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Archive for the category “Kultur”

Der WDR kuscht vor den Unaufgeklärten

Same Procedure as last year … Traditionell überträgt der WDR nicht nur den klassischen Büttenwahnsinn, sondern auch die Stunksitzung, Teil der intelligenten Form des Karnevals – sollte es intelligentes Leben im Karneval geben, wovon ich als Einwohner der Karnevalsdiaspora nicht so ganz überzeugt bin. Im letzten Jahr hat der WDR eine Passage aus der Stunksitzung rausgeschnitten, in denen zwei, die sich ganzjährig in alberne Gewänder werfen, Kardinal Meisner und Papst Benedikt XVI., als „frisch vermählte Schwuchteln“ karikiert wurden. Warum? Na, weil sich die Katholiken aufgeregt hatten. Hatten sie sich zu Recht aufgeregt? Nein, da ist ja nichts Schlimmes bei. Da werden zwei ältere Herren, deren sexuelle Ausrichtung nicht bekannt ist, in die Nähe der Homosexualität gerückt – und da an der ja nichts Schlimmes ist, ist da keinerlei Beleidigung bei. Nun gut, es sei denn sie sind homosexuell und möchten mit einem anderen Wort als dem politisch nicht wirklich korrekten „Schwuchtel“ bezeichnet werden. Das würde ich gelten lassen.

Auch in diesem Jahr haben die Stunker eine Szene eingebaut, mit der sie die öffentlichkeitswirksame Schelte der Katholiken und anderer religiöser Verbände routiniert provoziert haben – und wieder ist der WDR brav und zensiert: Dieses Mal gibt es eine Hommage an Monthy Python und ein Jesus-Darsteller fährt fröhlich mit dem Kreuz über der Schulter auf dem Segway über die Bühne.  (Hier der Link zum Bild: http://www.stunksitzung.de/fotos/2012/1/1/segway/b10.jpg)

Sieht hübsch aus, ist in Ordnung, aber es tut mir ja ein bisschen leid, sieht nach einer eher billigen Provokation aus. Das Schöne daran ist, dass die Fundamentalisten auf solche Kleinigkeiten immer reinfallen. Man möchte ja nicht auf die jährliche kostenlose Werbung verzichten.

Was mir aber unglaublich sauer aufstößt, ist weder die Provokation der Stunker – warum auch – noch die vermutlich einkalkulierte Reaktion der Kirchenvertreter und des unaufgeklärten Volkes. Ich krieg meinen klassischen dicken Hals, wenn ich lese, dass der WDR seine Ausstrahlung zensiert. Da könnte ich glatt mal kotzen. Haben die sie noch alle? Sind die noch im Mittelalter? Ich dachte immer, um beim WDR in entscheidender Stellung zu sein, müsste man ein intelligenter aufgeklärter Mensch sein. Da intelligente aufgeklärte Menschen die künstlerische Freiheit höher schätzen müssten, als die Bedenken von Kleingeistern, muss man eindeutig schließen, nein, beim WDR gibt es keine Entscheider, die aufgeklärt und intelligent sind.

Selbst wenn historisch bewiesen wäre, dass es Jesus gegeben hat, selbst wenn er ein toller Hecht war, warum darf er nicht dargestellt werden, wie er fröhlich auf einem Segway durch die Gegend fährt? Die Inszenierung, so viel kann man aus dem Bild herauslesen, markiert das Ganze doch als Klamauk. Historische Figuren anders zu zeichnen, zu überzeichnen, das sind doch ganz normale künstlerische Vorgehensweisen – warum darf man das mit Napoleon und Caesar, aber nicht mit Jesus? Soll das wirklich heißen, dass Jahrhunderte nach der Zeit der Aufklärung, Menschen, die daran glauben, dass Leute mal über Wasser gegangen sind, Stimmen aus Dornbüschen gehört oder von einer sprechenden Schlange mit Äpfeln gefüttert wurden, haben in Deutschland die Meinungshoheit, ja, die Macht, etwas zu zensieren? Ist das euer Ernst, WDR-Entscheider? Oder feiert ihr schon seit Wochen Karneval und die Nummer ist mit Kölsch-Delirium erklärbar?

