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Archive for the category “Gesellschaft”

Der dritte und der vierte Akt – Diablo III

Ja, inzwischen bin ich durch, ja, ich hab mir Zeit gelassen, nein, ich habe mich nicht bemüht, wirklich gut zu spielen. Im dritten Akt hatte ich auch Probleme, kam um die eine oder andere Ecke und war sofort tot. Kleiner Tipp für Neu-Mönche: Nur auf Schaden gehen ist blöd, man sollte auch ein bisschen Vitalität sockeln.

Also von vorn. Die dämonischen Heerscharen sind los, ausgebrochen aus dem Krater des Arreat und die Bastion, der letzte strategische Punkt, den die Menschen halten, ist unter starkem Beschuss. Hier müssen wir uns als wahrer Held erweisen. Die belagerte Mauer schützen, eine Bresche in der Mauer schließen, Katapulte des Gegners plätten. Der dritte Akt ist kriegerisch hoch fünf, und er ist insgesamt der aufwendigste. Was hier abgeht, ist schwer zu beschreiben.

Ein Beispiel: Während man auf der Mauer dafür sorgt, dass die Dämonen zurückgedrängt und die eigenen Katapulte in Betrieb genommen werden, brechen nicht nur hier und da Stücke aus der Mauer, sitzen nicht nur plötzlich hausgroße Dämonen auf der Mauer und spucken ihre kleineren Kollegen dem Helden vor die Füße, nein, man kann auch immer wieder einen Blick aufs Schlachtfeld werfen, Dämonensoldaten in Massen und riesige Ungetüme einzeln heranwanken sehen. Das Gefühl, dass hier ein großer fantastischer Krieg geführt wird, ist greifbar.

Später, wenn man den Krater ein bisschen erforscht, kommt man in Teile der Hölle, und auch dort sind einige wirklich erstaunliche Bilder zu sehen. Es ist, wie so oft. Nein, die Grafik dieses Blizzard-Spiels ist nicht atemberaubend neuartig, eher ein Stück weit altmodisch – wer sich erinnern mag, der Vorgänger hatte schon dasselbe Problem, die Auflösung war unter aller Sau – und dennoch wurde er bis letzten Dienstag gespielt. Was Blizzard grafisch unglaublich gut hinbekommt, ist der Detailreichtum, die Stimmung, die Fantasie – auch wenn die in dem Fall Diablo düster ausgefällt. Vielleicht nicht ganz düster genug übrigens. Das hätte durchaus noch ein bis drei Spuren böser sein können.

Im vierten Akt, kam dann zugegeben die erste Enttäuschung. Zwar sind die Einspielfilmchen toll gelungen, der Himmel als Spielort ein netter Ausgleich – aber sorry, der vierte Akt ist definitiv zu kurz, nicht mal halb so lang wie die Akte zuvor und dazu auch noch nicht mal sehr abwechslungsreich. Tja, und dann ist man auf Stufe etwas über dreißig, weiß, dass die Höchststufe bei 60 liegt und fragt sich, ob die Langzeitmotivation ausreichend sein wird.

Ja, die Geschichte ist gut, ja, sie wird überragend gut und clever erzählt, und ja, alle paar Stufen spielt man aufgrund neuer Fertigkeiten und Runen ein fast ganz anderes Spiel, und dennoch, reicht das? Reicht das Erfolgssystem – das übrigens nicht so komfortabel zu erreichen ist, wie man das von WoW oder SCII gewohnt ist – dazu aus, dass man alle Klassen bis 60 bringen will? Oder könnte Diablo III ein Strohfeuer sein, dass in zwei bis drei Monaten niemand mehr spielt? Man bedenke, es gibt im Moment noch gar kein PvP – das soll nachgereicht werden -, es gibt keine Funmaps, keinen Mehrwert. Wie lange wird man spielen? Bis man alle drei Schwierigkeitsgrade durch hat? Bis man die Ultrarüstung hat, die Waffe, die unglaubliche DPS verteilt? Wenn ja, wofür?

