Quick – PID

Schon seltsam, die Frage nach der PID war eine der seltenen, bei der es im Bundestag keinerlei Fraktionszwang gab – gut, nähme man das mit der Demokratie etwas ernster, dann sollte das eigentlich immer so sein -, es scheint also eine Sache zu sein, die wirklich irgendwas mit Gewissen und Ethik und so zu tun hat.
Also hab ich mir überlegt, inwiefern das mit der PID in Ordnung geht, oder eben nicht. Was passiert? Es werden im Reagenzglas einige Embryonen erzeugt, dann getestet, ob es Erbkrankheiten gibt, und dann die der Mutter eingesetzt, die keine Genschäden haben. Der Rest der Embryonen wir vernichtet.
Jetzt fragt man sich natürlich, okay, wo ist das Problem? Jede Menge Embryonen gehen durch Fehlgeburten zugrunde, bei künstlichen Geburten werden oft mehr Embryonen eingesetzt und meistens schafft es nur einer, dann wirklich zum Menschen zu werden. Die Frage muss wohl grundsätzlicher gestellt werden. Sind Embryonen schützenswert? Wir sprechen hier von Zellhaufen, die noch nicht lebensfähig sind, die noch keine Empfindungen haben, die funktionieren, aber nicht mehr. Da gibt es noch kein Gehirn, dass denkt, keine Gefühlszentren, alles was es gibt, ist die Möglichkeit, mal ein Mensch zu sein. Wenn man ernsthaft ist, Menschen gibt es eh zu viele, und wenn ich auch gegen jedes Töten eines Menschen bin, so interessiert mich ein Zellhaufen nicht, der in einem Reagenzglas zusammengemixt wurde – das ist noch kein Mensch. Da fehlt mir ja sogar das Wunder des Lebens – mal ganz ehrlich, das Leben ist etwas wunderbares und seltsames. Das wir Menschen sind, ist ein so großartiges Zusammenkommen von Zufällen, und in jedem von uns gibt es Geninformationen, die seit Milliarden von Jahren von Generation zu Generation weitergegeben wurden … aber im Reagenzglas? Naja, irgendwie unromantisch. Nein, was mit den restlichen Embryonen passiert, das darf uns getrost egal sein – es sind natürlich Genkombinationen, unter denen das Genie sein könnte, dass alle Probleme unserer Zukunft löst oder die größten aller Kunstwerke schafft – aber da jeden Tag Millionen Kinder geboren werden, ist es wahrscheinlicher, dass dieses Genie irgendwo in Afrika verhungert oder sonstwo an einer Grippe oder einem Kunstfehler stirbt.
Wer jetzt mit Schutz des Lebens kommt, der muss erstmal seine frutarische Lebensweise und seinen unbedingten Pazifismus nachweisen, vorher nehm ich da gar nichts ernst.
Jetzt wird von manchen gesagt, dass man damit Behinderten das Lebensrecht abspricht. Das man gar in die Eugenik der Nazis zurückfällt. Diese Meinung teile ich nicht. ich meine, das jedes Kind, das geboren wird, das gleiche Lebensrecht hat, gleich wertvoll ist – und auch wenn ich persönlich gar nicht gut mit geistig Behinderten umgehen kann – kleines Trauma aus meiner Kindheit – seh ich doch, dass diese Menschen für ihr Umfeld oft ein größerer Gewinn sind, als viele geistig normale Menschen, die ich kenne. Ich sag jetzt keine Namen.
An dieser Einschätzung lass ich auch nicht rütteln, kein Mensch ist weniger Wert, weil er irgendeine Behinderung hat, keiner mehr Wert, weil er cleverer, schöner oder stärker ist. Aber selbst wenn man mit der PID, wie es in den USA durchaus machbar ist, Kinder nach Geschlecht aussucht, heißt es ja nicht, dass man Menschen diskriminiert, denn wie kann man Menschen diskriminieren, die nicht geboren werden? Natürlich halte auch ich eine solche Auslese für extrem überspannt. Auch ich finde eine Menschenzucht, die ja, wenn man die PID weiter denkt, durchaus machbar scheint, ziemlich bescheuert, weil ja ganz prinzipiell der Zufall die witzigsten Kombinationen schafft, und weil da einfach ein Reichtum abhanden käme, wie er in der Nutztierzucht schon lange weggezüchtet wurde – ja, ich weiß, ist ein bisschen schiefes Bild, aber letztlich muss es einfach große und kleine Menschen geben, dicke und dünne – und Männlein und Weiblein auch, letzteres ist irgendwie unumgänglich – und wenn manche Kulturen immer noch glauben, das Söhne wertvoller sind als Töchter, dann muss man fragen, was mit den Kulturen nicht sitmmt – auch mal wieder so ein Punkt, wo Toleranz Quatsch ist, ein solches Menschenbild ist einfach unsagbar dumm.
Aber selbst wenn manche Menschen eine solche weitergedachte PID betreiben würden, würde sich die Problematik letztlich auf natürlichem Wege beseitigen. Denn die Psyche ist doch nicht so einfach zu betrügen, wenn ein Mensch weiß, dass er so ist, wie er ist, weil ihn seine Eltern so designt haben, wird er ziemlich wahrscheinlich nicht auf die gleiche Weise seine Kinder basteln – er wird wissen, dass ihm die Zucht kein bisschen glücklicher gemacht hat, sein Leben nicht einfacher, sein Leben nicht besser.
Ich glaube, dass die Horrorszenarien unsinnig sind, das man die PID einfach erlauben kann, ohne da allzu große Sperren einzubauen. Ethisch spricht da nichts gegen, es wird niemandem geschadet. Aber auf der anderen Seite können Eltern Kinder haben, die es sonst nicht verantworten könnten, Kindern das Leben zu schenken.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Juli 10, 2011 in ethik, Gesellschaft, Politik und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Wenn Du meinen Namen nie nennst, werde ich nie berühmt.

