Das da, direkt neben normal!

Wer meinen Blog hier und da mal liest, mag erkannt haben, dass ich Musicals mag und manchmal auch mach – und wer welche auf die Bühne bringen will, der sollte sich tunlichst auch mit ihnen auskennen, denk ich mir mal so, also versuch ich auf dem Laufenden zu bleiben. Die neueste Entdeckung, und einfach der neue Stern am Musical-Himmel ist „Next to normal“, das einige Tonys gewonnen und mein Herz innerhalb weniger damit verbrachter Minuten erobert hat.

Übrigens heißt der große Erfolg am Broadway nicht, dass wir in Europa da viel von mitbekommen werden, ähnlich phänomenal schlug einst „Ragtime“ ein, und davon hat in Deutschland kaum jemand gehört – okay, das Thema ist recht amerikanisch, aber es ist auch großartig, dass das niemand in Deutschland machen will, ist mir völlig unerklärlich … aber zurück zum Thema:

Soweit ich „Next to normal“ bisher verstanden habe – mein Englisch ist nicht großartig und man versteht bei Liedern ja nicht immer alles – baut sich folgendes Gemälde auf: Eine Familie wird gezeigt, eine augenscheinlich ganz normale amerikanische Familie – und schaut man ins Booklet sieht man, meine Herren, die sehen wirklich normal aus, weißer Durchschnitt – , aber mit der Normalität ist es nicht weit her. Vor allem, weil die Mutter das ist, was man landläufig manisch-depressiv nennt. Die Tochter ist nebenbei ein Genie, und der Sohn … im Alter von anderthalb Jahren gestorben – allerdings nicht so richtig tot, er lebt (und singt) in den Köpfen der Familie weiter.  Dann gibt es noch ein bis zwei Ärzte und den Freund der Tochter, der sie irgendwie nicht davon überzeugt bekommt, dass er sie so liebt wie sie ist.

Klingt nach einem eher drögen Thema, ist aber ein sensationelles Stück. Ironisch witzig, aber auch von einer kathartischen Schonungslosigkeit, was für ein Tragödie und was für eine Komödie in einem Stück. Dialoge und Textzeilen, die zum stärksten gehören, was ich überhaupt je in einem Musical gehört hab, und das eben sowohl in Humor als auch all ihrer Ernsthaftigkeit. Aufgrund der natürlich enormen Fallhöhe sind die Gags natürlich auch besonders heftig. Und musikalisch? Sehr abwechslungsreich, sehr eingängig, endlich mal wieder ein Musical, in dem es eigentlich kein schlechtes Stück gibt, in dem man sich oft in diese tolle Musik reinlegen kann – wie jetzt gerade, das ist toll, wenn man ein Musical hört, während man darüber schreibt. Weder in der Musik, noch im Gesang oder in der Instrumentierung gibt es irgendwelche Schnörkel, irgendwelche unsinnigen Phrasierungen, irgendwelche hohen Töne, die nur das unglaubliche Ego der Darsteller bedient, nicht aber die Geschichte, das Stück. Trotz aller Komplexität und obwohl es so abwechslungsreich ist, wirkt die Musik immer einfach und richtig – ein, wie ich finde, unglaubliches Lob, und dennoch muss man es so sagen.

Ja, ich habe mein Herz an „Next to normal“ verloren, so liebe Leser, jetzt seid Ihr dran!

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Mai 27, 2010 in Kultur, Musical, Musik, Musiktheater, Theater und mit , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Hört sich gut an 🙂 Muss ich mal in der Videothek suchen 🙂

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