Getaggte Beiträge ‘Film’

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Zwischenruf: Alte Männer mit Peitschen

Mai 23, 2008

Was klingt, wie ein ganz schmuddeliges Video, dreht sich natürlich um Indiana Jones, der vierte Teil. Den habe ich nämlich gestern gesehen, also gestern Abend in Köln und auf Englisch - dummer Fehler, mein Englisch ist nur mittelmäßig und wie soll man da all die genuschelten Gags verstehen … dumme Sache, wenn andere MitinsKinoGeher Leute anschleppen, die nur mitkommen wollen, wenn der Film im Originalton gezeigt wird. Ich find es gut, dass bei uns Filme synchronisiert werden! Auf Deutsch kann man sie nämlich besser verstehen. (Übrigens schaue ich mir recht häufig Sachen auf Englisch an, allerdings erst, wenn ich sie auf Deutsch schon kenne.)

Also zum Film: Jepp, Indy-Feeling pur. Der trockene Humor, einige wunderbar unrealistische Szenen, grandiose Verbeugungen vor anderen Filmen des Abenteuer-Genres, abgedrehte optische Gags, nette Ekeleffekte, ein wirklich guter Sidekick zum alten Mann, eine Frau an Indys Seite, die ihm erst kräftig einheizt und sich dann von einem eher dämlichen Spruch zu einem verliebten Teenager wandeln lassen darf. Hach, da gibt es einfach viel zu lachen, man kann sich unterhalten lassen, wie man außer von Stephen Spielberg nur selten von jemandem unterhalten werden kann. Nebenbei spielt Harrison Ford auch wirklich gut, es gibt hübsche Momente, die man so gar nicht erwartet hätte …

Irgendwie machte mich der Film fast sentimental. Ich habe die ersten Teile natürlich nicht im Kino gesehen, so alt bin ich ja nun auch nicht, aber als ich - was eine dieser doofen Geschichten ist, die sich mit den Jahren so ansammeln - bei der Bundeswehr war, hatten wir da einen Flipper, einen Pinball, den man mit einer Pistole startete. Dieser Indiana Jones-Flipper war eine der wenigen kleinen Freuden, die man bei dieser starken Truppe - *kicher* - hatte. Das Ding war damals schon nicht mehr der neueste Schrei, und dieses unselige Geschehen - also meine Anwesenheit bei den Flecktarnäffchen - liegt nunmehr mehr als ein Jahrzehnt zurück. Da ist das erste Anspielen des Indy-Motivs schon irgendwie ein schräger Moment.

Achso, klar, ich muss ins Kino, ganz bald, möglichst noch heute … Indy 4 schauen … auf Deutsch!

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Bilder — — Musik — — Musikbilder

Mai 13, 2008

Die Eindrücke sind recht frisch, obwohl der Film es eigentlich nicht ist. Aufgrund einer leicht provinzielle Wohnlage meinerseits bin ich ja leider nicht in der Lage, mir alle Filme im Kino anzuschauen, die ich gerne sehen würde. Zum Beispiel ist mir „Across the Universe” im Kino durch die Lappen gegangen, weil unser hiesiges Kinochen es nicht auf die Kette bringt, irgendwas zu zeigen, was auch nur drei Zentimeter neben dem Mainstreamgeschmack zu finden ist.

Als Fan von Musicals, als Fan der Beatles konnte dieser Film natürlich nicht ewig vor mir verborgen bleiben. Natürlich habe ich ihn mir gekauft, keine Frage, Doppel-DVD mit vielen Extras, klar. Und nun habe ich nach einer groben ersten Sichtung gleich ein paar Eindrücke, die mein Blögchen schmücken sollen.

