Getaggte Beiträge ‘Kultur’

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Zwischenruf: Alte Männer mit Peitschen

Mai 23, 2008

Was klingt, wie ein ganz schmuddeliges Video, dreht sich natürlich um Indiana Jones, der vierte Teil. Den habe ich nämlich gestern gesehen, also gestern Abend in Köln und auf Englisch - dummer Fehler, mein Englisch ist nur mittelmäßig und wie soll man da all die genuschelten Gags verstehen … dumme Sache, wenn andere MitinsKinoGeher Leute anschleppen, die nur mitkommen wollen, wenn der Film im Originalton gezeigt wird. Ich find es gut, dass bei uns Filme synchronisiert werden! Auf Deutsch kann man sie nämlich besser verstehen. (Übrigens schaue ich mir recht häufig Sachen auf Englisch an, allerdings erst, wenn ich sie auf Deutsch schon kenne.)

Also zum Film: Jepp, Indy-Feeling pur. Der trockene Humor, einige wunderbar unrealistische Szenen, grandiose Verbeugungen vor anderen Filmen des Abenteuer-Genres, abgedrehte optische Gags, nette Ekeleffekte, ein wirklich guter Sidekick zum alten Mann, eine Frau an Indys Seite, die ihm erst kräftig einheizt und sich dann von einem eher dämlichen Spruch zu einem verliebten Teenager wandeln lassen darf. Hach, da gibt es einfach viel zu lachen, man kann sich unterhalten lassen, wie man außer von Stephen Spielberg nur selten von jemandem unterhalten werden kann. Nebenbei spielt Harrison Ford auch wirklich gut, es gibt hübsche Momente, die man so gar nicht erwartet hätte …

Irgendwie machte mich der Film fast sentimental. Ich habe die ersten Teile natürlich nicht im Kino gesehen, so alt bin ich ja nun auch nicht, aber als ich - was eine dieser doofen Geschichten ist, die sich mit den Jahren so ansammeln - bei der Bundeswehr war, hatten wir da einen Flipper, einen Pinball, den man mit einer Pistole startete. Dieser Indiana Jones-Flipper war eine der wenigen kleinen Freuden, die man bei dieser starken Truppe - *kicher* - hatte. Das Ding war damals schon nicht mehr der neueste Schrei, und dieses unselige Geschehen - also meine Anwesenheit bei den Flecktarnäffchen - liegt nunmehr mehr als ein Jahrzehnt zurück. Da ist das erste Anspielen des Indy-Motivs schon irgendwie ein schräger Moment.

Achso, klar, ich muss ins Kino, ganz bald, möglichst noch heute … Indy 4 schauen … auf Deutsch!

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Bilder — — Musik — — Musikbilder

Mai 13, 2008

Die Eindrücke sind recht frisch, obwohl der Film es eigentlich nicht ist. Aufgrund einer leicht provinzielle Wohnlage meinerseits bin ich ja leider nicht in der Lage, mir alle Filme im Kino anzuschauen, die ich gerne sehen würde. Zum Beispiel ist mir „Across the Universe” im Kino durch die Lappen gegangen, weil unser hiesiges Kinochen es nicht auf die Kette bringt, irgendwas zu zeigen, was auch nur drei Zentimeter neben dem Mainstreamgeschmack zu finden ist.

Als Fan von Musicals, als Fan der Beatles konnte dieser Film natürlich nicht ewig vor mir verborgen bleiben. Natürlich habe ich ihn mir gekauft, keine Frage, Doppel-DVD mit vielen Extras, klar. Und nun habe ich nach einer groben ersten Sichtung gleich ein paar Eindrücke, die mein Blögchen schmücken sollen.

Erstens, boah, was haben die Beatles tolle Musik geschrieben, meine Herren, alter Verwalter sagt der Kalle, das ist ja einfach geil … und es wird kein bisschen schlechter dadurch, dass die Sachen alle ganz anders arrangiert werden, nur ganz selten mal nach Beatles klingen. Vielleicht liegt es daran, dass außer Ausnahmekönnern wie Joe Cocker und Bono vor allem Newcomer in diesem Film zu sehen sind. Leute, die so frisch klingen, so echt, so intensiv, dass einem mehr als einmal der eine oder andere kalte Schauer über den Rücken läuft. Dieser Film zelebriert nicht nur die Musik der Beatles, sondern Musik als solche. Aber dabei wird nichts unangenehm verkitscht, es gibt keine schwammige Swingversion von Yesterday, oder so - Yesterday wird übrigens ganz übergangen, eine etwas mutige, aber vermutlich aber auch völlig richtige Entscheidung. Der Song ist so groß, den haben schon so viele gesungen, dass es wirklich schwierig geworden wäre, dazu noch was zu sagen.

