Archiv für den Monat Februar 2011

Quick – True Grit

Mal eben die Kinoerfahrung von Freitag bloggen. True Grit ist für den Oscar nominiert, so etwas lockt ja immer ein wenig mehr ins Kino, außerdem mag ich Western eigentlich. war also keine schwierige Entscheidung für mich.
Ein junges Mädchen von vierzehn Jahren will Rache für ihren Vater – sie engagiert einen versoffenen alten Marshall und geht mit ihm zusammen auf Jagd – nicht ohne einen Händler, der einem wahrlich Leid tun kann, in Grund und Boden zu verhandeln. Ähnlich durchsetzungskräftig bleibt sie auch des weiteren, auf der Jagd durch ein Indianergebiet ohne Indianer, einer Jagd, die letztlich eine ganze Bande von Ganoven aus dem Leben pusten wird.
Jede Menge teilweise sehr skurrilen Humor haben die Coen-Brüder in diese Geschichte gebracht, und der ist ein absoluter Pluspunkt ders Films. Aber letztlich funktioniert der Film nicht wirklich. Und der Grund dafür ist einfach – es gibt nie einen wirklichen Zweifel daran, dass Maddie und ihre Gefährten ihr Ziel erreichen werden, es geht letztlich die ganze Zeit zu glatt. Marshall Cogburn schießt notfalls auch noch alkoholisiert sehr gut, Maddie hat nie irgendwelche Schwierigkeiten auf dem ungewohnt schweren Ritt, das geht zu gut – und deshalb bleibt die Geschichte viel zu oberflächlich. Gute Unterhaltung, keine Frage, viel zu lachen und auch einiges an großartigen Bildern, aber nichts, was nachhallt.

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Quick – Noch mal Guttenberg …

Wie traurig ist diese Debatte für Deutschland, warum nur prügelt alles auf Guttenberg ein? Hätten wir nichts Wichtigeres zu besprechen?
Doch, unbedingt sogar. Und nicht nur eine Sache, viele Sachen. Zum Beispiel, dass in Sachen Hartz IV nichts voran geht, dass wieder kochendheiße Castoren durch Deutschland fahren, dass die Bundesregierung die Banken mit Geld versorgt, auf dass ein kaputtes System noch ein paar Jahre weiter funktioniert … aber wir reden über den Doktortitel des Herrn zu Guttenberg. Mal ehrlich, wie wichtig ist es, dass der Mann einen Doktortitel hat? Mir ist es nicht wichtig. Wenn er gute Arbeit machen würde, dann bräuchte der Mann noch nicht mal ein Abitur – dass er keine gute Arbeit macht, wirssen wir inzwischen, die Todesfälle in der Bundeswehr werden nicht richtig aufgeklärt, die Informationspolitik in seinem Ministerium ist in militärischer Tradition absolut für’n Arsch – wenn er da mal was dran ändern könnte, wäre ich annähernd glücklich mit dem Mann.
Aber das Problem ist ein anderes mit diesem Doktortitel. DAs Problem ist das Image, dass sich der liebe Gustav Gans zu Guttenberg gibt. Das ist nämlich sehr brav und – hm, wie sagt man straight auf Deutsch? – geradlinig. Der Mann wurde in den letzten Jahren so überdimensional von der Bildzeitung aufgepustet, dass es nicht viel braucht, nur so ein kleines Löchlein wie eine abgeschriebene Doktorarbeit, um die ganze heiße Luft wieder rauszulassen. Und, sorry, aber dass diese Doktorarbeit zu großen Teilen plagiiert ist, ist auch mit dem schönsten Demento – und das von gestern war noch nicht mal schön – nicht mehr zu widerlegen. Es reicht da völlig zu sehen, dass die Einleitung selbst, Wort für Wort aus einer Zeitung abgeschrieben wurde – wer an einer solch zentralen Stelle ein Zitat nicht als solches kenntlich macht, der macht das mit voller Absicht – niemand, der nicht weiß, wie man ganz grundlegend zitiert, bekommt eine mittlere Reife bescheinigt – hier hat jemand einen Zeitungsartikel genutzt, weil er gedacht hat, dass es immer noch so wäre, wie es vor fünfzehn Jahren noch war – da hätte außer dem Autoren kaum jemand ein solches Zitat wiederfinden können, und selbst als Autor hat man ja nur ein beschränktes Gedächtnis für Textstellen – heute ist das aber alles so leicht auf digitalem Wege auffindbar, da kann man nicht mehr erwarten, dass man mit solchen billigen Tricks durchkommt. Aus akademischer Sicht ist das schlicht und einfach ein Täuschungsversuch, und auf Deutsch eine Schweinerei.
Hätte der „Selbstverteidigungsminister“ – ist nicht von mir, aber ich mag es – nun Courage, dann würde er sagen: es tut mir leid, ich habe betrogen, ich bin erwischt worden, mea culpa. Statt dessen drugst er herum, stottert sich etwas zu Recht – und zu Recht bekommt er auch die volle Häme ab, immerhin hat er ja Fallhöhe – ein ähnlicher Fall bei Guido Westerwelle würde doch niemanden aufregen, oder? Da ist halt keine Fallhöhe vorhanden, tiefer kann man in der Politik nun nicht mehr.
Zu Guttenberg muss nicht zurücktreten, wenn es um Lügen geht, ist ihm Schwarzgeld-Schäuble noch um ein paar Umdrehungen voraus, aber er muss dazu stehen, dass er betrogen hat – wir erwarten nicht, dass Politiker ehrlich sind, um Volker Pispers zu zietieren, wir müssen volljährig sein, um wählen zu dürfen, bis dahin sollte man gelernt haben, dass die Lügenwahscheinlichkeit bei Politikern etwas höher liegt, als bei Nicht-Politikern, manche geben da sogar ihr Ehrenwort drauf.
Wenn zu Gutternberg einfach zu dem steht, was er getan hat, dann können wir auch endlich wieder über die Sachen reden, die wichtig sind.

