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Archive for the tag “Computerspiele”

SCII / Heart of the Swarm / Multiplayer / Blizzcon

Jaha, die Blizzcon läuft, und wahre Gamer sind natürlich live dabei, wenn auch nur im Livestream. Für alle, die sich nicht auskennen und immer noch lesen: Die Blizzcon ist die alljährliche Hausmesse des Spieleentwicklers Blizzard, der Schmiede, in der die wegweisenden Produkte aus den Universen Starcraft, Warcraft und Sanctuario (Diablo) zusammengehämmert werden. Und traditionell hebt man sich bei Blizzard alle wirklich wichtigen Neuerungen zur Blizzcon auf, um die Geeks dann gleich in der Eröffnungszeremonie total umzuhauen.

So auch in diesem Jahr. Neben der lang erwarteten endgültigen Preisgabe der neuen WoW-Erweiterung, war mit am heißesten erwartet, wie es denn in der Starcraft II-Erweiterung „Heart oft he Swarm“ (HotS) mit dem Multiplayer aussieht. Immerhin ist Starcraft II DAS E-Sports-Spiel, der Titel, der Menschen auf der ganzen Welt erfreut und für E-Sports begeistert – es ist sehr zuschauerfreundlich, sehr gut ausbalanciert und gebiert auch nach nun schon einiger Zeit des Spiels quasi wöchentlich neue Taktiken.

Im Vorfeld hatte man von Blizzardseite die Änderungen an den Einheiten zu HotS ziemlich heruntergespielt. Bei Terra würde sich nichts verändern, die anderen sollten je eine neue Einheit bekommen, so geisterte es durch das Netz. Das war gelogen. Es gibt im Moment einen ganzen Berg von Neuerungen, von denen auch noch nicht alle genau erläutert worden. Pro Rasse gibt es aber drei neue oder runderneuerte Einheiten – die dann mit der momentanen Einheit nicht mehr viel zu tun haben.

Bei Terra werden die Mechs neu aufgestellt, nur der Tank behält seine bisherigen Mechaniken, der Rest ist anders oder neu. Das Hellion, der nervige Flitzer, der so gerne Sammler grillt, bekommt eine zweite, neue Verwendbarkeit. Waren Hellions bisher fast eine reine Nerveinheit, bekommen sie nun eine Tranfsormer-Fähigkeit, mit der sie sich Mech-mäßig auf die Hinterbeine stellen, ihre Kotflügel als wuchtige Schilde nutzen und plötzlich viel mehr aushalten. Damit werden sie zu einer harten Einheit für Zerglinge und Berserker – gegen letztere ist diese Neuerung in erster Linie gedacht.

Die Warhounds werden die nächste Mechstufe. Deutlich kleiner, preiswerter und beweglicher als der Thor sind sie die neue Anti-Air auf Mech-Basis – Terra-Spieler werden sich jetzt wahrscheinlich denken: “Wozu? Ich hab doch Marines?“ Aber Blizzard nimmt den Thor fast aus dem Spiel und gibt seine Fähigkeit, mit Mutalisken und anderem Fluggetier fertig zu werden, den Warhounds. Außerdem werden die Mechs auch die einzige Einheit die besonders stark gegen andere mechanische Einheiten sind, also eine starke Waffe gegen Panzer, Hetzer und Unsterbliche.

Der Thor wird nicht vollständig abgeschafft, aber er wird eine mauerbrechende Supereinheit, die wie bisher das Mutterschiff der Protoss nur einmal gebaut werden kann. In die Luft kann der dann nicht mehr schießen, aber auf dem Boden wird er vermutlich eine halbe Armee ersetzen.