Aber mag diese erste Sichtung auch noch so grob gewesen sein - ich gebe zu, nicht immer auf den Fernseher geblickt zu haben, weil ich gleichzeitig auch den Klapprechner an hatte - so muss ich dem Film eine visuelle Größe bescheinigen, der so selten zu sehen ist. Einerseits wird die Beatlesästhetik zitiert, andererseits auch viele Filme der Siebziger, „Hair” natürlich, und andererseits gibt es einige schräge Effekte, einige große Bilder, die man so eigentlich noch nie gesehen hat. Einige Videotricks sieht man sonst wahrscheinlich nur in Videoinstallationen, einige Blicke sind sehr theatral.

Und die Geschichte …. ja, die Geschichte … ach komm, wen interessiert schon die Geschichte? Herz und Kopf sind mit Bildern und Musik so beschäftigt, dass die Geschichte wirklich in den Hintergrund tritt …

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Zwischenruf - Missionarischer Eifer

Mai 7, 2008

Kennt ihr das Gefühl? Ihr habt ein Buch gelesen, dass euch von der ersten Seite an elektrisiert hat? Ihr habt einen Film gesehen, der euch lachen und weinen gemacht hat - uih, das ist doch mal eine schlechte Lehnübersetzung aus dem Englischen … -, ein Lied gehört, dass euch ganz tief im Inneren berührt hat, und jetzt? Na, das muss doch verbreitet werden, das muss doch jetzt jeder sehen, hören, lesen …

Mein Bücherschrank sieht auch dementsprechend aus, ständig gibt es große Lücken, weil ganze Serien ausgeliehen sind, meine DVDs und CDs geistern durch die Hände von Schülern und Freunden, und nicht zuletzt bekommt auch jeder E-Mails mit irgendwelchen Links zu großartigen Youtube-Geschichten (einfach mal „Rapante” und „dead terrorist” eingeben, alles großartig …) oder sonstigen Internetbesonderheiten.

Die Sache mit den Büchern ist natürlich so eine zweischneidige. Einerseits weiß ich, dass meine Bücher ihren Dienst tun, also gelesen werden, was ihnen garantiert viel mehr Spaß macht, als irgendwo herumzustehen und zu liegen, andererseits habe ich mir mit der Zeit das eine oder andere Buch schon zum zweiten Mal gekauft, weil ich es auch mal lesen wollte, und wenn man dann Bücher zurückbekommt, sehen sie halt gelesen aus … aber genau das finde ich auch großartig - also nicht, dass ich Bücher noch mal kaufen muss -, Bücher müssen gelesen aussehen, geliebt, meinetwegen auch mit einem Tesastreifen geflickt. Also nehme ich die seltenen Verluste in Kauf, auch weil ich weiß, dass ich mit meinen Büchern einfach für Freude sorgen kann, weil ich gerne mit Freunden über Bücher und Filme und was sonst noch kommt rede.

Interessanterweise halte ich Missionierung im religiösen Bereich für eine unglaubliche Arroganz dem Missionierten gegenüber, lehne jegliche Mission absolut ab, bin aber selbst begeisterter Missionar, sobald es um wichtige kulturelle Inhalte geht. Also fühlt euch missioniert: Lest, schaut, geht ins Theater, ins Kino, ins Museum, BILDET EUCH! Alles andere ist verschwendetes Leben …

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Kunst ist Demokratur

April 27, 2008

Wie fang ich an … na ja, gestern Abend hatte ich mit einer kleinen Produktion Premiere, nichts wirklich weltbewegendes, aber eine kleine spaßige Theaterrevue, etwas zu Ausbildungszwecken geschriebenes. Diese Revue hat auch ganz gut funktioniert, aus einer sehr individualistischen Rotte hat sich so etwas wie eine Gruppe gebildet - ist ja alles gut.