Erstens, boah, was haben die Beatles tolle Musik geschrieben, meine Herren, alter Verwalter sagt der Kalle, das ist ja einfach geil … und es wird kein bisschen schlechter dadurch, dass die Sachen alle ganz anders arrangiert werden, nur ganz selten mal nach Beatles klingen. Vielleicht liegt es daran, dass außer Ausnahmekönnern wie Joe Cocker und Bono vor allem Newcomer in diesem Film zu sehen sind. Leute, die so frisch klingen, so echt, so intensiv, dass einem mehr als einmal der eine oder andere kalte Schauer über den Rücken läuft. Dieser Film zelebriert nicht nur die Musik der Beatles, sondern Musik als solche. Aber dabei wird nichts unangenehm verkitscht, es gibt keine schwammige Swingversion von Yesterday, oder so - Yesterday wird übrigens ganz übergangen, eine etwas mutige, aber vermutlich aber auch völlig richtige Entscheidung. Der Song ist so groß, den haben schon so viele gesungen, dass es wirklich schwierig geworden wäre, dazu noch was zu sagen.

Aber mag diese erste Sichtung auch noch so grob gewesen sein - ich gebe zu, nicht immer auf den Fernseher geblickt zu haben, weil ich gleichzeitig auch den Klapprechner an hatte - so muss ich dem Film eine visuelle Größe bescheinigen, der so selten zu sehen ist. Einerseits wird die Beatlesästhetik zitiert, andererseits auch viele Filme der Siebziger, „Hair” natürlich, und andererseits gibt es einige schräge Effekte, einige große Bilder, die man so eigentlich noch nie gesehen hat. Einige Videotricks sieht man sonst wahrscheinlich nur in Videoinstallationen, einige Blicke sind sehr theatral.

Und die Geschichte …. ja, die Geschichte … ach komm, wen interessiert schon die Geschichte? Herz und Kopf sind mit Bildern und Musik so beschäftigt, dass die Geschichte wirklich in den Hintergrund tritt …

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Color-Adel in Flugzeugen

April 13, 2008

Ja, klar, hab mir gestern den roten Baron angeschaut, also im Kino, den neuen deutschen Kinofilm - und ein weiteres Mal muss man deutlich sagen, dass in Deutschland, und in diesem Fall auch in Tschechien, wenn ich das im Abspann richtig mitbekommen habe, richtig guter Film gemacht wird. Tolle Bilder aus dem preußischen Landleben, großartige Luftkämpfe und eine wahre Sinfonie des Mordes, Sinfonie des Schreckens gegen Ende des Films.

Und die Schauspieler sind wirklich beeindruckend. Nicht nur, dass ein Weltstar wie Ralph Fiennes sich ein paar Mal recht schick macht - ist halt schon Charisma pur -, vor allem der Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer dürfte sich mit diesem Film in die erste Liga gespielt haben. Schweighöfer ist Gefühl pur, der spielt sich die Seele aus dem Leib, der ist immer der Mittelpunkt des Films, der ist einfach gut, lebendig, authentisch, sympathisch. Und ein Genuss sind die Nebenfiguren. Das fängt bei Hanno Koffler an, der leider als erster der jungen Piloten ins Gras beißen muss, und hört bei Til Schweiger noch lange nicht auf. Das Schweiger toll als coole Sau ist, das wissen wir alle. Und dann gibt es diesen immer hervorragenden Schauspieler Tino Mewes als Kurt Wolff. Und Schweiger zusammen mit Mewes, das ist ein wunderbares Paar, die immer genau da auf den roten Baron warten, wo sie am lässigsten aussehen - Details, die ich liebe.

Leider ist die weibliche Hauptrolle Lena Headey unglaublich hölzern. Die ganze Liebesgeschichte ist deswegen eher unbrauchbar. Leider ist die aber auch ein Part der Handlung, und da vergibt der Film eine ganze Menge.

Über die historische Richtigkeit des Films sage ich nichts, ich reg mich auch nicht über ein wahrscheinlich geschöntes Bild des Fliegeridols auf, das kann der Spiegel machen. Zum Thema Film trägt aber eine historische Diskussion nur in geringem Maße bei. Natürlich ist „Der rote Baron” ein Märchen, und wer das nicht bemerkt, der hat offenkundig keinen kritischen Blick auf Filme. Da ich aber auch weiß, dass Spiderman nicht wirklich an Spinnenfäden durch die Gegend durch die Gegend schwingt, kann ich auch wissen, dass „Der rote Baron” nicht wirklich historisch objektiv ist.

