Lasst es uns sprechen: einfaches, gutes Deutsch

Manchmal komm ich ja auf Blogthemen, wenn ich Rezensionen schreibe. Das ist auch hier und jetzt der Fall, ich habe nämlich gerade „Speak German!“ rezensiert (kann man hier lesen: http://www.media-mania.de/index.php?action=rezi&id=8663). da wird ganz heftig gegen Anglizismen und andere Verunstaltungen der deutschen Sprache gewettert. Und sein Autor Wolf Schneider hat ja in vielen Sachen einfach nur Recht: Warum muss der Schalter der Bahn „Service Point“ heißen? Man bekommt doch da gar kein Geschirr …

An einer Stelle bin ich mit Herrn Schneider nicht so richtig einig, denn er wettert auch gegen jede Form der Lehnübersetzung. Das Beispiel ist die sich immer mehr durchsetzende Redewendung „Das macht Sinn“, die durchaus Sinn hat, wie ich finde. Die Herkunft ist klar, im englischen heißt es, das etwas „makes sense“ und nicht zuletzt, weil wir ja alle Filme synchronisieren lassen, kam es auch bei uns auf, dass neuerdings Sachen Sinn machen, statt haben. Und da kann sich Wolf Schneider gerne querstellen, das wird sich vermutlich auch durchsetzen. Der Grund dafür ist der aktive Charakter von „Sinn machen“, der dem passiven von „Sinn haben“ einfach überlegen ist.

Ansonsten hat Schneider wirklich Recht, wir müssen einfach zu unserer Sprache stehen, sie ist nicht umsonst die Sprache großer Philosophen – auch wenn ich behaupte, dass es Schreiber gab, die damit besser umgehen konnten, als der alte Kant – und vieler der ganz großen Schriftsteller und Dichter. Mag man sich des Öfteren beim Klang der englischen Sprache über deren Lässigkeit freuen, und hier und da auch merken, dass unsere Sprache auch die Sprache der verdammenswürdigen Bürokratie ist, aber mal ehrlich, lässig kann unsere Sprache auch sein – man höre sich mal im Ruhrpott um – und Saft und Kraft hat sie auch.

Da unsere Sprache aber eine Unmenge von Lehnworten hat, kommen wir natürlich nicht ohne sie aus. Natürlich schaue ich aus dem Fenster … das ist Latein, na und? „Schlamassel“ und „Dolmetscher“ finde ich auch tolle Worte, auch wenn sie keine ursprünglich deutschen sind. Und schon vor einigen Jahrhunderten haben wir englische Worte eingedeutscht, „Boot“ zum Beispiel stammt vom englischen „boat“ ab. Es ist ja gerade ein Zeichen einer lebendigen Sprache, dass Lehnworte ganz selbstverständlich assimiliert werden. So wie man in Amerika oft „gesundheit“ wünscht, wenn jemand niest, oder Sachen „übercool“ findet. So wie man in Japan fleißig zur „arubei“ geht, oder in Russland ein „buterbrod“ isst. Find ich cool, wenn auch nicht unbedingt „übercool“ ….

Aber „shareholder value“? „Callcenter“? „Cross-Country-Bike“? Ich glaub es hackt. Und ist „anti-aging“ irgendwie mit aktiver Sterbehilfe verwandt? Es klingt ein bisschen so. Und das ist nicht nur in der normalen Werbung so, man schaue sich doch mal einen der letzten Stephen King-Titel an: „Love“ – okay, denkt man, da hat man den englischen Titel nicht übersetzt. Das ist ein Fehler, wenn man denkt, dann geht man davon aus, dass man bei Heyne auch denkt, und das kann man ja nun wirklich niemandem zumuten. Im Original heißt das Buch „Lisey’s Story“. Muss man das noch weiter kommentieren? Für den deutschen Büchermarkt braucht dieses Buch also einen nichtssagenden englischen Titel? Man fragt sich ein bisschen, was für ein Typ das ist, der solche Entscheidungen trifft, hat wahrscheinlich BWL und Englisch auf Magister studiert, ist irgendwie über Beziehungen ins Verlagwesen geraten und freut sich über die Macht Bücher mit schlechten Titeln auszustatten. Ganz großes Tennis …

Zurück zum Thema – genau, ich dachte auch kurz an btt … -, und damit zurück zur Sprache. Ich schreib eine ganze Menge, nicht nur hier in meinem Blögchen, und ich finde es normal, dass ich es vermeide, eine große Zahl an Anglizismen zu benutzen, aber andererseits achte ich selten wirklich bewusst darauf. Wenn ich für irgendwas ein Feeling habe, dann ist das eben so, und wenn man über Musik spricht, oder über Filme, dann wird man auch schon mal Worte benutzen, die gerade die passendsten sind, egal aus welcher Sprache sie gerade kommen. Eine Verteufelung von Veränderungen halte ich für ziemlich sinnlos, die ekelhafte Hofierung der Weltsprache, die Engländern und Amerikanern in Deutschland ganz sicher irgendwie peinlich sein muss, finde ich aber noch viel schlimmer. Speziell in der Wissenschaft, in der Politik sollten die Beteiligten wieder mit Lust und Selbstbewusstsein Deutsch sprechen und schreiben. Wer sich nicht zu seiner Muttersprache bekennen kann, wer sie nicht wirklich beherrscht, der kann auch keine wirkliche Innovation schaffen, der sollte es auch nicht mit einer Fremdsprache versuchen.

Und bitte keine Gnade für schlechtes Deutsch. Wenn ihr merkt, dass jemand in seinem Blog kaum verständliches Zeug formuliert, dann lest woanders. Wenn Leute mit rudimentärer Rechtschreibung in Foren schreiben, mahnt ein wenig Mühe an – die kann sich nämlich jeder geben. Schreibt einfach ein gutes und klares Deutsch, auch im Netz.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am April 11, 2008 in Kultur, Literatur, Sprache und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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