The Social Network

Juhu, ich war endlich wieder im Kino, das muss gebloggt werden! The Social Network – der Film über die Gründung des Facebook-Unternehmens, das heute einige Milliarden wert ist. Mark Zuckerberg, der Programmierer der ursprünglichen Seite, der auch bis heute Chef und Hauptanteilsbesitzer der Seite ist, wird durchleuchtet – und eigentlich wird schon in der ersten Szene gesagt, was so halbwegs auch klar ist: er ist das Arschloch in diesem Film. Jesse Eisenberg spielt den Facebook-Boss, den jüngsten Milliardär der Welt, und er ist der bestimmende Faktor dieses Films. Eisenberg spielt Zuckerberg als einen halb-autistischen Nerd, der immer seiner ersten Freundin nachhängen wird, einen jungen Mann, der sich aus den Gefühlen seiner Mitmenschen nichts macht, ja, sie noch nicht einmal zu registrieren scheint. Irgendwo zwischen naiv und berechnend, zwischen rachsüchtig und heftigst um jeden Fetzen Anerkennung bettelnd, das alles ist dieser Zuckerberg, wie ihn Jesse Eisenman und Regisseur David Fincher charakterisieren.

Was den Film fast scheitern lässt, ist die Tatsache, dass auch der Rest der Protagonisten nur selten sympathischer ist, als sein Antiheld. Egal ob die snobistischen Ruderbrüder, die Zuckerberg um die eigentliche Idee bringt, der schwache erste Geldgeber für das Projekt, der nicht merkt, dass Zuckerberg zu etwas wie Freundschaft eigentlich gar nicht so richtig fähig ist, oder der von Justin Timberlake wirklich gekonnt gespielte Napstergründer, der zwar mit vielen guten Ideen das Unternehmen voran bringt, sich aber kaum weniger als Arschloch aufführt, als Zuckerberg, nur halt auf eine kommunikativere Art. So richtig identifizieren mag man sich also mit niemandem in diesem Harvard-Haufen.

Das ist allerdings aufgrund von zwei Punkten erträglich. Erstens wegen des wirklich guten Schauspiels und des intelligenten Drehbuchs, das ein hohes Tempo vorgibt – man hat kaum die Möglichkeit, aus dem Film geworfen zu werden, wenn man auf der einen Seite mit verwirrenden Zeitebenen konfrontiert wird, und das auf der anderen Seite das Tempo so kontinuierlich hoch bleibt -, zweitens wegen des oft hochklassigen Humors, der hier und da ein bisschen Bildung voraussetzt, dafür aber mit guten Pointen und jeder Menge böser Ironie daher kommt. Dadurch wirkt auch der gefühlskalte Zuckerberg oftmals ziemlich hip, wenn auch meistens auf eine böse Art. Achso, nicht falsch verstehen, der Film ist natürlich keine Komödie, aber ein Film braucht auch keine Komödie zu sein, um an vielen Punkten wirklich guten Wortwitz zu verbreiten.

Letztlich kann man den Film so sehen, dass Fincher eigentlich auf die gesamte Yuppiegesellschaft Harvards ziemlich einprügelt. Mag der eine oder andere Moment der Partys nach viel guter Laune riechen, dann ironisiert Fincher das auch gleich mal durch kleine Exzesse, durch eine übermäßige Gestyltheit, durch kranke Aufnahmerituale in exklusive Clubs, auf deren Mitgliedschaft sich einige Leute sicherlich einiges einbilden, in die man aber nicht durch übermäßiges Können, sondern durch Geld und Einfluss kommt – was ja doch irgendwie erbärmlich ist. All das ist verrottet und degeneriert, und das zeigt Fincher, was aber wahrscheinlich bei vielen anders verstanden werden wird, denn irgendwie ist das ja auch cool und elegant.

Letztlich kennt meine Begeisterung durchaus Grenzen, denn auch wenn ich intellektuell mit dem Film durchaus gut klar komme, mag ich lieber mit dem Herzen Filme schauen, ist mir das alles ein wenig zu abgehoben und kalt. Jesse Eisenberg ist allerdings durchaus ein Kandidat für den Oscar. Und gesehen haben sollte man den Film eigentlich auch.


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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Oktober 20, 2010 in Allgemein, Film, Kultur und mit , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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