen gelebt, um das möglichst echt zu spielen – Pornodarsteller haben dieses Problem nicht, sie vögeln wirklich. Eigentlich eine gute Vorraussetzung, um auch sonst gut zu spielen. Jetzt könnte man natürlich glauben, es läge daran, dass alle, die Pornos machen, automatisch schlechte Schauspieler sind – da glaube ich aus Prinzip nicht dran, habe ich doch schon große Mengen schlechter Schauspieler gesehen, die richtig eingesetzt, gute Leistungen erbracht haben, und außerdem schlummern in viel mehr Leuten schauspielerische Talente, als man das landläufig so meint.
Man könnte auch meinen, na ja, das liegt halt daran, dass sich in Pornos niemand Mühe gibt – sorry, aber auch das ist Blödsinn, es gibt doch diese alten Hochglanzpornos, vor allem aus den USA, die viel technisches Know-How und edelstes Ambiente zeigten … und sauschlechtes Schauspiel – meistens besser als in Gerichtsshows und bei K11 aber immer noch ziemlich barbarisch. Mühe gab man sich da schon, aber es half nichts.
Ich denke, es gibt zwei Gründe, auf der einen Seite den Inhalt, und auf der anderen Seite die Notwendigkeit, sich bei der Schauspielerei zu öffnen. Inhaltlich ist das ganz einfach, es gibt einfach keinen relevanten Inhalt bei einem Porno, der ist ja dafür gemacht, möglichst wenig Inhalt zu haben, dafür aber viele primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale und alles mögliche, was man mit denen machen kann. Natürlich beißt es sich auch, so lange Pornografie von den meisten Menschen als widerlich und unsinnig verstanden wird, eine bloße Befriedigung für die Massen, ähnlich verwerflich wie illegale Drogen oder ein Besuch im Puff. So lange können Pornos mit Inhalt nicht weit kommen, weil naturgemäß der (Schleim-)Hautanteil zu gering ist.
Alle Versuche, Inhalt in die Pornos zu bringen, war aber auch in so weit zum Scheitern verurteilt, wie man dann ja in Richtung Spielfilm geht, aber der Spielfilm ist der Roman unter den Filmen, das ist gleich so viel Inhalt, dass einfach keine Zeit mehr fürs Poppen bleibt – natürlich gibt es ein paar Kunstfilme die eigentlich Pornos sind, das heißt, maximale Hautquote zeigen, aber die firmieren eben wieder nicht als Pornos – ich hab ja Antichrist nicht gesehen, aber nach allem, was man davon hörte … ich schweife ab.
Würde man Pornofilme und –filmchen – denn im Internet sind keine neunzig Minuten gefragt – als eine Kunstform sehen, dann müsste man ihr Ziel sehen und verfolgen. Das Ziel von Pornografie dürfte dann allerdings auch nicht die schnelle Triebbefriedigung sein, sondern die Erregung von Erregung. Davon, dass man irgendwelche gynäkologisch interessanten Großaufnahmen sieht, wird doch niemand ernsthaft leidenschaftlich – alles, was diese Aufnahmen können, kann man auch durch Viagra erreichen oder eine liebevolle Hand. Aber was wäre, wenn da Leute wirklich – gut gespielt – über einander her fielen, sich die Seele aus dem Leib vögelten – wäre das nicht auch für ein breiteres Publikum interessanter – oder würde man davor schockiert zurückweichen, weil man so viel Sex nicht verträgt, weil so viel Leidenschaft nur Eifersucht erregt, und nicht Erregung?
Auf jeden Fall scheint mir mehr Inhalt, als der einer Kurzgeschichte, in einem Pornofilm nicht transportierbar – aber so viel Inhalt wäre sicher machbar, kleine Filme die in Echtzeit spielen, und in denen Leute Sex haben, das könnte durchaus interessant sein, wenn die Darsteller nicht den langweiligsten Sex ihres Lebens spielen – wobei der vermutlich schon wieder enorm viel Humorpotential haben dürfte.