Idee: Schulkünstler

Ich gehöre zu den Künstlern, die in NRW für „Kultur und Schule“ zugelassen sind, die also in Schuln gehen, und dort ihre Projekte machen. Es gibt einige Kollegen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, es gibt Kollegen, die nicht ganz umsonst sagen, es ist zwar eine nette Sache, aber letztlich sind wir eine preiswerte Möglichkeit, wenigstens ein bisschen Kultur in die Schulen zu bringen, während die wichtigen Unterrichtsfächer Kunst, Musik, Literatur allenfalls rudimentär an den Schulen unterrichtet werden.
Was machen die Menschen, die als solche „Kultur und Schule“-Künstler arbeiten? Sie kreieren Projekte, suchen sich dafür an den Schulen die Gruppen zusammen und machen Kunst, Theater, Musik, Tanz, Literatur – den Sommernachtstraum an einer Berufsschule, Maskenbau und –theater, ein Buch mit Grundschülern selbst schreiben – die Möglichkeiten sind weit, so bunt und manchmal unglaublich, wie die Kultur selbst. Das Beste daran? Selbst die Künstler, die durchaus auch pädagogische Qualifikation mitbringen, sind gehalten,  als Künstler in die Schulen zu gehen, mit den Schülern so umzugehen, wie man das als Künstler so macht, man ist gehalten, echt zu sein. Man hat keine Noten, die einen bei der Arbeit stören, man hat keine langwierigen Ziele zu verfolgen, man macht Kunst.
Ich zum Beispiel mache Theater. Meine Grundschüler sehen im Moment dabei zu, wie ein Stück entsteht, improvisieren, damit ich Material habe, proben die ersten Szenen, die ich ihnen auf den Kopf geschrieben habe, und werden im Juni ein paar Aufführungen vor ihren Klassenkameraden und dem Rest der Schule, aber auch vor Eltern und der Öffentlichkeit spielen. Sie werden dabei auch noch ein bisschen mit Goethe konfrontiert, weil mein Stück den Zauberlehrling als Basis nimmt, aber das ist mir gar nicht mal so wichtig – vermutlich sah es im Antrag allerdings richtig gut aus.
Mit meinen Gymnasiasten mache ich Workshoparbeit, jede Probe dauert fünf Stunden, viele Samstage gehen ihnen dafür drauf. Und die Jugendlichen spielen Jugendliche vor siebzig Jahren, Edelweißpiraten, Mitglieder der Weißen Rose, halt jugendlichen Widerstand im Dritten Reich. Auch das sah im Antrag toll aus, ich fahr mit den jungen Herrschaften auch bald nach Köln, um zumindest in Bezug auf die Edelweißpiraten mal ein bisschen die Originalschauplätze zu sehen. Das klingt total pädagogisch, ist aber gar nicht so gemeint. Ich will ein Stück auf die Bühne bringen,  ich will Publikum anrühren, ihnen die Geschichten von jungen Menschen nahebringen, die zu den wenigen gehörten, die klar dachten, und die dafür zu einem gar nicht so geringen Teil mit dem Leben bezahlt haben.
Ja, klar, dabei lernen meine Schüler auch eine Menge über die Naziherrschaft, über deren verqueres Denken, und das man gefälligst was gegen solche Form der Menschenverachtung tun muss,  sich gegen jede Form der gedanklichen Unfreiheit wehren muss. Aber mir geht es um das Publikum, die Schauspieler kriegen das doch eh mit.
Und sie lernen eine Menge mehr. Einerseits ist jedes solche Projekt auch ein bisschen Praktikum, und das nicht nur weil man ganz praktisch an der Kunst arbeitet. Den meisten Künstlern geht die Idee ab, dass man sich in allem an den schwächsten orientieren muss. Dass man Kinder vor sich selbst schützen muss. Wir fordern, wir nehmen die Kinder so, wie sie sind, erwarten keine Wunder, aber wir bringen sie an Grenzen – denn Kunst muss immer auch eine Grenzerfahrung sein. Theater im speziellen heißt immer Teamwork, für einander einstehen, zusammen siegen, zusammen untergehen. Und Theater heißt Applaus, und Applaus heißt Selbstvertrauen. Theaterkinder sind stärker, sind selbstbewusst in der wörtlichen Bedeutung, sich selbst bewusst.
So, das reicht an Eigenlob. Natürlich haben andere Künste ähnliche individuelle Qualitäten, die sie fördern, und wer sich selbst ein wenig als Künstler gefühlt hat, wird anders durch die Welt gehen, reicher und stärker, und deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir da eine verdammt wichtige Arbeit machen. Und das gilt für alle Künste, wenn es manchmal so klingt, als ob ich nur das Theater loben wollte – nun ja, es ist mein Leben, ich kann nicht anders. (übrigens originär als Musiktheater, und ich könnte noch lange Absätze darüber schreiben, wie wichtig die Musik für Kinder und Jugendliche ist…)
Ich glaube, ein Projekt wie „Kultur und Schule“ ist ein guter Anfang, und man sollte den Ansatz ernsthaft weiterverfolgen. Warum nicht Künstler an Schulen anstellen, wohlgemerkt nicht als Kunst- oder Musiklehrer oder ähnliches, es geht ja um Kunst und nicht um Noten. Wenn man jeder Schule pro zwei Zügen eine halbe Stelle schaffen könnte, in der Künstler angestellt sind, ein kleines Budget für Material haben und sich darum kümmern, dass es Projekte gibt, in die man als Schüler problemlos kommen kann, dann wäre für Bildung an unseren Schulen eine Menge getan.
Um das noch ein bisschen weiter auszuführen. Sinnvoll wäre es, wenn man die Künstler auch unter den einzelnen Schulen ein bisschen austauscht, und lokal darauf achtet, dass verschiedene Kunstgattungen unterwegs sind. Vielleicht, aber da bin ich mir gar nicht sicher, wäre es sogar noch sinnvoll, nur halbe Stellen zu vergeben – damit die Künstler auch noch Zeit haben, ganz andere Sachen zu machen, die nichts mit Schulen, Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Solche Möglichkeiten sind für Künstler oft spannender, als eine feste, sichere Stelle. Abgesehen davon ist bei jedem festangestellten Künstler die Gefahr zu groß, dass er einrostet.
Lasst uns den Schulen Künstler geben, sie brauchen sie!