Der Shredder ist die größte Neuerung für die Terraner, weil hier ein völlig neues Spielprinzip eingeführt wird. Shredder sind erst mal wehrlose Mecheinheiten, die sich eingraben müssen, um Schaden zu machen, dann machen sie aber einen kreisförmigen AoE, der an mache Flächenschadentürme aus diversen Towerdefenses erinnert. Im Video brachten zwei oder drei Shredder einen ganzen Haufen Zerglinge problemlos um, die nur durchrennen wollten. Der kleine Nachteil: Sie schalten sich ab, wenn befreundete Einheiten in ihren Bereich kommen. Shredder helfen also gar nichts, wenn man mit seiner eigenen Armee in deren Gebiet kämpft. Heftige Änderung, und vielleicht eine etwas überpowerte Angelegenheit, denn mit diesen Dingern kann man seinen Gegner vermutlich sehr effektiv davon abhalten, Expansionen zu nehmen. Aber das kommt ja auch drauf an, wann Shredder ins Spiel kommen und wie teuer sie sind. Im Prinzip bekommt da Terra eine Möglichkeit, die Karte zu ändern, weil Wege für die Gegner völlig versperrt sind.

Wichtigste zusätzliche Änderung ist vermutlich, dass für die fast ungespielten Battlecruiser ein Upgrade erforschbar wird, mit dem sie kurzzeitig quasi sprinten können. So beschleunigt, könnten sie eine Alternative im Endspiel werden.

Bei Protoss fallen erst mal Einheiten weg. Es gibt keine Trägerschiffe mehr, auch das Mutterschiff, die wenig geliebte Protoss-Pizza wird eingemottet. Beides Einheiten, die eh schon kaum gespielt wurden. Und die wichtigsten Fähigkeiten werden anderweitig verteilt. Eine Fähigkeit des Mutterschiffes, der Rückruf, kann in Zukunft mit Nexusenergie vollzogen werden – und es gibt noch eine weitere Verwendungsenergie, die sehr speziell scheint: Man kann allen möglichen Gebäuden kurzzeitig die Fähigkeit von Photonenkanonen geben, es schießen also auf einmal  Pylonen und Robos.

Aber zu den neuen Einheiten. Es gibt einen Ersatz für die Träger: Der Tempest. Ein Riesenflieger, der einen bösen AoE-Schaden gegen Luft macht, und damit ganze Wolken von Mutalisken in einen Blutregen verwandeln kann. Daneben gibt er noch einen kräftigen Laserstrahl auf den Boden ab, womit er auf einen ähnlichen Schadensoutput kommen sollte, wie bisher Träger.

Der Tempest ist im Prinzip eine ganz normale Einheit, ab jetzt wird es unkonventionell: Der Replicant (aus der Robo)  kopiert gegnerische Einheiten. Kommt er nah genug an Gegner ran, so übernimmt er einfach deren Aussehen und Fähigkeiten. Man kann damit sogar gegnerische Arbeiter übernehmen und eigene Zerg- oder Terragebäude erschaffen. Aber auch sonst ist das ja nicht unspannend. Der Gegner kommt mit Ghosts und Panzern? Hab ich jetzt auch!

Nicht ganz so verrückt, aber eventuell extrem nervig könnte das Oracle werden. Ein kleiner fliegender Caster, der gar nicht Schaden anrichtet, oder besser gesagt, der nur indirekt Schaden anrichtet. Ähnlich wie bisher Overseer der Zerg, kann er Gebäude ausschalten – dazu gehören in diesem Fall aber auch Kanonen. Und dann blockiert er einfach einen großen Teil von Mineralfeldern. Die sind abgeschirmt und können nicht mehr abgebaut werden, bis die Fähigkeit ausläuft. Die erste Nerveinheit, die keine Arbeiter zerstört, sondern behindert. Ziemlich human, diese Protoss.

