Archiv für den Monat September 2008

Fortschritte und Rückschläge

Hm, wie hier das eine oder andere Mal schon bemerkbar geworden ist, mach ich Theater, und das gleich mit verschiedenen Gruppen, denen ich versuche, das Schauspielen näher zu bringen. Momentan bin ich an sage und schreibe fünf Produktionen beteiligt, an vier davon als verantwortlicher Regisseur. Montags ist mein Theatertag, heute ist Dienstag und damit kann ich mal kurz auf meinen gestrigen Tag Rückschau halten.

Der fing mit einer Besprechung zu „Die Hexe und das Mädchen“ an, der Großproduktion, bei der ich als Co-Regisseur mitwirke – das Casting vor ein paar Tagen gehörte auch hierzu … und die Besprechung war … na ja … nicht unbedingt erhellend, aber wir haben ja auch noch ein bisschen Zeit und andere hatten mehr Probleme, die besprochen werden mussten, als ich – meine kommen noch, garantiert …

Und dann kamen meine Kleinen, die jungen Darsteller zwischen zehn und dreizehn – und gleich eine Hiobsbotschaft – eine will aufhören, die ich schon für die Weihnachtsproduktion eingeplant habe … na toll … ich muss oft improvisieren, und es gab ja auch noch keine Proben für die Kinder … aber schön ist anders … dafür war ich überrascht, wie gut sich eine junge Dame integrierte, die aus einem anderen Kurs in diesen gewechselt ist, die blüht auf, wenn sie nicht mit Musik zu tun hat … auch interessant …

In der nächsten Gruppe gab es gleich zwei Überraschungen – ein Mädel kam nach über einem Jahr zurück und wird die Gruppe verstärken … coole Sache das … und es gab einen Jungen (!), der sich die Sache mal anschauen wollte, und auch noch offenbar ein bisschen Spaß dabei hatte … ich habe innerlich geweint vor Glück – wenn er wiederkommt, ist er wahrhaftig der zweite Kerl in dieser Gruppe … ja, das ist es, was meine Seele erfreut …

Und dann … tja, dann fehlten wieder zu viele in der Gruppe der mehr oder weniger Erwachsenen – ziemlich blöd dafür, dass wir relativ dicht vor einer Premiere stehen. Andererseits war der Hauptdarsteller früher zurück bei uns, als wir dachten, und ich konnte endlich die letzten Seiten präsentieren – was lange währt, wird endlich gut. Allerdings geht ein kleiner Clou, den ich in den Schluss eingebaut habe, nicht auf. Manchmal überfordere ich meine Schauspielerinnen offenbar … da gibt es nun eine Sache, die ich noch mal neu überdenken muss … kurz vor Schluss habe ich irgendwie eine Schauspielerin zu wenig. Wieder so eine Sache, die mich ein bisschen ratlos macht – manchmal denke ich, dass es kaum etwas kreativeres und interessanteres gibt, als diese Arbeit, und manchmal verfluche ich die vielen Entscheidungen, die man treffen muss, die vielen Kleinigkeiten, die einfach nicht vorhersehbar sind. Und ich frage mich, ob die Regisseure an Profibühnen die gleichen Probleme haben, sich mit den gleichen Sachen herumschlagen müssen.

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Das Fort – Wartezeit

Ein kleines Schreibprojekt, eine Idee, die sich heute morgen festgesetzt hat. Ich habe gestern von lieben Menschen ein Blöckchen geschenkt bekommen und auch einen schicken neuen Kuli. Und da ist heute schon dieses kleine Geschichtchen hereingeflossen.

Iva tat das Kreuz weh. Aber beim Spülen hatte sie wenigstens Ablenkung, hatte Rena und die kleine Mara dabei. Und wenn Mara auch stumm war, Rena redete für sie mit. Aber jetzt war alles Geschirr sauber, die Spüle, der Elektroherd und der alte Kohleofen, der auch wirklich kochen konnte, auch. Es war warm hier in der großen alten Küche des Forts, im Kohleofen glühte irgendwas Brennbares vor sich hin. Zumindest an Holz war noch kein Mangel.