Aber es gibt da ja noch ein anderes Problem. Die Schauspielerei selbst. Die nämlich erfordert, dass man nicht in Wirklichkeit sondern übertragen die Hosen runterlässt – und das muss in einer Situation, in der man nichts an hat und im Scheinwerferlicht an andere Menschen geschlechtlich angedockt ist, schwieriger sein, als wenn man normalerweise auf einer Bühne oder vor einer Kamera steht. Seine echte Leidenschaft vor dem Publikum ausbreiten und nicht das, was die Pornowelt üblicherweise dafür hält? Das ist nicht einfach. Ohne diese ganzen lasziven Manierismen, die Frauen üblicherweise zu dummen und willigen Gummipuppen stilisiert, oder die bräsigen Machosprüche, die aus Männern Hornochsen machen – ja, das Horn ist Fakt, der Ochse aber auch. Aber ohne dieses Programm einen Porno machen? Erst Hupen drücken, dann Frau dockt oral an, in manchen Fällen sind wir ja sogar so emanzipiert, dass der Mann dann den Wühler macht, und dann wird in drei Positionen gevögelt, die Frau simuliert einen kleinen Höhepunkt – üblicherweise nicht zu wild – und am Ende zieht der Mann raus, um zu zeigen, dass er wirklich was verspritzen kann – Herzlichen Glückwunsch! -, aber das können fast alle Männer … I am not impressed!
(Ich bin mir nicht sicher, ob das Programm sich inzwischen nicht etwas geändert hat, die letzten ausgeliehenen DVDs sind schon ein bisschen her – aber es waren schon DVDs.)
Also Porno ohne die Manierismen, ohne ein zu erfüllendes Programm, ohne Stellungen, die so gewählt werden, dass man möglichst viel sieht, und deswegen, weil alles andere weg ist, muss dann auch das Spiel gut sein, echt sein – dann könnte Pornografie sogar eine echt nette Sache sein.
Übrigens, wo ich gerade darüber nachdenke, komme ich irgendwie darauf, dass die Pornografie die letzte dramatische Kunst ist, in der noch solche Manierismen vorherrschen, wir sind da noch genauso in der Steinzeit wie die Comedia dell’Arte oder die chinesische Oper – sogar das Musical hat ein paar herrliche Abweichungen von seinen Manierismen geschafft.
Würde eine solche neue Pornografie etwas ändern – ich glaube ja, ich glaube, dass eine Pornografie, die nicht in billigen Klischees festsitzt und mit Kreativität vögelt, die ganze Branche normalisieren würde. Auf der einen Seite ist ja eine große Demokratisierung durch die Pornografie gegangen, und die sogenannte „Amateur“-Richtung hat die ganze Branche völlig durcheinandergewürfelt, das Internet hat die Wege völlig verändert – und dennoch keineswegs den Umsatz geschmälert, nur in andere Kassen gespült. Aber letztlich bleibt es eine verschrieene Sache, von der man sich fernhält, wenn man einen gewissen Bildungshorizont hat – oder von der man sich zumindest offiziell fernhält. Ich glaube, dass trotz dieser Schwemme von Pornografie, „gute“ – also gut gespielte und mit ein wenig Inhalt versehene – Pornografie sogar immer noch Sprengkraft hätte.
Konsequenzen? Nein, keine, natürlich nicht, ist nicht meine Richtung. Und ich werde nicht so von meiner Hose regiert, dass ich einen Traum davon hätte, ausgerechnet Pornoregisseur zu werden …

Twitter-ABC I
Oktober 25, 2009A wie Albern: höherer, nur auf den ersten Blick unproduktiver, Geisteszustand, in dem Grenzen eingeebnet werden, wenn dafür Zeit ist.
B wie billig: keine Definition, aber ein paar Assoziationen: Supertalente, Fertigessen, Plastikkleidung, Wahlsiege der FDP …
C wie Christlich: Zu 5% ernst gemeint, zu 95% eine Chance das Gehirn auszuschalten, konservativ, faschistoid und xenophob zu sein.

Aufgeschnappt und weitergeplärrt V:
Oktober 18, 2009„Dass die Ärmelmenge jedes Pullovers genau meiner Armzahl entspricht, ist mir ein gültiger Gottesbeweis.“
gefunden in der Best of-Liste vom Häkelschwein: www. haekelschwein.de

Einstellungen, Einstellungen
Oktober 15, 2009Weil ich in letzter Zeit mehrfach darüber nachgedacht hab, was eigentlich der richtige Zugang, die richtige Einstellung zum Theater ist, ja sein muss, möchte ich hier mal wieder ein wenig meine Gedanken sammeln und sie zur Begutachtung frei geben.
