Zwischenruf – Missionarischer Eifer

Kennt ihr das Gefühl? Ihr habt ein Buch gelesen, dass euch von der ersten Seite an elektrisiert hat? Ihr habt einen Film gesehen, der euch lachen und weinen gemacht hat – uih, das ist doch mal eine schlechte Lehnübersetzung aus dem Englischen … -, ein Lied gehört, dass euch ganz tief im Inneren berührt hat, und jetzt? Na, das muss doch verbreitet werden, das muss doch jetzt jeder sehen, hören, lesen …

Mein Bücherschrank sieht auch dementsprechend aus, ständig gibt es große Lücken, weil ganze Serien ausgeliehen sind, meine DVDs und CDs geistern durch die Hände von Schülern und Freunden, und nicht zuletzt bekommt auch jeder E-Mails mit irgendwelchen Links zu großartigen Youtube-Geschichten (einfach mal „Rapante“ und „dead terrorist“ eingeben, alles großartig …) oder sonstigen Internetbesonderheiten.

Die Sache mit den Büchern ist natürlich so eine zweischneidige. Einerseits weiß ich, dass meine Bücher ihren Dienst tun, also gelesen werden, was ihnen garantiert viel mehr Spaß macht, als irgendwo herumzustehen und zu liegen, andererseits habe ich mir mit der Zeit das eine oder andere Buch schon zum zweiten Mal gekauft, weil ich es auch mal lesen wollte, und wenn man dann Bücher zurückbekommt, sehen sie halt gelesen aus … aber genau das finde ich auch großartig – also nicht, dass ich Bücher noch mal kaufen muss -, Bücher müssen gelesen aussehen, geliebt, meinetwegen auch mit einem Tesastreifen geflickt. Also nehme ich die seltenen Verluste in Kauf, auch weil ich weiß, dass ich mit meinen Büchern einfach für Freude sorgen kann, weil ich gerne mit Freunden über Bücher und Filme und was sonst noch kommt rede.

Interessanterweise halte ich Missionierung im religiösen Bereich für eine unglaubliche Arroganz dem Missionierten gegenüber, lehne jegliche Mission absolut ab, bin aber selbst begeisterter Missionar, sobald es um wichtige kulturelle Inhalte geht. Also fühlt euch missioniert: Lest, schaut, geht ins Theater, ins Kino, ins Museum, BILDET EUCH! Alles andere ist verschwendetes Leben …

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Mai 7, 2008 in Kultur, Literatur, Theater, Zwischenruf und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. thoroughthinking

    Klassische Periode all over. Alter Kulturhansel. 😛

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