Für die Zerg ist die wichtigste Nachricht sicher, dass es neben dem Verseucher einen zweiten Caster geben wird. Die Viper ist ein Flieger, der zwei sehr interessante Zauberfähigkeiten hat:  Erstens können sie einen Nebel machen, der die Angriffsreichweite der Gegner auf Eins reduziert. Will man einen Ball als Zerg angreifen, verliert man momentan die halbe Armee, während man anstürmt, da wird die Viper helfen. Zweitens kann die Viper einzelne Einheiten an sich heranziehen – ein Schelm, wer an den Geißelstrang eines Todesritters denkt. Es sieht sehr eindrucksvoll aus, wenn zum Beispiel ein Collossus einfach aus seinem Einheitenball herausgezogen wird – wenn man jetzt noch überlegt, dass man dahinter ja durchaus Verseucher stehen haben kann, die die herausgezogene Einheit dann einfach übernehmen, scheinen da sehr schöne Taktiken mit spielbar. Die Viper ersetzt quasi auch den Overseer. Zwar ist er kein Detektor, aber er kann jede Einheit zu einem Detektor machen.

Bei Blizzard hat man sich überlegt, wie man eine Art Zerg-Artillerie bauen könnte, die zum Schwarm passt. Der Swarm Host ist da die Antwort. Ähnlich wie die früheren Lurker gräbt sich auch der Host ein. Der schießt aber nicht irgendwie unterirdisch, sondern er lässt alle paar Sekunden einen Schwarm kleiner Kerlchen los, die die Gegner überrennen. Quasi ein eingegrabener Broodlord. Sieht auch schön eklig nach Pilzwucherung aus -für den Schwarm, sage ich da nur!

Die dritte große Änderung ist eine Fähigkeit des Ultralisken, die neu ist und sehr eindrucksvoll aussieht: Die sonst immer sich gegenseitig blockierenden Dickhäuter – Achtung, die Logik setzt hier ein bisschen aus – macht einen Köpper in die Erde, bewegt sich mit fast Lichtgeschwindigkeit hindurch und taucht unter den Gegnern wieder auf. Rumms! Diese kleine Fähigkeit wird die Ullis so pushen, dass sie viel interessanter werden. Ich warte schon auf die One-Base-Ultra-All-Ins.

Neben diesen Neuerungen gibt es noch ein Geschwindigkeitsupgrade für Hydralisken – na endlich – und einem Endspielupgrade, mit dem sich Berstlinge eingegraben bewegen können – das könnte für ganz schön viel Paranoia sorgen.

Und dann sitzt man so da und lässt sich die Änderungen durch den Kopf gehen … und ist sich plötzlich relativ sicher, dass einige dieser Änderungen noch einkassiert werden, oder zumindest noch mal stark beschnitten, denn gerade bei  den recht fantastischen neuen Protoss-Einheiten sehe ich große Balance-Probleme auf SCII zukommen. Aber keine Frage, Blizzard hat sich wirklich etwas einfallen lassen. Es wird einige Zeit dauern, bis man die neuen Möglichkeiten auch nur halbwegs ins Spiel integriert hat, aber es wird sein Gesicht ändern, und das ist dann nach gut anderthalb Jahren auch langsam mal nötig. Bisher ist SCII noch nicht langweilig geworden, aber Änderungen sind immer kleiner, neue taktische Ideen werden langsam seltener, da sind die Neuerungen doch wirklich ein Geschenk.

Das Phänomen HomerJ 2.0

Vor einigen Monaten schrieb ich hier mal über HomerJ, einen Caster von Starcraft II-Spielen, ich denke, es wird mal Zeit, das nochmal zu tun.

