Kunst, ich höre immer Kunst …

Sorry, aber was ist eigentlich Kunst? Ich mach ein bisschen in der Richtung und frage mich, was der eigentliche Kern der Kunst ist. Mein Kunstbegriff ist dabei weitgefasst: Die bildende Kunst gehört dazu, die Musik, die dramatische Kunst (also Theater, Film und manchmal sogar Fernsehen), die Schriftstellerei … (ich hab bestimmt was vergessen, sorry dafür …)

Gibt es eine Essenz? Gibt es etwas, was die eigentliche Triebfeder der Kunst ist? Hier ein paar Denkansätze und meine Meinung dazu:

 

Kunst ist Schönheit!

Klar, wenn ich in Mozartmelodien versinke oder stundenlang auf einen Van Gogh starre, weil er einfach so schön ist, dann weiß ich, das Kunst Schönheit ist. Wenn ich HR Gigers Werke sehe, oder auch einfachein paar Bilder von Dali, dann weiß ich, dass Kunst nicht so viel mit Schönheit am Hut hat, und dennoch ist es Kunst. Das gilt auch für die Musik und sogar für Mozart, denn Momente aus Don Giovanni oder dem Requiem sind sicherlich nicht „schön“, sie sind gewaltig oder traurig oder zutiefst berührend, aber nicht wirklich schön. Im Film gibt es wahre Schönheit, Kameraleute und Regisseure können manchmal wirklich zaubern, aber in manch großartigem Film gibt es auch sehr unschöne Bilder … nein, Kunst ist nicht Schönheit.

 

Kunst ist Ästhetik!

Okay, das trifft schon eher … auch wenn es ein bisschen Feigenblattcharakter hat, wenn wir sagen, na ja, es hat halt seine eigene Ästhetik. Das Wort ist ein bisschen schwammig, manchmal wird es synonym mit Schönheit verwendet, dann spricht man von Ästhetik, wenn man eine Atmosphäre meint, oder auch einen optischen Entwurf in der dramatischen Kunst … Ja, es hat viel mit Kunst tun, aber es ist nicht die Essenz …

 

Kunst ist Provokation!

Vor ein paar Jahrzehnten war das schon zu einem großen Teil der Kunstbegriff. Provokation, brechen von Tabus, ja, das gehört doch zur Kunst, oder? JA, definitiv ja, Provokation muss sein. Aber es macht die Kunst nicht aus. Einerseits kann man nicht alles, was nicht provokant ist (oder mal war), gleich aus der Kunst heraus genommen werden, andererseits ist Provokation um ihrer selbst willen noch lange keine Kunst. Stellt sich jemand in Köln auf die Domplatte, zieht die Hosen herunter und hinterlässt sein großes Geschäft, dann ist das nicht automatisch Kunst, sondern erst mal eher ekelhaft. Wann würde das Kunst? Wenn der Haufen besonders ästhetisch wäre – ähm, nein! Wenn eine Absicht dahinter steckt? Naja, vielleicht, insgesamt finde ich es eher bescheuert … aber das ist ja kein Grund, dass es keine Kunst ist …

Nein, die Provokation kann es nicht allein sein …

 

Kunst ist politisch! Kunst muss erziehen!

Na Herr Brecht, trifft diese Definition? Kunst kommt aus Aussagen, Kunst will die Augen öffnen. (Das Theater irgendwie was politisches hat, habe ich hier schon mal geschrieben …) Aber das kann doch nicht der Kern der Kunst sein. Eher im Gegenteil: sobald die Kunst etwas anklagt, mit welchem Mittel auch immer, sobald die Kunst auch etwas anpreist, da ist die Kunst schon keine Kunst mehr. Verkündung oder auch Verkündigung mit den Mitteln der Kunst ist immer nur Propaganda. Nicht, dass man mich falsch versteht, ohne Politik geht es nicht immer, und oft sind politische Aussagen auch wichtig, aber Politik darf nicht Zweck der Kunst sein, die Aussage muss immer dabei sein, aber nicht auf dem Plakat, nicht vor sich her getragen, sondern aus der Kunst geboren.

 

Kunst ist Kunst ist Kunst!

Ja, genau, Kunst entzieht sich allen Urteilen, der Kern von Kunst ist eben Kunst. Kunst braucht doch keinen Bezug, oder?

Doch! Kunst um ihrer selber willen, ist, wie die Luther-Bibel so schön sagt „tönendes Erz“ – nicht, dass ich dieses Wort genau verstehe, aber der Vergleich liegt nahe. In der Bibel heißt es, man kann predigen und glauben und sich meinetwegen auch noch selbst kasteien, hat man die Liebe nicht, dann funktioniert das alles nicht. Genauso geht es mir mit der Kunst, die keinen Bezug mehr hat. Free Jazz – Neutöner – „vertontes Zahnweh“ – *kicher* – wenn Kunst sich von allen Bezügen entfernt, durchgeistigt wird, sich nur noch auf sich selbst bezieht, dann fehlt der Kunst ihr Kern … was uns näher an ihn heranbringt … und was übrig bleibt ist tönendes Erz, eine hohle Gedankenblase, nur von denen zu verstehen, die diese Kunst betreiben, selbstbespiegelte kulturelle Onanie. Das gibt es nicht nur in der Musik. Solche Auswüchse gibt es gerne auch im Theater, und in der bildenden Kunst? Na, da gibt es so viele Blubberblasen, dass die Leute kräftig aus den Museen herausgejagt wurden.

 

Kunst ist fürs Publikum!

Und meine Sprach ist für’n A… lassen wir das … Ja, jetzt kommen wir noch ein bisschen näher. Kunst muss fürs Publikum gemacht werden, hier könnten wir dem Pudel etwas näher gekommen sein, hoffentlich ist es der Kern …

Kunst hat etwas damit zu tun, dass sie gesehen wird, gehört wird, erlesen und erfühlt. Aber, und das muss hier angeführt werden, wenn Kunst sich dem Publikum anbiedert, es dem Publikum absichtlich einfach macht, dann ist der Kunststatus aberkannt und wird durch Kitsch ersetzt. Aber wir sind der Sache nahe, wie wäre es mit:

 

Kunst ist Emotion!

Oder noch besser:

 

Kunst ist das Wecken von Emotion!

Ja, das ist es wohl. Kunst ist Kunst weil sie Emotionen in uns weckt. Kunst ist erst Kunst, wenn sie in ihren Zuschauern, Zuhörern, Lesern die Seele zum Schwingen bringt. Kunst darf schön sein, und hässlich, darf erschrecken und soll trösten, zum Lachen und zum Weinen bringen – nur wenn das eintritt, spreche ich von Kunst. Kunst darf nicht gleichgültig zurücklassen, sie muss sich immer an die wenden, die sie wahrnehmen (wollen und sollen). Missachtung des Publikums sollte hart bestraft werden, und sie wird es auch mit jedem leeren Haus, jedem Buch, das in den Regalen stehen bleibt, jedem Kunstwerk, das nur einem kleinen elitären Kreis gefällt. Kunst muss Emotionen erwecken, sonst ist es keine Kunst.

 

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am August 17, 2008 in Film, Kultur, Kunst, Literatur, Theater und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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