Archiv für den Monat April 2009

Aufgeschnappt und weitergeplärrt II:

„Sind sie nicht auch froh, dass es nur einen Rudi Völler gibt?“

Hagen Rether

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Aufgeschnappt und weitergeplärrt I:

„Nichts nimmt die Vernunft so mit,
wie die Aussicht auf Profit!“

Reim von Roger Willemsen

Quick – Opernstreit in Köln

Ha, es gibt im hochheiligen Köln einen kleinen Skandal um die Oper, genauer um die baldige Premiere von Samson et Dalila. Zwei Solisten und ungefähr zwanzig SängerInnen des Opernchores haben sich krank gemeldet. Ganz doll krank gemeldet mit Attest und so. Regisseur Tilman Knabe, auf dessen Engagement die Kölner Operdirektion laut Homepage sehr stolz ist, verlegt den Streit des Volkes Israel mit den Philistern in den heutigen Gazastreifen, kombiniert das, wie man so hört, miit Erschießungen und Massenvergewaltigungen. Nein, die werden natürlich nicht vom Opernchor gespielt, sondern von Schauspielern, die hier natürlich nur Statisten sind. Wir sind schließlich in der Oper, wer nicht singt, ist da nur Statist. Das Problem besteht also nicht in der Ausführung solcher Szenen, nein, der Opernchor muss es sich aus nächster Nähe ansehen … also aus der Nähe, aus der man sehen kann, dass natürlich alles nur Fake ist, die Illusion ist aus solcher Nähe immer sehr brüchig.
Man könnte vermuten, dass die Adresse des Arztes, der so flächenmäßige psychische Überanstrengungen beim Ensemble festgestellt hat, ein heißer Tipp war – woher sonst kommen die vielen Atteste. Aber das ist nur eine böse Vermutung am Rande.
Ich muss zugeben, ich zweifel ein bisschen an der Professionalität der krankgeschriebenen Sänger. Sicher, es mag den einen oder anderen geben, der wirklich zart besaitet ist, okay, aber zwanzig? Da wird einem Regisseur, der vielleicht allen neu ist, dessen Ideen vielleicht ein bisschen extremer sind, alles an Vorurteilen entgegen geworfen, und auch gleich möglichst viel Sand ins Getriebe geschüttet – und das, anstatt sich mit den Ideen konstruktruktiv und engagiert auseinanderzusetzen. Da werden eigene Befindlichkeiten über das Stück gesetzt – und das ist natürlich gegen jede Theaterregel.
Man kann auch dem Regisseur etwas vorwerfen, nämlich mit Sicherheit eine gestörte Kommunikation mit dem Ensemble – aber das ist ja wahrscheinlich auch nicht so einfach, wenn man als Gastregisseur an ein Haus kommt. Er hätte nicht vorraussetzen dürfen, dass das Ensemble begeistert seine Ideen aufgreift, sondern mit Schwierigkeiten rechnen sollen.
Ich möchte mit diesem kleinen Artikel übrigens nicht sagen, dass ich die Ideen von Herrn Knabe gut finde, ich bin eher selten durch Aktualisierungen zu begeistern, und ich finde Massenvergewaltigungen und Erschießungen nur dann auf einer Bühne sinnvoll, wenn sie dem Stück dienen. Aber dennoch ist eine Blockadehaltung, wie das in Köln passiert, Bühnenmenschen unwürdig.
Ich suche jetzt noch jemanden, der mit mir in die Oper will, das Spektakel will ich mir ungern entgehen lassen.