Begriffserklärung: HomerJ ist das Pseudonym von Sebastian Schenck, einem jungen Hamburger, der als Caster, also quasi Kommentator, bei Starcraft II-Spielen zuschaut, und seinen Kommentar abgibt. Jetzt mag es erst mal seltsam klingen, dass Menschen zuschauen, wenn andere Menschen Computerspielen – das liegt aber zum Teil sicherlich am Spiel – Starcraft II ist wie das erste Spiel seines Namens ein RTS – was heißen soll: Real-Time Strategy – also ein Strategiespiel, das in Echtzeit abläuft -, und ebenso wie der erste Titel das bisher erfolgreichste Spiel dieses Genres. Für Unbedarfte: Die Spieler haben eine Grundbasis und Sammler, müssen die erweitern, in dem sie mehr Sammler bauen, mehr Mineralien und Gas einsammeln, und weitere Gebäude bauen, die dann weitere Einheiten ermöglichen. Diese anderen Einheiten haben dann meistens diverse Möglichkeiten, Einheiten des Gegners zu einem frühen Beenden der virtuellen Existenz zu zwingen. Dabei gibt es drei sehr unterschiedlich zu spielende außerirdische Rassen, mit Einheiten, die nach dem Prinzip von Stein-Schere-Papier verschieden anfällig für die gegnerischen Einheiten sind. Das ist genauso anschaulich wie ein Fußballspiel, häufig spannender und laut irgendwem, dessen Namen ich nicht weiß, Schach auf Speed.

Die erste Nation, in der Starcraft im Fernsehen gezeigt wurde, war Südkorea – was dazu führt, dass es dort immer noch die meisten Profis gibt, Menschen, die davon leben, andere Menschen am PC zu besiegen. Durch das deutlich moderner anzuschauende Starcraft II ist der Hype immer mehr auch in Nordamerika und Europa angekommen, im Mittel sind die fernöstlichen Spieler immer noch die besten, von Europäern und Nordamerikanern gar nicht mehr so weit gefolgt.

Vor einem guten Jahr nun hat eben dieser HomerJ aka Sebastian Schenck angefangen, Spiele bekannterer Kombatanten zu kommentieren und bei Youtube hochzuladen. Damals gab es Starcraft II noch gar nicht zu kaufen, es war in einer Betaphase, an der eine Menge Spieler teilnahmen, die schon bei Starcraft oder Warcraft III gewisse Erfolge gefeiert hatten – HomerJ, der selbst ein besserer Spieler des ursprünglichen Starcraft war und zu vielen besseren Spielern guten Kontakt hatte, machte sich schnell einen Namen mit hamburgischer Kodderschnauze und gutem Spielverständnis. Und mit dem Veröffentlichungshype, den es hier gab, wie es nur bei Spielen von Blizzard geben kann – nicht umsonst ist diese Spieleschmiede die erfolgreichste der Welt – wurden auch die Casts von HomerJ immer populärer. Eine Homepage wurde zum Treffpunkt für tausende Spieler und Zuschauer – ja, es gibt eine Menge Menschen, die das Spiel gar nicht aktiv spielen, und trotzdem kein Spiel versäumen – und bei Liveübertragungen sprengte HomerJ mehrfach die Zahl von zehntausend Zuschauern im Stream – ein echtes Internetphänomen.

Als ich zum ersten Mal über das Phänomen HomerJ schrieb, hatte Basti gerade seinen Job gekündigt, um nur noch von seinen Casts leben zu wollen. Ein radikaler Schritt, der sicherlich viel Bewunderung verdient. Die Erfolgsgeschichte ging aber nicht so steil weiter, wie es bis dahin geschehen war. Verschiedene Formate wurden unterschiedlich betrachtet, HomerJ wurde von der Community, die er ja quasi selbst geschaffen hatte, immer kritischer beäugt.

Der erste Vorwurf, der immer wieder geäußert wurde, war, er verstehe das Spiel nicht gut genug, da er nicht selbst spiele.  Sebastian Schenck hatte die Schlagzahl stark erhöht, war jede Woche mehrfach auf Sendung, hatte natürlich noch nicht mal Zeit, selbst zu spielen, und wollte es natürlich auch allen Recht machen – und verausgabte sich so stark, dass er im Januar eine lange Pause machte, mit sich selbst wieder ins Reine kam und danach auch die Qualität seiner Casts wieder deutlich erhöhte. Was ihm vor allem fehlte, war die Souveränität, die vorher seiner Lockerheit entsprang – nun musste Geld verdient werden, da ging die Lockerheit einigermaßen flöten. Bissig wehrte er sich immer wieder gegen die Vorwürfe, was ihn natürlich noch anfälliger machte – zeig den Leuten, dass du dich mit ihren mehr oder weniger qualifizierten Kommentaren beschäftigst, dass sie dich treffen, und sie werden sich geradezu einen Spaß daraus machen, in die Kerbe mit einzuhauen. Dass die Vorwürfe größtenteils Quatsch waren, bewies er eigentlich immer – aber Fehler, die jedem unterlaufen können, und die bei einem mehrstündigem Turniercast fast unausweichlich waren, häuften sich unter dem starken Druck und wurden natürlich umso mehr kommentiert.

