Archiv für den Monat Juli 2011

Quick – Keine Inkarnation des Bösen

Nein, Anders B. Breivik ist keine Inkarnation des Bösen, er ist auch nicht wahnsinnig – es mag sein, dass er ein Problem mit Gefühlen hat und anz sicher auch einen gewissen Narzissmus, aber ich glaube kaum, dass diese leichten psychischen Störungen bei ihm ausgeprägter sind, als bei Millionen anderen.

Breivik ist von seinem Weltbild getrieben, er ist nicht der erste und wird sicherlich auch nicht der letzte sein, der aufgeputscht von rechten Brandstiftern – die er ja auch in seinem Manifest nennt – zu ähnlichen Schlüssen gelangt ist und gelangen wird. Wenn er geistig krank ist, dann hat er die gleiche geistige Krankheit wie jeder islamistische Terrorist, denn da ist das Weltbild nur um Nuancen verschieden – gut, statt fundamental-christlich sind die halt fundamental-islamisch – das tut sich nichts.

Auch bei uns kann ein solcher Anschlag täglich passieren, auch bei uns kann jemand die Broders und Sarrazins, die Bildzeitung irgendwann ernst nehmen, und die Rüttgers und Kochs, die mit ausländerfeindlichen Parolen Wahlkampf machten. Auch bei uns kann jemand den Papst und Kardinal Meißner plötzlich ernst nehmen – wem auch immer es zu danken sei, normalerweise macht das ja keiner. Und wenn dann junge Christen, frisch evangelikalisiert und in Besitz der absoluten Wahrheit, beginnen, das Wort Gottes mit Molotowcocktails und Baseballschlägern, mit Bomben und Gewehren zu predigen, kann das genauso bei uns in Deutschland passieren, wie in Norwegen. Und dann kann man noch so oft von Einzeltätern sprechen oder die Mär vom Amoklauf auspacken – so lange menschenfeindliche Weltbilder mit innewohnender Absolutwahrheit verharmlost werden, werden immer wieder Menschen unschuldig sterben.

Breivink ist keine Inkarnation des Bösen, wenn sich in ihm etwas inkarniert, dann der paneuropäische Rassismus. Aber Inkarnation heißt doch Wiedergeburt – nein, das ist Unsinn, der paneuropäische Rassismus muss nicht wiedergeboren werden, der war niemals weg. Der zeigte sein hässliches Gesicht in Rostock und Solingen, der marschierte auch in Afghanistan ein. Der Rassismus wird aus Angst geboren, und seit vielen Jahren werden wir über die Angst regiert. Zehn Jahre 9/11 bedeutet zehn Jahre Panikmache und medialer Islamhass – und was ist der anderes, als verbrämter Rassismus. Wer braucht denn da eine Inkarnation?

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Utøya

Auf der einen Seite kann man ja eigentlich nichts sagen, denn was da vorgestern passiert ist,  ist eigentlich unbeschreiblich. Wie kann ein Mensch sich dazu entscheiden, eine solche geradezu perfekt geplante Massenmordaktion zu starten. Eine Bombe in der Hauptstadt hochgehen lassen, damit alle Rettungskräfte dort sind, wenn er eine Insel überfällt und dort annähernd 90 Menschen erschießt. Sich als Polizist verkleidet, alle zusammenruft und dann das Feuer eröffnet. Wie widerlich das ist, kann man kaum in Worte fassen, mir gelingt das heute auf jeden Fall nicht, vielleicht schafft das irgendwann jemand, aber ich finde im Moment überhaupt keine Worte.

