Archiv für den Monat Juli 2009

Daniel Kehlmann vs. Regietheater

Ich habe mich gerade eine halbe Stunde mit dem beschäftigt, was Romancier Daniel Kehlmann in seiner Eröffnungsrede der Salzburger Festspiele gegen das Regietheater gesagt hat … und da ich ja nun selbst Regisseur bin, wenn auch nur ein kleiner in der Provinz, so muss ich doch mal meine Gedanken hierzu sammeln.

Kehlmann hat über seinen Vater gesprochen, den Regisseur Michael Kehlmann, der irgendwann aus der Mode kam, weil er nicht dem Regietheaterhype hinterherlief. Er hat davon gesprochen, dass sein Vater sich als „Diener des Autors“ sah – und damit hat er mir sehr gut getan.

Bei mir ist es so, dass ich, einerseits weil mir selten Stücke wirklich gefallen, andererseits weil sie oft nicht so einfach aufführbar sind, wenn man seine Ensembles aus Jugendlichen zusammensetzt, oft eigene Stücke auf die Bühne bringe, quasi das gleiche mache, wie Autorenfilmer das im Filmbereich tun. Ich schreibe Stücke auf meine Bühne hin, ich schreibe Charaktere oft auch auf Schauspieler hin – so kann man hier und da auch Schwächen umgehen oder solide spielende Jugendliche wie Stars aussehen lassen. Schreibe ich nicht für meine Bühne, bin ich deutlich abstrakter in Regieanweisungen, habe aber genauso meine Vorstellungen. Und ich wäre wenig begeistert, wenn jemand mein Stück nur zum Anlass nähme, und daraus was ganz anderes machen würde.

Als Regisseur kann ich natürlich darauf bauen, dass das, was ich schreibe, schon das ist, was ich auch sehen will – dennoch gibt es genug Momente, in denen ich beim Inszenieren wieder abweiche, Text ändere, Ideen einfließen lasse, die aus dem Ensemble kommen, oder auch Momente, in denen ich frage, wer den Quatsch geschrieben hat, so oder so wäre es doch viel sinnvoller. Inszeniere ich Texte von anderen, so sind das üblicherweise Texte, die mir sehr gut gefallen – Stücke, die ich nicht mag, werde ich allenfalls persiflieren, niemals aber ernsthaft inszenieren. Wenn mir aber ein stück sehr gut gefällt, MUSS ich doch diesem Stück dienen, alles andere wäre doch großer Mist – was gewinne ich denn, wenn ich ein Stück, dass ich mag, destruktiv angehe?

Wer sich nicht als Diener des Autors fühlt, wer meint, seine eigenen Gedanken wären wichtiger, als das, was der Autor geschrieben hat, der soll eigene Stücke schreiben und sie auf die Bühne bringen. Letztlich ist es ja auch immer das, was ich meinen Schauspielern auf den Weg gebe: Diene dem Stück und diene dem Publikum!! Macht man das in angemessener Weise, so wird das Publikum einem schon so sehr den Bauch pinseln, dass das eigene Ego befriedigt wird, das garantiere ich.

Damit meine ich keine reaktionären Kitschinszenierungen, an wen auch immer man glaubt, der bewahre … Ja, ich diene dem Publikum, aber nicht dadurch, dass ich mich anbiedere, dass ich jeglicher Provokation aus dem Wege gehe. Ich diene dem Publikum, in dem ich die Geschichte erzähle, die der Autor erzählen wollte, und das ist oft provokant genug.

Die ästhetische Frage, ob man Leute in Originalkostümen auf die Bühne schickt, oder in modernen, oder in zeitlosen, oder einen Designer sich austoben lässt, die ist wirklich nur ein ästhetische – in manchem Stück wird eine zeitlich passende Klamotte einfach die Illusion verstärken, und das ist selten ein Nachteil – es ist aber auch keiner, wenn Romeo in Jeans und T-Shirt daherkommt – allenfalls dann, wenn die Jeans eine Baggy ist, der Darsteller sie nicht authentisch tragen kann und der Regisseur sich damit nur einem Zeitgeschmäckle anpassen will.

In manchen Momenten kann und soll man modernisieren, ein gutes Beispiel ist die „Samson et Dalila“-Inszenierung von Tilman Knabe in Köln, die ja schon im Vorfeld für jede Menge Skandälchen gesorgt hat. Knabe hat zu Recht geschaut, wo die Geschichte spielt, nämlich im Krieg – und da wir heute wohl wenig mit ein paar Speerträgern anfangen können, die in biblischer Zeit metzelten, hat er moderne Soldaten genommen – und hat den Krieg, von dem das Stück spricht, wörtlich genommen, dem Stück, den Autoren also gedient. Eine großartige Inszenierung. Ob es auf der anderen Seite Sinn macht, Wagners mythisch-magische Geschichten in Konzernzentralen zu verlegen? Wahrscheinlich nicht, Wagner spricht nämlich nicht von Konzernzentralen. Ob es Sinn macht, ständig mit Videoinstallationen, mit Nacktheit und verschmierten Körpern zu arbeiten? Nein, macht es nicht – es sei denn, es steckt im Stück drin. Schnitzlers Reigen vollständig angezogen zu spielen, kann nur ein Experiment sein, schlimmes Regietheater, da geht es die ganze Zeit um Sex, wer hat denn angezogen Sex? Habe ich eine gelungene Allegorie, die ich mit Videotechnik ins Stück bringen kann, und die dem Text dient, dann sollte ich sie machen – Großaufnahmen von Darstellern, nur weil ich sie bringen kann, halte ich für lecker sinnlos.