Naja, als erstes muss ich mal festlegen, dass Theater ein Kunst ist, und wie alle Künste nicht von einem praktischen Sinn erfüllt. Genauso wenig, wie es wirklich einen Grund gibt, aus einem Stein eine Statue zu hauen, genauso wenig gibt es einen, eine Bühne zu betreten – außer für die wenigen, die damit ihr Geld verdienen können, aber wie viele sind das schon. Wenn es also eigentlich keinen Sinn dafür gibt – und wahrlich, man wird oft genug darauf hingewiesen, dass es keinen Sinn dafür gibt, zumindest in den Augen derer, die die Vernunft gepachtet haben und fragen, ob man denn nicht lieber was machen will, was ein bisschen sicherer ist … Danke, nein! – wenn es nun also keinen Sinn dafür gibt, dann muss man mal ein bisschen bohren, warum macht man das denn?
Man macht Kunst, weil es da eine Art Magie gibt – ja, ich weiß, wie esoterisch das klingt -, eine Verbindung zwischen Künstler und dem Empfänger dieser Kunst, die eine man in der Wirtschaft eine Win-Win-Situation nennt. Der Künstler gibt seine Energie, seine Phantasie, und durchaus auch sein Handwerk und seine harte Arbeit in die Kunst, und bekommt die süße Belohnung Applaus – und oft noch süßere Sachen, Tränen zum Beispiel, wenn er sie anrührt, echtes lautes Lachen ist auch toll, wenn man merkt, wie sehr die Zuschauer (ja, ich gehe jetzt natürlich vom Theater aus) am Geschehen auf der Bühne teilnehmen, wenn man sie wirklich erreicht, ist das besser als jeder, manchmal auch höfliche Applaus -, der Zuschauer, -hörer, der Leser oder Betrachter bekommt ebenfalls etwas, nämlich jede Menge Anregungen, Gefühle, Gedanken – „wer sich Carmen angeschaut hat, geht als Torrero aus der Oper!“ (keine Sorge, gilt nur für Männer) – ja, ganz besondere Stimmungen, die eben kaum anders als in der Kunst zu erreichen sind. Dafür bezahlt man üblicherweise auch gern seinen Eintritt, seine Tonträger oder gar das Bild, das man erwirbt – oder sollte man vielleicht sagen „bezahlte“, da hier das Internet in eine andere Richtung verweist? Wer weiß, wie lange es noch finanzierbar ist, Kunst zu machen, aber das ist ein anderes Thema.
Also sollte jeder, der gefühlsmäßig zu erreichen ist, verstanden haben, dass es genügend Gründe gibt, Kunst zu machen und das bisschen Magie zu erreichen, das wir in unserer Welt noch haben. Sind wir d’accor? (ich habe keine Ahnung, was der französische Ausdruck heißt und ob er richtig geschrieben ist, aber Insider werden jetzt hoffentlich ein bisschen lachen – dafür macht man das halt …)
Jetzt ist es ja so, dass ich diese Kunst, die man Schauspielen nennt, unterrichte – und man sagt mir nach, dass ich das zumeist auch mit rudimentärem Erfolg mache. Und dazu habe ich natürlich auch eine Einstellung – jaha, ich hab das Thema nicht vergessen, ich komme ihm auch immer näher. Ich möchte etwas erreichen mit meinem Unterricht – und eben nicht nur, dass ich mein Benzin bezahlen kann, auch wenn das ein netter Nebeneffekt ist (an dem Tag, an dem das nicht mehr Nebeneffekt ist, hör ich auf!) – ich möchte, dass meine Schüler ihr Handwerk erlernen, logisch, ich möchte, dass sie selbstbewusster werden, dass sie ein Gespür fürs Auftreten, für Sprache, fürs Publikum entwickeln, ja, ich bin vermessen genug, ich möchte, dass meine Schüler die Faszination, Kunst zu machen, verstehen und selbst fasziniert werden. Deswegen bin ich der festen Überzeugung, dass ebendiese Schüler auch dann auf die Bühne gehören, wenn mir gerade nichts einzufallen mag, dass ich mich durch sehr frustrierende Momente durcharbeiten muss – zum Beispiel durch den Moment, in dem sie das, was sie machen sollen, gerade total doof finden – „hey, wir sind die Typen mit der Torte im Gesicht“, heißt es so schön in „Fame“, das trifft auf mich immer zweimal zu, denn mein erstes Publikum sind meine Schüler, das zweite das Publikum – keine Ahnung wem es zu verdanken ist, dass irgendwann eigentlich immer der Punkt kommt, an dem sie das dann doch wieder gut finden, irgendwie weiß ich es dann meistens ja doch irgendwie besser: Lehrerkrankheit.
