Getaggte Beiträge ‘Zwischenruf’

h1

Zwischenruf - Missionarischer Eifer

Mai 7, 2008

Kennt ihr das Gefühl? Ihr habt ein Buch gelesen, dass euch von der ersten Seite an elektrisiert hat? Ihr habt einen Film gesehen, der euch lachen und weinen gemacht hat - uih, das ist doch mal eine schlechte Lehnübersetzung aus dem Englischen … -, ein Lied gehört, dass euch ganz tief im Inneren berührt hat, und jetzt? Na, das muss doch verbreitet werden, das muss doch jetzt jeder sehen, hören, lesen …

Mein Bücherschrank sieht auch dementsprechend aus, ständig gibt es große Lücken, weil ganze Serien ausgeliehen sind, meine DVDs und CDs geistern durch die Hände von Schülern und Freunden, und nicht zuletzt bekommt auch jeder E-Mails mit irgendwelchen Links zu großartigen Youtube-Geschichten (einfach mal „Rapante” und „dead terrorist” eingeben, alles großartig …) oder sonstigen Internetbesonderheiten.

Die Sache mit den Büchern ist natürlich so eine zweischneidige. Einerseits weiß ich, dass meine Bücher ihren Dienst tun, also gelesen werden, was ihnen garantiert viel mehr Spaß macht, als irgendwo herumzustehen und zu liegen, andererseits habe ich mir mit der Zeit das eine oder andere Buch schon zum zweiten Mal gekauft, weil ich es auch mal lesen wollte, und wenn man dann Bücher zurückbekommt, sehen sie halt gelesen aus … aber genau das finde ich auch großartig - also nicht, dass ich Bücher noch mal kaufen muss -, Bücher müssen gelesen aussehen, geliebt, meinetwegen auch mit einem Tesastreifen geflickt. Also nehme ich die seltenen Verluste in Kauf, auch weil ich weiß, dass ich mit meinen Büchern einfach für Freude sorgen kann, weil ich gerne mit Freunden über Bücher und Filme und was sonst noch kommt rede.

Interessanterweise halte ich Missionierung im religiösen Bereich für eine unglaubliche Arroganz dem Missionierten gegenüber, lehne jegliche Mission absolut ab, bin aber selbst begeisterter Missionar, sobald es um wichtige kulturelle Inhalte geht. Also fühlt euch missioniert: Lest, schaut, geht ins Theater, ins Kino, ins Museum, BILDET EUCH! Alles andere ist verschwendetes Leben …

h1

Zwischenruf: Anwälte sind schlimme Finger – ja, klar, wissen wir …

März 4, 2008

Ja, hier geht es denn wieder um einen Film, um „Michael Clayton” nämlich. Dieser von George Clooney gespielte skrupellose Ausputzeranwalt bekommt über die Länge eines Films so etwas wie ein Gewissen. Was sagt uns dieser leider nur mäßig spannende Film? Das Anwälte fiese Menschen sind, und nur George Clooney ein Gewissen hat? Dass das Justizsystem der USA eigentlich nicht  funktioniert, aber letztlich von einem braven Mann, der noch mal den dreh bekommt, durchaus gerettet wird? Och Leute, was soll denn das? Erstmal ist das doch eigentlich alles schon bekannt. Meine Güte, in „Erin Brockovich” geht es um das gleiche Thema, ist da aber nicht so verquast, viel unterhaltender und Julia Roberts schmeichelt dem männlichen Auge auch viel mehr, als der Clooney …Interessant ist allerdings die Medienberichterstattung über diesen Film. Da wird von „politisch” gesprochen, von „kritisch” - geht es auch ein bisschen kleiner? Bei uns ist jeder Tatort kritischer, die Lindenstraße politischer.

Das ein solcher Film, der etwas verquast auf Kunst macht, aber einfach nicht seiner eigenen Geschichte dienen kann und letztlich völlig belanglos bleibt, für einen Oscar nominiert wurde, zeigt wieder mal, dass man sich bei der Oscar-Jury gern mal blenden lässt. Tilda Swinton, die den Oscar bekam, zeigt auch wirklich gutes Handwerk, keine Frage, ob sie besser war, als die anderen nominierten, kann ich nicht beurteilen, da ich die anderen Filme nicht gesehen habe. George Clooney zeigt aber nur ein hübsches Gesicht und sehr wenig schauspielerische Qualität, noch etwas, was den Film nicht gerade grandios macht …