Nach einer Denkpause, die er wohl auch nutzte, um private Angelegenheiten zu regeln – das war die offizielle Sprachregelung im Forum – ging er dann wieder auf Sendung, aber erstmal kaum mit SC II-Spielen. Er spielte plötzlich selbst ganz andere Spiele,  und kommentierte die dabei. Diese sogenannten Let’s-Plays, von denen es eine ganze Menge im Netz gibt, brachten ihn dann wieder zurück ins Rennen. Bald gab es auch wieder SC II-Replays auf Youtube und – deutlich seltener, dafür aber oft vom eigenen Team organisiert – Livecasts von Turnieren. Um von Werbung profitieren zu können, wurde eine eigene Videoabteilung auf der Homepage eingerichtet – wofür es einiges an Hardware geben muss – und nebenbei gibt es auch weiterhin Let’s-Plays – oft mit Teamkollege cyrez, der die Casts als Gegenpart belebt, aber auch zu Insidergags einlädt, was für die Zuschauer eher uninteressant sein muss – und zusätzlich einen wöchentlichen Podcast, in dem einige Menschen des Teams diverse Themen relativ unjournalistisch, aber durchaus unterhaltsam durchdiskutieren – der positive Nebeneffekt: der auch über Itunes erhältliche Podcast wurde von der HomerJ-Community gleich mal auf Itunes mit positiven Reaktionen so gepusht, dass er auf Rang eins der Hitparade lag, und damit die Seite weiter bekannt machte.

Momentan sind die „Einschaltquoten“ seiner Casts nicht mehr so hoch, wie sie in den besten Zeiten waren – kein Wunder, das Spiel ist fast ein Jahr alt und viele, die kurzzeitig interessiert waren, schauen wieder andere Sachen oder spielen selbst wieder mehr – kommen aber auf durchaus ansehnliche Zahlen immer über fünftausend Zuschauern, seine normalen Replay-Casts erreichen auf der eigenen Seite Klickzahlen von vier- bis elftausend – ein gesunder Grundstock ist also gelegt. Eigene Büroräume, ein „Studio“ sind in Planung, größere Turniere sind geplant und über einen eigenen Versand werden T-Shirts verkauft, auf denen Sprüche von HomerJ zu Motiven wurden. Sicher muss es in dem schnell wechselnden Metier immer schnelle Reaktionen auf Neuerungen geben, sicherlich kann es immer Momente geben, die für die junge Firma um Sebastian Schenck nicht so einfach sind, aber immer noch darf man durchaus sagen, dieser HomerJ ist ein Phänomen.

Das Phänomen HomerJ

Wie schon geschrieben, ich spiele momentan relativ regelmäßig, manchmal auch zu viel Starcraft II. Und plötzlich spiele ich nicht nur, ich schau auch! Und was schaue ich? HomerJ-Casts! Wer oder was ist HomerJ?