    Kurz zur Form: Das hier ist nicht Quick. Vermutlich meinst Du mit Quick in der letzten Zeit das Schreiben, nicht das Lesen. Das ist ein wenig irreführend und ich wäre einer Uminterpretation zukünftiger Beiträge dankbar, damit ich die nötige Zeit einplane, wenn ich den Link anklicke, der danach als gelesen markiert dem unberücksichtigten Untergang geweiht ist. So.

    Zum Inhalt: Guter Text. Ich kann dem zu großen Teilen zustimmen. Vielleicht würde ich da am Ende etwas anders argumentieren: So undenkbar ist es nicht, dass eine weitergehende PID irgendwann eine selektive Auswahl der eigenen Nachkommen üblich macht. Aber das ist nun mal das Problem mit jeglicher Moral, jeglichem Werteschema: Wir finden das aus unserem Standpunkt heraus vielleicht schlecht, die Eigenschaften unserer Kinder zu selektieren. Das mag sich ändern. Ebenso hielt eine Mehrheit Homosexualität für eine Krankheit und für schlecht, was sich eben auch weitgehend geändert hat. Ähnliche Beispiele gibt es viele, ich erwähne mal kurz die Nacktheit in öffentlichen Darstellungen, die heutzutage etabliert und toleriert wird und noch vor wenigen Jahrzehnten unangebracht und verpönt war.

    Aber damit komme ich persönlich zu der Schlußfolgerung, dass ich mich erst um eine Entwicklung kümmere, wenn sie mit der dann geltenden Moral im Widerspruch steht. Heute mache ich mir keine Sorgen, dass PID vielleicht in zwanzig Jahren etwas herbeiführt, was wir heute schlecht finden, denn in zwanzig Jahren kann es sein, dass es nicht mehr schlecht gefunden wird.

    (Zuende gedacht führt diese Ansicht in eine ziemlich Egal-Haltung, aber ich denke die einfach nicht zu Ende. Problem gelöst. :-P)

    • Quick heißen die Texte, die ich nicht in Word vorschreibe, sie sind schnell geschrieben, strotzen deutlich eher vor fehlern und sind insgesamt weniger lang als die normalen Texte … also meistens … 😉

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