Regisseure müssen alles nutzen, was sie nutzen können, sollen jede Idee des Regietheaters nutzen, aber zu dem Zweck, den Daniel Kehlmann ihnen einzuimpfen versucht: Dient dem Stück, dient dem Autoren – aber, in einer Sache muss natürlich auch widersprochen werden: Ein Regisseur kann keine gute Arbeit abliefern, wenn er geknebelt wird, und oft wird eine Regieanweisung des Autors umgangen werden müssen, weil die nicht passt, weil die Geschichte besser wird, ohne sie … und hier muss präzisiert werden: Dient dem Stück, dient der Geschichte!! Der Autor ist selbst nur ein Medium, durch die die Geschichte zu uns gekommen ist.

Als Autor freue ich mich über jeden, der die Geschichte, die ich aufgeschrieben habe, weitertragen will, aber ich möchte auch, dass es die gleiche Geschichte bleibt, dass der Geist der Geschichte nicht verändert wird, als Regisseur will ich eine Geschichte erzählen die mir gefällt, dazu nutze ich alles, was mir einfällt, wenn es denn der Geschichte dient, denn ich bin nur der Regisseur, der Spielleiter, wichtig darf ich mich nicht nehmen.

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Suchanfragen des letzten Monats … mal ernsthaft beantwortet, mal nicht …

Ja, ich weiß, die Rubrik ist so was von geklaut, aber deswegen kann sie ja trotzdem Spaß machen …:

„die schönste quest in nordend“ – für mich eindeutig die DETA-Quest, bei der man Nesingwarys Wilderer in die eigenen Fallen laufen lässt – einfach wegen der Sprüche …
„jäger macht keinen schaden“ – uh, sollte eigentlich nicht passieren, aber ich kenne solche Jäger … dann pack mal dein Tier aus und komm aus dem Nahkampf, du Noob!! – ähm, sorry, irgendwie prägt WoW einen doch …
„quest wo man gegen den lichtkönig kämpft“ – Wrath of the Lightking, mein Lieblingsaddon von Blizzard …
„mit gedankenkraft zum millionär“ – erfinde einfach mit deiner Gedankenkraft ein Perpetuum Mobile und ich vermute, das könnte klappen …
„lösung turm utgarde heroisch“ – hm, wie Lösung? Seit wann ist WoW ein Adventure? Ich hab da noch kein Rätsel gefunden …
„stopschild internet konsequenzen“ – drei Punkte in Flensburg? Oder doch lieber Zensursula aus der Politik schmeißen? Ich grübel noch ein bisschen …
„peitschende männer“ – ja, nee, is klar … aber viel Spaß …
„ist der jäger ein tank oder schaden“ – der Jäger in WoW ist einer der stärksten Tanks überhaupt, genau deswegen führt er ein Tierchen mit sich, das normalerweise für ihn tankt … nicht logisch? … was kommt als nächstes, der heilende Hexer?

„Leck mich am Gral!“ oder „Gott segne ihre Muschi!“ – Spamalot

Warum nur? So will man fragen, warum nur, ist dieses Musical kein Erfolg? Gemeinsam mit einem überschaubar gefüllten Saal hatte ich gestern die Gelegenheit, Monty Python’s Spamalot im heiligen Köln anzuschauen. Und in Sichtweite des Doms geht im Musical Dome so was von die Post ab, dass ich mich zwischendurch kneifen musste – hach, die sind so krank in ihrem Humor, man muss es lieben. Kaum hat der Historiker durchblicken lassen, dass es nun los geht und der Weg nach Britannien offen ist, öffnet sich der Vorhang, und wir sind in Lappland, wo bunt kostümierte Lappen den Plitsch-Platsch-Song singen, Finnland hoch leben lassen, bis endlich der Historiker wieder eingreift und verlauten lässt, dass wirklich England gemeint gewesen sei – woraufhin natürlich alle peinlich berührt die Bühne verlassen, und einem wunderbaren optischen Gag mit ein paar Mönchen selbige überlassen.

An diesem Punkt, keine fünf Minuten waren gespielt, liefen mir schon Tränen das Gesicht runter, Tränen der Verzückung und des Gelächters. Klar, so stark konnte es dann nicht die ganzen drei Stunden, die stark an eine erinnerten, nicht weitergehen, hier und da gibt es ein paar Zeitgeistgags, die eher schwach sind, mal kurz nach Düsseldorf geschossen werden muss auch – wir sind in Köln -, und dennoch, es gibt noch so viele wunderbare Momente voll des englischen Humors, natürlich auch wiederentdeckbare Momente aus dem zu Grunde liegenden Film „Die Ritter der Kokosnuss“ – dass diese Show kein Hit ist, während eine Grütze wie Starlight Express schon seit gefühlten 237 Jahren in Bochum aufgeführt wird, ist peinlich für das deutsche Publikum. Sogar „Saturday Night Fever“ und „We will Rock You!“ liefen besser, und das sind noch nicht mal Musicals – es ist zum Heulen!!