Jetzt musste Iva sich der Tatsache stellen, dass es nicht mehr viele Vorräte gab. Und sie musste sich fragen, ob Ando bald mit irgendwas zurückkommen würde, was er organisiert hätte. Draußen schlug jemand auf den Blechhelm, der als Glocke diente. Nachrichten? Gute oder schlechte? Iva ging schnell hinaus. Rena folgte, mit Mara im Schlepptau, die sich jederzeit sofort verstecken würde, wenn sie die Chance dazu bekäme.

Maham stand in der Mitte der Anderen – Maham, ihr kleiner Cousin, drei Jahre jünger als sie selbst und einer der wichtigsten Streuner, den sie hatten. „Alle da?“, Mahams Stimme merkte man an, dass sie bald brechen würde, zumindest, wenn er noch ein halbes Jahr überleben würde. „Ich war am Waldrand von Teleri, ich bin versteckt mitgelaufen, mit Ando, mein ich . Aber in Teleri waren Leute mit Maschinenpistolen. Ich hab meinen Pfiff gemacht“, nervös wiederholte er den Warnpfiff eines Vogels, den sie alle kannten, „ich dachte, Ando hätte sie auch gesehen. Aber dann waren sie schon da, sie haben ihn geschlagen und mitgenommen. Und ich konnte nichts tun.“

Iva war gelähmt, Ando war der letzte Erwachsene, der sich um sie gekümmert hatte. Jetzt war niemand mehr da. ‚Der letzte Erwachsene!‘, dachte sie, „Der letzte Erwachsene!‘, immer wieder. Sie konnte schon gar nichts anderes mehr denken. Bert weinte, Wanja natürlich auch, das alberne Huhn. Jos hatte keine Tränen mehr, wer wusste schon, ob er überhaupt ein Wort verstanden hatte, was Maham gesagt hatte. Und Mara saß im Staub und malte seltsame Gebilde mit den Fingern.

„Rena, du bist jetzt die Älteste, du übernimmst das Kommando!“ Donato hatte diese Idee. Als Iva die Hoffnung sah, die er in den Augen hatte, wusste sie nicht, ob sie weinen oder lachen sollte.

„Du spinnst!“, war alles, was Rena in diesem Augenblick einfiel. Das alle Augen auf sie sahen, war ihr nun gerade auch nicht angenehm. Wie automatisch klickten in den Köpfen der Jugendlichen nun die Namen durch. Rena wollte nicht, und eigentlich wussten sie auch alle, dass Rena zwar eine gute Seele hatte, aber nicht die nötige Kraft. Außerdem war sie immerhin schon so schwanger, dass man es sehen konnte. Damit konnte die nirgends mit hin, wo es anstrengend oder gefährlich sein würde. Die Blicke gingen weiter auf Bert, aber da blieben sie nicht lange. Bert war stark wie ein Bär, aber auch kein Deut intelligenter. Nein, Bert war keine Wahl.

„Okay, schon klar“, meinte Iva, „geht wohl nicht anders.“

„Nein, du musst nicht“, mischte sich Jelin ein, „ich bin fast genauso alt wie Iva …“ Sie fragte sich, ob sie erleichtert sein sollte, „… und ich bin ein Mann!“, und sie verwarf den Gedanken ganz schnell.

„Ein Männchen vielleicht!“ Sie baute sich vor ihm auf und musste kaum zu ihm hochschauen. „Das, was du zwischen den Beinen hast, macht dich bestimmt nicht zu einem besseren Anführer. Ich glaube, es waren keine Frauen, die diesen Scheißkrieg angefangen haben!“ Jetzt hatte sie Jelin auf ihrer Größe. Und sie hatte jetzt die Verantwortung.

Leben, um zu lieben …

Es muss schon ziemlich schlimm sein, wenn ich ein solches Thema aufgreife, und eigentlich hätte ich nicht gedacht, etwas doch recht privates hier zu schreiben … was soll’s, es will gerade raus …

Letztens habe ich gelesen, wie jemand für seine Liebe sterben würde, dachte mir, na ja, ein bisschen melodramatisch, aber warum nicht. Und eben fahre ich durch die Gegend, und 1live hat wieder irgendeine blödsinnige Umfrage gestartet – und da es nun mal das Vorrecht der Jugend ist radikale Aussagen abzusondern, kam da der schöne Spruch „Lebe, um zu lieben!“