Der Film ist wirklich mutig. Er verherrlicht vor allem eine dekadente Adelsclique, eine wilde Bande von Himmelsmarodeuren - und dann haut er einem die Grausamkeit des ersten Weltkriegs mit all seiner Abartigkeit um die Ohren, nee, genauer gesagt in die Fresse. Das ist jetzt ja auch nicht so schlecht.

Also nicht aufregen, sondern lieber genießen - es gibt genug zu sehen.

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Wellenbrecher nach vorn

März 23, 2008

Nach dem sehr witzigen und dennoch durchaus gefühlvollen „Keinohrhasen” ist schon wieder ein deutscher Film im Kino zu sehen, den man unbedingt sehen sollte und der jeden Erfolg verdient. Ich spreche - man könnte es am Titel schon bemerkt haben - von „Die Welle”.Die Geschichte sollte prinzipiell ja fast jeder aus der Schule kennen, ein Lehrer macht ein Projekt zum Thema Faschismus - genauer hier „Autokratie” - und aus dem Projekt wird ein Experiment, er gründet mit seinen Schülern eine Bewegung, die sich über den Kurs hinaus ausbreitet und bald die ganze Stadt beeinflusst.

Der Film glänzt mit guten jungen Schauspielern, einem eh glänzenden Jürgen Vogel, und einer Verdichtung der Geschichte, die sich actionreich und spannend erzählt wird, die nicht allzu sehr in den Kitsch abdriftet - ein bisschen muss natürlich sein - und vor allem ein faszinierend gut geschriebenes Ende, dass auch nach dem Lesen des Buches einigermaßen überraschend daher kommt.

Aber jetzt wollte ich eigentlich keine Rezension zum Film schreiben, sondern eigentlich den Trick beschreiben, über den der Film bei mir am stärksten funktioniert hat. Man identifiziert sich ja mit den Figuren des Films, wenn das nicht ginge, wäre der Film ein schlechter. Und interessanterweise sind es die Leute, die der Welle kritisch gegenüber stehen, die irgendwie nicht so richtig sympathisch rüberkommen, die man genauso als Quälgeister empfindet, wie das offenkundig auch die Mitglieder der Welle tun. Man spürt, wie man diese Gemeinschaft irgendwie spannend empfindet, wie man Marco - einer der Hauptfiguren, dessen Freundin im Gegensatz zu ihm die Welle vom dritten Tag an ablehnt - gönnt, dass er mit einem Mädel aus der Welle rummacht, während die Freundin einen auf Sophie Scholl macht und Flugblätter verteilt - die postwendend von den Welle-Mitgliedern wieder eingesammelt werden.

Kurz: Man sympathisiert mit der Welle, und immer wieder spürt man die Gänsehaut, wenn man diese Sympathie registriert. Eigentlich steht ja fest: Ich bin aufgeklärt, mir könnte das nicht passieren, ich bin doch Freidenker, usw. und doch ist da diese Sympathie, und die macht mir Angst, und deswegen konnte mich der Film so gefangen nehmen. Etwas, was viel zu selten passiert. Ich möchte, dass mich mehr Filme atemlos machen.

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Zwischenruf: Anwälte sind schlimme Finger – ja, klar, wissen wir …

März 4, 2008

Ja, hier geht es denn wieder um einen Film, um „Michael Clayton” nämlich. Dieser von George Clooney gespielte skrupellose Ausputzeranwalt bekommt über die Länge eines Films so etwas wie ein Gewissen. Was sagt uns dieser leider nur mäßig spannende Film? Das Anwälte fiese Menschen sind, und nur George Clooney ein Gewissen hat? Dass das Justizsystem der USA eigentlich nicht  funktioniert, aber letztlich von einem braven Mann, der noch mal den dreh bekommt, durchaus gerettet wird? Och Leute, was soll denn das? Erstmal ist das doch eigentlich alles schon bekannt. Meine Güte, in „Erin Brockovich” geht es um das gleiche Thema, ist da aber nicht so verquast, viel unterhaltender und Julia Roberts schmeichelt dem männlichen Auge auch viel mehr, als der Clooney …Interessant ist allerdings die Medienberichterstattung über diesen Film. Da wird von „politisch” gesprochen, von „kritisch” - geht es auch ein bisschen kleiner? Bei uns ist jeder Tatort kritischer, die Lindenstraße politischer.