HomerJ, soviel kann man wohl sagen, ist ein Phänomen. Ein junger Hamburger, der schon lange selbst ein bisschen was spielt, und seit der Starcraft II-Beta Casts online stellt. Will heißen, er zeigt uns hübsche Replays von SC-Spielen und kommentiert die. Klingt nicht aufregend? Falsch, kann sogar sehr aufregend sein. Und ungemein unterhaltsam. Basti aka HomerJ – so seine Vorstellung, die schon Kultcharakter bekommen hat – spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, sehr umgangssprachlich, aber selten unter einem gewissen Grundniveau, prägt ganz schnell Begriffe, arbeitet kreativ und humorvoll mit Sprache. Das kombiniert sich mit einer sehr großen Hingabe, mit sehr großer Leidenschaft. Man hat bei HomerJ eigentlich nie das Gefühl, er hätte nicht selbst am meisten Spaß an der Sache – und dabei bleibt er absolut bescheiden, verehrt die richtig guten Spieler, setzt den bekanntesten englischsprachigen Caster, den amerikanischen SC-Profi Day9, problemlos über sich. Das ist echtes Herzblut.

Die weitere Kombination ist die mit dem einfach großartigen Spiel Starcraft II. „Schach in Warpgeschwindigkeit“ ist eines der Zitate über dieses Spiel. Es gibt jede Menge Taktiken, jede Menge Ideen, die in diesem Spiel stecken, aber auch natürlich quasi handwerkliche Fähigkeiten, Instinkte, ein nicht allzu komplexes Wirtschaftssystem – das gibt es einerseits so viel zu lernen, das man lange spielen muss, um gut zu werden, andererseits ist es einfach genug, dass man viele Grundideen auch verstehen kann, wenn man selbst gar nicht spielt – und das ist auch wieder eine Sache, die zum Phänomen HomerJ gehören – es gibt viele Menschen, die schauen HomerJ, obwohl sie selbst gar nicht SCII spielen.

Auf der Homepage von HomerJ gibt es über fünftausend angemeldete User, über zwanzigtausend Youtube-Nutzer haben den guten Mann abonniert – zum Vergleich, der englischsprachige Master Caster Day9 hat etwa dreimal so viel, bei sicherlich deutlich mehr potentiellen Zuschauern. Inzwischen hat HomerJ schon über siebentausend Zuschauer bei Liveübertragungen gehabt – und damit erreicht er etwa so viel Zuschauer, wie sonst Livecasts von den absoluten Großveranstaltungen der E-Sports-Welt. Und folgerichtig geht er sogar den schweren Schritt in die Selbständigkeit, hat seinen sicheren Job gekündigt, das Motorrad verkauft und will davon leben. Das ist riskant, klar, aber auch wirklich richtig – wie heißt es in der „Unendlichen Geschichte“ – also dem Buch, nicht dem Bonbonkitschfilm: Tu, was du willst! – Will heißen, schau in dich, finde heraus, was du wirklich willst, und dann mach das! Finde ich einfach nur richtig, lebe schließlich selbst auch danach.

Und wie wird es weitergehen? Wie weit kann ein Internetphänomen wachsen? Und wann kommt die deutsche Mentalität und redet mal wieder alles kaputt, was erfolgreich ist?

(Ist gerade in Gamerkreisen unglaublich beliebt – speziell wie viele Menschen sich als total missgünstig outen, wenn sie in die Blizzard-Foren schreiben, ist wirklich unglaublich: Sie spielen Blizzard-Games, die durch die Bank in ihren Bereichen die erfolgreichsten sind, meckern aber mindestens dreimal die Woche in irgendwelche Threads rein, wie schlecht alles sei, früher wäre ja eh alles besser gewesen und das sie kein Bock mehr auf Blizzard haben – bleiben aber natürlich beim Spiel und suchen sich nicht einfach mal was anderes) – langer Einschub ist lang. Und das letzte da ist ein typisches Beispiel für die Sprache des HomerJ, die sehr schnell prägt – das nur so nebenbei.

Zurück zum Thema: Wie also sieht die Zukunft aus? Ich glaube, dass HomerJ richtig handelt, denn das Phänomen wird wachsen – vielleicht sind ja auch ein paar Menschen mal clever, zum Beispiel bei sport1, und geben ihm eine kleine Sendung irgendwo im Nachtprogramm – nein, nicht mit : „Ruf mich an!“, sondern mit spannenden SCII-Spielen – und ESports kann genauso zu einem Medienphänomen werden, wie das vor einigen Jahren mit Poker war. HomerJ ist auf jeden Fall ein richtig guter Unterhalter, und Matches in SCII sind fast immer spannender, als in der Fußballbundesliga. Von daher also: Bis nach Tarsonis und noch viel weiter!!