Warum ich Theater mache …

Durch die Mitgliedschaft bei den Piraten ist in meinem Blog ein bisschen zu kurz gekommen, was in meinem Leben noch ein bisschen wichtiger ist. Mein Leben, das Theater. (Und ich spreche hier absichtlich nicht von Beruf, ja, das Theater ist auch mein Beruf, aber auch viel mehr.)

Langsam bin ich alt genug für eine Midlifecrisis, ich sollte mir also langsam mal überlegen, warum ich das alles mache, und mich fragen, ob ich schon mal die Krise ausrufen soll. Ich mein, es gehört doch irgendwie dazu, wenn man auf die VIERZIG zugeht – nur noch drei Jahre … *schluck*

Als ich vor ein paar Jahren damit angefangen habe, mit Jugendlichen Theater zu machen, da war das neben dem Journalismus, da habe ich recht viel Nachhilfe gegeben, heute lebe ich fast vollständig davon, dass ich inszeniere, schreibe und Schauspielerei lehre. Ich habe das nie gelernt, also nie offiziell. Und wenn man mich heute nach meinem Beruf fragt, dann sage ich gern Theatermacher, und wenn es offiziell sein muss, dann Theaterpädagoge, weil es am Nächsten dran an dem, was ich mache, ist. Die Frage, ob man davon leben kann, beantworte ich mit einem wissenden Lächeln – nein, so richtig kann man das kaum.

