Mit ‘Til Schweiger’ verschlagwortete Einträge

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Gimme more Basterds

August 25, 2009

Meine Herren, wird einem da eine Geschichte in die Fresse gehauen – ohne große Tarantino-Erfahrung hab ich mir die Inglourious Basterds angeschaut, und war eigentlich von Anfang an hin und weg. Sehr viel Coolness, sehr comichafte Gewalt, die oft dementsprechend ins Komische abdriftet, und ein paar schauspielerische Glanzleistungen. „Das ist ein Bingo!!“

Herrlich, die Zitate des Italo-Westerns, schräg die musikalische Verarbeitung, radikal: der Umgang mit Hitler und Konsorten. Darf man Hitler als Mensch zeigen? Ja, denn er war ja kein Elefant oder Kaninchen. Darf man Hitler als kindische Knallcharge zeigen? Ja, bitte, ja, in die Fresse aller heutigen und doch so gestrigen Verehrer!

Tarantino bringt nicht nur Til Schweiger sondern sogar auch Diane Kruger das Schauspielen bei, und Christoph Waltz ist plötzlich nicht mehr der nette Österreicher, der mit Fernsehserien sein Geld verdient, sondern ein verdienter Oscaranwärter – very nice. Melanie Laurent ist annähernd genauso großartig – und damit die nächste Anwärterin, großartig.

Man braucht Humor, einen so unhistorischen Film genießen zu können – und nach dem Besuch meinten einige, dass halb Amerika glauben wird, das Hitler so zu Tode gekommen ist … aber wenigstens wissen sie jetzt, dass er tot ist. Aber der Film fängt nicht umsonst mit „Es war einmal…“ an, natürlich ist das ein Märchen, und auch noch ganz in Grimm’scher Tradition, mit viel Blut und Horror!

Noch mal schauen? Ja, heute Abend!! Wann kriegt man sonst Gewaltorgien mit so viel Spannung gepaart? Wann Schauspielkunst mit Maschinengewehrgeknatter? Und wo war so eine wunderbare Apokalypse das letzte Mal zu sehen? Gimme more Basterds …

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Color-Adel in Flugzeugen

April 13, 2008

Ja, klar, hab mir gestern den roten Baron angeschaut, also im Kino, den neuen deutschen Kinofilm – und ein weiteres Mal muss man deutlich sagen, dass in Deutschland, und in diesem Fall auch in Tschechien, wenn ich das im Abspann richtig mitbekommen habe, richtig guter Film gemacht wird. Tolle Bilder aus dem preußischen Landleben, großartige Luftkämpfe und eine wahre Sinfonie des Mordes, Sinfonie des Schreckens gegen Ende des Films.

Und die Schauspieler sind wirklich beeindruckend. Nicht nur, dass ein Weltstar wie Ralph Fiennes sich ein paar Mal recht schick macht – ist halt schon Charisma pur -, vor allem der Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer dürfte sich mit diesem Film in die erste Liga gespielt haben. Schweighöfer ist Gefühl pur, der spielt sich die Seele aus dem Leib, der ist immer der Mittelpunkt des Films, der ist einfach gut, lebendig, authentisch, sympathisch. Und ein Genuss sind die Nebenfiguren. Das fängt bei Hanno Koffler an, der leider als erster der jungen Piloten ins Gras beißen muss, und hört bei Til Schweiger noch lange nicht auf. Das Schweiger toll als coole Sau ist, das wissen wir alle. Und dann gibt es diesen immer hervorragenden Schauspieler Tino Mewes als Kurt Wolff. Und Schweiger zusammen mit Mewes, das ist ein wunderbares Paar, die immer genau da auf den roten Baron warten, wo sie am lässigsten aussehen – Details, die ich liebe.

Leider ist die weibliche Hauptrolle Lena Headey unglaublich hölzern. Die ganze Liebesgeschichte ist deswegen eher unbrauchbar. Leider ist die aber auch ein Part der Handlung, und da vergibt der Film eine ganze Menge.

Über die historische Richtigkeit des Films sage ich nichts, ich reg mich auch nicht über ein wahrscheinlich geschöntes Bild des Fliegeridols auf, das kann der Spiegel machen. Zum Thema Film trägt aber eine historische Diskussion nur in geringem Maße bei. Natürlich ist „Der rote Baron“ ein Märchen, und wer das nicht bemerkt, der hat offenkundig keinen kritischen Blick auf Filme. Da ich aber auch weiß, dass Spiderman nicht wirklich an Spinnenfäden durch die Gegend durch die Gegend schwingt, kann ich auch wissen, dass „Der rote Baron“ nicht wirklich historisch objektiv ist.

Der Film ist wirklich mutig. Er verherrlicht vor allem eine dekadente Adelsclique, eine wilde Bande von Himmelsmarodeuren – und dann haut er einem die Grausamkeit des ersten Weltkriegs mit all seiner Abartigkeit um die Ohren, nee, genauer gesagt in die Fresse. Das ist jetzt ja auch nicht so schlecht.

Also nicht aufregen, sondern lieber genießen – es gibt genug zu sehen.