Noch spiele ich, ich werde weiter berichten …

Piratige Außenwirkung – Müssen wir uns professionalisieren?

Liest man in der Presse, schaut man Fernsehen, dann ist der zweithäufigste Vorwurf, neben  – ich kann diesen Schwachsinn nicht mehr hören! – unserer Programmlosigkeit, die Art wie wir auftreten. Es gibt zwar durchaus ein paar Lieblinge der Medien bei uns, aber es gibt auch einige, die schon mal mit nicht so cleveren Auftritten aufgefallen sind, es gibt viele, die sich offenbar vor Kameras eher unwohl fühlen.

Jetzt versteh ich von Berufs wegen ein bisschen was vom Auftreten und überlege mir, wie man diese Situation verbessern kann, speziell, weil es ja immer mehr werden, die ihre Nase in die eine oder andere Kamera halten,  eine Entwicklung, die prinzipiell zu begrüßen ist. Jetzt ist kaum jemand ein rhetorisches Wunderkind, und trotzdem müssen Reden gehalten werden, auch ist nicht jeder total schlagfertig und souverän und kann sich problemlos der Jauchs und Lanz‘ dieser Welt erwehren.

Die etablierten Parteien begegnen solchen Aufgaben mit Schulungen, da wird in eine brave Kluft gesteckt, und das nicht nur in Sachen Kleidung. Hört man fünf jungen Politikern der Unionsparteien zu, so wird man sich bald kaum noch daran erinnern können, wer wer war und wer was gesagt hat, so einförmig ist das – und bei den anderen Parteien sieht es nicht viel anders aus. Außer vielleicht bei den Linken, da sieht man keine jungen Politiker.

Sollte man auch Piraten schulen? Viele werden jetzt sagen: Nein, lass mal, wir sind einfach wir selbst und die anderen müssen damit klar kommen. Das hat auch viel Gutes für sich, ich sehe allerdings einen großen Nachteil. Wir brauchen viel Personal, das in die Parlamente geht, wir brauchen auch in Zukunft Vorstände und Amtsträger, und ja, wir brauchen auch eine Außendarstellung, und viele werden sich das gar nicht trauen. Und ganz ehrlich, ich möchte nicht nur die Leute, die sich einfach so trauen, ich möchte nicht nur die Leute, die es eh gewohnt sind, vor vielen Leuten zu reden, ich möchte auch die Leute in Ämtern sehen, die viel Qualität mitbringen, sich aber nicht ständig in die erste Reihe stellen. Ich möchte auch gerne gute Leute überreden, sich mit in die erste Reihe zu stellen – es gibt mir eigentlich immer zu viele, die es sich zutrauen, denen es aber sonst keiner zutraut. Zu viele Selbstdarsteller – auch wenn ich diesen Begriff eigentlich nicht gerne so negativ konnotiert haben möchte.

Ich schau mir mal ein paar Beispiele von Piraten in den Medien an.  Aus Lokalpatriotismus fange ich mit Joachim Paul an, der kurz nach seiner Aufstellung zum Spitzenkandidaten der NRW-Liste noch nichts von dieser Rolle wissen wollte. Und dann war er im ganzen Wahlkampf der nicht nur führende Kopf, sondern auch der Sympathieträger, der viel für uns getan hat.

Joachim Paul ist sehr gerne als untypischer Vertreter unserer Partei bezeichnet worden – was ich irgendwie nicht so nachvollziehen konnte und kann, einen typischen Vertreter der Partei findet man nur selten, und fast nie in der ersten Reihe – also wenn ich jetzt an die vielbeschworenen Nerds denke. Typisch für uns sind unsere Werte, aber ein spezielles Auftreten?