Quick – Anführungszeichen und der Herr zu Guttenberg

Da macht man eigentlich nur einen harmlosen kleinen Spruch – ich war gestern morgen geistreich und schrieb „Man sollte wissen, wo man seine Anführungszeichen zu setzen hat, Herr „Dr.“ zu Guttenberg!“ in den Twitter hinein, und dann sieht man, wie ein Satz weitergetragen wird.
Als am Nachmittag ein Freund diesen Spruch netterweise retweetete, kam ich auf die Idee, mal zu schauen, ob man irgendwo bei seinen egenen Tweets sehen kann, wie oft sie von anderen weitergetragen wurden. Fast wäre ich mitsamt Stuhl umgefallen, als ich sah, dass zu diesem Zeitpunkt 22 Retweets vorlagen – und ich kannte von den Ausführenden nur einen. Einigermaßen entzückt witzelte ich, dass ich den Satz sicherlich noch mal irgendwo anders lesen würde – dachte aber nichts weiter dabei.
Heute Morgen dann, waren es 36 Twitterer, die mein Sätzchen weitergetragen hatten – und da wurde ich neugierig, und was macht der Homo Interneticus, wenn er neugierig ist? Er googelt. Und ja, ich fand eine Menge Einträge. Newsseiten, Witzseiten, Foren – an diversen Stellen hatte mein Satz Nachhall gefunden, aber richtig beeindruckt war ich von der Tatsache, dass ich den Satz mit einer Verlinkung auf meinen Twitteraccount bei Spiegel-Online fand. Sehr schade nur, dass ich so selten mal was geistreiches Twitter, da werden viele, die vorbeischauen, enttäuscht sein.
Übrigens, und das finde ich ganz erstaunlich, im Gegensatz zu plagiierenden Ministern, zitiert die Internetgemeinde immer mit Quellenangabe. Ich habe den Satz bisher nicht ohne einen Verweis auf Hollarius gefunden … also auf mich … ich fühle mich geehrt … 😉

