Demut vor dem Wahltermin

Hier im schönen NRW fragt man sich schon lange, was die Einstellungsbedingungen für Kultusminister ist, schon als Schüler wussten wir das nie so sicher. Aber dachten wir schon, die Politiker, die die SPD mit diesem durchaus nicht unwichtigem Amt, seien hier und da etwas seltsam drauf gewesen – Frau Sommer schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht.

Nach vielen unsinnigen Entscheidungen und völlig konzeptloser Einführung des Abiturs nach 12 Jahren – ich schrieb schon mal drüber – hat sich Frau Sommer jetzt eine hübsche Idee geleistet. Nach Querelen um Schulgebete in einer Grundschule äußerte sich unsere Schulministerin und sagte, dass es Erziehungsziel sei, den Schülern Demut vor Gott zu vermitteln. Ja, richtig gelesen, Demut vor Gott. Wenn die Frau nicht von der CDU wäre, hätte ich erst mal gedacht, das kommt davon, wenn die Landeshauptstadt so nah an der holländischen Grenze liegt. Aber nein, die Frau kifft nicht, die meint das ernst.

Eine Figur, die im Herbst in einem Stück von mir mitspielte würde da doch glatt sagen: „Oh, Demut vor einem Hirngespinst? Und das ist ein Erziehungsziel? Ich glaub, ich lauf Amok!“ Nun bin ich kein Atheist, noch nicht mal Agnostiker, aber ich fände Demut vor der Schöpfung gleich mal viel sinnvoller. Oder Demut vor der Geschichte, oder einfach mal Toleranz. Wäre ja mal eine interessante Alternative für die CDU … einfach mal Toleranz.

Ob Grundschulkinder beten oder nicht, ehrlich, es ist mir egal. Aber ob Politiker ungestraft solchen Unsinn erzählen dürfen oder nicht das find ich schon wichtig. Ich habe meinen persönlichen Glauben, würde es aber für unglaublich anmaßend halten, jemand anderen davon zu überzeugen, jemand anderen zu bekehren – und halte es umgekehrt unglaublich anmaßend wenn andere das bei mir zu tun versuchen, oder bei anderen. Es gibt weit wichtigere Werte, die Kindern vermittelt werden müssen, als Demut vor einem wie auch immer gearteten Gott. Demut vor fremden Religionen zum Beispiel geht der CDU ständig ab, da hat die Schule offenbar nichts geholfen. Am Schlimmsten finde ich, dass in einer Gesellschaft, in der eigentlich klar geregelt sein sollte, dass Staat und Kirche getrennt sind, Politiker mit solcher Heuchelei auf Stimmenfang gehen. Demut vor Gott, dass ich nicht lache, Frau Sommer weiß, dass es im Juni Kommunalwahlen gibt, Demut vor dem Wahltermin, die trau ich ihr noch so gerade zu.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Januar 29, 2009 in Bildungspolitik, Schule und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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