Zurück zum Thema: Joachim ist im Fernsehen genauso, wie auf dem Parteitag oder der Sitzung vom Arbeitskreis Bildung. Mit sonorer Stimme und klaren Worten, man merkt ihm große Lebenserfahrung an, und eine Souveränität die offenbar aus Kompetenz erwächst. Kein Wunder, dass er in der Spitzenkandidatenrunde viele sehr gute Noten bekam. Was mir auffällt: Seine Souveränität und Autorität kommt nicht mit der Alphamännchenattitüde daher, die man zum Beispiel bei Siegmar Gabriel studieren kann.  Joachim hat das nicht nötig, der kann poltern, aber dann, wenn er von irgendwas tief bewegt ist, nicht aus Arroganz heraus.

Schauen wir mal weiter, zum Beispiel bei Johannes Ponader, unserem neuen politischen Geschäftsführer im Bund. Den habe ich nun zweimal im Fernsehen erlebt, und auch der ist souverän, wirkt fast buddhistisch ausgeglichen. Bei seinem fast schon legendären Auftritt bei Jauch wirkte er erst mal ähnlich wie andere Piraten als zu defensiv. Erinnert man sich an andere Auftritte in Talkshows zurück, hatte man oft das Gefühl, dass die Piraten gar nicht zu Wort kommen – Talkshow ist Stehgreiftheater und Hühnerhof in einem, es geht darum, wer das große Wort führen darf, man plustert sich auf, hackt die Hierarchie aus, und dabei haben Piraten schon mehrfach nicht gut ausgesehen. Johannes ließ es dabei aber nicht bewenden. Er beantwortete nicht nur Fragen, er mischte sich auch ein, und das im Gegensatz zu den anderen Politikern in der Runde eigentlich kaum polemisch und mit enorm viel Inhalt.

Viel ist über seine Kleidung geschrieben und gesprochen worden, er ist auch angegriffen worden, weil er ALG II bezieht. Beides finde ich zum Kotzen. Was man wo trägt, ist meines Wissens nach Privatsache. Und Johannes wirkte absolut authentisch, man hatte das Gefühl, dass er sich in seinen Klamotten wohl fühlte, und er wirkte einfach nicht so dämlich uniformiert, wie die Anzugträger um ihn herum. Die Sache mit den Sozialleistungen, meine Fresse, soll jeder froh sein, der solche nie in Anspruch nehmen musste. Wenn du dich in der Kunst nicht verbiegen willst, kann das passieren – viele auch durchaus nicht unbekannte Schauspieler sind schon auf dem Arbeitsamt gesehen worden, und für Regisseure und Theaterpädagogen gilt durchaus Ähnliches. Aber Künstlerbashing ist ja nichts Neues – auch in der Piratenpartei übrigens, in mancher Urheberrechtsdebatte wird auf Künstler eingeprügelt wie nichts Gutes. Egal, ich bin froh, dass Johannes im Moment sechzig Stunden die Woche für die Demokratie arbeitet.

Kommen wir zu den ersten Medienstars unserer Partei. Zum Beispiel Christopher Lauer: Dessen Reden im Berliner Abgeordnetenhaus sind vielfach unterhaltsamer als das Wochenprogramm von RTL, auch in Talkshows macht er eine oft rechtgute Figur – allerdings auf andere Art, als die beiden Erstgenannten. Souveränität und Ruhe ist sein Ding nicht. Er ist hibbelig und laut, wirft mit Ironie um sich – er ist schon ein wenig der Klassenclown der Piratenpartei. Aber das auf durch und durch positive Art. Er spielt mit den Klischees, er spielt mit dem politischen Gegner – Kurt Beck wird ihn auf jeden Fall nicht vergessen – und er ist einfach unglaublich schnell. Er irritiert auch, die Lauerfaces sind ja auf ihre Art auch schon legendär. Er grimassiert, egal, ob er gerade im Bild ist, oder nicht, man sieht, was in ihm rumort. Das würde man einem Kollegen der FDP aber schnell aberziehen. Aber auch hier kommt wieder ein Wort ins Hinterköpfchen, das auch bei den anderen beiden durchaus zu passen schien: Er ist er selbst, er ist natürlich.