Und es ist meine feste Überzeugung, dass ich sogar schon mit meinen Grundschülern einen künstlerischen Ansatz verfolge, kein Niedlichkeitsfanal, wie es so überaus üblich ist, kein Märchenkitsch – bei mir spielen Kinder Kinder, keine Fabelwesen, keine Tiere, einfach Kinder, die etwas erleben. Und dabei dürfen die Gefühle auch schon mal schwierig sein, nicht alle sind immer gut, schon lange nicht im Theater – und wie sollen aus Kindern und Jugendlichen denn begeisterte Theatergänger werden, wenn sie in simplen Kitsch gedrängt werden, wenn sie selbst auf der Bühne stehen?
So ist es fast logisch, welche Einstellung ich meinen Schülern mitgeben will, damit die auf der Bühne das beste hinbekommen: Man muss das eigene Ego schön zurück nehmen, mit allen anderen gut zusammen arbeiten, sich selbst nicht wichtig, die Kunst selbst aber umso wichtiger nehmen.
Ich hab keine wichtige Rolle bei einem Stück?
Egal, Hauptsache ich habe eine, und dann werde ich versuchen in dieser Rolle alles zu bringen, was ich kann, werde versuchen, etwas besonderes aus dieser Rolle zu machen, ohne andere an die Wand zu spielen. Nebenrollen, oder in der Übersetzung der Oscar-Kategorie, unterstützende Rollen sind absolut wichtig für jedes Stück – das kann sich so steigern, dass es manchmal ein einziger Satz Text ist, für den Schauspieler einen Sonderapplaus bekommen – dann haben sie was richtig gemacht.
Ich fühle mich übergangen?
Hm, blödes Gefühl, und der Tipp jetzt mal bei sich selbst zu schauen, warum das wohl so gekommen ist, ist immer schwer durchzuführen – aber so ist das nun mal in der Schauspielerei, gerade Schauspieler brauchen so viel Selbstbewusstsein im Wortsinne, sie müssen sich über ihre eigenen Stärken und Schwächen bewusst sein – und Rollenverteilung hängt oft an Typen, an Äußerlichkeiten – und manchmal glaubt so ein Regisseur einfach, er wüsste es besser, weil das nun mal sein Job ist und weil er die Verantwortung übernimmt, weil er etwas sieht, was man als Schauspieler noch nicht gesehen hat.
Ich langweile mich und ich find das blöd, was ich da machen muss!
Ja, Schauspielerei ist wie Krankenhaus, man wartet lange und es tut weh – nicht von mir, trotzdem richtig. Ich kenn solche Proben, man fährt – ist mir exakt so passiert, lockere fünfzig Kilometer, um zumindest eine zeitlang bei einem Probenworkshop dabei sein zu können, kommt quasi pünktlich zum Mittagessen, macht noch eine halbe Stunde Pause mit, probt dann den Teil der eigenen Rolle, den man schon kann und fährt dann wieder fünfzig Kilometer zurück im Wissen, dass dieses Benzin nicht nötig gewesen wäre – aber durchaus auch mit dem Gefühl, mehr vom Stück gesehen zu haben, sich besser auszukennen – nur die eigenen Sachen, ach ja, das darf man nicht so ernst nehmen, niemand kann nach der Anwesenheit von Amateurschauspielern planen, die sind eh nicht da, wenn man sie braucht. Da braucht man ein dickes Fell, auf beiden Seiten. Ach ja, ich find das auch manchmal blöd, was ich machen muss, in fact, ich muss mir manchmal sogar anhören, dass meine Schauspieler alles doof finden, was sie machen sollen, gehört leider auch zu meinem Job, boah find ich das doof – das Leben ist doch auch echt doof, oder?
Aber ich bin doch wichtig … oder?