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Starcraft II – eine neue Passion

Ja, irgendwie hat Blizzard es ja wirklich drauf. Egal, was für ein Spiel sie rausbringen, es ist einfach um so viel besser als der Rest. Aber von vorne:

Vor sage und schreibe 12 Jahren erschuf Blizzard den SF-Ableger seines heißgeliebten Warcraft II – ja, genau, Warcraft wie World of Warcraft, es geht da um die gleiche Welt – und nannte ihn wenig einfallsreich Starcraft. Alle Welt liebte auch dieses Spiel und ich zum Beispiel spielte den Einzelspielermodus auch recht lange und ziemlich begeistert, weil es da einfach eine großartige Story gab. Ich hatte auch vorher schon Echtzeitstrategie gespielt, hatte Dune 2 mehrfach durchgespielt, Warcraft II ebenfalls, und liebte das anarchistische „Z“ – und dann war es das für mich auch mit Echtzeitstrategie, Command & Conquer konnte mich nie so richtig begeistern, andere Spiele wurden interessanter.

Seit schon einiger Zeit war bekannt, dass Blizzard nun nachlegt, dass im Sommer Starcraft II (SCII) in die Läden käme, wie gesagt, nach 12 Jahren. Dass ich das Spiel bestellte, war eh klar, viele Stunden einer atmosphärischen Einzelspielerkampagne sind ja bei Blizzard Ehrensache. Was ich nicht wusste – so sehr Gamer bin ich ja doch nicht – war, dass es auf der ganzen Welt und ganz speziell in Korea, einen Sport gibt, der Starcraft heißt – da hatte sich eine E-Sports-Welt entwickelt, die mir völlig unbekannt war, ich konnte mir bis dato nicht unbedingt vorstellen, solch alte Spiele über so lange Zeit zu spielen, nur weil man sie online spielen kann. Ich hatte mir bis dato auch nicht vorstellen können, dass man sich Spiele anderer Spieler im Fernsehen oder auf Youtube anschauen könnte, und dabei sogar Spaß empfinden sollte.

Und dann kam es, wie es kommen musste. Ein Freund meinte, spiel doch mal im Multiplayer! Er zeigte mir auch die ersten Tricks und verwies auf die ersten Caster, die SCII-Spiele kommentieren und bei Youtube hochladen. Nun probierte ich das Spiel im Multiplayer aus, konzentrierte mich auf die Rasse der Protoss – und verlor erst mal gnadenlos. Baureihenfolge? Sammler immer nachproduzieren? Welche Einheiten kontern welche? Ich hatte keine Ahnung. Aber auch im hohen Alter von Mitte dreißig bin ich ja noch lernfähig. Und dann entdeckte ich Basti aka HomerJ für mich – HomerJ ist ein junger Hamburger, der sich überlegt hat, ich caste jetzt mal SCII im großen Stil. Und das macht er mit so schnoddrigem Ton, so verrückten Sprüchen und so viel Leidenschaft, dass man richtig Spaß mit ihm hat. Da werden Pylonen angeknuspert, da kriegt der Ovi aufs Fressbrett und getarnte Banshees sind getarnt! Aus eh schon spannenden Matches werden kleine Feste für die Ohren.

Nebenbei lernt man auch bei HomerJ und seinen Kollegen – ich schau auch schon mal bei den englischsprachigen Day9 und HDStarcraft rein, deren Casts ebenfalls gute Unterhaltung mit Spannung und oftmals lehrreichen Analysen verbinden. Und so werde ich langsam besser, stehe in der Spitzengruppe meiner kleinen Bronzedivision und vielleicht stegie ich sogar irgendwann mal auf. Momentan verhindere ich das aber noch tatkräftig – nicht in dem ich absichtlich verliere, sondern in dem ich auch mal die anderen Rassen spiele, Terra und Zerg – mit denen kenne ich mich nicht aus, lerne sie erst langsam kennen, und verliere etwas häufiger, als ich das vielleicht müsste.

