Neue Studiobühne Siegen – „wir schlafen nicht“

Jetzt habe ich fünf Minuten lang überlegt, ob ich ein Wortspiel mit dem Titel des Theaterstücks von Kathrin Röggla bastel, aber irgendwie ist das eher kontraproduktiv. Nun ja, da hat sich eine neue Theatergruppe an der Uni Siegen gebildet und sich für „wir schlafen nicht“ entschieden. Ich hab mir das angeschaut, weil ein Schauspieler aus meinem Ensemble dabei war und nächste Woche noch ist, und, na ja, da muss man ja auch was zu sagen.

Ein weißer, seltsamerweise etwas unheimlicher menschengroßer Duracell-Hase eröffnet das Spiel. Zuschauer strömen herein, Neon leuchtet kalt und unangenehm ins Publikum. Und nun beginnen die Sprachkaskaden, immer drei Darsteller spielen eine Figur, was man anfangs erst erschließen muss, sie reden von Praktika, von Medien-Vergangenheit, von Menschen freisetzen und allem möglichen weiteren Wirtschaftsquark. Dabei mutieren sie nach der Pause zu Zombies, der Hase bringt die IT-ler um, es gibt also ein bisschen was zu sehen, und noch viel mehr zu hören …

Und es ist langweilig. Hey, es gibt gute Momente, und keine Frage, der Star meines Ensembles ist es auch in diesem – also hat sich für mich das Anschauen gelohnt – aber es ist einfach langweilig. Diese vielen Wiederholungen, diese unsinnige Wortkolonne ohne Gefühle, da passiert einfach nichts. Und sämtliche Bösartigkeiten, sämtliche Widersinnigkeiten der Wirtschaftselite bleiben Fakten, die man registriert, über die man nachdenken kann, die aber niemanden bewegt, die nichts wirklich klar stellt. Das ist einfach nur Geschwafel. Und der hoch erhobene Zeigefinger ist auch nur nervig – meine Güte, wie kann man so plakativ politisches Theater machen, das ist so aufgesetzt. Da fühlt sich niemand wirklich in die Typen ein, die nicht mehr schlafen, die Drogen nehmen, um wach zu bleiben, das hätte man doch auch spielen können – gut, es ist eine Amateurgruppe, man gibt sich studentisch intellektuell, aber da kann man doch was rausholen, gut, manche waren von Textmenge und –geschwindigkeit auch einfach überfordert, und so funktionierte das Spiel mit den drei Darstellern, die eine Rolle spielen auch nicht wirklich. Leute, Kunst ist nicht intellektuell sondern sinnlich. So wird das nichts. Nette Ansätze und ein gruseliger Plüschhase reichen einfach nicht für einen guten Theaterabend.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 20, 2009 in Allgemein, Gesellschaft, Kultur, Literatur, Theater und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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