Der 3-D-Hype

„Jetzt in 2-D!“ – auch wenn der Trailer des Sipmsons-Films damit darauf anspielte, dass es sich hier um einen schlichten Zeichentrickfilm handelte, und nicht um einen computeranimierten, klingt inzwischen dieser Slogan wie eine Anspielung auf den inzwischen eingesetzten Hype, bei dem mehr oder weniger jeder Film in 3-D herauskommen muss.
Mit „Avatar“ hat uns James Cameron das eingebrockt, keine Frage. Auf einmal war da ein Film, der nicht nur die Technik verbesserte, da war nicht nur eine Form von Schauwert, wie man sie wahrlich noch nicht gesehen hatte, da war auch noch eine – ja, ich weiß, bekannte – gute Geschichte hinter, die Cameron auch gewohnt gut erzählte. Alles an diesem Film stimmte. Aber eine Sache war besonders: Der Technikfan Cameron hat sich sehr genau überlegt, wie er seine neue Technik einsetzen könnte, keine billigen Mätzchen mit Säbeln, die auf den Zuschauer einstechen, oder ähnlich „witzige“ Einfälle, er ließ seine Zuschauer einfach in diese Welt eintauchen – als ich damals im Rahmen dieses Blögchens über den Film schrieb, titelte ich „Ich will nach Pandora“, weil man so von dieser Welt gefangen genommen wurde. Überraschenderweise fanden diesen Blogeintrag dann zig Menschen mit genau diesem Titel, manchmal durch das Wort „leben“ ergänzt, als Suchbegriff. Kurz, „Avatar“ schaffte eine Form der Illusion, die neu und besonders war – kein Film für den Feuilleton, aber einer für sehr viele Menschen, ist ja auch mal was.
Leider ist es wohl so, dass Manager auch im Bereich des Films etwas zu sagen haben, und die Mechaniken sind ja allgemein bekannt. Ein paar Menschen, die irgendwo etwas schreiben dürfen, meinen, dass jetzt der 3-D-Film seinen Durchbruch hatte. Was folgt daraus? Jeder Film, der nun seine Premiere feiert und was auf sich hält, oder eigentlich eher, der eher nicht so viel auf sich hält, kommt nun irgendwie auf 3-D gebürstet heraus – und das führt zu einiges wirklich unangenehmen Erfahrungen. Wenn man mit dieser Technik nicht genauso wie mit allen Möglichkeiten des Films gekonnt umgeht, dann gibt es so enttäuschende 3-D-Filme, wie „Alice im Wunderland“ oder „Green Hornet“ – die hier und da Stärken haben, aber deren 3-D-Momente völlig uninteressant sind. Die neue Technik ist da weder verstanden, noch sinnvoll eingesetzt – und dann ist 3-D schlicht ärgerlich. Es kostet mich als Besucher einfach einen sehr satten Aufpreis, ich muss mit einer nervigen Brille rumsitzen, und der Gesamteindruck wird automatisch schwächer, als er sonst sein könnte. Ich habe ja keine große Lust, mich über Filme zu ärgern, ich will ja Spaß haben, immerhin liebe ich Kino.
Aber es gibt durchaus auch ein Licht am Ende des Tunnels – und das heißt im Moment „Pina“. Wim Wenders, niemand der üblicherweise in die populäre Ecke gestellt wird, hat in 3-D einen Film über das Vermächtnis von Pina Bausch gedreht – und nach allem, was man bisher gehört hat, setzt er dabei ein paar unglaubliche Bilder auf die Leinwand. Da ist ein weiterer nicht so ganz junger Regisseur, der sein Handwerk zweifelsfrei beherrscht, der die neue Technik nutzt – und vielleicht sogar wieder ein paar neue Tricks auspackt, die das 3-D-Kino auch für die Zuschauer weiterbringt, die seltsamerweise völlig uninteressiert an den Werken von Pina Bausch sind – ist ein Fehler, keine Frage.
Da bietet sich doch als Resümee an, dass sich vielleicht noch ein paar richtig gute Regisseure ein wenig an die neue Technik setzen sollten, damit wir nicht langsam aber sicher das Gefühl bekommen, dass 3-D nur eine blöde Geldmacherei ist, sondern ein noch mal spannenderes Medium, dass uns das Kino nochmal schmackhafter macht.


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Quick – Der deutsche Reflex

Der folgende kleine Beitrag ist einem Forum entnommen, in dem es um Til Schweiger geht. dort wurde auch ein Artikel bei Spiegel-Online verlinkt, in dem glossiert wurde, wie es zu dem Drehbuch von „Kokowäh“ gekommen sein sollte. In dieser Glosse wurden die Klischees auch weidlich wiederholt, die man über Schweiger als Regisseur und als Schauspieler so kennt. Und irgendwann habe ich mich dann ein wenig aufgeregt:

Til Schweiger ist dazu prädestiniert, den deutschen Reflex auszulösen: Der ist erfolgreich, los, verachten wir ihn!

Will heißen, man schaut gar nicht mehr wirklich hin, man brandmarkt ihn (Nuscheln, keine Mimik, Quäkstimme), steckt ihn in die Schublade und gut ist, jetzt ist er in der Schublade drin und wenn er erfolgreich ist, können wir einfach auf das niedere Volk herunterschauen, dass so dumm ist, ihn erfolgreich zu machen. Es geht hier nicht um Kritik, es geht um Verachtung.
Wenn man aber genau schaut, sieht man durchaus, dass Til Schweiger vermutlich nicht der schlechteste Schauspieler ist, den das „Theater Der Keller“, eine private Schule in Köln, so hervorgebracht hat – weiß ich nur, weil eine Freundin von mir dort ihre Schauspielausbildung macht^^ – zum Beispiel im Roten Baron, in dem Matthias Schweighöfer durchaus Qualität beweist, ist es nicht Schweiger, der gesichtskomatös herumrennt, sondern es sind Lena Headey und Joseph Fiennes … Schweiger spielt eine seiner besten Schubladen aus: er ist eine coole Sau – übrigens zusammen mit Tino Mewes, den ich sehr stark finde, auch ne coole Sau. So viele können das nicht besser als Schweiger. Übrigens macht er das so gut, dass Quentin Tarantino auch nicht an ihm vorbeikam. Aber auch das holt ihn natürlich nicht aus der Verachtungsschublade raus … es ist halt so bequem. Mal ganz ohne Scheiß, wer es aus der Lindenstraße bis zu Tarantino schafft, der kann ja nicht alles falsch machen, der muss auch ein wenig Talent haben, oder?
Weder als Regisseur noch als Schauspieler wird Til Schweiger alles richtig machen – meine Herren, wer macht das schon? – ich finde auch, dass man kritisch mit jedem umgehen muss, der etwas in den Medien macht – aber die Verachtung, die zum Beispiel wieder mal in diesem Spiegel-Online-Artikel steckt, die geht mir tierisch auf den Keks. Die zeigt mir auch nur, dass man in der Filmredaktion von Spiegel-Online lieber das populäre Verachten übt, als sich ernsthaft mit dem Film auseinanderzusetzen.