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„Leck mich am Gral!“ oder „Gott segne ihre Muschi!“ – Spamalot

Juli 24, 2009

Warum nur? So will man fragen, warum nur, ist dieses Musical kein Erfolg? Gemeinsam mit einem überschaubar gefüllten Saal hatte ich gestern die Gelegenheit, Monty Python’s Spamalot im heiligen Köln anzuschauen. Und in Sichtweite des Doms geht im Musical Dome so was von die Post ab, dass ich mich zwischendurch kneifen musste – hach, die sind so krank in ihrem Humor, man muss es lieben. Kaum hat der Historiker durchblicken lassen, dass es nun los geht und der Weg nach Britannien offen ist, öffnet sich der Vorhang, und wir sind in Lappland, wo bunt kostümierte Lappen den Plitsch-Platsch-Song singen, Finnland hoch leben lassen, bis endlich der Historiker wieder eingreift und verlauten lässt, dass wirklich England gemeint gewesen sei – woraufhin natürlich alle peinlich berührt die Bühne verlassen, und einem wunderbaren optischen Gag mit ein paar Mönchen selbige überlassen.

An diesem Punkt, keine fünf Minuten waren gespielt, liefen mir schon Tränen das Gesicht runter, Tränen der Verzückung und des Gelächters. Klar, so stark konnte es dann nicht die ganzen drei Stunden, die stark an eine erinnerten, nicht weitergehen, hier und da gibt es ein paar Zeitgeistgags, die eher schwach sind, mal kurz nach Düsseldorf geschossen werden muss auch – wir sind in Köln -, und dennoch, es gibt noch so viele wunderbare Momente voll des englischen Humors, natürlich auch wiederentdeckbare Momente aus dem zu Grunde liegenden Film „Die Ritter der Kokosnuss“ – dass diese Show kein Hit ist, während eine Grütze wie Starlight Express schon seit gefühlten 237 Jahren in Bochum aufgeführt wird, ist peinlich für das deutsche Publikum. Sogar „Saturday Night Fever“ und „We will Rock You!“ liefen besser, und das sind noch nicht mal Musicals – es ist zum Heulen!!

Spamalot ist gute Musik, eine kranke Geschichte und so viel Persiflage auf Musicals, dass besonders die, die sich für das Genre schon ein bisschen länger interessieren, einfach aus dem Lachen nicht mehr rauskommen. Also, wer noch nicht war, der sollte rein, und zwar ganz flott … kann doch nicht angehen … das Ding müsste eigentlich Kult sein …. *grummel*

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Edelweißpiraten – der jugendliche Widerstand im Dritten Reich

März 16, 2008

Schließ Aug und Ohr für eine Weil vor dem Getös der Zeit

Du heilst es nicht und hast kein Heil, als wo dein Herz sich weiht.

 

Dein Amt ist hüten, harren, sehn im Tag die Ewigkeit.

Du bist schon so im Weltgeschehen befangen und befreit.

 

Die Stunde kommt da man dich braucht. Dann sei du ganz bereit.

Und in das Feuer, das verraucht, wirf dich als letztes Scheit

 

(Friedrich Gundolf)

Ich hab eben irgendwo mitbekommen, dass der Film „Edelweißpiraten“ die Tage auch mal im Fernsehen kommt. Ist für mich ein Grund, mal etwas darüber in meinen Blog zu schrieben, denn ich kenn mich ein bisschen mit dem Thema aus, und ich finde, dass es viel zu wenig im Netz darüber zu lesen gibt.

Der Name „Edelweißpiraten“ ist einer von vielen Namen für eine Bewegung, die sich in den Großstädten der Nazizeit gegen die Obrigkeit wandten. Mehrere „Generationen“ – die ja in Jugendbewegungen sehr kurz sind, also bestenfalls vier Jahre – sogenannter bündischer Jugendlicher kämpften gegen die Vereinnahmung durch die HJ – die teilweise die gleichen Lieder sangen – und wurden im Krieg so politisch, dass sie Juden versteckten, Zwangsarbeiter mit Essen versorgten und jede Menge Parolen und Flugblätter den Menschen zum Lesen gaben, die leider nur zu selten lesen wollten. Als es hart auf hart ging, kamen auch ein paar Nazischergen um, von jungen Edelweißpiraten erschossen. Das Regime schlug zurück und henkte eine ganze Gruppe junger Leute, deren jüngste Mitglieder gerade mal sechzehn Jahre alt waren. Tatort war Köln-Ehrenfeld.