Aber - war klar, dass da ein „aber” kommen musste, oder? - aber es gab eine Szene, in der die jungen Damen - der eine junge Herr war da gerade angebunden und hatte mit dem Problem nichts zu tun - eine vorher geprobte Sache, einen Gag, nicht gemacht haben. Sie haben das auch gut begründet - „wir dachten, das funktioniert nicht” - und damit für die heutige Ansprache - ein Regisseur muss im Amateurbereich vor jeder Vorstellung eine Rede halten - einen gehörigen Ansch… verdient.

Theater ist keine Demokratie, im Theater kann man nicht einfach Anweisungen und Absprachen ignorieren - gut, wo kann man das schon so - und sich für was besseres entscheiden, also, es war nicht besser, aber das kommt ja nur erschwerend hinzu. Theater ist auch keine Diktatur, zumindest kein gutes Theater. Das hat mehrere Gründe. Erstens muss auch der Egomane manchmal erkennen, dass er nicht der einzige ist, der gute Ideen hat. Es ist einfach so, dass man auch als Regisseur mit etwas Erfahrung und Können manchmal betriebsblind ist. Man verrennt sich in eine prinzipiell schöne, so aber nicht wirklich funktionierende Idee und braucht dann einfach mal den einen oder anderen Schauspieler, der sagt, dass man da Blödsinn macht und es so oder so viel einfacher geht. Wer dafür nicht dankbar sein kann, wer nicht erkennen kann, dass er nicht immer Recht hat, der muss einfach ein schlechter Regisseur sein. Ganz nebenbei, auch wenn wir im Lande des ursprünglichen Geniekultes leben - wenn wirklich alles exakt vom Regisseur vorgegeben wird, werden die Schauspieler wenig Freude und Leben in dieser Inszenierung haben. Und auf diese Dinge, die die Schauspieler einbringen müssen, ist der Regisseur immer angewiesen.

Zweitens kann eine spielfreudige Atmosphäre wirklich inspirierend sein, und Inspiration braucht man bei aller Transpiration in der Kunst eben auch. Und drittens hat man als Diktator immer ein richtig mieses Karma … (kicher)

Also ist Theater Demokratur, man kann über alles reden, aber einer muss das letzte Wort haben - und das ist dann üblicherweise der Regisseur, denn der hält ja auch am Ende seine Birne dafür hin. Wenn man also ein Problem mit einer Szene hat, etwas peinlich ist - das kann auch Profis passieren - oder sonst wie gar nicht passen mag, dann ist das absolut richtig, dass man als Schauspieler an den Regisseur herantritt, sein Unwohlsein kommuniziert, ja, auch mal meckert, aber dann einfach auf der Bühne etwas anderes machen als vorher in den Proben, das geht gar nicht - aber das muss man mit fünfzehn vermutlich erst noch gesagt bekommen.

Eigentlich hätte ich in die Überschrift auch „Theater ist Demokratur” schreiben können, aber ich glaube, dass ich prinzipiell mit dieser Überschrift recht habe. In der Kunst muss es letztlich immer einen Verantwortlichen geben, das gilt nicht nur im Theater, sondern ganz sicher auch im Film, in der bildenden Kunst - zumindest da, wo mehrere beteiligt sind, ansonsten sei jedem die multiple Persönlichkeit gegönnt - und natürlich in der Musik - es gibt nur einer den Takt an, alles andere ist einfach nur Blödsinn …

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Zwischenruf: Öffentliches Sterben

April 22, 2008

Der Künstler Gregor Schneider - den ich, Kunstbanause, der ich bin, bis heute morgen nicht kannte - will jemanden in einem öffentlichen Raum, zum Beispiel in einem Museum sterben lassen. Also jemanden, der gerade dabei ist, auf natürliche Art und Weise diese Erde zu verlassen. Das habe ich heute morgen in unserer etwas konservativer Zeitung gelesen - und natürlich war gleich ein Kommentar dabei, der aufzeigte, wie geschmacklos das sei.

Nun lässt sich ja über Geschmack streiten. Allerdings hat Schneider vor, wie die gleiche Zeitung das ganz neutral berichtete, das Sterbezimmer ganz so einzurichten, wie der Sterbende das wolle. Außerdem soll es hell und freundlich sein, und es geht darum, das Sterben wieder aus den kalten Krankenhauszimmern herauszuholen, aus den Verstecken, aus der Anonymität.