Aber so richtig Theaterpädagoge bin ich nicht. Also so richtig Pädagoge. Natürlich habe ich ein bisschen was mitbekommen, als ich auf Lehramt studiert habe – das meiste allerdings nicht in Vorlesungen und Seminaren, sondern in den Praktika. Die theoretischen Erziehungswissenschaften waren mir immer ein bisschen suspekt. Neben Deutsch und Philosophie habe ich auch Mathematik studiert. Deren Klarheit war für mich immer der Inbegriff von Wissenschaft. Liest man erziehungswissenschaftliche Texte, dann ist es mit jeglicher Klarheit vorbei. Die Wissenschaft, die sich darum kümmern will, wie man anderen etwas beibringt, verbirgt sich ständig hinter pseudowissenschaftlichem Wortgeklingel. Das hat mir das Vorurteil eingepflanzt, dass Pädagogik keine Wissenschaft ist, sondern nur eine sein will – die Inhalte, die man hinter dem Wortgeklingel findet, sind nämlich allzu oft in sich recht einleuchtende Dinge, die man aber viel einfacher formulieren könnte.

Ich habe meine eigenen Gedanken zu vielen pädagogischen Themen, und die haben meistens damit zu tun, dass ich meine Schüler ernst nehmen will, egal ob sie fünf sind oder zwanzig. Dass es manchmal mit den Fünfjährigen einfacher ist als … ein guter Freund hat mir geraten, an dieser Stelle nicht weiterzuschreiben. Es ist so einfach, über Kinder und Jugendliche hinwegzugehen, ihre Anliegen zu relativieren, ihre Gefühle als Flausen zu bezeichnen – man ist ja als Erwachsener so viel reifer, hat alles schon gesehen, und natürlich weiß man, was für die jüngeren Menschen richtig ist: Alles Unsinn! Einen Scheiß weiß ich. Ich muss Kindern und Jugendlichen genauso zuhören, wie ich Freunden zuhöre, die mir ihre Probleme erzählen. Und ihre Probleme mögen für mich unerheblich klingen, sie sind aber deren Probleme, real und sauwichtig. Wer wäre ich, dass ich meine Probleme für wichtiger halten würde.

Viel zu viele „Pädagogen“ wollen Kindern und Jugendlichen das Leben einfacher machen. Das kann ich nicht, das will ich auch nicht. Fast im Gegenteil. Meine Stücke kommen seltenst mit so viel Niedlichkeit daher, dass man allein deswegen klatschen würde. Ich mach auch mit Grundschülern richtiges Theater – Komödien vielleicht, aber mit Hintersinn, mit allen Tricks, denen man sich auf der Bühne bedienen kann – ich brauche keine Ausstattung, keine Kostüme, mir reicht Fantasie. Und das ist schwerer zu spielen, als die Märchenstücke und kitschigen Klassiker, die man allzu oft im Kinder- und Jugendtheater sieht. Ich sehe auch die jüngsten Schauspieler als genau solche: als Schauspieler, nicht als Kinder, nicht als Jugendliche, nicht als Wesen, die ich vor dem Leben behüten muss – ich werfe sie rein! Ich lasse ihnen die Angst vor der Bühne, den Respekt vor dem Versprecher – und damit gebe ich ihnen die Freude beim Applaus, die einfach grenzenlos sein darf. Und was ich immer wieder sage:

„Leute, Applaus bekommt ihr auf alle Fälle. Niemand, der im Publikum sitzt, ist gegen euch. Alle werden höflich ihre Händchen zusammenpappen – aber das reicht nicht. Wenn alle es nur schön und nett finden, dann habt ihr noch nichts geschafft, dass sagen sie nämlich immer! Ich will nicht, dass sie ein bisschen klatschen, sie sollen sich die Hände wund klatschen, sie sollen überrascht sein, was ihr schafft, sie sollen berührt sein!“