Angenehm enthusiasmiert, dachte ich: „Ja, das ist es!“ – und wurde von der Erkenntnis auf den Boden geholt, dass ich da ja nicht mitreden könnte, da ich nunmehr vor sieben Jahren meine letzte Beziehung hatte … eine Beziehung, die immer noch nachwirkt – nein, ihre sechsjährige Tochter ist nicht von mir!! – und mir heute noch manchmal Schmerzen bereitet – aber das gehört ja gar nicht hierher …

Einerseits klingt das so gut, das mit dem Leben, um zu lieben … aber andererseits – Gott sei dank, denke ich meistens recht flott und konnte die auftauchende Depression schnell ad acta legen. Wer sagt denn, dass man nur in Beziehungen lieben kann, verdammt, ich liebe! Ja, ob ihrs glaubt oder nicht, ich liebe, und das aus der Tiefe meines Herzens – allerdings mach ich nicht viel dafür, dass dieses Gefühlt allzu heftig erwidert wird, ich will ja die Mauern nicht einreißen und schon gar nicht einreißen lassen.

Aber lieben, ja, das tu ich. Vor einigen Tagen inzwischen, habe ich von den ach so lustigen Begebenheiten auf der Hochzeit von Freunden berichtet, der ich kaum beiwohnen durfte – tja … was ich da nicht geschrieben habe, ist, dass ich ja durchaus einen sehr schönen Moment erleben durfte, einen dieser seltenen Momente, in denen man merkt, dass man glücklich ist. Zur Vorgeschichte sei gesagt – und das ist ein bisschen schwer zu verstehen, weil es sich mal wieder ein wenig von den „normalen“ Beziehungsgeflechten „normaler“ Menschen unterscheidet. Die Braut war quasi meine Exfreundin, allerdings waren wir nur sehr kurz zusammen, weil wir damals gemerkt hatten, dass wir als sehr gute Freunde hervorragend harmonierten, als Paar aber nicht. Natürlich waren wir ein bisschen verliebt und so, aber wir brauchten nicht lange, bis wir die Erkenntnis hatten, dass eine Beziehung Blödsinn war. Über die Jahre haben wir eine Menge erlebt, und eines hat sich nie geändert, wir haben eine gewisse Vertrautheit, und, tja, ich liebe sie – aber halt selbstlos, ohne Ansprüche und auch ohne Trauer darüber, dass ich keine Ansprüche habe. Und an diesem Tag habe ich es wieder so sehr gemerkt. Sie kam als wunderschöne Braut in die Kirche, strahlte vor Glück, und ich war auch glücklich, einfach mit ihr glücklich. Ich habe mich mit ihr und ihrem Mann gefreut, einfach so, hat für einen Moment echten Glücks gereicht, hat man ja nicht so oft …

Ich habe gemerkt, und dafür brauchte ich wirklich nur wenige Momente – ich bin wieder bei meiner Autofahrt – dass es viele Menschen gibt, die ich liebe. Ich habe auch viele Möglichkeiten dazu, ich habe Freunde, ich bin Pädagoge, ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen. Wenn ich da keine Liebe hätte, wäre ich doch kein guter Lehrer – ich hoffe, ich bin einer …

Manchmal mag es ein wenig seltsam klingen, wenn ich sage, dass ich eigentlich alle Schüler mag, dass ich vom Gefühl her wirklich nur selten den einen dem anderen vorziehe. Ich spar mir meine Liebe auch nicht für irgendwen auf, denn Liebe wird ja nicht weniger, wenn man sie ausgibt.

Okay, da war dann noch das Beziehungsproblem. Ich bekomme gerade aus dem Freundeskreis von zweien immer wieder mit, dass sie nach einer Beziehung suchen – aus verschiedenen Gründen zwar, aber sie suchen … und ich frage mich, warum ich das mit sechs Jahren mehr auf dem krummen Rücken, nicht mache. Vielleicht die schlechte Erfahrung, die nachwirkt, vielleicht auch eine gewisse Trägheit, aber hauptsächlich ist es wahrscheinlich Angst … hey, ich liebe, keine Frage, aber hat das was mit Beziehungen zu tun?