Das ein solcher Film, der etwas verquast auf Kunst macht, aber einfach nicht seiner eigenen Geschichte dienen kann und letztlich völlig belanglos bleibt, für einen Oscar nominiert wurde, zeigt wieder mal, dass man sich bei der Oscar-Jury gern mal blenden lässt. Tilda Swinton, die den Oscar bekam, zeigt auch wirklich gutes Handwerk, keine Frage, ob sie besser war, als die anderen nominierten, kann ich nicht beurteilen, da ich die anderen Filme nicht gesehen habe. George Clooney zeigt aber nur ein hübsches Gesicht und sehr wenig schauspielerische Qualität, noch etwas, was den Film nicht gerade grandios macht …

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Blutiger Barbier Benjamin Barker

Februar 22, 2008

Hach, ich liebe Alliterationen … aber bevor Sweeney Todd in den Mittelpunkt meiner Gedanken rückt, ein winziger politischer Kommentar und Gruß nach Hessen:

Eine Mehrheit ist eine Mehrheit ist eine Mehrheit.

(… und es wäre ein Genuss, Roland Koch abgewählt zu sehen … wer so sehr Ängste schürt und Menschen diskriminiert, hat in der Politik nichts verloren …)

So, gestern Abend habe ich nun das Kino meines Vertrauens aufgesucht und ein Sondheim-Musical in düsterer Verfilmung genießen können. Tim Burton hat einen für ihn typischen märchenhaft überzeichneten Stil genutzt, um eines der bekannteren Sondheim-Musicals in Film zu gießen. Dass ihm dazu mit Johnny Depp, Helena Bonham Carter und Alan Rickman ein wirklich beneidenswertes Ensemble in die Hände fiel, ist auch nicht unbedingt schlecht für den Film, denn diese Darsteller schaffen ein intensives Zusammenspiel - und können auch noch alle singen. Besonders die oft kraftvolle Baritonstimme Depps lässt den Zuschauer auch noch einige Zeit nach dem Film nicht so richtig los.

Die Bilder sind eh großes Kino, das kennt man bei Burton nicht anders, die Geschichte ist schlicht und der Humor schwärzestens. Und die Musik? Tja, die Musik ist keine Webber-Schmalzstulle und auch kein semiklassisches Gewitter, wie das Boublil/Schönberg auf die geneigten Höreröhrchen loslassen. Sondheim schreibt komplex und oft synkopisch, lässt hier und da auch mal eine Harmonie in eine andere krachen, übersetzt die Gefühle der Rollen in Musik. Das „Pretty Women”-Duett von Richter und Barbier ist Musiktheater vom Allerfeinsten, und die Worte sind ja auch nicht zu verachten, zum Beispiel in der bösen Entdeckung, dass man aus Menschenfleisch gar herrliche Pasteten machen kann, in der es so wunderbare Wortspiele und Reime gibt …

Aber das kostet natürlich Zuschauer. Musical ist ja nicht gerade die populärste Filmgattung, und dann auch noch ein musikalisch so anspruchsvolles Stück wird nicht viel Begeisterung erfahren. Der erfahrene Musikhörer wird die Kraft und Qualität dieses Musicals aber wirklich genießen können.

Viele, die sich sonst nur von Hitparadeneinerlei berieseln lassen, werden wegen Johnny Depp und/oder Tim Burton diesen Film sehen wollen, manche werden die Ohren auf Durchzug schalten und sich einfach nur an Bildern und Humor delektieren, manche mögen etwas entdecken, was sie noch nicht kennen. Das freut mich … wirklich, finde ich richtig gut …