Wie kommt es dazu? Welche Ideen treiben einen Menschen dahin: Nun, zwei Sachen werden bisher klar überliefert. Der Mann ist Christ und Nationalist. Und damit kommen zwei Sachen zusammen, die zum Beispiel schon Robert Ley angetrieben haben – für die geschichtlich Uninteressierten, Ley war Reichsarbeiterführer aus pietistisch geprägtem Bereich. Christ und Nationalist, und das sind wohl klar benennbare Auslöser. Als Nationalist und Rechtsextremist hat er einen Grund, warum es ausgerechnet die Teilnehmer eines sozialdemokratischen Ferienlagers sind, die man umbringen muss. Da wachsen freidenkende junge Leute heran, die natürlich gegen alles stehen, woran man als Nazi so glaubt. Als Christ hängt er einer der monotheistischen Religionen an, die immer auch beinhalten, dass es ja nur einen „richtigen“ Gott gibt, und das alle anderen Menschen, die nicht an diesen einen Gott glauben, minderwertig sind – das funktioniert in den anderen monotheistischen Religionen genauso gut, die afghanischen Selbstmordattentäter überprüfen diese Aussagen fast täglich. Nur wenn man glaubt, dass andere Leben minderwertig sind, dann kann man sie ohne größere Skrupel töten. So hat das in den KZs funktioniert, so kann man Flugzeuge in Hochhäuser jagen oder großflächig Städte und Dörfer bombardieren. Und wenn man geplant eine solche Tat begeht, wie dieser Herrenmensch am Freitag, dann muss man sich verdammt sicher sein, dass nur das eigene Weltbild stimmt.

Um das noch ein wenig deutlicher zu machen. In polytheistischen oder gar pantheistischen Religionen gäbe es eine solche Fixierung nicht, weil man ja weiß, dass jeder den einen Gott mehr und den anderen weniger anbetet, dass es keine eindeutige Wahrheit gibt, es viel eher verschiedene Wege gibt, dahin zu kommen, wo man hin will. In unserer Kultur wird auf Menschen herabgeschaut, die quasi Thor bitten, sie im Gewitter zu verschonen, Mars, ihnen Kraft zu geben, oder die große Mutter um Fruchtbarkeit – als wäre es in irgendeiner Weise vernünftiger an einen Gott zu glauben als an viele. Menschengemacht sind sie ja nun alle. Die monotheistischen Religionen haben einen Gott, der den Rest des Pantheons verdrängt hat, der einen Absolutheitsanspruch erhebt, und damit schon für jede Menge ethnischer Säuberungen in den letzten Jahrtausenden gesorgt hat. Der Mörder vom Freitag lebt offenbar mit diesem Absolutheitsgedanken im Hinterkopf, und nicht nur da. Christ und Nationalist. Kreuzzug und Pogrom.

Ich muss zugeben, ich finde die Berichterstattung der bisherigen Tage teilweise sehr suspekt – und zwar sprachlich. Wäre der Täter Nationalist und Moslem gewesen – was die gleiche explosive Mischung ist und zu den gleichen Taten hätte führen können – dann stünde das Wort „Terror“ in jeder Überschrift – wäre es ein Kommunist gewesen, dann natürlich auch. Nun ist es aber ein Rechtsextremist, ein Nationalist und Christ, von mir auch gerne einfach kurz Nazi genannt – ich finde, man kann es auch mit dem Differenzieren übertreiben. Ich zitier mal Wiki: „Der Terror (lat. terror „Schrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen. Das Ausüben von Terror zur Erreichung politischer, wirtschaftlicher oder religiöser Ziele nennt man Terrorismus.“ Nun Schrecken wurde verbreitet, das ist mal sicher, politisch und religiös motiviert stimmt auch, also sprecht gefälligst von TERROR! Das macht ihr sonst doch schon, wenn irgendwo in Berlin ein Mercedes brennt.

Auch anderes ist bedenklich. Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass der Täter in seinem Facebook-Account stehen hatte, dass er World of Warcraft gut findet. Das also ist bemerkenswert? Wenn er es gespielt hat, mag ja sein, dann war er einer von über zehn Millionen, in Zahlen 10 000 000! Soll das irgendeinen Zusammenhang mit seiner Tat haben? Oh weh, er hat schon Tausende von virtuellen Gegnern umgebracht, für einen solchen Menschen ist es auch kein Problem, sich als Polizist zu verkleiden, eine große Menge Kinder und Jugendliche zusammenzurufen und dann zu erschießen, wer ihm vor die Flinte kommt – machen die ja alle so. Nationalismus und ein fundamentales Verständnis seiner Religion sind irgendwie näher liegende Erklärungen. Weil WoW wirklich nur sehr selten das Weltbild eines Menschen bestimmt, Religion und Ideologie aber immer.

