Leben, um zu lieben …

Es muss schon ziemlich schlimm sein, wenn ich ein solches Thema aufgreife, und eigentlich hätte ich nicht gedacht, etwas doch recht privates hier zu schreiben … was soll’s, es will gerade raus …

Letztens habe ich gelesen, wie jemand für seine Liebe sterben würde, dachte mir, na ja, ein bisschen melodramatisch, aber warum nicht. Und eben fahre ich durch die Gegend, und 1live hat wieder irgendeine blödsinnige Umfrage gestartet – und da es nun mal das Vorrecht der Jugend ist radikale Aussagen abzusondern, kam da der schöne Spruch „Lebe, um zu lieben!“

Angenehm enthusiasmiert, dachte ich: „Ja, das ist es!“ – und wurde von der Erkenntnis auf den Boden geholt, dass ich da ja nicht mitreden könnte, da ich nunmehr vor sieben Jahren meine letzte Beziehung hatte … eine Beziehung, die immer noch nachwirkt – nein, ihre sechsjährige Tochter ist nicht von mir!! – und mir heute noch manchmal Schmerzen bereitet – aber das gehört ja gar nicht hierher …

Einerseits klingt das so gut, das mit dem Leben, um zu lieben … aber andererseits – Gott sei dank, denke ich meistens recht flott und konnte die auftauchende Depression schnell ad acta legen. Wer sagt denn, dass man nur in Beziehungen lieben kann, verdammt, ich liebe! Ja, ob ihrs glaubt oder nicht, ich liebe, und das aus der Tiefe meines Herzens – allerdings mach ich nicht viel dafür, dass dieses Gefühlt allzu heftig erwidert wird, ich will ja die Mauern nicht einreißen und schon gar nicht einreißen lassen.

Aber lieben, ja, das tu ich. Vor einigen Tagen inzwischen, habe ich von den ach so lustigen Begebenheiten auf der Hochzeit von Freunden berichtet, der ich kaum beiwohnen durfte – tja … was ich da nicht geschrieben habe, ist, dass ich ja durchaus einen sehr schönen Moment erleben durfte, einen dieser seltenen Momente, in denen man merkt, dass man glücklich ist. Zur Vorgeschichte sei gesagt – und das ist ein bisschen schwer zu verstehen, weil es sich mal wieder ein wenig von den „normalen“ Beziehungsgeflechten „normaler“ Menschen unterscheidet. Die Braut war quasi meine Exfreundin, allerdings waren wir nur sehr kurz zusammen, weil wir damals gemerkt hatten, dass wir als sehr gute Freunde hervorragend harmonierten, als Paar aber nicht. Natürlich waren wir ein bisschen verliebt und so, aber wir brauchten nicht lange, bis wir die Erkenntnis hatten, dass eine Beziehung Blödsinn war. Über die Jahre haben wir eine Menge erlebt, und eines hat sich nie geändert, wir haben eine gewisse Vertrautheit, und, tja, ich liebe sie – aber halt selbstlos, ohne Ansprüche und auch ohne Trauer darüber, dass ich keine Ansprüche habe. Und an diesem Tag habe ich es wieder so sehr gemerkt. Sie kam als wunderschöne Braut in die Kirche, strahlte vor Glück, und ich war auch glücklich, einfach mit ihr glücklich. Ich habe mich mit ihr und ihrem Mann gefreut, einfach so, hat für einen Moment echten Glücks gereicht, hat man ja nicht so oft …

Ich habe gemerkt, und dafür brauchte ich wirklich nur wenige Momente – ich bin wieder bei meiner Autofahrt – dass es viele Menschen gibt, die ich liebe. Ich habe auch viele Möglichkeiten dazu, ich habe Freunde, ich bin Pädagoge, ich arbeite mit Kindern und Jugendlichen. Wenn ich da keine Liebe hätte, wäre ich doch kein guter Lehrer – ich hoffe, ich bin einer …

Manchmal mag es ein wenig seltsam klingen, wenn ich sage, dass ich eigentlich alle Schüler mag, dass ich vom Gefühl her wirklich nur selten den einen dem anderen vorziehe. Ich spar mir meine Liebe auch nicht für irgendwen auf, denn Liebe wird ja nicht weniger, wenn man sie ausgibt.

Okay, da war dann noch das Beziehungsproblem. Ich bekomme gerade aus dem Freundeskreis von zweien immer wieder mit, dass sie nach einer Beziehung suchen – aus verschiedenen Gründen zwar, aber sie suchen … und ich frage mich, warum ich das mit sechs Jahren mehr auf dem krummen Rücken, nicht mache. Vielleicht die schlechte Erfahrung, die nachwirkt, vielleicht auch eine gewisse Trägheit, aber hauptsächlich ist es wahrscheinlich Angst … hey, ich liebe, keine Frage, aber hat das was mit Beziehungen zu tun?

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am September 16, 2008, in Nicht kategorisiert. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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