Die Qual der Wahl

Wer schon mal hier reingeschaut hat, wird vermutlich bemerkt haben, dass ich Theater mache. Manchmal mach ich auch recht viel Theater, werden manche einwenden, aber hier ist eigentlich nicht der richtige Platz für schlechte Kalauer, deswegen kehre ich zm Thema zurück.

In dieser Woche war es dann zum ersten Mal soweit, dass ich in der Jury eines kleinen Castings saß. Zumindest hatten wir gedacht, dass das Casting für eine Rolle in einer Großproduktion des nächsten Jahres eher klein geraten würde – mit zehn bis fünfzehn Bewerberinnen hatten wir gerechnet, es waren dann über vierzig junge Damen zwischen zehn und dreizehn Jahren.

Jeweils drei Juroren betrieben eine Vorauswahl, am Ende kamen die besten sechs Probandinnen in eine Endrunde und mussten vor zu diesem Zeitpunkt immerhin noch acht Juroren ihr bestes tun.

Ich habe schon häufiger vor schwierigen Entscheidungen gestanden, wie ich welche Rolle besetze. Das macht nie besonders viel Spaß, ist aber notwendig. Hier wurde es noch schwieriger. Aus zwölf, dreizehn Mädchen mussten wir die besten zwei in der Vorrunde heraussuchen. Und erst mal schien das einfach. Das erste Mädchen hatte Charme, war aber zu alt, das nächste war so übernervös, dass man es nicht in eine Hauptrolle besetzen möchte – wenn die schon bei so einem kleinen Casting so nervös ist … – das wiederum nächste Mädchn ist kein bisschen niedlich – ist aber eine Wucht, ein Rohdiamant, nichts für diese Rolle, aber bitte, geh nicht weg, ich kann dich anderen Produktionen brauchen …

Und dann plätschert es so dahin und plötzlich kommt es, das kleine freche Mädchen, dass wir brauchen. Viel zu schnell rattert sie eine gut geschriebene Passage aus einem Mädchen-Buch herunter, setzt jede Pointe richtig, die Jury lacht und kritzelt große Pluszeichen auf ihre Unterlagen. Das Mädchen hat Power, wirkt total sympathisch … toll!

Und es bleibt so gut. Die nächste, ein offenes Kind mit kecker Brille, hat vielleicht nicht ganz so viel Power, aber jede Menge Charme, und wieder werden Pluszeichen gemalt …

Da ist man ganz froh, wenn daraufhin ein bisschen weniger los ist. Wer hat eigentlich gesagt, dass man arg frühreife Texte eher unmelodisch singen soll, es geht um eine Sprechrolle?! Aber es gibt keine wirklichen Enttäuschungen, da ist keine bei, der man sagen will: Mädel, für dich ist die Bühne nichts! – allerdings merkt man in einigen Fällen, dass der Weg dahin lang sein wird.

Und dann kommt ein kleines, zartes, blondes Geschöpf, liest einen Text vor, und die Jury weiß, jetzt gibt es ein Problem. Die Kleine geht zu Herzen, hat viel Potential und … so ein Mist, jetzt haben wir drei Gute!!

Dabei bleibt es dann auch. Drei Mädels, von denen man sagen kann, ja, die wäre es, die aber auch … die folgenden Diskussionen sind hart, alle haben Bauchschmerzen, wir hoffen, dass bei den anderen Jurys weniger gute Mädels waren, aber Irrtum, die haben die gleichen Schwierigkeiten. Na toll, wir schicken nun also mindestens eine Handvoll Mädchen einfach weg, nur weil sie nicht der richtige Typ waren, nicht das letzte Quäntchen Power haben, nicht so richtig gut vorbereitet waren. Alle diese Mädchen sollten dringend auf die Bühne, nur halt in anderen Rollen …

