Marie Antoinette – Musical … oder so …

Michael Kunze und Sylvester Levay waren als Texter und Komponist ja schon erfolgreich, als sie noch keine Musicals schrieben, aber man muss ihnen einen großen Verdienst zuschreiben, mit Elisabeth zeigten sie, dass Musicals auch dann erfolgreich sein können, wenn ihre Originalsprache Deutsch ist.

Ich bin vor ein paar Tagen über ihr neuestes Musical gestolpert, und habe mir die CD gekauft, konnte mal wieder einfach nicht dran vorbei. Ich bin seit vielen Jahren schon ein großer Liebhaber des Musiktheaters und meine Wurzeln liegen beim Musical – meine Sammlung an Musical-CDs ist dementsprechend sehr groß – und nun kam also Marie Antoinette dazu.

Und gleich ab damit in den Giftschrank!!

Machen wir mal eine kleine Umleitung: Ich kann nicht sagen, dass ich je ein riesiger Fan der Kunze/Levay-Musicals war, am ehesten noch von Mozart, und natürlich war ich von Elisabeth auch beeindruckt. Sowohl bei Mozert als auch bei Elisabeth gab es einen wirklich cleveren dramaturgischen Clou – bei Elisabeth war es der Tod, der personifiziert eine Liebesaffäre mit der lieben Sisi haben darf – das bedingt zwar, dass ihr Gemahl, der Kaiser, zu einer der schwächsten Musicalrollen aller Zeiten wird – der totale Waschlappen – aber da geht einiges ab, was wirklich interessant ist, da gibt es gute dialogische Songs, eine Menge derben Humors und viele weitere Bosheiten – lustvoll wird mit der Sissi-Seligkeit aufgeräumt – und auch musikalisch steckt da eine Menge drin. Auch, nun ja, wenn ich zugeben muss, es gibt ein paar Stellen, die ich nicht mehr hören kann, und es gibt auch ein paar Texte, die wiederum selbst hart am Kitsch sind.

Bei Mozart gab es auf der Bühne einen kleinen Mozart, das Idealbild Amadé, der mit dem quasi erwachsenen Wolfgang kontrastiert – der Clou kommt zwar bei der Musik – und ich gebe ja gerne zu, ich habe es nicht gesehen – eigentlich gar nicht vor, aber auch hier haben wir wieder tolle Dialoge, die einfach gut in die Musik hineinspielen, hier gibt es Witz und auch mal was schönes.

Danach kam Rebecca, was mich schon deutlich weniger faszinieren konnte – und nun Marie Antoinette – das Grauen, schlechter deutscher Schlager, der sich als Musical tarnt. Nicht nur, dass die Texte von größter dichterischer Schlichtheit sind, die Rollen plärren auch noch die ganze Zeit offen heraus, was sie gerade fühlen, denken, und auch noch, welche Funktion sie im Stück haben und was der kommende Konflikt ist – nichts davon wird irgendwie verschlüsselt, nichts durch die Blume gesagt, meine Güte, ist das platt. Und ich rede nicht von einem oder zwei Ausrutschern, nein, das geht von vorn bis hinten so. Dazu dann die Musik – genauso belanglos. Das ist ein kitschiger uninspirierter Musikbrei, grauenhaft.

Kunze und Levy sind nicht mehr die jüngsten, und vermutlich wollten sie noch so lange ein bisschen Geld zusammen verdienen, wie sie es können – aber wie schade, dass so ein Machwerk in einem Musicaltheater aufgeführt wird, während sich begabtere Texter und Komponisten über ähnliche Möglichkeiten ein Loch in den Bauch freuen würden.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Mai 17, 2009 in Kultur, Musical, Musik, Theater und mit , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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