Die Idee der Kunst in der Theaterpädagogik

Kann man Schauspielerei so beibringen, wie man Mathe lehrt? Wohl eher nicht, wird man vielleicht verstehen. Theater hat ja was mit so seltsamen Sachen wie Phantasie und Kunst zu tun.

Nun meinen einige, dass man dennoch jungen Menschen nur die Techniken beibringen muss, und schon werden sie auf der Bühne gute Leistungen bringen. Also werden Techniken eingepaukt – so weint man, so lacht man, so tut man so, als ob eine Kraft einen durch den Raum zieht, so ist man leise, so ist man laut. Aber so wichtig das alles ist, so wichtig ist es auch, als Pädagoge im Theater, aber durchaus auch in allen anderen künstlerischen Bereichen, selbst als Künstler zu denken. Versucht man nicht, künstlerisch etwas mit seinen Schülern zu erreichen, dann lebt man ihnen nicht die Kunst vor. Legt man an sie nicht die Messlatte der Kunst, dann erzieht man sie nicht zu Künstlern.

Das führt manchmal zu Schwierigkeiten der etwas anderen Art. Jeder ist einfach zufrieden zu stellen, wenn seine Kinder oder Enkel ein nettes Stück mitspielen. Irgendwas niedliches, einfaches – nichts, wo man wirklich angerührt sein muss. Spielt man dann ein Stück, das von Zuschauern und Darstellern ein bisschen was verlangt, dann sind Eltern schon kritischer – hat man da die Schüler falsch erzogen, geht das auch schon mal schief an, nach praktisch jeder Inszenierung verliert man Schauspieler, bekommt aber meistens auch neue hinzu, weil sich Menschen immer auch von Kunst angezogen fühlen. Es ist wohl so, das Kunst immer auch einen Hauch „tut man nicht“ an sich hat – und wenn dann die Vierzehnjährige eine Figur spielt, die als Kind missbraucht wurde, dann ist das für Eltern und Großeltern nicht so ganz easy – für sie selbst war es eine tolle Rolle.

Es ist noch nicht mal der Reiz des Tabubruchs, man muss keine Tabus brechen, um Eltern zu erschrecken, es reicht, wenn sie ihre Kinder plötzlich in einem völlig anderen Licht sehen, weil die plötzlich Sachen machen, die sie ihre Eltern noch nie gezeigt haben. Natürlich sind es gerade diese Momente, die sie zu Schauspielern machen, die sogar schon Zehnjährige zu Schauspielern macht.

Wie also muss ich als Pädagoge vorgehen? Nun, es ist ganz einfach: Ich muss meine Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen auch gleichzeitig zu meiner künstlerischen Arbeit machen. Wenn ich aus künstlerischer Sicht nicht an dem interessiert bin, was ich mit den Schülern mach, dann kann ich im besten Fall Kunsthandwerk abliefern, was nun mal leider nichts mit Erziehung zur Kunst zu tun hat. Aber meistens wird es noch nicht mal das werden, es wird nett werden, oder einfach furchtbar – das, was sich die Eltern unter Theater vorstellen, die selbst keine Ahnung von Theater haben. Also muss ich mir Ziele setzen, bereit sein, meine Schüler auch mal zu überfordern, und damit aber immer wieder erreichen, dass sie Sachen machen, die einfach nur magisch sind – und das ist es doch, was Kunst sein soll, eine Form der Magie.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 27, 2009 in Allgemein, Gesellschaft, jugendtheater, Kultur, Musiktheater, Schule, Theater, Theaterpädagogik und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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