Quick – Stopschild im Internet

Hm, wenn man so blogt und ein bisschen mitverfolgt, was andere so in ihren Blogs schreiben, dann wird man ein bisschen aufmerksamer in Bezug auf so manches Internetthema – und davon kochen in letzter Zeit einige hoch. Nun also Stopschilder im Internet, Internetsperren. Die sollen natürlich nur gegen Kinderpornographie eingesetzt werden, klar. Jetzt frage ich mich, ob es nicht schon lange geht, dass wenn Seiten illegal sind, diese von den Providern vom Netz genommen werden können, ja sogar müssen. Wenn dem so ist, ist die Diskussion völliger Blödsinn.
Aber auch sonst ist diese Diskussion Blödsinn, wie soll man es anders sagen. Da werden Sperren ins Netz gebaut, und bei Youtube gibt es ein Video, wie man solche Sperren innerhalb von weniger als einer Minute ausschaltet – na, herzlichen Glückwunsch, da sind wir ja ganz doll up to date, was?
Was viel schlimmer ist: Das geht mir ganz prinzipiell viel zu sehr in Zensurrichtung, und Zensur ist gegen das Grundgesetz – was ist denn, wenn plötzlich kritische Blogs gesperrt wird, weil man sie dringend der Kinderprostitution verdächtigt? Wie kann man denn das Gegenteil beweisen? Nein, mit sowas spielt man nicht!! Finger davon!
Nun, es gibt in diesem Jahr zwei bis drei Wahlen, und da sollte man mal ganz dringend darauf schauen, wer für diesen Quatsch verantwortlich ist. Von der Partei des Herrn Schäuble – der offenkundig auf der falschen Seite der Mauer geboren wurde, bei der Stasi hätte der ein tolles Feld zur Selbstverwirklichung gehabt – erwartet man keine besondere Freundschaft zum Grundgesetz mehr – aber die SPD zieht da ja mit … da kann man ja auch Konsequenzen draus ziehen, wenn man wählt.
Übrigens halte ich Kinderpornographie für ein genauso aufgebauschtes Problem wie Amokläufe – keine Frage, beide Sachen sind nicht gut, und müssen natürlich moralisch verurteilt sein – aber im Vergleich mit früheren Zeiten ist Kindesmissbrauch garantiert viel seltener, wie auch Amokläufe seltener geworden sind – nur die mediale Aufarbeitung wird immer heftiger. Und dabei ist diese Berichterstattung – sowohl über Missbrauch als auch über Kinderpornographie absolut bigott. Es wird immer noch lauter geschrieen – und zwar viel lauter – wenn es Jungen sind und die von Männern missbraucht werden, schließlich kann man es ja bei Mädchen viel besser verstehen und eigentlich ist das so wie bei AIDS, schuld dran sind die Schwulen. Bei Jungen reicht der Missbrauch zum Artikel, bei Mädchen muss es mindestens Entführung sein, besser noch ein Mord – sonst gruselt es nicht genug. Der vielfache Missbrauch, den es leider immer noch gibt, soll das hier auf keinen Fall beschönigen, aber die Berichterstattung macht es ja nicht besser, bauscht an der falschen Stelle auf. Nein, so schlimm jeder Missbrauch ist, und ja, man kann da nicht genug aufklären – die Panikmache, das Hochkochen, das lenkt nur von den wirklichen Problemen der Welt ab.

Ein Typ aus den Slums will also Millionär werden … schön …

Meine Fresse, acht Oscars? Geht es auch eine kleine Ecke kleiner?

Man merkt vielleicht, ich habe inzwischen Slumdog Millionaire geschaut … hey, versteht mich nicht falsch, ist ja kein schlechter Film, aber acht Oscars? Nein, eher mal keinen, also von mir aus, nee, keinen. Vielleicht liegt mir der ganz Film nicht, vielleicht war mir am Anfang alles zu laut und zu bunt, und die Geschichte kratzte einfach zu sehr den wirklich interessanten Punkten vorbei.

Dabei ist die Idee natürlich mehr als hübsch, die Verknüpfung einer trivialen Rateshow mit einem untrivialen Schicksal. Aber einige Sachen funktionieren einfach handwerklich nicht so richtig. Da gibt es Szenen, die voller Effekte, aber nicht effektiv sind, wie der kleine Jamal, der aus der Scheiße kam – kein echter Lacher, ein bisschen eklig, und sehr unglaubwürdig. Da wird die Frage gestellt, und es gibt gar keine so klare Verbindung zu der folgenden Szene aus dem Leben, es gibt keinen Moment, wegen dem Jamal sich etwas einprägen sollte. Aber das schlimmste, dieser Film packt einen nie irgendwo anders, als im Hirn – netter intellektueller Spaß, auch ein paar Rätsel um hinterher zu überlegen, was dieses oder jenes Detail wohl sollte, aber mitfühlen, sich mitreißen lassen, mitleiden? Nee, echt nicht.

Das liegt wohl einerseits an den schwachen Schauspielern im Zeitbereich „Erwachsen“ – die Kinder sind nicht nur niedlich sondern auch recht gut – vor allem der erwachsene Jamal ist einfach nicht gut. Immer nur blass und unbeteiligt daneben sitzen, ist irgendwie ein bisschen wenig. Aber auch seine Lathika ist eigentlich nur langweilig, und durchaus sehr hübsch, aber eben niemand, der einen umhaut.

Andererseits sind die schnellen Schnitte, die ungeduldige Erzählweise auch daran schuld, dass der Film zumindest für mich nicht funktioniert. Es muss auch mal einen Moment geben, in dem sich ein Gefühl in den Zuschauer einbrennen kann. Das schafft weder die Liebe der beiden, noch das Leid, noch irgendwas anderes. Da bleibt alles zu kalt.

Nein, ein schlechter Film ist es auch nicht, besser als das Kinogeld für die Ludolfs auszugeben, aber acht Oscars? Verstehe den Hype nicht …