Quick – Noch mal Guttenberg …

Wie traurig ist diese Debatte für Deutschland, warum nur prügelt alles auf Guttenberg ein? Hätten wir nichts Wichtigeres zu besprechen?
Doch, unbedingt sogar. Und nicht nur eine Sache, viele Sachen. Zum Beispiel, dass in Sachen Hartz IV nichts voran geht, dass wieder kochendheiße Castoren durch Deutschland fahren, dass die Bundesregierung die Banken mit Geld versorgt, auf dass ein kaputtes System noch ein paar Jahre weiter funktioniert … aber wir reden über den Doktortitel des Herrn zu Guttenberg. Mal ehrlich, wie wichtig ist es, dass der Mann einen Doktortitel hat? Mir ist es nicht wichtig. Wenn er gute Arbeit machen würde, dann bräuchte der Mann noch nicht mal ein Abitur – dass er keine gute Arbeit macht, wirssen wir inzwischen, die Todesfälle in der Bundeswehr werden nicht richtig aufgeklärt, die Informationspolitik in seinem Ministerium ist in militärischer Tradition absolut für’n Arsch – wenn er da mal was dran ändern könnte, wäre ich annähernd glücklich mit dem Mann.
Aber das Problem ist ein anderes mit diesem Doktortitel. DAs Problem ist das Image, dass sich der liebe Gustav Gans zu Guttenberg gibt. Das ist nämlich sehr brav und – hm, wie sagt man straight auf Deutsch? – geradlinig. Der Mann wurde in den letzten Jahren so überdimensional von der Bildzeitung aufgepustet, dass es nicht viel braucht, nur so ein kleines Löchlein wie eine abgeschriebene Doktorarbeit, um die ganze heiße Luft wieder rauszulassen. Und, sorry, aber dass diese Doktorarbeit zu großen Teilen plagiiert ist, ist auch mit dem schönsten Demento – und das von gestern war noch nicht mal schön – nicht mehr zu widerlegen. Es reicht da völlig zu sehen, dass die Einleitung selbst, Wort für Wort aus einer Zeitung abgeschrieben wurde – wer an einer solch zentralen Stelle ein Zitat nicht als solches kenntlich macht, der macht das mit voller Absicht – niemand, der nicht weiß, wie man ganz grundlegend zitiert, bekommt eine mittlere Reife bescheinigt – hier hat jemand einen Zeitungsartikel genutzt, weil er gedacht hat, dass es immer noch so wäre, wie es vor fünfzehn Jahren noch war – da hätte außer dem Autoren kaum jemand ein solches Zitat wiederfinden können, und selbst als Autor hat man ja nur ein beschränktes Gedächtnis für Textstellen – heute ist das aber alles so leicht auf digitalem Wege auffindbar, da kann man nicht mehr erwarten, dass man mit solchen billigen Tricks durchkommt. Aus akademischer Sicht ist das schlicht und einfach ein Täuschungsversuch, und auf Deutsch eine Schweinerei.
Hätte der „Selbstverteidigungsminister“ – ist nicht von mir, aber ich mag es – nun Courage, dann würde er sagen: es tut mir leid, ich habe betrogen, ich bin erwischt worden, mea culpa. Statt dessen drugst er herum, stottert sich etwas zu Recht – und zu Recht bekommt er auch die volle Häme ab, immerhin hat er ja Fallhöhe – ein ähnlicher Fall bei Guido Westerwelle würde doch niemanden aufregen, oder? Da ist halt keine Fallhöhe vorhanden, tiefer kann man in der Politik nun nicht mehr.
Zu Guttenberg muss nicht zurücktreten, wenn es um Lügen geht, ist ihm Schwarzgeld-Schäuble noch um ein paar Umdrehungen voraus, aber er muss dazu stehen, dass er betrogen hat – wir erwarten nicht, dass Politiker ehrlich sind, um Volker Pispers zu zietieren, wir müssen volljährig sein, um wählen zu dürfen, bis dahin sollte man gelernt haben, dass die Lügenwahscheinlichkeit bei Politikern etwas höher liegt, als bei Nicht-Politikern, manche geben da sogar ihr Ehrenwort drauf.
Wenn zu Gutternberg einfach zu dem steht, was er getan hat, dann können wir auch endlich wieder über die Sachen reden, die wichtig sind.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Februar 19, 2011 in Nicht kategorisiert und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. feliksdzerzhinsky

    Dr. zu Guttenberg hat nicht betrogen – er hat fuer diese Arbeit ehrlich bezahlt. Adel verpflichtet!
    Das hat der arme Mann nicht verdient:
    Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg!

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