Quick – Opernstreit in Köln

Ha, es gibt im hochheiligen Köln einen kleinen Skandal um die Oper, genauer um die baldige Premiere von Samson et Dalila. Zwei Solisten und ungefähr zwanzig SängerInnen des Opernchores haben sich krank gemeldet. Ganz doll krank gemeldet mit Attest und so. Regisseur Tilman Knabe, auf dessen Engagement die Kölner Operdirektion laut Homepage sehr stolz ist, verlegt den Streit des Volkes Israel mit den Philistern in den heutigen Gazastreifen, kombiniert das, wie man so hört, miit Erschießungen und Massenvergewaltigungen. Nein, die werden natürlich nicht vom Opernchor gespielt, sondern von Schauspielern, die hier natürlich nur Statisten sind. Wir sind schließlich in der Oper, wer nicht singt, ist da nur Statist. Das Problem besteht also nicht in der Ausführung solcher Szenen, nein, der Opernchor muss es sich aus nächster Nähe ansehen … also aus der Nähe, aus der man sehen kann, dass natürlich alles nur Fake ist, die Illusion ist aus solcher Nähe immer sehr brüchig.
Man könnte vermuten, dass die Adresse des Arztes, der so flächenmäßige psychische Überanstrengungen beim Ensemble festgestellt hat, ein heißer Tipp war – woher sonst kommen die vielen Atteste. Aber das ist nur eine böse Vermutung am Rande.
Ich muss zugeben, ich zweifel ein bisschen an der Professionalität der krankgeschriebenen Sänger. Sicher, es mag den einen oder anderen geben, der wirklich zart besaitet ist, okay, aber zwanzig? Da wird einem Regisseur, der vielleicht allen neu ist, dessen Ideen vielleicht ein bisschen extremer sind, alles an Vorurteilen entgegen geworfen, und auch gleich möglichst viel Sand ins Getriebe geschüttet – und das, anstatt sich mit den Ideen konstruktruktiv und engagiert auseinanderzusetzen. Da werden eigene Befindlichkeiten über das Stück gesetzt – und das ist natürlich gegen jede Theaterregel.
Man kann auch dem Regisseur etwas vorwerfen, nämlich mit Sicherheit eine gestörte Kommunikation mit dem Ensemble – aber das ist ja wahrscheinlich auch nicht so einfach, wenn man als Gastregisseur an ein Haus kommt. Er hätte nicht vorraussetzen dürfen, dass das Ensemble begeistert seine Ideen aufgreift, sondern mit Schwierigkeiten rechnen sollen.
Ich möchte mit diesem kleinen Artikel übrigens nicht sagen, dass ich die Ideen von Herrn Knabe gut finde, ich bin eher selten durch Aktualisierungen zu begeistern, und ich finde Massenvergewaltigungen und Erschießungen nur dann auf einer Bühne sinnvoll, wenn sie dem Stück dienen. Aber dennoch ist eine Blockadehaltung, wie das in Köln passiert, Bühnenmenschen unwürdig.
Ich suche jetzt noch jemanden, der mit mir in die Oper will, das Spektakel will ich mir ungern entgehen lassen.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am April 22, 2009 in Kultur, Oper, Theater und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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