Ich befürchte, mehr über SCII folgt in den nächsten Tagen oder Wochen.


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AION vs. WoW

In der Welt der Online-Rollenspiele gibt es bald einen neuen Wettbewerber: AION – das bringt die Community dieser Spielart doch gleich mal dazu, erbitterte Diskussionen zu starten, ob AION denn nun besser ist als WoW, unglaublich unsinnig die Frage, da man ja noch nicht mal wirklich AION bisher hat spielen können. Aber da ich nun mal die Klappe nicht halten kann, habe ich mich mal in die Diskussion eingemischt:

“Ich weiß nicht, wieso hier eigentlich so verbittert diskutiert wird. ich spiele seit BC WoW, habe DD, Heal und Tank erfolgreich gespielt, und bin auch noch aktiv, wenn auch nicht mehr so heftig, weil der neue Patch gerade ziemlich nervt. Ich habe so ziemlich alle Blizzard-Games vorher gespielt, fühle mich in WoW zu Hause, weil Blizzard dieses Spiel, wie alle zuvor, mit sehr viel Liebe zum Detail ausgestattet hat, viel Humor beweist – der allenfalls manchmal in der deutschen Lokalisation ein bisschen peinlich wird – wer braucht schon Käptn I.GLU?

Nach einer gewissen Spielzeit und drei 80ern wird mir WoW gerade ein bisschen langweilig und manchmal denke ich, ich würde heute gar nicht einloggen, wenn ich nicht noch die Juwe-Daily machen wollte – auf der anderen Seite macht mir eine Sache im Moment immer noch Spaß, ich level ein paar Twinks – und sehe dabei wieder mal, wie cool die Classic-Gebiete gemacht sind, wie gut sie trotz manchmal pixeliger Texturen noch aussehen, und wie gut zum Beispiel die Lernkurve zur Beherrschung der Klassen gemacht ist. Da habe ich noch keine Ahnung, wer da wirklich dran kommen wird – mal schauen.

Weil ich neugierig bin, habe ich auch in andere MMOs reingeschaut, in Runes of Magic für ziemlich genau zehn Minuten, das reichte, in LOTRO und WAR auch mal deutlich länger, aber schon allein, wie die Chars da liefen, hat mich total abgeschreckt, ich fand nicht wirklich etwas Neues – LOTRO war unglaublich behäbig und langweilig, WAR hatte hier und da netten Humor und durchaus nicht uninteressante Charakterklassen – aber es konnte einfach nicht fesseln. Und dann macht man doch WoW an und ist wieder zu Hause und die anderen MMOs können einen eher periphär tangieren.

Viele, mit denen ich früher mal WoW gespielt hab, sind jetzt im AION-Fieber, und die Videos, die ich gesehen habe, sind wirklich schick – aber vor allem sagen viele, dass AION Feeling hat – etwas, wovon LOTRO und WAR nur träumen können. Nun, ich werde reinschauen, am Wochenende vielleicht mal ein bisschen am Rechner eines Freundes ausprobieren, und wahrscheinlich werde ich auch zu denen gehören, die es ausprobieren – nicht, weil ich WoW plötzlich für ein doofes Spiel halte – das ist es nicht, auch wenn die letzte Änderung mit den Marken relativ sinnlos war, zumindest fühlt es sich für mich so an. Ich werde es ausprobieren, weil ich es mit ein paar netten Leuten zusammen spielen kann, mit Leuten, bei denen ich mich darauf freue, ihre Stimmen im TS zu hören – Spaß machen wird das auf jeden Fall, wenn dann das Spiel auch noch seine Erwartungen einlöst – vielleicht bleibt dann der WoW-Acount mal ein bisschen ungenutzt.”

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