Als mein Opa lange vor meiner Geburt starb, wurde er noch für Tage aufgebahrt, und das im eigenen Wohnzimmer. Als mein Vater starb, habe ich ihn nicht mehr gesehen - ich war dreizehn und wollte mich nicht konfrontieren lassen …

Schneiders Anliegen ist sinnvoll und gut, dennoch darf man das öffentliche Sterben hinterfragen. Und ob Kunst nicht da aufhört, wo die Wirklichkeit anfängt - auch das kann man hinterfragen. Aber ehrlich gesagt ist mir dieses öffentliche Sterben irgendwie näher und besser verständlich, als das öffentliche Sterben in den täglichen Nachrichten. Man sieht doch als Kind schon Bombeneinschläge und Unfälle, Anschläge und Hinrichtungen, das Fernsehen ist voll davon - und alles in echt - die künstlichen in Film und Serie kommen noch hinzu. Wäre es denn da nicht interessant, mal einen sanften und natürlichen Tod in der Öffentlichkeit zu zeigen? Nur so als Kontrastprogramm … die Kunst braucht die Freiheit dazu … ich würde vermutlich nicht zu einem solchen Happening des Gregor Schneider gehen, aber ich unterstütze ganz klar sein Recht darauf, solches zu tun.

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Zwischenruf: Bitte singt die Noten, die die Komponisten geschrieben haben!

April 16, 2008

Jetzt, in diesem Moment, in dem ich das hier schreibe, läuft eine Musical-Casting-Sendung im Fernsehen. Ist ja auch eine schöne Sache. Ich find das sogar eigentlich gut, denn vielleicht bekommt das Fernsehpublikum mal einen etwas größeren Überblick, über die Musik, die man so Musical nennt. War auch letzte Woche eine schöne Überraschung, dass man mal so was nettes, wie einen Song aus „A Chorus Line” im Fernsehen hört.

Aber Moment mal, was singen die denn da? Ich mein, hallo, ich kenn mich wirklich aus, ich kann die Hälfte der Songs auswendig mitsingen, aber immer wieder frage ich mich, was die Interpreten da für Melodeien singen? Grausig wird da um die richtigen Töne herum gesungen, nein, die singen nicht falsch, die meinen, sie wüssten besser über Melodien bescheid als die Komponisten. Da wird phrasiert und umkünstelt, das man das Ausgangsstück kaum noch wiedererkennt. (Übrigens kann man diesen Effekt auch immer wieder bei Musical-CDs erleben, die von Ensembles aufgenommen sind, die das Stück schon was länger kennen. Die letzte Wiener Version von Elisabeth ist erschreckend verquast)

Das Schlimmste daran ist für mich, dass die doch ach so kundige Jury offenkundigen Blödsinn reden, aber diese Unsitte in keiner Weise geißeln. Überhaupt ist diese Jury ein Ausbund an Allgemeinplätzen. Das kratzt alles so sehr an der Oberfläche, ist wahrscheinlich nett gemeint, aber letztlich auch ziemlich lahm. Schade, da wird so viel Potential verschenkt. Musical kann mehr sein als eine seichte Show, und das sieht man hier mal wieder nicht …

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Color-Adel in Flugzeugen

April 13, 2008

Ja, klar, hab mir gestern den roten Baron angeschaut, also im Kino, den neuen deutschen Kinofilm - und ein weiteres Mal muss man deutlich sagen, dass in Deutschland, und in diesem Fall auch in Tschechien, wenn ich das im Abspann richtig mitbekommen habe, richtig guter Film gemacht wird. Tolle Bilder aus dem preußischen Landleben, großartige Luftkämpfe und eine wahre Sinfonie des Mordes, Sinfonie des Schreckens gegen Ende des Films.