Zum Schluss Marina Weisband, die Vorgängerin von Johannes Ponader, und über Monate das Gesicht der Partei. Bei Marina hat man oft das Gefühl gehabt, dass sie gerade lernt, ein neues Spiel zu spielen. Sie hat hier und da das Risiko in Kauf genommen, auch mal zu verlieren und hat dabei die Regeln des Talkshow-Geschäftes schnell gelernt, ohne dass man das Gefühl gehabt hätte, sie hätte sich sehr verbogen. Marina ist eine Vordenkerin der Piraten, speziell was die neue piratige Art, Politik zu machen, angeht. Diese Eigenschaft macht sie Schlagfertig und führte dazu, dass sie überall, wo es um das Update ging, das wir dem System angedeihen lassen wollen, sehr weise Worte gesagt hat. Bei konkreten Inhalten war sie oft nicht ganz so stark, aber sie musste von Null auf Tausend, das wird auch nicht so einfach sein.

Da haben wir nun vier Beispiele von Piraten, die sich offenbar gut geschlagen haben, ja, den Zuschauern der Talkshows und Politsendungen teilweise sogar richtig was Neues vorgesetzt haben.

Es gab auch andere Beispiele, das prominenteste wäre Sebastian Nerz, der immer blass blieb, und oft ziemlich stereotyp antwortete – vor allem, weil er ständig dieses Schild vor sich her trug: „Wir haben dazu noch keine Meinung!“ Dieses Schild ist ein fundamentaler Fehler, wir haben zu manchen Themen eher noch viel zu viele Meinungen, die Sachen sind nicht ausdiskutiert.  Insgesamt habe ich bei Sebastian immer das Gefühl, dass er zu sehr wie ein richtiger Politiker sein will, irgendwie in seiner CDU-Vergangenheit gefangen ist, kein piratiges Selbstbild entwickelt hat.

So, was schließen wir denn jetzt daraus? Der positive Aspekt ist doch eigentlich durchgängig, dass Piraten in den Medien so schön normal sind. Einfache Menschen, die einen guten Job machen wollen, eine größere Ehrlichkeit in die Politik bringen. Wie kann man denn Menschen dabei helfen, ehrlich zu sein? Sollten wir Piraten uns schulen, werden wir doch auch mehr Show machen, oder? Und mehr Show heißt doch, weniger Ehrlichkeit, oder?

Fragen über Fragen, aber ja, Show gehört durchaus auch zur Politik dazu. Es gibt keine Politik ohne Medien, man muss, das, was man zu sagen hat – und davon haben wir eine Menge – auch ans Wahlvolk bringen. Das muss aber nicht heißen, weniger Ehrlichkeit. Es wäre geradezu tragisch, wenn das passieren würde. Aber es ist klar, nicht jeder, der gute Sachen denkt und politisch ein wichtiger Mitstreiter sein kann, ist auch Medienprofi und weiß, wie man Reden hält. Aber da kann man schon ansetzen. Denn mit Sprache umzugehen, das kann man lernen, mit Lampenfieber auch, und dann gibt es noch etwas sehr wichtiges: Schauspieler lernen, sich verschiedene Sachen bewusst zu machen, die wissen, was ihre Hände gerade tun, und wie es wirkt, wenn sie den Kopf gerade jetzt heben – Politiker sollten keine Schauspieler sein, einstudierte Gesten sind furchtbar, aber wenn man über seine Wirkung Bescheid weiß, wenn man auch die Körpersprache der anderen zu lesen weiß, dann kann man auch viel einfacher zu dem finden, was jeder in den Medien braucht, ein Selbstbild, eine Persönlichkeit, so ehrlich, wie möglich – aber nicht schutzlos.

