Der Mietwagen – Eine Passionsgeschichte

Gestern war ich auf der Hochzeit sehr lieber Freunde, und der Teil der Feier, den ich erlebt habe, sogar ein bisschen mitgestalten durfte, war sehr schön. Aber leider war das nicht die Hauptzeit, die ich gestern in Bonn verbringen konnte, wo der Ort der Feierlichkeiten war.

Naja, mein Auto ist ein älterer Herr namens Kadett, der seine besten Zeiten sicherlich schon hinter sich hat, und so war es zwar ein Frusterlebnis, dass ein Kühlerschlauch platzte, aber nichts, was absolut unerwartet ist – so was kann passieren.

Natürlich habe ich bei der Versicherung angerufen, bei der ich meinen Schutzbrief habe, und die leiteten dann die weiteren Ereignisse ein. Um fünf Uhr, nachdem ich der sehr schönen kirchlichen Trauung beigewohnt hatte, holte ein sehr netter Abschleppwagenfahrer Auto und meine Wenigkeit ab und brachte uns zu einer kleinen Hinterhofwerkstatt. Nach einem Telefonat mit der Versicherung versicherte er mir, in einer halben Stunde sei jemand mit einem Mietwagen da.

Nun, ich wartete … wartete … und wartete noch ein bisschen. Nach einer Stunde und ein paar Telefonaten, mit denen ich mir die Zeit vertrieb, rief ich dann den netten Abschleppwagenfahrer an, der sich angemessen schockiert darüber zeigte, dass ich immer noch an der Straße stand. Er rief dann wiederum die Versicherung an … und wenige Minuten später rief dann wahrhaftig die Versicherung bei mir an. Okay, die Kollegin hatte den Abschlepper falsch verstanden, jetzt kümmere sie sich blitzartig um einen Mietwagen.

Kurze Bestandaufnahme: es war kurz nach sieben, die Hochzeitsgesellschaft trank gerade Sekt, ich hatte an diesem schönen Tage bis dahin praktisch noch nichts gegessen, war ungelogen seit zehn Uhr morgens auf keiner Toilette mehr gewesen, mein mitgenommenes Colafläschchen war auch leer und von der langen Herumsteherei, respektive Herumsitzerei auf seltsamen Gebilden am Straßenrand, schmerzten Füße und Rücken gar fürchterlich – insgesamt war ich nun schon ein bisschen gereizt, aber man ist ja leidensfähig.

Als ich mich nun schon freute, dass der Mietwagen wohl bald kommen würde, rief die nette Dame von der Versicherung wieder an, um mich zu fragen, bis wann ich den Wagen denn so vermutlich brauchen würde. Toll, das hätte man ja schon beim ersten Anruf nachfragen können.

Wieder Hoffnung … bei jedem Auto ein bisschen …. bei jedem Auto ein bisschen weniger. Als kurz nach acht – nun stand ich schon über zwei Stunden dort herum, rief die Versicherung wieder an. Und als mich diese unglaublich clevere Frau, jetzt wieder eine andere, dann fragte – wohlgemerkt nach einer weiteren Stunde -, ob ich denn noch da stände, wo ich die Panne gemeldet hatte, flippte ich aus. Es tut mir noch nicht mal leid. Ich schrie diese Frau an, sie sollte mich doch bitte nicht verar … und nun wollte auch diese Dame irgendwie dafür sorgen, dass ich an meinen Mietwagen kommen könnte. Scheinbar beleidigt, tat auch diese Frau offenbar nichts – denn wie soll man das sonst nennen. Aber sie tat dieses nichts nicht, ohne mir vorher zu sagen, dass aufgrund der späten Zeit ein Nachtzuschlag von vierzig Euronen hinzukommen würde, den die Versicherung nicht tragen wolle. Na, was für ein Lustigmacher …

Nun stellte sich für mich langsam die Frage, was die Anforderung bei Einstellung der Mitarbeiter dieses speziellen Callcenters ist? Vielleicht, dass man auf keinen Fall einen IQ haben darf, der oberhalb der Schuhgröße liegt?