Und die Schauspieler sind wirklich beeindruckend. Nicht nur, dass ein Weltstar wie Ralph Fiennes sich ein paar Mal recht schick macht - ist halt schon Charisma pur -, vor allem der Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer dürfte sich mit diesem Film in die erste Liga gespielt haben. Schweighöfer ist Gefühl pur, der spielt sich die Seele aus dem Leib, der ist immer der Mittelpunkt des Films, der ist einfach gut, lebendig, authentisch, sympathisch. Und ein Genuss sind die Nebenfiguren. Das fängt bei Hanno Koffler an, der leider als erster der jungen Piloten ins Gras beißen muss, und hört bei Til Schweiger noch lange nicht auf. Das Schweiger toll als coole Sau ist, das wissen wir alle. Und dann gibt es diesen immer hervorragenden Schauspieler Tino Mewes als Kurt Wolff. Und Schweiger zusammen mit Mewes, das ist ein wunderbares Paar, die immer genau da auf den roten Baron warten, wo sie am lässigsten aussehen - Details, die ich liebe.

Leider ist die weibliche Hauptrolle Lena Headey unglaublich hölzern. Die ganze Liebesgeschichte ist deswegen eher unbrauchbar. Leider ist die aber auch ein Part der Handlung, und da vergibt der Film eine ganze Menge.

Über die historische Richtigkeit des Films sage ich nichts, ich reg mich auch nicht über ein wahrscheinlich geschöntes Bild des Fliegeridols auf, das kann der Spiegel machen. Zum Thema Film trägt aber eine historische Diskussion nur in geringem Maße bei. Natürlich ist „Der rote Baron” ein Märchen, und wer das nicht bemerkt, der hat offenkundig keinen kritischen Blick auf Filme. Da ich aber auch weiß, dass Spiderman nicht wirklich an Spinnenfäden durch die Gegend durch die Gegend schwingt, kann ich auch wissen, dass „Der rote Baron” nicht wirklich historisch objektiv ist.

Der Film ist wirklich mutig. Er verherrlicht vor allem eine dekadente Adelsclique, eine wilde Bande von Himmelsmarodeuren - und dann haut er einem die Grausamkeit des ersten Weltkriegs mit all seiner Abartigkeit um die Ohren, nee, genauer gesagt in die Fresse. Das ist jetzt ja auch nicht so schlecht.

Also nicht aufregen, sondern lieber genießen - es gibt genug zu sehen.

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Lasst es uns sprechen: einfaches, gutes Deutsch

April 11, 2008

Manchmal komm ich ja auf Blogthemen, wenn ich Rezensionen schreibe. Das ist auch hier und jetzt der Fall, ich habe nämlich gerade „Speak German!” rezensiert (kann man hier lesen: http://www.media-mania.de/index.php?action=rezi&id=8663). da wird ganz heftig gegen Anglizismen und andere Verunstaltungen der deutschen Sprache gewettert. Und sein Autor Wolf Schneider hat ja in vielen Sachen einfach nur Recht: Warum muss der Schalter der Bahn „Service Point” heißen? Man bekommt doch da gar kein Geschirr …

An einer Stelle bin ich mit Herrn Schneider nicht so richtig einig, denn er wettert auch gegen jede Form der Lehnübersetzung. Das Beispiel ist die sich immer mehr durchsetzende Redewendung „Das macht Sinn”, die durchaus Sinn hat, wie ich finde. Die Herkunft ist klar, im englischen heißt es, das etwas „makes sense” und nicht zuletzt, weil wir ja alle Filme synchronisieren lassen, kam es auch bei uns auf, dass neuerdings Sachen Sinn machen, statt haben. Und da kann sich Wolf Schneider gerne querstellen, das wird sich vermutlich auch durchsetzen. Der Grund dafür ist der aktive Charakter von „Sinn machen”, der dem passiven von „Sinn haben” einfach überlegen ist.

Ansonsten hat Schneider wirklich Recht, wir müssen einfach zu unserer Sprache stehen, sie ist nicht umsonst die Sprache großer Philosophen - auch wenn ich behaupte, dass es Schreiber gab, die damit besser umgehen konnten, als der alte Kant - und vieler der ganz großen Schriftsteller und Dichter. Mag man sich des Öfteren beim Klang der englischen Sprache über deren Lässigkeit freuen, und hier und da auch merken, dass unsere Sprache auch die Sprache der verdammenswürdigen Bürokratie ist, aber mal ehrlich, lässig kann unsere Sprache auch sein - man höre sich mal im Ruhrpott um - und Saft und Kraft hat sie auch.

