Imagine

Manchmal ist es richtig schwierig, einen ersten Satz zu finden, dann schreibt man einfach, wie schwierig ies ist, einen ersten Satz zu finden, und schon ist man im Text drin, praktisch, oder? Worum es geht? Naja, ich habe mir vor ein paar Wochen die neu erschienene Best of von John Lennon gekauft, es gibt ja in diesem Jahr auch genug Anlässe – sein seibzigster Geburtstag ist gerade durch, und es ist nicht mehr lang, dass ein großer Fan und christlicher Fanatiker – wahrscheinlich hat ihn die Kombination in den Wahnsinn getrieben –  ihn vor dreißig Jahren auf der Straße ansprach und niederschoss.

Nun könnte ich hier noch viel über Lennon und die Beatles und so weiter schreiben, aber das machen schon genug andere. Ich will eigentlich nur von meinem Gefühl schreiben, was mich beim Hören überkam – es war sehr nah an Resignation. Vor über dreißig Jahren hat Lennon einige sehr einfache Sätze gesungen, die einfach heute als Mahnung in unseren Hinterköpfen klingen müssen. Happy Xmas (War is over), Imagine und Give peace a chance führen eigentlich bei jedem Hören dazu, dass man sich an den Kopf schlägt und verzweifelt.

War is over, if you want it – genau, so einfach ist es nämlich, so schlicht und einfach, wenn alle keinen Krieg wollen, dann gibt es auch keinen. Und doch gibt es Kriege wie blöd, und juhu, wir ziehen auch wieder in den Krieg, weil wir nicht lernen, weil wir doof sind.

Imagine there’s no countrys, and no religions too – Ja, voll kommen richtig, vollkommen wichtig. Länder, Völker und Rassegedanken sollten eigentlich ein Relikt der Vergangenheit sein, wir haben doch bei Hitler gesehen, wohin es führt. Und natürlich auch die Religionen, die nur zu Trennung, zu Gewalt und Leid führen, und wenn sie noch so sehr das Gegenteil predigen. Heute Morgen konnte man wieder lesen, wie eine Ministerin antiislamische Vorurteile schürt – ist ja auch an der Tagesordnung – und es ist ja durchaus auch nicht so, als wären wir endlich in einer laizistischen und religiös freien Welt angekommen. Die christliche Rechte wird immer stärker, die widerlichen Plakate mahnen mit ihrer Rigorosität ihre einzige Wahrheit an – wie kleingeistig ist das – und die Menschen wundern sich, dass die jungen Muslime, immer mehr in die Ecke gedrängt, „Christ“ als Schimpfwort benutzen – naja, die Freidenker, die es noch gibt, kann man damit sogar beleidigen. Leute, glaubt was ihr wollt, betet, bringt Tiere als Opfergaben oder geißelt euch  – ich mach da nicht mit, und ich freu mich über jeden, der mit dem Quatsch aufhört.

All we are saying, is give peace a chance  – ach, da muss ich doch nichts mehr sagen, oder … ich hör mir jetzt noch ein bisschen Lennon an und melancholier so vor mich hin …


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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 3, 2010 in Allgemein, Gesellschaft, Musik und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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