Und noch eins! Amoklauf ist es, wenn jemand ausrastet, wenn jemand sowas macht, wie nun in Norwegen passiert, genau und perfide geplant, dann ist das kein Amoklauf liebe Printmedien, dann ist das ein Terroranschlag oder ein Massaker oder ein geplanter Massenmord, sucht euch was aus, aber wer noch einmal Amoklauf schreibt, dem wird jegliche Beherrschung der deutschen Sprache aberkannt – oder kurz, wer da weiter von Amoklauf schwafeln will, sollte endlich mal seine Fresse halten …. sorry, bin da irgendwie nicht so diplomatisch heute.

Vielleicht – ich weiß, es wird vermutlich nur ein Wunschtraum bleiben – wird dieser Terroranschlag von Utøya nicht zur weiteren Angstmache genutzt; aber die größer werdende Gefahr aus Reihen der nationalistischen und religiösen Rechten sollte endlich auch etwas mehr in die Aufmerksamkeit gerückt werden.

Wieder mal 27 …

Amy Winehouse ist mit 27 Jahren verstorben, Drogen haben damit zu tun, vermutlich auch eine Depression und die von Zigaretten und Crack versuchte Lunge – wieder mal endete ein prominentes Leben auf der Überholspur mit 27 Jahren. Winehouse ist damit in bester Gesellschaft. Jimi Hendrix, Brian Jones, Kurt Cobain, Janis Joplin und Jim Morrison waren auch alle 27, als Drogen und Alkohol ihr Leben beendete. Alles Hochbegabte, alles Hochsensible. Vermutlich hat auch Amy Winehouse damit die Chance, nach ihrem Tode bekannter zu sein, als zu Lebzeiten, die Chance zu einer Legende zu werden – die musikalischen Qualitäten waren ja zweifelsohne vorhanden. Natürlich ist es auch einfacher, mit 27 gleichzeitig abzutreten und unsterblich zu werden – die Musikkönige Elvis (King of Rock) und Michael Jackson (King of Pop) starben zwar auch beide vor ihrer Zeit, schafften es aber beide auch ihre beste Zeit zu überleben und zwischendurch eher desolate Bilder von sich selbst abzugeben. Sie traten zu spät ab, waren aber auch schon zu Lebzeiten Legenden. Die Kollegen aus dem Klub 27 hätten noch verdammt viel der Welt geben können, waren alle noch nicht so weit, wie sie hätten kommen können, und das ist die Tragik, die in jedem einzelnen Fall liegt. Aber natürlich ist das frühe Versterben auch zur Legendenbildung wunderbar: Sie haben alle ihre seltsamen Momente gehabt, aber letztlich sind sie dann gestorben, als sie noch keine Kopien ihrer selbst waren, als sie noch keine schlechten Alben abgeliefert hatten, als sie auch noch jung und attraktiv waren. Das einzige, was verhindern könnte, dass nun auch Amy Winehouse den Weg in den Klub findet, also auch als ähnlich wichtig angesehen wird, und ähnlich viel posthume Beachtung findet, wie die bisherigen fünf Mitglieder, könnten die vielen sehr negativen Schlagzeilen sein, die sie schon gesammelt hat, die Videos auf Youtube, die sie betrunken auf der Bühne herumirrend zeigen. Solche Konzerte hat Jim Morrison auch gegeben, keine Frage, aber das ist fast exakt vierzig Jahre her – genau vierzig Jahre und zwanzig Tage vor Winehouse starb Morrison -, damals konnte man sich diese Bilder noch nicht ständig verfügbar machen, damals blieben andere Bilder und Töne im Gedächtnis. Mit Amy Winehouse ist eine hochbegabte Musikerin gegangen, eine polarisierende Frau, der man so gewünscht hätte, dass sie mit sich klar kommt, eine weitere Künstlerin, die an ihrer Berühmtheit gestorben ist, auch wenn man das nicht als offizielle Todesursache angeben wird.