Das ist das Wichtigste, Menschen berühren. Ich mag Tränen beim Publikum, ich mag sie vor Rührung und Trauer, aber auch vor Lachen. Ich bemühe mich gerne um beides. Die Voraussetzungen sind gegeben. Das Theater ist das Medium, in dem es so einfach ist, wie sonst kaum irgendwo. Nirgends ist man so nah bei der Kunst, nirgends ist sie so lebendig, so immer wieder neu. Mit meiner Kunst kann ich Menschen berühren, und nicht nur die im Publikum. Natürlich auch ganz besonders die, die auf der Bühne stehen.

Ich bin kein gläubiger Mensch, aber ein paar Sachen glaube ich doch. Zum Beispiel, dass die Welt eine bessere wäre, wenn alle Kinder mindestens einmal im Leben auf der Bühne gestanden hätten und stehen würden. Und dabei ist erst mal egal, ob mit dem Instrument, ob singend, ob spielend, ob tanzend. Sie dürfen auch gerne ihre Werke ausstellen oder vorlesen – Kunst ist ein Grundbedürfnis der Menschen, Applaus mach stark, Applaus macht groß. Was wäre denn so schlimm daran, wenn wir alle ein bisschen größer wären?

Alles gute Gründe, die Arbeit zu machen, die ich mache. Gute Gründe dafür, auf Urlaube zu verzichten, auf das gute Gehalt und die sichere Zukunft. Ich mach Theater, weil ich damit glücklich bin, weil die Momente da sind, in denen Menschen mir sagen, wie sehr das Theater sie geprägt hat, mir einfach „Danke“ sagen. Ich mach Theater, weil ich nirgends mehr zu lachen habe, weil ich nirgends auf spannendere Menschen treffe. Ich mach Theater, weil es etwas Besonderes ist, ein magischer Ort. Ich mach Theater, weil da immer Vollmond ist … was für eine Nacht!

Quick – Zwei Premieren an einem Tag

Double feature – was ich mir damit angetan habe, hatte ich schon fast vermutet. ich bin leer, aber davor:
Die Kindheit des Dr. Mabuse
Mein Kinderstück war sowohl in Sachen Publikumsandrang, wie auch Publikumsbegeisterung ein echter Erfolg. Dass der junge Hauptdarsteller richtiggehend gefeiert wurde, hatte er sich verdient. Viele Gags sind ziemlich gut gekommen, es passte annähernd alles, ein paar Kleinigkeiten können noch verbessert werden, aber die Darsteller sind zwischen 9 und 13 Jahren alt, das ist sehr angenehm, denen würde auch verziehen, wenn es mal eine halbe Minute hakt.
Den Erfolg, den ich wollte, habe ich wohl erreicht. Die Eltern und Freunde, die natürlich den Hauptteil des Publikums stellten, waren mehrfach überrascht, applaudierten nicht aus Freundschaft.
Nichtschwimmerseite
Keine Ahnung, ob das sein musste. Ein Stück über Suizid einer Jugendlichen, ein Jugenddrama. Ich, wir meinen, es war nötig. Und die Stille, die wir zeitweise hatten, war tief und berührt. Wenn Zuschauer einen hinterher loben, ist okay, man freut sich, und man merkt, wenn es nicht nur höflich ist. Heute kam unter anderem ein “Danke für das Stück”. Das ist etwas mehr … wir haben Menschen berührt, wir sind ihnen nah gekommen. Mission accomplished.
Die andere Seite ist die Leere, die jetzt in mir ist, die Anspannung hinterläßt eine Lücke, ich sitze vor dem PC, einschlafen ist die nächsten Stunden nicht und dabei bin ich so müde wie die Welt.