Da unsere Sprache aber eine Unmenge von Lehnworten hat, kommen wir natürlich nicht ohne sie aus. Natürlich schaue ich aus dem Fenster … das ist Latein, na und? „Schlamassel” und „Dolmetscher” finde ich auch tolle Worte, auch wenn sie keine ursprünglich deutschen sind. Und schon vor einigen Jahrhunderten haben wir englische Worte eingedeutscht, „Boot” zum Beispiel stammt vom englischen „boat” ab. Es ist ja gerade ein Zeichen einer lebendigen Sprache, dass Lehnworte ganz selbstverständlich assimiliert werden. So wie man in Amerika oft „gesundheit” wünscht, wenn jemand niest, oder Sachen „übercool” findet. So wie man in Japan fleißig zur „arubei” geht, oder in Russland ein „buterbrod” isst. Find ich cool, wenn auch nicht unbedingt “übercool” ….

Aber “shareholder value”? “Callcenter”? “Cross-Country-Bike”? Ich glaub es hackt. Und ist „anti-aging” irgendwie mit aktiver Sterbehilfe verwandt? Es klingt ein bisschen so. Und das ist nicht nur in der normalen Werbung so, man schaue sich doch mal einen der letzten Stephen King-Titel an: „Love” - okay, denkt man, da hat man den englischen Titel nicht übersetzt. Das ist ein Fehler, wenn man denkt, dann geht man davon aus, dass man bei Heyne auch denkt, und das kann man ja nun wirklich niemandem zumuten. Im Original heißt das Buch „Lisey’s Story”. Muss man das noch weiter kommentieren? Für den deutschen Büchermarkt braucht dieses Buch also einen nichtssagenden englischen Titel? Man fragt sich ein bisschen, was für ein Typ das ist, der solche Entscheidungen trifft, hat wahrscheinlich BWL und Englisch auf Magister studiert, ist irgendwie über Beziehungen ins Verlagwesen geraten und freut sich über die Macht Bücher mit schlechten Titeln auszustatten. Ganz großes Tennis …

Zurück zum Thema - genau, ich dachte auch kurz an btt … -, und damit zurück zur Sprache. Ich schreib eine ganze Menge, nicht nur hier in meinem Blögchen, und ich finde es normal, dass ich es vermeide, eine große Zahl an Anglizismen zu benutzen, aber andererseits achte ich selten wirklich bewusst darauf. Wenn ich für irgendwas ein Feeling habe, dann ist das eben so, und wenn man über Musik spricht, oder über Filme, dann wird man auch schon mal Worte benutzen, die gerade die passendsten sind, egal aus welcher Sprache sie gerade kommen. Eine Verteufelung von Veränderungen halte ich für ziemlich sinnlos, die ekelhafte Hofierung der Weltsprache, die Engländern und Amerikanern in Deutschland ganz sicher irgendwie peinlich sein muss, finde ich aber noch viel schlimmer. Speziell in der Wissenschaft, in der Politik sollten die Beteiligten wieder mit Lust und Selbstbewusstsein Deutsch sprechen und schreiben. Wer sich nicht zu seiner Muttersprache bekennen kann, wer sie nicht wirklich beherrscht, der kann auch keine wirkliche Innovation schaffen, der sollte es auch nicht mit einer Fremdsprache versuchen.

Und bitte keine Gnade für schlechtes Deutsch. Wenn ihr merkt, dass jemand in seinem Blog kaum verständliches Zeug formuliert, dann lest woanders. Wenn Leute mit rudimentärer Rechtschreibung in Foren schreiben, mahnt ein wenig Mühe an - die kann sich nämlich jeder geben. Schreibt einfach ein gutes und klares Deutsch, auch im Netz.

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Karl May – geht der heute noch?

April 6, 2008

Ich bin vorbelastet. Ich habe das quasi ererbt. Mein Vater hat schon in den fünfziger Jahren Karl May-Bücher gesammelt, diese Sammlung irgendwann meinem Bruder vermacht und der hat - da eh sammelwütig - diese Sammlung sehr erweitert. Irgendwann - nee, nicht irgendwann, ich war früh neun, und damit in der dritten Klasse - habe dann diese Bücher angefangen. Von vorne weg mit „Durch die Wüste” quer durch die etwa sechzig oder siebzig Bücher. Das hat für annähernd drei bis vier Jahre gereicht, danach kam Stephen King … „Winnetou” war das erste Buch, dass ich an einem Tag durchgelesen habe, und ich war damals altertechnisch noch nicht zweistellig.