Der erste Akt – Diablo III

Es ist schwierig, sich loszureißen, aber ich habe es geschafft. Es sollte zumindest für einen Minireview des ersten Aktes reichen.
Seit gestern ist Diablo III draußen, vielleicht gibt es schon ein paar Leute, die durch sind mit dem normalen Schwierigkeitsgrad, aber ich habe gerade ungefähr bei der Hälfte des zweiten Aktes ausgeloggt, damit ich mal was anderes mache, zum Beispiel über D3 bloggen. Als erstes muss ich meckern. Ich, der ich ja in dem einen oder anderen Forum schon als Blizzard-Fanboy demaskiert wurde, bin in einer Hinsicht gar nicht zufrieden. Es gibt Downtimes, es gibt Zeiten, in denen man sich vor lauter Mitspielern nicht einloggen kann. Das macht mich bei einem Spiel, dass ich im ersten Durchlauf nur allein spiele, um die Story voll mitzubekommen, relativ sauer.
Ich kaufe kein Spiel, um es am Tag des Erscheinens nicht spielen zu können. Und sorry, Blizzard, aber wenn ihr eines der erfolgreichsten Spiele der Computergeschichte nach ZWÖLF Jahren fortsetzt, dann müsst ihr einen solchen Ansturm doch vorherwissen. Dieses Spiel wird seit mehr Jahren heiß erwartet, als viele heutige Gamer überhaupt einen PC besitzen. Es wäre kein Problem gewesen, diesem Spiel auch einen Offline-Modus zu geben, solche Spielzeiteinbußen an den ersten Tagen sind echt nervig. (Ja, ich weiß, wir haben noch Jahre, um dieses Spiel zu spielen, aber „Erscheinungstag“, HALLO?)
So, genug gemeckert. Ich bin dann mal in Tristram. Also eigentlich Neu-Tristram, und ein fallender Stern hat dafür gesorgt, dass bei jeder Menge Untoten das „Un“ wieder zu streichen ist. Und das löse ich mit dem Recht der Faust, mein erster Charakter ist ein Mönch, und der ist eine gute Wahl – immerhin ist er erst zweimal gestorben, und beide Male war es eher der Müdigkeit geschuldet, als der Schwierigkeit. Ein bisschen muss man schon in Frage stellen, ob es Wiedererkennungswert haben soll, dass man wie in D2 erst mal Deckard Cain retten muss – dieses Mal allerdings nicht in Alt-Tristram, sondern gleich in den Katakomben der Kathedrale, die man vor etwa 15 RL-Jahren schon mal von einem gewissen Herrn Diablo befreit hat. In Sanktuario-Jahren ist das noch ein paar Jahre länger her.
Für Spieler, die schon Diablo gespielt haben, also den ersten Teil, ist dieser erste Akt des dritten Teils von Nostalgie geprägt. Nicht nur in der Tristram-Musik, die natürlich den ersten Akt durchzieht, nicht nur mit dem Charakter Deckard Cain, den wir vom ersten Tag der Spielreihe an kennen, sondern vor allem, weil der erste Akt die gesamte Geschichte des ersten Teils nicht nur andeutet, sondern gleich mal in Tagebucheinträgen aller möglichen Figuren erzählt, ja, Leoric und andere selbst zu Wort kommen lässt.
Für Neu-Diableristi wird das sicherlich auch ganz nett sein, für Fans der Serie, für Spieler des ersten Teils, ist das großartig. Ach, überhaupt die Geschichte, die Art der Geschichtserzählung, das ist ein Riesenunterschied zu den ersten Teilen. Ja, es gab auch in den ersten beiden Teilen so was wie eine Geschichte, klar, aber im Vergleich war das fast nichts. Der zweite Teil hatte 24 Questen, und die waren auch nicht mit besonders viel Geschichte ausgestattet. Das ist jetzt völlig anders. Jede Quest, so einfach sie auch sein mögen, hat Geschichte, die sie erzählt, sogar die meisten Nebenquests. Jede bringt ein bisschen mehr Stimmung, ein bisschen mehr Tiefe – etwas, was für Diablo bisher nie so richtig wichtig war, aber keinesfalls stört. Besonders clever: man kann sich entscheiden, ob man die Erzählungen hören will, wenn man das macht, spielt man einfach weiter, während einer Stimme lauscht. Also keine Unterbrechung im Spielfluss, die Geschichte gibt es als Hörbuch mit.
Daneben gibt es immer mal wieder auch Filmchen, die auf die Charakterklasse angepasst sind – viele Dialoge übrigens auch, also zumindest mit den Begleitern. Wenn man dem Mönch eine Weile zuhört, könnte man fast selbst fromm und asketisch werden. Was ein bisschen fehlte, war ein richtiger Gegner im Hauptkampf des ersten Aktes, denn der Schlachter ist halt irgendein sehr großer Dämon, aber niemand, der schon länger unsere Feindschaft erregt hat – andererseits ist er halt auch eine wunderbare Reminiszenz an den Butcher aus dem ersten Teil, und vor dem hatten wir damals sehr viel Respekt.
Der Schwierigkeitsgrad ist – ja, muss man sagen – eher lasch. So richtig spannend wird das sicherlich erst, wenn man auf einem höheren Schwierigkeitsgrad unterwegs ist – aber Geschichte erleben hat bei mir erst mal Vorrang. Die werde ich auch im nächsten Beitrag weiter kommentieren, wenn es dann um den zweiten Akt geht, der wie bei D2 auch, in der Wüste spielt, obwohl ich Lut Gholein immerhin noch nicht gesehen habe. Kommt danach der Dschungel? Ich weiß es nicht, werde es aber herausfinden, das ist mal sicher.

