Getaggte Beiträge ‘Musical’

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Zwischenruf: Bitte singt die Noten, die die Komponisten geschrieben haben!

April 16, 2008

Jetzt, in diesem Moment, in dem ich das hier schreibe, läuft eine Musical-Casting-Sendung im Fernsehen. Ist ja auch eine schöne Sache. Ich find das sogar eigentlich gut, denn vielleicht bekommt das Fernsehpublikum mal einen etwas größeren Überblick, über die Musik, die man so Musical nennt. War auch letzte Woche eine schöne Überraschung, dass man mal so was nettes, wie einen Song aus „A Chorus Line” im Fernsehen hört.

Aber Moment mal, was singen die denn da? Ich mein, hallo, ich kenn mich wirklich aus, ich kann die Hälfte der Songs auswendig mitsingen, aber immer wieder frage ich mich, was die Interpreten da für Melodeien singen? Grausig wird da um die richtigen Töne herum gesungen, nein, die singen nicht falsch, die meinen, sie wüssten besser über Melodien bescheid als die Komponisten. Da wird phrasiert und umkünstelt, das man das Ausgangsstück kaum noch wiedererkennt. (Übrigens kann man diesen Effekt auch immer wieder bei Musical-CDs erleben, die von Ensembles aufgenommen sind, die das Stück schon was länger kennen. Die letzte Wiener Version von Elisabeth ist erschreckend verquast)

Das Schlimmste daran ist für mich, dass die doch ach so kundige Jury offenkundigen Blödsinn reden, aber diese Unsitte in keiner Weise geißeln. Überhaupt ist diese Jury ein Ausbund an Allgemeinplätzen. Das kratzt alles so sehr an der Oberfläche, ist wahrscheinlich nett gemeint, aber letztlich auch ziemlich lahm. Schade, da wird so viel Potential verschenkt. Musical kann mehr sein als eine seichte Show, und das sieht man hier mal wieder nicht …

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Blutiger Barbier Benjamin Barker

Februar 22, 2008

Hach, ich liebe Alliterationen … aber bevor Sweeney Todd in den Mittelpunkt meiner Gedanken rückt, ein winziger politischer Kommentar und Gruß nach Hessen:

Eine Mehrheit ist eine Mehrheit ist eine Mehrheit.

(… und es wäre ein Genuss, Roland Koch abgewählt zu sehen … wer so sehr Ängste schürt und Menschen diskriminiert, hat in der Politik nichts verloren …)

So, gestern Abend habe ich nun das Kino meines Vertrauens aufgesucht und ein Sondheim-Musical in düsterer Verfilmung genießen können. Tim Burton hat einen für ihn typischen märchenhaft überzeichneten Stil genutzt, um eines der bekannteren Sondheim-Musicals in Film zu gießen. Dass ihm dazu mit Johnny Depp, Helena Bonham Carter und Alan Rickman ein wirklich beneidenswertes Ensemble in die Hände fiel, ist auch nicht unbedingt schlecht für den Film, denn diese Darsteller schaffen ein intensives Zusammenspiel - und können auch noch alle singen. Besonders die oft kraftvolle Baritonstimme Depps lässt den Zuschauer auch noch einige Zeit nach dem Film nicht so richtig los.

Die Bilder sind eh großes Kino, das kennt man bei Burton nicht anders, die Geschichte ist schlicht und der Humor schwärzestens. Und die Musik? Tja, die Musik ist keine Webber-Schmalzstulle und auch kein semiklassisches Gewitter, wie das Boublil/Schönberg auf die geneigten Höreröhrchen loslassen. Sondheim schreibt komplex und oft synkopisch, lässt hier und da auch mal eine Harmonie in eine andere krachen, übersetzt die Gefühle der Rollen in Musik. Das „Pretty Women”-Duett von Richter und Barbier ist Musiktheater vom Allerfeinsten, und die Worte sind ja auch nicht zu verachten, zum Beispiel in der bösen Entdeckung, dass man aus Menschenfleisch gar herrliche Pasteten machen kann, in der es so wunderbare Wortspiele und Reime gibt …

Aber das kostet natürlich Zuschauer. Musical ist ja nicht gerade die populärste Filmgattung, und dann auch noch ein musikalisch so anspruchsvolles Stück wird nicht viel Begeisterung erfahren. Der erfahrene Musikhörer wird die Kraft und Qualität dieses Musicals aber wirklich genießen können.

Viele, die sich sonst nur von Hitparadeneinerlei berieseln lassen, werden wegen Johnny Depp und/oder Tim Burton diesen Film sehen wollen, manche werden die Ohren auf Durchzug schalten und sich einfach nur an Bildern und Humor delektieren, manche mögen etwas entdecken, was sie noch nicht kennen. Das freut mich … wirklich, finde ich richtig gut …