Die nächsten zwanzig Jahre dann habe ich die Karl Mays nicht mehr angefasst. Allerdings habe ich inzwischen einen gewissen Hörbuchtick, und dann das oben schon genannte „Durch die Wüste” bei Amazon als .mp3-Hörbuch gefunden. Und dann auch noch launig von Peter Sodann mit einem leichten sächsischen Einschlag gelesen - was ich natürlich da noch nicht wusste. Nun ja, das CD-chen kam also in meine Fingerchen und wurde letztlich auch lustig durch die Gegend gefahren - auf diese Art und weise höre ich ja immer meine Hörbücher. Und was soll ich sagen, es gibt zwar einige unfreiwillig komisch wirkende Passagen, in der Kara Ben Nemsi zeigt, was für ein Superman er denn ist, wie viele Sprachen er spricht, wie viele Menschen und Orte er kennt, wie viele Löwen er schon gejagt und wie viele Kenntnisse hier und dort gesammelt hat - am schönsten fand ich, dass er nicht nur Keilschrift lesen, sondern auch die Worte übersetzen kann! Herrlich! -, aber andererseits macht dieser Karl May immer noch riesigen Spaß. Ist doch auch mal schön, wenn etwas funktioniert, und bei Kara funktioniert eigentlich fast alles.

Und dann diese schwülstigen orientalischen Rededuelle, diese Beleidigungen und ehrenvollen Willkommensreden, die gefährlichen Situationen und Sherlock Holmes-artigen Detektivgeschichten - der liebe Karl May hatte schon was auf der Pfanne, wusste mit Worten umzugehen, und schaut man sich Figuren wie Sir David Lindsay oder - und ich schreib das jetzt aus dem Kopf - Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah an, dann sieht man auch den skurrilen Humor des sächsischen Reiseschriftstellers.

Andererseits ist das natürlich schon schlimme Christianisierung, das ist manchmal so fromm, dass man ganz leichtes Erbrechen bekommt. Aber hey, ich hab mir das jahrelang in langen Lesephasen reingezogen, und ich kann trotzdem noch frei denken.

Aber es war natürlich noch viel schöner, als ich die Bücher ohne die Zweifel des Erwachsenen zu lesen. Ich glaube, hätte ich Kinder, ich würde ihnen auch diesen Karl May in die Finger drücken … zumindest weiß man hier immer, wo die Guten und wo die Bösen spielen und das gibt eine gewisse ethische Sicherheit - ist doch gar nicht so schlecht …

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Theater vs. Politik – was heißt hier eigentlich unpolitisch?

April 3, 2008

Ich steh auf Theater. Ich mach Theater, ich inszeniere und spiele, ich geh auch einfach gerne rein. Und ich wunder mich immer, dass manche Theatermacher so unglaublich politisch sein wollen - speziell da wo Theater so modern ist, also im urbanen Bereich - und andere machen ein unpolitisches Theater, das unglaublich brav ist - leider gern bei uns in der Provinz.Ich glaube gutes Theater ist weder das eine noch das andere. Immer wenn ich Rezensionen von unglaublichen Premieren lese, in denen scheinbar Personen des Zeitgeschehens auftauchen, in denen Propheten geköpft oder Attentäter gehängt werden, dann frage ich mich, was bei diesen Regisseuren so abgeht - also in Kopfregion.

Theater ist natürlich ein Zeitphänomen, der eigenen Zeit verhaftet. Ist letztlich nur heute interessant und morgen schon vergessen. Also wird wie wild aktueller Kram in die Inszenierungen geschaufelt, was aber letztlich allenfalls ein Gag sein kann, dem Stück selbst nicht wirklich helfen kann. Wenn ich aber keine Farce oder Groteske auf die Bühne bringe, die quasi weder sich selbst, noch irgendwas anderes ernst nimmt, sollte ich tunlichst vermeiden, mich an Zeitgeist und Aktualität ranzuschmeißen. Der Effekt ist nämlich immer gleich. Der Zuschauer wird rüde aus seiner Illusion gerissen, lacht, wenn es einen guten Gag gibt, verzieht noch häufiger schmerzhaft das Gesicht oder schmunzelt aus Höflichkeit. Und wenn es noch nicht mal mehr ein Gag ist, dann wirken diese Aktualitäten einfach nur noch peinlich. In wie vielen antiken Dramen sind denn jetzt schon Typen mit Maschinenpistolen herumgelaufen? Und alle sehen entweder wie Palästinenser oder Israelis aus - die Aussage davon? Es gibt zu viel Krieg in der Welt? - Na, sag an, wusste ich ja noch gar nicht. - Der Nahostkonflikt ist was furchtbares? - Echt? Ich dachte, die haben da bombige Stimmung …

