Kunst ist Demokratur

Wie fang ich an … na ja, gestern Abend hatte ich mit einer kleinen Produktion Premiere, nichts wirklich weltbewegendes, aber eine kleine spaßige Theaterrevue, etwas zu Ausbildungszwecken geschriebenes. Diese Revue hat auch ganz gut funktioniert, aus einer sehr individualistischen Rotte hat sich so etwas wie eine Gruppe gebildet – ist ja alles gut.

Aber – war klar, dass da ein „aber“ kommen musste, oder? – aber es gab eine Szene, in der die jungen Damen – der eine junge Herr war da gerade angebunden und hatte mit dem Problem nichts zu tun – eine vorher geprobte Sache, einen Gag, nicht gemacht haben. Sie haben das auch gut begründet – „wir dachten, das funktioniert nicht“ – und damit für die heutige Ansprache – ein Regisseur muss im Amateurbereich vor jeder Vorstellung eine Rede halten – einen gehörigen Ansch… verdient.

Theater ist keine Demokratie, im Theater kann man nicht einfach Anweisungen und Absprachen ignorieren – gut, wo kann man das schon so – und sich für was besseres entscheiden, also, es war nicht besser, aber das kommt ja nur erschwerend hinzu. Theater ist auch keine Diktatur, zumindest kein gutes Theater. Das hat mehrere Gründe. Erstens muss auch der Egomane manchmal erkennen, dass er nicht der einzige ist, der gute Ideen hat. Es ist einfach so, dass man auch als Regisseur mit etwas Erfahrung und Können manchmal betriebsblind ist. Man verrennt sich in eine prinzipiell schöne, so aber nicht wirklich funktionierende Idee und braucht dann einfach mal den einen oder anderen Schauspieler, der sagt, dass man da Blödsinn macht und es so oder so viel einfacher geht. Wer dafür nicht dankbar sein kann, wer nicht erkennen kann, dass er nicht immer Recht hat, der muss einfach ein schlechter Regisseur sein. Ganz nebenbei, auch wenn wir im Lande des ursprünglichen Geniekultes leben – wenn wirklich alles exakt vom Regisseur vorgegeben wird, werden die Schauspieler wenig Freude und Leben in dieser Inszenierung haben. Und auf diese Dinge, die die Schauspieler einbringen müssen, ist der Regisseur immer angewiesen.

Zweitens kann eine spielfreudige Atmosphäre wirklich inspirierend sein, und Inspiration braucht man bei aller Transpiration in der Kunst eben auch. Und drittens hat man als Diktator immer ein richtig mieses Karma … (kicher)

Also ist Theater Demokratur, man kann über alles reden, aber einer muss das letzte Wort haben – und das ist dann üblicherweise der Regisseur, denn der hält ja auch am Ende seine Birne dafür hin. Wenn man also ein Problem mit einer Szene hat, etwas peinlich ist – das kann auch Profis passieren – oder sonst wie gar nicht passen mag, dann ist das absolut richtig, dass man als Schauspieler an den Regisseur herantritt, sein Unwohlsein kommuniziert, ja, auch mal meckert, aber dann einfach auf der Bühne etwas anderes machen als vorher in den Proben, das geht gar nicht – aber das muss man mit fünfzehn vermutlich erst noch gesagt bekommen.

Eigentlich hätte ich in die Überschrift auch „Theater ist Demokratur“ schreiben können, aber ich glaube, dass ich prinzipiell mit dieser Überschrift recht habe. In der Kunst muss es letztlich immer einen Verantwortlichen geben, das gilt nicht nur im Theater, sondern ganz sicher auch im Film, in der bildenden Kunst – zumindest da, wo mehrere beteiligt sind, ansonsten sei jedem die multiple Persönlichkeit gegönnt – und natürlich in der Musik – es gibt nur einer den Takt an, alles andere ist einfach nur Blödsinn …

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am April 27, 2008 in jugendtheater, Kultur, Kunst, Theater und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Ich habe da so einen Regisseur, von dem hätte das auch kommen können.
    Nee, mal im Ernst, ich muss gestehen, dass der liebe Autor hier tatsächlich Recht hat, auch wenn ich, als Schauspielerin, das nur ungerne zugebe.
    Also liebe Schauspieler: Wenn euch was nicht passt, macht euren Regisseur so lange zur Sau, bis ihr auf einer Meinung seid, das dauert manchmal lange, aber ist meist sehr wirksam!

    Liebste Grüße,
    Taettanuss

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