Spamalot ist gute Musik, eine kranke Geschichte und so viel Persiflage auf Musicals, dass besonders die, die sich für das Genre schon ein bisschen länger interessieren, einfach aus dem Lachen nicht mehr rauskommen. Also, wer noch nicht war, der sollte rein, und zwar ganz flott … kann doch nicht angehen … das Ding müsste eigentlich Kult sein …. *grummel*

Quick – Wahlkampf?

Es ist nicht mehr allzu lange hin, bis zu den Bundestagswahlen, gerade mal noch etwas mehr als zwei Monate. Und gibt es nun irgendetwas, was sich wie Wahlkampf anfühlt? Eigentlich noch nicht so wirklich – okay, die CDU verkauft widersinnige Internetsperren als Erfolg gegen Kinderpornografie – und jeder, der was davon versteht – also nciht von Kinderpornos, sondern vom Internet – weiß, dass das Quatsch ist, okay, aktionistisch ist eine Verschärfung des Waffenrechts beschlossen worden, die auf dem Papier großartig scheint, aber ein Papiertiger mit sehr stumpfen Krallen bleiben wird – das nächste Winnenden oder Erfurt wird kommen, und es werden wieder Waffen von Schützen oder Jägern sein, mit denen jemand Opfer in Klassenstärke fabrizieren wird – wenn man da nichts gegen tun will, dann ist das halt so.
Also werden solche Erfolge verbucht, wo man sonst keine großen Erfolge verbuchen kann.
Da hat die große Koalition eine Legislaturperiode lang nicht regiert, hat von den Reformen der rot-grünen Vorgänger profitieren können, und nimmt die Wirtschaftskrise einfach als gottgegeben hin, als höhere Gewalt – naja, man hätte ja auch was gegen den enthemmten Kapitalismus tun können, man hätte, wenn es denn gewünscht gewesen wäre – aber da nun mal die Wirtschaft und das Geld die wahre Macht im Staate haben …
Worauf das hinausläuft ist klar, man hat sich an Frau Merkel genauso gewöhnt, wie an Kohl früher, Menschen, die so langweilig scheinen, dass man nicht allgemein merkt, dass sie machtgeile Typen sind, die sich mithilfe von Lobbyisten und Ehrenworten an der Spitze der Nahrungskette halten. Alle Probleme werden ausgesessen – und weil Frau Merkel alles besser macht, als erwartet, hat sie auch total positive Werte. Besser als erwartet … Obama wird man immer daran messen, was man an Erwartungen in ihn gesetzt hat, von Merkel erwartet man nichts, und deswegen ist sie immer besser als erwartet – am Ende muss Obama eigentlich verlieren …
Und weil man sich so an Frau Merkel gewöhnt hat, und weil keiner wirklich daran interessiert ist, was zu ändern, deswegen wird die SPD untergehen, an der Leine von Frauchen verhungert, und wir haben wieder eine schwarz-gelbe Zeit. Als ob die, die die Krise auslösen, auch mit ihr klar kämen. Politik macht einen doch depressiv im Moment.

Quick – Einmal Eiszeit bitte!

Ja, war gestern im Kino, weil das Wetter draußen ja so doof ist … oder so ….

Nun, Ice Age 3 geschaut und zugegeben viel gelacht. Es funktioniert immer noch ganz gut, ein Wiesel im Captain Jakc Sparrow-Look verstärkt die Bande, und auch Scratt hat eine wirklich gute Ergänzung bekommen – ist nun der dritte Teil der beste, oder wie sonst immer zu vermuten, der schwächste? Weder noch, er hält sich mit seinem Vorgänger die Waage, ist turbulenter und ein bisschen witziger an vielen Stellen, andererseits fehlen ein paar Anspielungen. Noch mehr mangelt es an Substanz und an der Tragik, die den ersten Film so unglaublich gut gemacht haben. Da die Menschen mit Ende des ersten Films die Erde offenkundig verlassen haben, sind wir in ein Comic-Universum gestürzt, dass keine große Substanz hat – einige lustige Gesellen, ja, aber eben keine große Substanz.

Bei allem Witz – ja, ich hab mich wirklich köstlich amüsiert – haben die Macher einige Fehler gemacht. Der größte nach dem Verschwinden der Menschen, ist die Einführung der beiden nervigen Opossumbrüder aus Teil Zwei. Mit denen wissen sie nämlich in Film Drei nicht wirklich viel anzufangen – und die waren ja eigentlich in Film Zwei schon fehl am Platze, der nervige Zappler ist Sid, die Rolle ist einfach schon besetzt.

Ja, es ist gute Unterhaltung und die Qualität ist relativ konstant geblieben, aber eigentlich ist es schade, dass das Original nur sehr selten nochmal erreicht werden kann.