Wenn antike Dramen es wert sind, gespielt zu werden, dann wird man auch ohne zweifelhafte Modernisierung das finden, was zeitlos und heute aktuell ist - vielleicht finden die Modernisierer auch ihr Publikum einfach zu beschränkt und müssen die Botschaft mit aller Kraft herausschreien - aber eine solche Missachtung des Publikums ist unethisch.

Moderne Dramatiker schreiben Stücke, die in Arbeitsämtern spielen. Unentwegt kommen Arbeitslose herein und bekommen keine Arbeit, und verzweifeln so gut sie können. Furchtbar, oder? Und im Publikum sitzt das gebildete Bürgertum und wundert sich, dass Menschen so verzweifelt sein können … oder fassen sich an den Kopf vor lauter Unsinn, schließlich kennt nun auch der Akademiker das Gefühl, arbeitslos zu sein. Was passiert da? Ein Klischee wird ausgewalzt - das ist doch Millowitsch-Theater auf einem schlechten Trip.

Das Theater zeigt Menschen, die von der Gesellschaft zerstört werden - früher hat das Büchner mit dem Woyzeck mit Witz und trauriger Poesie gemacht, heute zeigt man Menschen im Arbeitsamt - das ist doch echt nur schlechtes Kabarett. Die Frage ist auch, warum das Theater solche Menschen zeigt. Ist das unterhaltend. Macht es dem Zuschauer neuerdings Spaß, Wracks zu beobachten? Hey, da kann man auch bequem zu Hause Big Brother schauen … es wäre doch viel interessanter, zu sehen, wie aus einem normalen Menschen ein solches Wrack wird - nicht das es besonders originell wäre, aber immerhin interessanter.

Gutes Theater ist nie unpolitisch, hat aber den Anschein. Ein guter Macbeth, spannend inszeniert, mit Witz nicht gespart, wird immer unendlich viel Politik in sich haben, auch ohne dass es irgendeinen offensichtlichen Anknüpfpunkt gibt.

Und wenn Theater wirklich unpolitisch wird? - Dann ist es auch nicht gut. Letztens habe ich mir ein „Frühlingserwachen” angeschaut, Frank Wedekind hat da vor etwas mehr als hundert Jahren ein äußerst subversives Werk geschrieben. Unter anderem gibt es Onanie und den Masochismus einer 14-jährigen zu bestaunen. Jetzt kann man von einer Schulinszenierung nicht besonders viel erwarten - also an schauspielerischer Qualität (die für solche Verhältnisse recht ordentlich war) und an Subversivität der Inszenierung. Natürlich kann man an einer Schule nicht das halbe Ensemble ausziehen oder ähnlich drastische Mittel wählen. Aber was da zu sehen war, führte sich selbst ad absurdum. Ein eigentlich revolutionäres Stück, wenn auch nur in der Zeit wirklich revolutionär, wird zu einem angepassten, langweilig inszenierten Klassiker. Alles ist so statisch wie möglich, es gibt keinen Humor und kein Leben in diesem Stück. So schafft man wahrlich unpolitisches Theater - aber dadurch wurde es auch zu wahrlich schlechtem Theater.

Berti Brecht wollte mit seinem epischen Theater die Menschen erziehen, hat aber selbst gegen viele seiner Gesetze verstoßen und letztlich lieber unterhaltsames als erzieherisches Theater gemacht. Wann immer der Zaunpfahl mit der Botschaft der Inszenierung kommt, ist dieselbe schon glücklich verstorben.

Wer andererseits aber Theater ohne Herz und Humor macht, der schafft das unpolitische Theater, der schafft die entgültige Destruktion des Theaters, wie es kein genialischer Regisseur schaffen kann.