Morgens um Zwei

Ich wusste es seit Wochen, ich habe mir extra was vorgenommen, bin extra spät nach Hause gekommen … aber zwei Uhr ist definitiv zu früh … nein, nicht zu früh, um nach Hause zu kommen, zu früh zu schlafen, oder ähnliches … aber heute ist Dorffest, ungefähr dreißig Meter von mir entfernt feiern ein paar mehr oder weniger volltrunkene Nachbarn – warum? Weil sie es können!

Ich habe mir heute Abend erst ein bisschen Theater einer netten Kollegin angeschaut, dann war ich noch im Kino und habe HP 7.2 geschaut, und dann bin ich ohne Autobahn nach Hause gefahren, hat mich locker zehn Minuten zusätzlich gekostet, aber es war zu wenig. Meine kleine Hoffnung war, dass es regnet, fast schon schüttet, da drüben muss es widerlich kalt und nass sein – vielleicht würden schon alle nach Hause sein … nee, Quatsch -, was mich natürlich ein wenig schadenfroh macht, schließlich halte ich dieses Dorffest einfach für unglaublich unnötig, es ist einer dieser kleinkarierten Gründe sich zu besaufen, etwas was ich schon mit fünfzehn unglaublich bescheuert fand, und wo sich meine Meinung kein bisschen geändert hat. Ich mein, es ist in Ordnung, wenn man sich besaufen will, ich finde auch andere Drogen so lange in Ordnung, wie man keinen anderen schädigt, aber dafür so ein albernes Alibi zu suchen, wie ein Dorffest – man kann hier gerne Schützenfest oder Karneval einsetzen, macht keinen Unterschied -, dass finde ich unglaublich fad. Ich persönlich komme aus diversen Gründen ohne Alkohol aus, bin weder Moralapostel noch sonst wie ideologisch gebunden, aber ich brauche keinen Alkohol um Spaß zu haben, um Hemmungen abzulegen, um irgendwas zu finden, was ich auch sonst nicht suche – aber wenn ich welchen trinken wollte, dann würde ich mir im Keller ein nettes Fläschchen Wein holen, mir jemanden einladen, um sie zu leeren, und dann wäre es gut. Wie albern ist dieses Zusammenrotten zu schlechtgespieltem Schlager?

Es ist jetzt halb drei … immer noch zieht mir der Bass durch die Knochen, auch wenn ich sonst nichts davon höre – in meinem Kopfhörer klingt Freddie Mercury immer noch so gut, als wenn er nie von uns gegangen wäre und macht mich wenigstens ein bisschen froh. Aber wie froh wäre ich, wenn ich jetzt schlafen könnte, ich bin so verdammt müde.

Ich war selbst übrigens vor … hm … gut fünfzehn Jahren würde ich sagen, das letzte Mal selbst auf diesem Dorffest, hielt mit Nachbarn humortechnisch mit, die bei dreißig Kölsch waren, und hatte selbst fünf bis sieben Cola intus. Das war gar nicht so schlimm, gebe ich ja zu, aber es war auch nicht so umwerfend, dass ich das jedes Jahr machen müsste. Über die Jahre ist es dann immer mehr zu einem Termin geworden, den man sich zur Vermeidung vorher im Kalender anstreicht.

