Facebook

Also eigentlich wollte ich ja nie zu Facebook, irgendeinem VZ oder anderen Social Networks. Und dass ich den Film „The Social Network“ gesehen habe (und drüber gebloggt), hat mich nicht gerade mehr zum Fan gemacht. Und jetzt bin ich eben doch bei Facebook (warum? Habe ich auch drüber gebloggt), und mit wenig Begeisterung sage ich, ja, abschalten kann ich es jetzt auch nicht mehr. Das macht halt schon Spaß, und wenn man eh kommunikationsbegeistert ist – schöne Umschreibung für „der redet zu viel!“, oder? – dann ist das Facebook eine Sache, die man nicht so schnell wieder los wird. Und ich bin mir auch sicher, dass es ein gutes Werkzeug sein kann, wir arbeiten dran, nutzen wir den neumodischen Kram halt positiv.
Aber Facebook ist mir auch hier und dort ein wenig unheimlich – zum Beispiel, wenn meine Schüler eine halbe Stunde, nachdem ich online gekommen bin, bis dahin kaum drei Freunde habe, mich entdecken und sofort, wahrscheinlich reflexhaft, ihre Anfragen schicken. Okay, denk ich mir, natürlich nimmst du die auf, und dann merke ich, dass ich diese Idee sehr schnell wieder bereue, denn mit den wirklichen Freunden wirklich offen reden, ist natürlich nicht, wenn meine Schüler mitlesen – naja, es gibt ja noch persönliche Nachrichten, ich habe auch noch Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Apropos unheimlich – da werden einem fast jeden Tag noch zwanzig Leute vorgeschlagen, die mit irgendwem befreundet sind, den man kennt – okay, so weit, aber wenn dann Leute vorgeschlagen werden, mit denen man keine gemeinsamen Freunde hat, die man aber trotzdem kennt, dann bekomme ich so langsam Angst vor Big Brother – also dem von Orwell, wer das nicht kennt: Lesen bildet.
Aber es gibt auch noch andere Sachen, die etwas komische Gefühle mit sich bringen – die „Geister der Vergangenheit“ tauchen auf. Auf einmal ist man mit Leuten befreundet, die man vor zehn oder mehr Jahren aus den Augen verloren hat. Und da kommt man dann in die Bredouille. Natürlich habe ich die alten Freunde bestätigt, die, mit denen man viel zu tun hatte, ja, gut befreundet war, mit denen man irgendwann nicht mehr viel zu tun hatte, weil man sich auseinandergelebt hatte, die verschiedenen Ansichten und Interessen halt irgendwann dazu geführt haben, dass man sich nicht mehr so viel zu sagen hatte. Andere bestätigt man aus einer alten Anhänglichkeit, aber es gibt inzwischen schon ein paar Anfragen, die ich geflissentlich ignoriere, auch wenn ich mir ein wenig komisch dabei vorkomme. Aber die Frau, die da mal irgendwann in der Parallelklasse war, mit der ich im ganzen Leben kaum mehr als drei Sätze gesprochen habe, warum sollte ich die bestätigen? Oder der ehemalige Freund, mit dem ich jeden Kontakt durchaus absichtlich abgebrochen habe? Was will der von mir?
Ansonsten … es gibt da Spiele, die man betreiben kann, das kostet zusätzlich Zeit, nicht so gut, aber auch nicht tragisch. Ein Platz zum Spaß haben, ist bei dem Wetter auch manchmal nicht so schlecht.


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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 10, 2010 in Allgemein, Gesellschaft und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. FB macht nur Spaß, wenn man selektiv bleibt…wie im richtigen Leben, irgendwie. 😉

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