Mit ‘Peter Sodann’ verschlagwortete Einträge

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Kraut und Rüben

Oktober 15, 2008

Ahrgh, es gibt so viel zu sagen, es gibt so viele Themen, die auf mich einprasseln, lest Zeitung, hört Euch Nachrichten an, da muss man einfach mal was sagen. Und weil es von allem etwas gibt, hab ich mir gedacht: Kraut und Rüben ist ein nicht besonders origineller, aber ein treffender Titel für diese kleine Kolumne …

Peter Sodann ist von der Linken als Präsidentenkandidat aufgestellt worden. Hey, wie schade, dass er keine Chance hat. Ein bodenständiger Intellektueller, gleich zwei Sachen, die der Sparkassendirektor, der momentan Deutschland nach außen vertritt, nicht ausstrahlen kann. Ein Mann aus der Kultur, nicht aus dem Bankengewerbe, was wäre das für eine Richtungsentscheidung, wie sehr würde ich sie mir wünschen … und ist es nicht herrlich, die Junge Union NRW – wie sehr ich mich schämen muss, dass es ausgerechnet die Abteilung aus dem schönen NRW ist – ist blöd genug, zu verlangen, dass jetzt keine Tatort-Folgen mit Sodann mehr gezeigt werden, weil das ja Wahlwerbung wäre … ist doch schade, wenn der IQ nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommt.

Anderes Thema, auch Kultur: MRR hat für Rabatz gesorgt, hat den Fernsehpreis aufgemischt. Der kluge alte Mann hat den Fernsehmachern ins Gesicht gesagt, was für einen riesigen Mist sie verzapfen, und was sagt das Publikum dazu, alles lacht und klatscht – offenkundig weiß jeder, wie es steht, und wo er Recht hat, hat er nun mal Recht … jetzt regen sich viele Leute über die Arroganz von MRR auf … er war immer so, und dadurch wurde er erst so einflussreich und so unterhaltsam. Und er hat ja auch Recht. Da gibt es so viel Datenmüll, der statt gutem Fernsehen gesendet wird, dass man sich durchaus aufregen kann. Und wie sich diese Deppen von DSDS  selbst feierten, war so ekelerregend, dass es für einen denkenden Menschen eigentlich nur diese Reaktion geben konnte. Da hab ich heute morgen in der Zeitung gelesen, dass jemand meinte, nicht jeder könnte nur mit Kafka und Goethe leben – richtig, so oft hab ich weder den einen, noch den anderen in Buchform in Händen, aber Bauern, die Frauen suchen, Frauen, die Häuser renovieren oder schlechte Amateurschauspieler, die Gerichtsverhandlungen spielen, die so nie stattfinden könnten – Leute, besser als das muss es doch gehen.

Bankenkrise und kein Ende. Nein, ich bin eigentlich ja kein so besonders politischer Mensch, aber ich bin ein recht begeisterter Pokerspieler, und manchmal bin ich sogar ein recht erfolgreicher Pokerspieler, also verstehe ich wenigstens ein bisschen davon. Und ein sehr wichtiger Spruch lautet: Wirf schlechtem Geld kein gutes hinterher. Wenn du eine Hand verloren hast, dann wirf die Karten weg, auch wenn es weh tut, wirf nicht Geld in den Pot, von dem du weißt, dass es verloren ist. Und jetzt wollen die Herrschaften Politiker ziemlich einmütig ganz viel gutes Geld in die Banken pumpen, die sich so lustig verzockt haben, die das Spiel offenbar verloren haben. Das kann nicht richtig sein. Und mal ganz nebenbei, sind das jetzt wirklich die neoliberalen Banker, die nach dem Staat schreien? Die Leute, die den HartzIV-Empfängern keine fünfhundert Euro gönnen, die selbst aber so viel in einem Monat verdienen, dass sie einige dieser Leute für ein ganzes Jahr ernähren könnten? Die Autos fahren, die einige Jahresgehalte von gut verdienenden Facharbeitern kosten? Ist es die ziemlich wirtschaftsliberal auftretende CDU, die gerade Banken teilverstaatlichen will? Sehr schöne sozialistische Idee … bevor die Wirtschaft nicht endlich in die Schranken gewiesen werden, Spekulationen quasi verboten werden, man sich endlich von der Idee einer ewig wachsenden Wirtschaft verabschiedet, wird noch einiges Wasser den Rhein runter fließen, und doch wird man irgendwann auf den Trichter kommen. Denn so, wie das momentan funktioniert, fährt man die gesamte Weltwirtschaft vor die Wand.