Die Musik, wenn man sie euphemistisch so bezeichnen will, ist sicher das, was mich am meisten stört. Mich abschreckt, mich anwidert. Jetzt ist es mit dem Schlager nun mal einfach so, dass er billig und klischeehaft ist, ja, das ist schlimm, würde man aber doch irgendwie abkönnen – also wenn er nicht live gespielt würde. Jetzt finde ich Livemusik ja prinzipiell gut, aber diese Muckekapellen, die sich auf die kleinen Dörfer verirren und so einen Abend bestreiten, machen alles kaputt, was an Musik vielleicht irgendwie gut sein könnte. Jedes Lied, dass sich nicht irgendwie wehren kann, wird schon mal mit einem penetranten Discofoxrhythmus unterlegt – jetzt mal ehrlich, wer den Discofox erfunden hat, dieses glattgeschmirgelte, oberflächliche Tanzimitat, der gehört vor den Gerichtshof in Den Haag, wir sprechen hier von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Lieder werden so weit vereinfacht, dass die wenig begabten Mucker sie auch spielen und singen können, verlieren jede Menge Akkorde und alles rhythmisch Interessante, eventuelle höhere Töne sowieso. Auch wenn man mir gerne absprechen darf, Musiker zu sein – ich habe das Singen gelernt, aber Sänger sind nun mal nur halbe Musiker – ich verstehe genug davon, dass ich weiß, was nicht geht, und bei diesen Muckern sind es oft nur wenige Töne, die überhaupt gehen. Und die Oberberger, die hier nun mal wohnen, ziemlich an der Grenze zum westfälischen Sauerland sogar, grölen Viva Colonia, tun so, als ob sie so richtige Rheinländer wären, ein Menschenschlag, den sie ansonsten wegen seiner Leichtlebigkeit abschätzig betrachten. (Als mal irgendwann gewesener Germanist weiß ich sogar, dass hier ja eine Abart des Ripuarischen, also Rheinischen, gesprochen wird, aber ist es nicht irgendwie komisch, dass man nur mit Kölsch intus auch zum Rheinländer wird? Was sagt man gern über die Bergischen? Was die trinken können, ohne lustig zu werden …)

Inzwischen ist es Drei … ich bin unglaublich müde und schreibe sehr langsam … und immer mal wieder stell ich Youtube aus, höre, ob die Mucke ein Ende hat, und endlich an Schlaf zu denken ist … morgen werde ich Kopfschmerzen haben, der Tag ist immer gleich mit versaut, ich reagiere so auf so spätes Schlafen … jedes Jahr könnte ich an diesem einen Samstag im Sommer nur noch erbrechen … am liebsten in hohem Bogen vors Festzelt … andererseits, irgendwer wird das schon für mich erledigt haben … ich versuch jetzt mal zu schlafen …

Audible

Wer mich kennt, der weiß, dass ich einen großen Teil meines wenigen Geldes in die wichtigen Sachen im Leben investiere: Bücher, Filme, Theater und so weiter, und natürlich liebe ich Hörbücher quasi seit sie überhaupt ein wenig populär wurden. Trotzdem war ich bisher immer standhaft, wenn es um die Werbeanzeigen von Audible ging. Ich dachte, man bräuchte doch eigentlich die CDs, wenn man Hörbücher hören möchte, einfach nur runterladen und dann hören, ist ja irgendwie unromantisch.

Aber wie das Leben dann halt so ist, irgendwann stolperte ich dann über das Angebot „Es“ von Stephen King als Hörbuch umsonst zu erhalten, quasi als Lockangebot. Nun habe ich mal etwa fünfzig Euro ausgegeben, um dasselbe Hörbuch auf Englisch zu kaufen – was mir anderthalb Monate begeistertes Autofahren ermöglichte. Aber auf Deutsch wollte ich es natürlich auch haben, da ging nun wirklich kein Weg dran vorbei – wenn man mich auf ein Lieblingsbuch festnagelt, dann sage ich seit etwa zwanzig Jahren immer nur diese eine Silbe.

Also saß ich nun da, mit über fünfzig Stunden Hörbuch auf der Festplatte, was gar nicht so lang brauchte, um es aus dem Netz zu ziehen – und es zeigte sich, dass Computerspielen und Hörbuchhören recht gut zusammen geht – ansonsten geht nur noch Bilder bearbeiten, bei allem anderen lenkt mich das Hörbuch dann doch zu sehr ab. Achso, nebenbei, „Es“ wird von David Nathan gesprochen, der nicht nur ein toller Synchronsprecher ist, sondern für mich auch einer der drei besten deutschsprachigen Hörbuchverleser, und es ist wirklich ein absoluter Genuss.

Nachdem ich so halb durch das Hörbuch durch war, merkte ich, dass ich in ein Abo eingewilligt hatte, ich also monatlich zehn Euro an Audible zahle, dafür aber auch ein Hörbuch meiner Wahl herunterladen darf – weitere Hörbücher kosten dasselbe. Ich habe mich ein wenig umgeschaut, und dann wusste ich, dass ich noch einige Monate lang immer etwas finden würde – ich komm also erst mal gut mit dem Abo klar.