Quick – So viel Unsinn in einem Artikel

Der Herr Hefty von der FAZ hat versucht, die Piraten in einer Kontinuität neuer Parteien zu erklären, hier hat er das gemacht: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-piraten-eine-partei-wie-die-anderen-auch-11738945.html
Und leider hat er kräftig daneben getippt: 1. Er versucht die Piraten auf das Internet zu reduzieren – Unsinn: Der Unterschied sind nicht die Fragen von “Gewaltspielen” und Vorratsdatenspeicherung, der Unterschied ist die Sozialisierung und unsere Überzeugung, dass die demokratische und gleiche Kultur des Netzes auch der Gesamtgesellschaft weiterhelfen würde. Wir nutzen unseren Erkenntnisgewinn, der offenbar von den Etablierten und von Herrn Hefti nicht nachvollzogen werden kann, um damit neue Ideen und Antworten für möglichst viele Fragen zu finden, nicht nur für Internetthemen.
2. Hefti schiebt uns in eine Ecke, in die wir nun wirklich nicht gehören. Unser Name steht dafür, dass wir Schwierigkeiten mit dem Rechtsstaat haben? Ich finde Meinungsfreiheit extrem wichtig, aber das ist eine Beleidigung, ich weiß gar nicht, ob das so von der Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt ist. Jetzt mal im Ernst, wenn es eine Partei in Deutschland gibt, die das Grundgesetz ernst nimmt, dann sind wir das. Man braucht nur schauen, wie viele Parteien noch ihren Abgeordneten eine eigene Meinung zubilligen und Fraktionszwang, wie es im Grundgesetz steht, ausschließen.
Und die Sache mit der Umverteilung ist mal so richtig albern. Ja, es muss umverteilt werden, weil die Politik der letzten Jahrzehnte schon so sehr umverteilt hat, dass es schmerzt – und immer von unten nach oben. Inzwischen sind sich fast alle Parteien – ich nehme die FDP mal aus, aber die bemüht sich ja auch, sich selbst aus dem Parteiensystem auszunehmen – einig, dass es wieder in die andere Richtung gehen muss – zumindest auf dem Papier. In Wirklichkeit denkt die CDU da natürlich nicht dran, und auch der SPD kann man das kaum glauben. Von daher, ja, vielleicht wollen wir auch umverteilen – aber die meisten Piraten sind eher Habende, wir sind keine Partei von “Sozialschwachen” – was für ein Unwort. Wir sehen aber, weil wir die Vernunft anwenden, dass es keinen Sinn macht, weiter in die Richtung zu verteilen, in die es im Moment verteilt wird. Vernunft ist ja auch gar keine so dumme Sache in der Politik.