So, das reicht erst mal …

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Karl May – geht der heute noch?

April 6, 2008

Ich bin vorbelastet. Ich habe das quasi ererbt. Mein Vater hat schon in den fünfziger Jahren Karl May-Bücher gesammelt, diese Sammlung irgendwann meinem Bruder vermacht und der hat – da eh sammelwütig – diese Sammlung sehr erweitert. Irgendwann – nee, nicht irgendwann, ich war früh neun, und damit in der dritten Klasse – habe dann diese Bücher angefangen. Von vorne weg mit „Durch die Wüste“ quer durch die etwa sechzig oder siebzig Bücher. Das hat für annähernd drei bis vier Jahre gereicht, danach kam Stephen King … „Winnetou“ war das erste Buch, dass ich an einem Tag durchgelesen habe, und ich war damals altertechnisch noch nicht zweistellig.

Die nächsten zwanzig Jahre dann habe ich die Karl Mays nicht mehr angefasst. Allerdings habe ich inzwischen einen gewissen Hörbuchtick, und dann das oben schon genannte „Durch die Wüste“ bei Amazon als .mp3-Hörbuch gefunden. Und dann auch noch launig von Peter Sodann mit einem leichten sächsischen Einschlag gelesen – was ich natürlich da noch nicht wusste. Nun ja, das CD-chen kam also in meine Fingerchen und wurde letztlich auch lustig durch die Gegend gefahren – auf diese Art und weise höre ich ja immer meine Hörbücher. Und was soll ich sagen, es gibt zwar einige unfreiwillig komisch wirkende Passagen, in der Kara Ben Nemsi zeigt, was für ein Superman er denn ist, wie viele Sprachen er spricht, wie viele Menschen und Orte er kennt, wie viele Löwen er schon gejagt und wie viele Kenntnisse hier und dort gesammelt hat – am schönsten fand ich, dass er nicht nur Keilschrift lesen, sondern auch die Worte übersetzen kann! Herrlich! -, aber andererseits macht dieser Karl May immer noch riesigen Spaß. Ist doch auch mal schön, wenn etwas funktioniert, und bei Kara funktioniert eigentlich fast alles.

Und dann diese schwülstigen orientalischen Rededuelle, diese Beleidigungen und ehrenvollen Willkommensreden, die gefährlichen Situationen und Sherlock Holmes-artigen Detektivgeschichten – der liebe Karl May hatte schon was auf der Pfanne, wusste mit Worten umzugehen, und schaut man sich Figuren wie Sir David Lindsay oder – und ich schreib das jetzt aus dem Kopf – Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah an, dann sieht man auch den skurrilen Humor des sächsischen Reiseschriftstellers.

Andererseits ist das natürlich schon schlimme Christianisierung, das ist manchmal so fromm, dass man ganz leichtes Erbrechen bekommt. Aber hey, ich hab mir das jahrelang in langen Lesephasen reingezogen, und ich kann trotzdem noch frei denken.

Aber es war natürlich noch viel schöner, als ich die Bücher ohne die Zweifel des Erwachsenen zu lesen. Ich glaube, hätte ich Kinder, ich würde ihnen auch diesen Karl May in die Finger drücken … zumindest weiß man hier immer, wo die Guten und wo die Bösen spielen und das gibt eine gewisse ethische Sicherheit – ist doch gar nicht so schlecht …