Das Fort – Wartezeit

Ein kleines Schreibprojekt, eine Idee, die sich heute morgen festgesetzt hat. Ich habe gestern von lieben Menschen ein Blöckchen geschenkt bekommen und auch einen schicken neuen Kuli. Und da ist heute schon dieses kleine Geschichtchen hereingeflossen.

Iva tat das Kreuz weh. Aber beim Spülen hatte sie wenigstens Ablenkung, hatte Rena und die kleine Mara dabei. Und wenn Mara auch stumm war, Rena redete für sie mit. Aber jetzt war alles Geschirr sauber, die Spüle, der Elektroherd und der alte Kohleofen, der auch wirklich kochen konnte, auch. Es war warm hier in der großen alten Küche des Forts, im Kohleofen glühte irgendwas Brennbares vor sich hin. Zumindest an Holz war noch kein Mangel.

Jetzt musste Iva sich der Tatsache stellen, dass es nicht mehr viele Vorräte gab. Und sie musste sich fragen, ob Ando bald mit irgendwas zurückkommen würde, was er organisiert hätte. Draußen schlug jemand auf den Blechhelm, der als Glocke diente. Nachrichten? Gute oder schlechte? Iva ging schnell hinaus. Rena folgte, mit Mara im Schlepptau, die sich jederzeit sofort verstecken würde, wenn sie die Chance dazu bekäme.

Maham stand in der Mitte der Anderen – Maham, ihr kleiner Cousin, drei Jahre jünger als sie selbst und einer der wichtigsten Streuner, den sie hatten. „Alle da?“, Mahams Stimme merkte man an, dass sie bald brechen würde, zumindest, wenn er noch ein halbes Jahr überleben würde. „Ich war am Waldrand von Teleri, ich bin versteckt mitgelaufen, mit Ando, mein ich . Aber in Teleri waren Leute mit Maschinenpistolen. Ich hab meinen Pfiff gemacht“, nervös wiederholte er den Warnpfiff eines Vogels, den sie alle kannten, „ich dachte, Ando hätte sie auch gesehen. Aber dann waren sie schon da, sie haben ihn geschlagen und mitgenommen. Und ich konnte nichts tun.“

Iva war gelähmt, Ando war der letzte Erwachsene, der sich um sie gekümmert hatte. Jetzt war niemand mehr da. ‚Der letzte Erwachsene!‘, dachte sie, „Der letzte Erwachsene!‘, immer wieder. Sie konnte schon gar nichts anderes mehr denken. Bert weinte, Wanja natürlich auch, das alberne Huhn. Jos hatte keine Tränen mehr, wer wusste schon, ob er überhaupt ein Wort verstanden hatte, was Maham gesagt hatte. Und Mara saß im Staub und malte seltsame Gebilde mit den Fingern.

„Rena, du bist jetzt die Älteste, du übernimmst das Kommando!“ Donato hatte diese Idee. Als Iva die Hoffnung sah, die er in den Augen hatte, wusste sie nicht, ob sie weinen oder lachen sollte.

„Du spinnst!“, war alles, was Rena in diesem Augenblick einfiel. Das alle Augen auf sie sahen, war ihr nun gerade auch nicht angenehm. Wie automatisch klickten in den Köpfen der Jugendlichen nun die Namen durch. Rena wollte nicht, und eigentlich wussten sie auch alle, dass Rena zwar eine gute Seele hatte, aber nicht die nötige Kraft. Außerdem war sie immerhin schon so schwanger, dass man es sehen konnte. Damit konnte die nirgends mit hin, wo es anstrengend oder gefährlich sein würde. Die Blicke gingen weiter auf Bert, aber da blieben sie nicht lange. Bert war stark wie ein Bär, aber auch kein Deut intelligenter. Nein, Bert war keine Wahl.

„Okay, schon klar“, meinte Iva, „geht wohl nicht anders.“

„Nein, du musst nicht“, mischte sich Jelin ein, „ich bin fast genauso alt wie Iva …“ Sie fragte sich, ob sie erleichtert sein sollte, „… und ich bin ein Mann!“, und sie verwarf den Gedanken ganz schnell.

„Ein Männchen vielleicht!“ Sie baute sich vor ihm auf und musste kaum zu ihm hochschauen. „Das, was du zwischen den Beinen hast, macht dich bestimmt nicht zu einem besseren Anführer. Ich glaube, es waren keine Frauen, die diesen Scheißkrieg angefangen haben!“ Jetzt hatte sie Jelin auf ihrer Größe. Und sie hatte jetzt die Verantwortung.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am September 16, 2008 in Kurzgeschichte, Schreibprojekt und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Hier ein kleiner Artikel zum Spülen 😉

    Spülgewohnheiten – wie Geschirr gespült wird

    Gruß

    AMUNO

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