Brauchen wir eine Meinung? Was könnte piratige Außenpolitik sein?

Wir haben ja einen neuen Vorsitzenden, den Bernd Schlömer, und der hat, so titelte Spiegel Online ganz forsch, gesagt, dass wir Piraten keine Meinung zu Israel haben brauchen. Einerseits erscheint das opportun – gerade an Israel verbrennt man sich ja ständig die Finger, und wenn ich in letzter Zeit die teilweise durch Antisemitismus geprägten Meinungen zu Israel einzelner Piraten auf den Mailinglisten gelesen habe, da erscheint es mir auch äußerst gefährlich, sich gerade damit beschäftigen zu wollen.

Mit Israel und Grass hatte ich mich übrigens hier schon auseinandergesetzt: http://hollarius.wordpress.com/2012/04/10/quick-da-wird-kein-grass-druber-wachsen/ … Heute geht es mir nicht um Israel speziell, sondern um die ganz grobe Ausrichtung unserer Außenpolitik, der Frage, ob die Bundeswehr in Kriege ziehen soll, die Frage, wie gehen wir eigentlich miteinander um?

Mir ist durchaus bewusst, dass es Piraten gibt, die sich schon sehr viel intensiver mit Außenpolitik beschäftigt haben, als ich, aber ich geh mal “unbelastet“ von tieferer Kenntnis an die Grundlagen:

In mancher Hinsicht könnte man bei uns daran erinnert werden, wie in früherer Zeit Menschen die Internationale sangen und von einer friedlichen Welt unter dem Sozialismus träumten – nicht weil wir Piraten Sozialisten wären, sondern weil wir ähnlich international denken. Schaut man bei uns auf den Mumbleserver, dann sieht man neben den Räumen der Bundespiraten und der Landesverbände auch die Räume der niederländischen, österreichischen und tunesischen Piraten – und der Piraten einiger anderer Länder mehr.  Das liegt einerseits daran, dass der Server der NRW-Piraten gerne Gastgeber der Welt ist, es liegt aber vor allem daran, dass unsere Ideen und Ziele nicht regional oder national sind, die piratige Idee mit Vernunft und Transparenz an das Thema Politik heranzugehen, mag für die Etablierten verdammt ungewohnt sein, für uns ist sie aber normal, und was hat das dann bitte mit irgendwelchen Grenzen zu tun? Die piratige Idee, das sei hier festgehalten, ist universal.

Wenn ich jetzt aber davon ausgehe, dass es in allen Ländern vernünftige und aufgeklärte Menschen gibt, die dementsprechend auch Piraten sind oder sein könnten, dann kommt mir schon die Idee, dass es sinnvolle Kriege geben kann, vollkommen bescheuert vor.  Ja, ich weiß, jetzt kommt gleich wieder die Hitlerkeule. Ja, es war sinnvoll, die Nazis in den Müll der Geschichte zu entsorgen, ja, es war sinnvoll die KZs zu befreien – was übrigens ruhig mehr Priorität hätte haben können, wenn mich mein Geschichtsgedächtnis nicht täuscht. Aber mal ehrlich, es ist damals von vornherein so viel falsch gemacht worden, und wenn man auf Seiten der Alliierten nicht so lange still gehalten hätte, hätte es vielleicht gar keinen Krieg gebraucht.