Aber da ich bisher noch keine große Erfahrung mit heruntergeladenen Inhalten hatte, habe ich mich ein bisschen informiert. Die Daten sind in einem seltsamen Format gespeichert, die man außerhalb des PCs leider nur mit einem Apple-Gerät abspielen kann, oder mit itunes auf CDs brennen. Die Dateien sind an meinen Account gebunden und quasi zertifiziert – und hier kommt das einzige kleine Problem – so lange ich den Account, ob aktiv oder nicht – bei Audible habe, kann ich die Hörbücher hören, sollte die Firma aber jemals ihren Service einstellen, aus welchem Grund auch immer – oder aus irgendeinem ebenso unwahrscheinlichen Grund mein Account gelöscht, dann bin ich aufgeschmissen. Die wichtigen Hörbücher, die, die ich für eine halbe Ewigkeit haben will, brenne ich deswegen vorsichtshalber – auch weil ich sie dann problemlos im Auto hören kann.

Die Immobilität, die anfangs gegeben war, hat mich relativ genervt. Ich will doch nicht immer nur am PC hocken und da Hörbücher hören, und ja, das ist wirklich der einzige Grund, dass ich mir einen dieser niedlichen IPod-Shuffles gekauft habe, das Ding ist sogar mein erster mp3-Player überhaupt, und natürlich ist da keine Minute Musik drauf, im Moment brauche ich nur Hörbücher.

Das liegt vor allem auch daran, dass ich nach „Es“ gleich mal mit der Saga vom Dunkeln Turm weitergemacht habe – bin gerade in Buch Vier namens „Glas“ – also weiterhin bei Stephen King bin. Bis Glas habe ich die Saga auch gelesen, aus irgendwelchen, mir selbst recht unerklärlichen Gründen, habe ich nie die drei letzten und deutlich neueren Bücher gelesen, aber runtergeladen sind sie schon und ich freu mich tierisch. Daneben gibt es exklusiv für Audible „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin bei Audible zu hören, ebenfalls in einer ziemlich guten Lesung, und das ist die beste klassische Fantasy seit J.R.R. Tolkien, und deswegen absolut empfehlenswert, nein, das ist zu schwach,  ich versuche es so: Wer auch nur einen ganz leichten Hauch von Interesse an fantastischen Inhalten hat, der muss das lesen oder hören, und alle anderen eigentlich auch. Hier gibt es den kleinen Wermutstropfen, dass die vier englischen Bücher in acht deutsche Bücher unterteilt wurden, um mehr Gewinn zu machen, und die dann bei Audible noch mal halbiert wurden, sodass wir auf 16 Hörbuchteile kommen, und also auf knapp 160 Euro Gesamtkosten – die lohnen sich zwar, keine Frage, man bezahlt allerdings relativ viel für die Minute.

Was ich nach den zwei großen Epen hören werde, wer weiß? Es ist noch einiges da, was mich reizt – zudem gibt es noch einiges an englischsprachigen Originalen, die ich mir durchaus gern mal anhören würde. Man kann durchaus sagen, dass ich ziemlich happy mit Audible bin – allein eines nervt mich. An jedem Anfang und Ende eines Hörbuchteiles sagt mir die Synchronstimme von Tom Hanks in genau dessen Ton, dass ich bei Audible „clever lese“ und „einfach Zeit spare“ – „clever lesen“? gibt es auch dummes Lesen? Bisher höre ich fast nur Sachen, die ich auch schon gelesen habe, war ich damals dumm, von Papier aus zu lesen? Was für ein Blödsinn ist das? Und Zeit sparen? ZEIT SPAREN? Habt Ihr bei Audible Euren Ende nicht gelesen? Man kann zwar leider nur eine Hörspielfassung von „Momo“ herunterladen, aber selbst da wird man finden, dass Zeit sparen kein geistig gesundes Ziel ist. Abgesehen davon habe ich im Moment keine Zeit für irgendwas, ich muss Hörbücher hören!