Ganz nebenbei, die anerkannte Widerstandsgruppe „Die weiße Rose“, die so gerne von Konservativen, von Gebildeten und der medialen Öffentlichkeit in den Vordergrund gespielt werden, kamen auch aus der bündischen Jugend, Hans Scholl war Mitglied von d.j.1.11, einer großen bündischen Jungenschaft, die wie viele andere auch bei der Gleichschaltung verboten wurde. Allerdings waren die Scholls und ihre Freunde Studenten, gebildete junge Leute, und ein Professor wurde ebenfalls vom Regime hingerichtet. Das kommt natürlich gut. Die jungen Edelweißpiraten kamen aus der Arbeiterschicht, waren nicht gebildet und wurden von der Gestapo zu Kriminellen gemacht. Nach dem Krieg waren die gleichen Leute in den Ämtern verantwortlich, die es auch während des Krieges waren. Und man glaubte natürlich den Beamten eher, als den jungen Leuten, die ja schon mal rechtskräftig verurteilt waren. Einer der hingerichteten Jungen – Bartholomäus „Barthel“ Schink, sechzehn Jahre – bekam früher seinen Stein in Yad Vashem, wurde einer der Gerechten unter den Völkern – was verdammt noch mal zu wenige Deutsche verdienten – als das er vom deutschen Staat als Verfolgter des Naziregimes anerkannt wurde, als das Todesurteil offiziell zurückgenommen wurde.

Die Jugendlichen, deren größte Zentren die Rhein-Ruhr-Region und Berlin waren, und deren Taten in Köln am bekanntesten wurden, gehörten also der bündischen Jugend an, lasen Karl May, sangen zur Klampfe ihre Lieder, zogen sich bunt an und waren streng gemischt unterwegs – ganz im Gegensatz zur Hitlerjugend, wo es ganz strikte Geschlechtertrennung gab. Schon in den dreißiger Jahren hatten die bündischen Gruppen, die sich Latscher nannten, oder Navajos oder Nerother, viel Stress mit den HJ-lern, und oft gab es gegenseitig kräftige Prügel. Richtig politisch war das nicht, die Bündischen wollten vor allem in Ruhe gelassen werden. Ein bis zwei „Generationen“ später wurde das anders. Als Zwangsarbeiter überall in den Industrieregionen verhungerten, als die Juden deportiert wurden, als die Jugendlichen das Ausmaß der Verbrechen – und ich meine hier allein die Verbrechen, die jeder hätte sehen können, die haben ja prinzipiell schon gereicht – da versuchten diese Jugendlichen, die von irgendwoher den übergreifenden Namen „Edelweißpiraten“ bekamen, etwas zu unternehmen. In Köln gab es unter anderem ein paar spektakuläre Aktionen, zum Beispiel entgleiste einmal ein Zug, zum Beispiel flogen mal Flugblätter aus der Kuppel des Hauptbahnhofs.

Die Jugendlichen haben damals ihre Hinterteile aufgerissen, um für die Freiheit zu kämpfen. Sie haben abenteuerlich gelebt, dieses Leben geliebt und sind reihenweise in Strafkompanien an der Front verreckt. Und die Überlebenden haben nach dem Krieg keinen Dank gehört, sie wurden verschrieen und viele von ihnen haben sich verleugnen müssen. Nur wenige haben ihre Fahrtennamen stolz getragen, nur wenige haben ihre Geschichte erzählt. Jede Geschichte, die heute noch erzählt werden kann – auch die jüngsten Edelweißpiraten sind nun an die Achtzig – muss erzählt werden, muss aufgeschrieben werden, muss gelesen werden. Es gab eine Menge junger Leute, die was gegen die Nazis getan haben, und die waren oft Helden im Kleinen. Wir müssen dieser Helden gedenken, und das laut, denn wie heißt es? Der Schoß ist fruchtbar noch …