Nun gut, letztlich fällt das zweite gute Mädchen raus, die Kleine von fast zum Schluss ist gesetzt, wir entscheiden uns für das lustigere Geschöpf – das ist alles so nah beieinander. Beide Mädchen haben es dann letztlich nicht geschafft, auch wenn die Kleine letztlich die Nummer drei war, das erste Mädchen, dass nicht berücksichtigt wurde, denn die beiden Gewinnerinnen teilen sich die Hauptrolle. Und da war natürlich die Typfrage fast das Wichtigste – die drei ersten sind alle erst zehn Jahre alt, klein, haben was niedliches. Alle sechs Mädchen, die am Ende da standen, hätten es spielen können, alle sechs waren begabt und werden hoffentlich ihren Weg auf den Brettern gehen. Die Entscheidung fiel demokratisch durch Punktvergabe – was wahrscheinlich für alle Juroren das einfachste war. Hier geht es wirklich um Entscheidungen, die ich nicht unbedingt noch mal treffen möchte. Man merkt ja auch, dass das den Kindern wirklich wichtig ist, dass sie sich über die nächste Runde wirklich freuen, und darüber, dabei zu sein … oder ist das schon im sozialen Gedächtnis, weil man ja aus dem Fernsehen weiß, wie man sich bei der Namensnennung verhalten muss …

Im Prinzip denke ich, dass die Aktion gut war, für das Stück schon ein bisschen die Werbetrommel rührt, uns hoffentlich auch ein paar begabte Mädels mehr in die Theatergruppen spült, aber genauso prinzipiell brauch ich das als Juror nicht mehr wieder …

Zwischenruf – Artistik …

Aus quasi unerfindlichen, immer wiederkehrenden Gründen war ich gestern im Phantasialand, und in diesem Jahr habe ich mal wieder die große Show im Wintergarten namens Arachnomé gesehen – mache ich nicht immer, so manche Show verpasst man im Achterbahnentroubel, aber in diesem Fall war es ein netter Abschluss eines Freizeitparktages.

Bei dieser Varieteshow gibt es ein bisschen Illusion zu sehen – wie kommt die Frau jetzt durch die Stahlplatte? -, dazu ein Schlangenmädchen, ein paar chinesische Akrobaten und einige Tänzerinnen, die irgendwie der rhythmischen Sportgymnastik entlehnt zu sein scheinen. Alles sehr hübsch, alles in tollen Kostümen, gut durchdacht und mit Musik geschmückt, die sehr verschiedene Qualitätsgrade hatte. Es wird sogar versucht, so etwas wie ein Geschichte zu erzählen, was durchaus nicht üblich ist, für so geartete Shows.

Trotzdem merkte ich, wie ich mich nicht so recht konzentrieren konnte … war es der leckere Schokladenkuchen oder die heftigen Verwindungen in den Achterbahnen – ich konnte zeitweise die Augen nicht so recht aufhalten – okay, in früheren Jahren habe ich auch schon mal zehn Minuten einer ähnlichen Show schlicht verpennt, das ist also kein Einzelfall – vielleicht sollte ich mir eine DVD davon besorgen und ich würde bald keine Einschlafprobleme mehr kennen …

Ich frage mich nun also, wieso das so ist – gut, es wurde nicht jongliert, was mich sicherlich am meisten interessiert hätte, weil ich da zumindest die Grundlagen auch beherrsche, aber das ist kein guter Grund. Es ist auch nicht so, dass ich nicht bewundern würde, was Menschen mit ihren Körpern so anfangen können, und da gab es einiges zu sehen, was wirklich toll war. Aber fesseln konnte es mich nicht …

Ich glaube, das liegt hauptsächlich an der Präsentationsweise. Erstens gibt es bei allen diesen tollen Akrobaten, Tänzern und Athleten furchtbare Manierismen – jede Bewegung muss tänzerisch zu Ende geführt werden, alle wirken künstlich, weil jede Bewegung künstlich ist. Zweitens ist alles in Farben und Glitter eingezwängt, hier gibt es immer ein bisschen zu viel von allem.

Eine einzige Nummer, die ein bisschen Natürlichkeit eingefügt hätte, wäre für mich eine Erlösung gewesen. Irgendwas, das echt gewirkt hätte – so konnte mich nichts anrühren. Erschlagen von hübschen, aber nichtssagenden Bildern will das Auge einfach Ruhe und zieht die Läden vor – ich glaube, diese Kunstform ist an sich irgendwie in ihrer Künstlichkeit völlig erstarrt, nur sehr selten sieht man Artisten, die mit den Tausenden von pailettenbestickten Klischees aufräumen, und einfach mal einen ganz einfachen und naheliegenden Weg bestreiten – und damit wieder Augen zum leuchten bringen – und nicht zum Schlafen …