Es war in etwa neun Uhr, als der nette Abschleppwagenfahrer vom Anfang wiederum bei der gleichen Werkstatt auftauchte, und fast einen Herzkasper bekam, da er mich da immer noch stehen sah. Nun kümmerte er sich wieder, was er ja eigentlich auch nicht hätte tun müssen. Aber was sollte ich machen. Ich hatte keine Telefonnummer, außer der 0180er von dem Callcenter, dass mich ganz am Anfang aufgenommen hatte – aber das war nicht das gleiche, also was sollte mir das bringen. Und immer wenn die anriefen, dann natürlich mit versteckter Nummer, wäre ja noch schöner, wenn man zurückrufen könnte.

Nun kam auch der syrische Besitzer der Werkstatt hinzu, bewirtete uns mit Kaffee und Kakao, entrüstete sich angemessen über die Versicherung und adoptierte mich fast. Jetzt wurde es gemütlich.

Zehn Minuten, nachdem der Meister angerufen hatte, rief mich eine weitere Dame von der Versicherung an. Nun schon völlig resigniert, war ich sehr ruhig geworden, erfreute mich wenig an der Zusicherung, den Nachtzuschlag nun doch nicht zahlen zu müssen. Jetzt wurde noch mal die Adresse bestätigt, und verkündet, dass ein Mitarbeiter der Mietwagenfirma gleich vorbeikommen würde, mich zu deren Zentrale bringen und mir einen Wagen aushändigen würde.

Nun tauschte ich mit den netten Mechanikern verschiedene Autofahranekdoten aus, es war nett, aber ich war immer noch am falschen Platz. Es war schon deutlich nach zahn, als der Mensch von der Mietwagenfirma anrief und fragte wo ich denn sei, er sei schließlich an der von der Versicherung angegebenen Adresse. Ich bezeugte standhaft, dass die Adresse eine andere sei, gab ihm dann auch mal die richtige, und dann begann eine große Rätselei. Warum, zum Donnerdrummel, hatte die Versicherung den ebenfalls recht netten Autovermieter zur anderen Seite der Stadt geschickt? Wird wohl ein Rätsel der Menschheit bleiben …

Nun brauchte der natürlich noch mal eine lockere Viertelstunde, um die Rheinseite zu wechseln und nun endlich an der Werkstatt anzukommen. Nach der freundlichen Verabschiedung von der angenehmen Gesellschaft brauchte es jetzt nur noch eine weitere Dreiviertelstunde, bis ich erstens den Wagen hatte, zweitens mich noch mal lustig in der dunklen Stadt verfahren hatte, und völlig fertig in die Stätte der Feierlichkeiten wankte. Es waren deutlich über sechs Stunden vergangen, seit ich von dort aus losgefahren war … trotz allem erkannte man mich doch noch, hieß mich willkommen und verfütterte die Reste des Hochzeitsmahls an mich. Ich war angekommen …

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am August 31, 2008 in Anekdoten und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Hi Holger!

    Was für eine Geschichte. Und was für eine Ehre für uns, das Ziel Deiner Passionsgeschichte gewesen zu sein. Ich hoffe, dass Du halbwegs schadlos aus der Geschichte herauskommst und Dein Auto bald wieder fährt. 🙂

    Nochmal vielen Dank für Deinen tollen Beitrag, hoffentlich beschwatzt Du den Jö bald, ich sagte ihm schon, dass Ihr dann noch ein paar Stücke mehr und eine Zugabe braucht! Ich komme, wenn ich Zeit habe!

    Und natürlich wird hier nach unserem Urlaub auch eine Fonduegesellschaft steigen, zu der Du gerne kommen kannst – vielleicht fährt ja dann Nicole? 😉

    Viele liebe Grüße,

    Michel

    P.S.: Der schon öfter ein Kommentar schreiben wollte, sich aber von der Anmelderei abschrecken ließ. Jetzt hat er’s doch getan.

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