Was mir aber viel wichtiger ist: Wir sind heute in einer anderen Zeit. Jetzt mag man ja davon genervt sein, dass wir Piraten alles auf das Internet beziehen, aber mal ganz ehrlich, eine Zeit auch nur annähernd so intensiver und einfacher Kommunikation war noch nie da. Das Internet ist die aufklärerische Kraft, die Kant zu spontanen Orgasmen getrieben hätte. Oder zumindest kann es sie sein.  Das Internet kann die Möglichkeit sein, endlich ethisch aufzurüsten und jeden Militarismus endlich für immer zu den Akten zu legen.

Unsere Außenpolitik sollte es sein, die Aufklärung überall zu fördern und zu fordern. Egal ob Russland, ob Iran, ob Nordkorea oder Israel, überall gibt es Leute wie uns, Menschen, die sich informieren können, und denen wir dabei helfen müssen. Wir müssen allen helfen, die Freiheit nicht missverstehen, weil die eben nicht heißt, dass man die Freiheit hat, andere zu unterdrücken oder zu ermorden. Wir müssen denen helfen, die für wirkliche Freiheit einstehen. Denn Freiheit kann immer nur dann Freiheit sein, wenn sie auch frei von Gewalt, von Krieg ist.

Damit spreche ich mich klar und ausdrücklich für eine pazifistische Außenpolitik aus, und mir ist klar, dass es  da viele geben wird, die diesen Weg nicht mitgehen werden. Aber wir sollten uns darüber klar werden, dass es in unserem Land so viel Unfreiheit und so viel Gefahren für noch mehr Unfreiheit gibt, dass wir alle Kräfte darauf konzentrieren müssen, bei uns die Lage zu verbessern – andere befreien ist vermutlich nur in den allerseltensten Fällen möglich.

Wer jetzt einwenden möchte, dass die Bundeswehr ja so viel Gutes in Afghanistan tut – nein, viel mehr, als an ein paar Symptomen herumdoktern ist nicht drin. Dieses Land braucht Aufklärung, genauso wie jedes Land, dass fest in den Klauen irgendeiner Religion ist – und dabei ist es egal, ob diese Land Iran oder USA heißt. Und wenn Aufklärung funktioniert, dann wird man dort auch nicht mehr denken, dass Mädchen nicht in eine Schule, sondern in eine Burka gehören. Aber das macht man NICHT, in dem man ein Land besetzt, das macht man nicht, in dem man Hochzeiten und Tanklastzüge bombardiert – man hilft einfach keinem Land, in dem man seine Einwohner erschießt – okay, vielleicht könnte man der ganzen Erde wirklich helfen, wenn man die Menschen alle … ach, lassen wir das.

By the way: Zu dieser Außenpolitik muss auch gehören, dass wir uns doch mal einmischen – und zwar in der Frage, welche Sachen man so exportiert. Ich habe ja vor gar nicht langer Zeit erklärt bekommen, dass für unsere Wirtschaft die Exporte gar nicht soo wichtig sind. Dann wäre es doch sicherlich nur ein geringer Verlust, wenn man endlich mit dem Export von Waffen aufhören würde, oder? Ja, Arbeitsplätze sind wichtig, aber gnadenlosen Diktaturen Panzer liefern, kriegerischen Nationen U-Boote, nein, das kann es einfach nicht sein. Wie oben schon erwähnt, ethisch müssen wir aufrüsten, und einfach mal über Arbeitsplätzen stehen, wenn es um unschuldige Menschenleben geht.

Lieber Bernd Schlömer, ja, wir brauchen auch eine Meinung zu Israel, wir brauchen auch eine piratige Außenpolitik, aber ich hoffe einfach mal, dass wir mit unserer Bildungspolitik – die schon mal drei bis acht Patches weiter ist, als jede der etablierten Parteien, zu allgemeiner Aufklärung beitragen können. Und vielleicht kommt dann eine pazifistische und aufklärerische Außenpolitik einfach mit.

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