Archiv für den Monat April 2010

Elisabeth – Düsseldorf – Capitol – Derniere

Ja, da war ich – weil ich endlich mal Elisabeth on stage und nicht on DVD erleben wollte, wo man ja nur die Hälfte mitbekommt. Und ja, endlich war es mal wieder ein Erweckungserlebnis, eine Regie die grandios ist, ein Musical, das Schwächen, aber auch große Stärken hat, ein Bilderreigen, der wieder für ein paar Wochen die Begeisterung fürs Theater auf 150 Prozent bringt.

Elisabeth hat keine Schwächen? Oh doch, klar, vor allem musikalische. Leitmotivik mag eine schöne Sache sein, doch so ganz ohne große Variation die immer gleichen Melodien auf Publikum loszulassen, ist manchmal auch anstrengend – zumal die Kernmelodie, Elisabeths „Ich gehör nur mir“ eine überaus kitschige ist, die an Fernsehmusik aus den 80ern erinnert. Überhaupt gibt es eine zu große Menge Balladengeschwafel, einige davon sind auch wirklich ganz gut, aber dann irgendwann in der Menge und im Reprisenreichtum anstrengend. Daneben ist Kaiser Franz-Josef leider eine völlig untheatrale Rolle, ein Waschlappen, der keine Kraft hat, der kein Charisma haben darf, der dann aber eben auch das Publikum nur peripher tangiert.

Aber es gibt ja auch die boshaften Nummern, die tollen Ensembles, die großartige dramaturgische Idee, den Tod als Liebhaber Elisabethens einzubauen – und in diesem Fall auch eine ziemlich coole Sau, die den Lucheni spielt, großartige Leistung. Aber vor allem muss man dankbar sein, dass die ursprüngliche Inszenierung von Harry Kupfer gespielt wurde, düster romantisch, mit vielen witzigen Momenten und Ideen gespickt, mit einer Choreographie, die mich zum Tanzfan macht – natürlich hat das eine starke Künstlichkeit, aber die ist quasi in die Dramaturgie der Stückes ja schon eingebaut und wirkt daher völlig richtig. Das Pferdeballett, dass die (wunderbare) Erzherzogin Sophie mit ihren Truppen aufführt, ist so nah an der Lächerlichkeit, und dennoch schlicht großartig – was für ein schmaler Pfad, wie großartig beschritten! Hier kann man Regie sehen, wie sie sein soll, einfallsreich, dem Stück dienend, und doch anspruchsvoll und sich der Sprache des Theaters virtuos bedienend.

Das Personal an diesem Dernierenabend ist zu einem sehr großen Teil sehr gut – allein, der Tod kann nicht überzeugen – zu weich die Stimme, zu sehr Milchbubi – leider setzen sich überall diese jungen Sänger durch – ich musste mir auch schon mal einen sehr ähnlich mädchenhaften Helden im Starlight Express anschauen – aber so einer wird nie zum Helden, sorry. Elisabeth hingegen, wirklich gut! Und da stört auch ein vergeigter Ton nicht, diese Elisabeth, die auch richtig aussich raus kommen kann, ist wirklich überzeugend.

Was mich als halbwegs klassisch ausgebildeten Sänger ein wenig anstrengt, ist die völlige Hinwendung zum Shouting, einer Gesangsart, in der eben hauptsächlich geschrien wird, kontrolliert zwar, aber doch eben geschrien – da gibt es dann doch einige Momente, in denen der Gesang einfach zu hart wird, nicht mehr gut klingt, eigentlich gar nicht klingt.

Trotz der Kritikpunkte, Elisabeth war ein Erlebnis, ein starker Theaterabend, einer dieser Momente, in denen man wieder wo wirklich weiß, warum man sein Herz an das Theater verloren hat.

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