Was ist denn nun Kultur? – Nachklapp

Kleiner Nachtrag für meinen letzten Artikel, es gibt da einerseits diese blöde Teekesselchen Sache, ich meine nicht die Kultur als unsere Kultur gegen andere Kulturen, nicht die Festschreibung von Formen, von Denkweisen, die man auch Kultur nennen kann. Mir geht es um Kultur als künstlerische Betätigung im weitesten Sinn, um “art” – das Problem im Deutschen ist es, dass “Kunst” eher nur im Bezug auf bildende Kunst genutzt wird, während die performativen Künste zum Beispiel irgendwo unter Kultur verortet wird. Man darf gerne überall da, wo ich Kultur sage, Kunst einsetzen, wenn man es nicht ausschließend versteht.. Ich versuche mich auch an einer Definietion:
Kultur im engeren Sinne ist eine künstlerisch motivierte Hervorbringung die für eine rezipierende Öffentlichkeit geschaffen werden,
Es braucht also zweierlei, einerseits den oder die Künstler, die einzeln oder gemeinsam etwas erzeugen, das keinen nderen Sinn hat, als für Rezipienten erfahrbar zu sein. Hat es nebenbei auch einen anderen Sinn, dann kommen wir sofort in eine Grauzone, zum Beispiel bei Design und Architektur, bei Gebrauchsmusik und Werbesprüchen. Im engeren Sinne zähle ich das hier nicht zur Kultur. Es ist eher kulturähnlich.
Wann fängt also Kultur, Kunst an? Machen wir ein Beispiel, das für viele in der Piratenpartei einfach zu verstehen sein wird ;) :
Jemand hat eine tolle Idee, verschwindet für ein paar Wochen an seinen PC und baut in Minecraft eine faszinierende Mischung aus Burg, Raumschiff und Pueblo. Das Ding ist nicht nur riesig , sondern auch noch mit vielen Details und Anspielungen auf Filme, Bücher und bekannte Gemälde ausgestattet, der Baumeister ist euphorisiert, hatte eine Menge Spaß und damit ist es gut – bis hierhin ist noch keine Kunst passiert, sofern der Erbauer nie vor hatte, das virtuelle Gebäude jemandem vorzuführen, oder nur dem Lebenspartner und vielleicht noch zwei Freunden, die schon mal mit auf dem Server herumbasteln.
Jetzt wird aus dem Baumeister aber ganz schnell ein Künstler: Er hat das Gefühl, dass muss man mehr Leuten zugänglich machen. Er nutzt ein Mod, mit dem sein Werk unzerstörbar wird, weil er nicht möchte, dass andere etwas verändern, und lässt umsonst oder gegen Spenden Leute auf seinen Server, die dann durch das faszinierende Ding hindurchlaufen. Oder er möchte, dass es sich weiterentwickelt, und lässt andere weiterbauen, weiterentwickeln – wichtig ist nur, er macht es öffentlich. Er verbreitet die Adresse zu seinem Server, läd Rezipienten ein. Oder er filmt alles und stellt den Film auf Youtube, er macht auf jeden Fall sein Werk öffentlich zugänglich (was nicht heißt, dass er das umsonst machen muss, wenn er vernünftig ist, will er für seine künstlerische Arbeit auch Geld haben) – und dann ist es Kunst.
Oder, etwas anders, jemand schriebt ein Rollenspielabenteuer für seine Gruppe, arbeitet die Sachen schick aus, zeichnet ein paar neue Monster und natürlich den hübschen Widersacher, und spielt das Abenteuer mit seiner Gruppe. Bei aller Arbeit, hier geht es noch um den Gebrauch, es gibt zwar Rezipienten, aber keine Öffentlichkeit. Erst, wenn er die Unterlagen veröffentlicht, wird daraus Kunst und Kultur.
Kultur und Kunst sind weit gestreut, sind nicht so einfach zu fassen, aber wenn man auf der einen Seite davon spricht, dass es keinen eindeutigen Nutzen gibt – außer so unklaren Begriffen wie Genuss, Unterhaltung oder ähnlichem, es also kein weiteres Interesse gibt – und einer Adressierung an die Öffentlichkeit, dann sollte man zumindest einigermaßen einen Begriff entwickeln können.

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