Ja, bist du, wirklich, jeder Schauspieler ist sauwichtig, egal, ob er dreißig Seiten Text speichern muss, oder nen Baum spielt, jeder ist wichtig. Aber nie wichtiger als das Stück, nie wichtiger als das Publikum, denn jeder, der sich das anschauen will, der hat ein Recht darauf, dass du dein Bestes gibst, egal, ob er dein Freund ist, oder ob er sich nicht kennt, jeder hat ein Recht, dass du ihn anrührst, ihn begeisterst, denn das ist dein Job – und ich verspreche dir, machst du deinen Job gut, dann wird dir der Zuschauer alles an Anerkennung und sogar Liebe schenken, was er hat – und mehr kannst du nun mal nicht verlangen!
Nun, was ist denn, wenn meine Schüler das nicht wollen, nicht so viel Energie in die Sache stecken wollen, nicht so viel Engagement, nicht so viel von ihrer eigenen Persönlichkeit? Nun, Reisende, so heißt es, soll man nicht aufhalten, wer eine solche Einstellung nicht zustande bekommt, gehört auf keine Bühne, und auch wenn ich immer bereit bin, die kleinen Faulheiten, die kleinen Bequemlichkeiten zu entschuldigen, es sind ja nur Kinder und Jugendliche, man darf da nicht zu hart sein – ich bin der letzte, der das ist -, so ist es meine Pflicht immer wieder in diese Richtung zu schieben, das Theater muss nun mal wie jede Kunst ernst genommen werden, und wenn man diese Einstellung ablehnt, sich selbst wichtiger nimmt, so muss ich auch offen sagen, dass man noch viele andere Hobbys haben kann, es muss nicht Theater oder Musical sein – allerdings werden diese Leute wahrscheinlich auch beim Handball oder Aquarellkurs unangenehm auffallen, beim Erlernen eines Instrumentes sowieso, und eigentlich immer und überall.

Idee – Wellenwreiter
Oktober 15, 2009Nachdem ich mir gestern die sehr lange Präsentation von Google Wave angeschaut habe und zwischendurch wirklich erstaunt war, wirklich fasziniert – denn hier gibt es erstaunliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit -, kam mir gleich eine Idee, wie man das neue Werkzeug, wenn man es denn hat, nutzen kann:
Ich jetzt so persönlich schreibe hier und da Theaterstücke und wenn es mich überkommt auch mal andere Sachen – letztere eher nicht so häufig. Ich meine auch, einigermaßen kreativ mit Sprache umgehen zu können, manchmal ganz humorig zu sein, wenn ich auch weiß, dass es zum Schriftsteller nie so richtig reichen wird.
Mit Google Wave wird man auf eine Weise zusammenarbeiten können, die es bisher noch nicht gibt – man schreibt gemeinsam in einem Dokument, kommentiert hier, zeigt den anderen mal eben ein Youtube-Video da – so meine ich das, können wir eine ähnliche Stimmung erreichen? – und es entsteht ein gemeinsames Produkt, dass, wenn alle, die da zusammen arbeiten, schön aufeinander eingegroovt sind, besser wird, als alles, was man allein hätte schaffen können. Man schreibt quasi, wie man auf einer Bühne zusammen improvisiert, man macht sprachliche Jamsessions – für mich klingt das ziemlich spannend.
Die leicht seltsame Überschrift könnte da für eine Marke stehen – Die Wellenwreiter – ein Verbund von Autoren und Hobby-Autoren, die gerne gemeinsam arbeiten wollen – man könnte da eine Datenbank aufmachen, jeder schreibt möglichst selbstbewusst und selbstkritisch rein, was er besonders gut kann oder wo seine Schwächen liegen, und dann fängt man zu einer festgelegten Zeit an, damit man eine gemeinsame Basis hat, und dann arbeiten alle an dem Projekt weiter – dabei kann ja ruhig jemand die Federführung übernehmen, damit die Sprache am Ende wie aus einem Guss ist, eine künstlerische Leitung ist sicherlich nicht von Nachteil. Ich glaub, besonders im Bereich von Drehbüchern und anderer dramatischer Schreibkunst wäre das Prinzip sehr vielversprechend, aber auch in anderen Bereichen, die Kreativität wird hier sicherlich nicht viele Grenzen finden.
Damit alle noch mal schauen können, verlinke ich auch noch mal das Video: