Blogdiskussion Urheberrecht

Der Mideg hat quasi auf meine Beiträge zum Urheberrecht geantwortet – das wollte ich ihm in seinen Kommenatern vergelten, aber blogspot nimmt keine Kommentare über 4096 Zeichen … Weicheier …
Midegs Blogeintrag findet ihr hier: Hier klicken!

„Du wirfst ja alles in einen Topf … so als ob die Idee das gleiche wäre, wie ihre Ausarbeitung … (übrigens frage ich mich gerade, was du noch bei den Grünen machst, du denkst zu diesem Thema sehr viel piratiger als der größte Teil der Piraten) … das Problem, ich habe es hier und da schon erläutert, ist der Respekt vor Arbeit. ein schneller Autor braucht für ein Buch von fünfhundert Seiten vier bis sechs Monate, in denen er eigentlich keine andere Arbeit machen kann. Wenn ich dich beim Wort nehme, dann sagst du ihm: Herzlichen Glückwunsch, sie haben da ein prächtiges Buch geschrieben, wie schön, dass sie das gleiche BGE bekommen wie ich, und ich deswegen ihr Buch einfach lesen kann, ohne dass ich ihnen da was für gebe. (ich weiß, viele geben freiwillig etwas, aber ich habe mit der Freiwilligkeit bisher mehr negative als positive Erfahrungen gemacht.)
Jetzt gehst du am nächsten Tag zur Arbeit, dein Chef ist zufällig ein Freund des Autoren und sagt dir: Wie schön, dass du das gleiche BGE bekommst, wie wir alle, ich bezahle dir auch nichts mehr oben drauf, du arbeitest ja sicherlich gerne umsonst weiter, oder?
Deine Reaktion? Chef, du kannst mich mal.
Das BGE ist eine tolle Sache, keine Frage, aber allen schöpferisch tätigen Menschen zu sagen: Schön, dass ihr arbeitet, wir geben euch dafür aber nur das, was alle kriegen, ob sie arbeiten, oder nicht. Das ist jetzt echt nicht besonders freundlich.
Aber die Verlage werden deinen Vorschlag sicherlich gerne aufnehmen. Der oben erwähnte Autor hat also sein Buch geschrieben – zur Sicherheit auf einem netzunabhängigen Rechner, geht damit zu einem Verlag, wo er es selbst herausbringen kann, und passt höllisch auf, dass keine digitale Kopie existiert, und veröffentlicht das Buch auf Papier, das wird noch etwa dreißig Jahre funktionieren, dann wird Papier out sein. Weil er natürlich kein Geld hat, um Werbung zu machen, wird das Buch, obwohl es wirklich gut ist, ein mittelmäßiger Erfolg, er verkauft ein paar hundert davon im ersten Jahr. Ein Scout von beispielsweise Bertelsmann liest das Buch, findet es großartig, schickt es stante pede durch einen Buchscanner, bekommt eine wunderbare digitale Kopie, vermarktet es als E-Book und Taschenbuch, Werbung macht vieles möglich. Das Buch wird ein Riesenerfolg und füllt die Taschen des Verlages. Der Autor sieht von dem Geld nichts und erschießt sich …
Die einzige andere Möglichkeit für den Autoren ist übrigens, weiter zu machen, zu hoffen, dass er seine nächsten Bücher vom Hype profitieren und er es irgendwie kommuniziert bekommt, dass er nur dann was davon bekommt, wenn man die Bücher von ihm kauft. Letztlich muss der Autor neben dem Schreiben, an dem er ja nicht vorbeikommt – Kunst kommt nicht von Können, sondern von Müssen – und dass er eigentlich machen will, muss er Geschäftsmann werden, um eine Chance zu haben, dass seine Arbeit vergütet wird. Vielleicht ist er aber kein guter Geschäftsmann, vielleicht kann er nur schreiben, vielleicht kann er kein Geld mit Lesereisen verdienen, weil er sich nicht vor Publikum traut.
Es ist ein Kreuz mit der Kunst, 10 Prozent Inspiration, 90 Prozent Transpiration … und nur im seltensten Falle kann man einfach sagen, gut, dann mach ich eben keine Kunst … ich hab gehört, es gibt solche Menschen … ich habe aber noch keinen getroffen. Wenn man einmal angefangen hat, die Kunst einmal der Lebensmittelpunkt geworden ist, dann kommt man nicht mehr zurück. Und die 90 Prozent Transpiration sind der Grund, weshalb ich insistiere. Es ist bei Theaterstücken zum Beispiel so: Einem Stück liegen fast immer zwei bis drei völlig unterschiedliche Ideen zu Grunde – es gibt sehr selten auch Stücke, die auf einer Idee basieren. Diese IDeen sind nicht schützenswert, viele davon sind schon in hunderten anderen Stücken, Romanen und Filmen verwertet worden, meistens werden sie trotzdem durch ihre Kombination einzigartig – diese Kombination ist aber immer noch nicht der Punkt, an dem es meiner Meinung nach schützenswert wird. Das passiert erst durch die Ausarbeitung. Durch Handwerk. Gute Dialoge zu schrieben, ist wirklich viel Handwerk und ein bisschen Kunst, die Geschichte schlüssig zu machen, die Szenenfolge festlegen, die Rollen zu entwickeln und letztlich immer wieder gegen die Schreibblockaden und falschen Wendungen anzugehen, dass ist die Arbeit, das ist auch die individuelle Note (jeder, der mindestens zwei meiner Stücke gesehen hat, wird recht schnell erkennen können, wenn ein Dialog von mir ist) – dann ist das Stück einzigartig. Niemand anders kann es geschrieben haben. Eine Sache der Wahrscheinlichkeit ist das schon nach einer Seite Text nicht mehr – nach 20 Szenen noch viel weniger – aber du darfst gerne die Anzahl der Möglichkeiten ausrechnen, ich bin kein begeisterter Stochastiker …
Deine Idee funktioniert ganz wunderbar in dem Moment, in dem es das BGE gibt und deswegen niemand mehr Geld für seine Arbeit nimmt. Dafür kannst du jetzt auch die Wahrscheinlichkeit ausrechnen …“

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Oktober 27, 2011, in Nicht kategorisiert. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Du wirst hier aber auch einiges in einen Topf. Gerade beim Thema BGE gehen unsere Einsichten wohl ziemlich gegeneinander.

    Du gehst erstmal davon aus, dass der Autor sein Buch schreibt. Gut so, das hoffe ich auch. Dann gehst Du aber auch davon aus, dass ihm keiner oder zumindest nur wenige etwas für seine Arbeit geben werden, sondern eben die meisten – und das unterstellst Du auch mir – nichts geben und das Buch trotzdem lesen.
    Gleichzeitig gibst Du das perfekte Beispiel ab, warum es eben nicht so laufen wird, denn ich werde meinem Chef natürlich was tuten, wenn der mir meinen Lohn verweigert. Da er aber nun mir konkret als Reaktion darauf, dass ich so undankbar das Buch des Autors ohne Gegenleistung gelesen habe, meinen Lohn verweigert ist meine Reaktion doch klar: Ich zahle dem Autor einen Obulus, dafür zahlt mir mein Chef weiter sein Gehalt. Oder aber ich sage meinem Chef so was wie „Nö, lass mal“, dann muss der aber jemand anderen finden, der meine Arbeit macht.
    Und ja, der Autor müsste in letzterem Fall wohl über kurz oder lang auch schauen, dass er etwas anderes macht – wenn er mehr als das BGE verdienen möchte. Wenn uns dann aber irgendwann die guten Bücher ausgehen, weil keiner mehr gute Bücher schreibt, dann werden wir recht schnell merken, dass wir die Autoren besser angemessen bezahlen.
    Die Verlage werden meinen Vorschlag in der Luft zerreissen. Spinnen wir Dein Szenario doch mal weiter: da hat der glücklose, aber gute Autor also sein Buch ein paar hundert mal verkauft. Und der Scout scannt es ein und fängt an, es zu verkaufen. Sobald es sich gut verkauft, kommen dutzende, wenn nicht hunderte, Verlage, große und kleine, und kopieren das Buch ebenfalls, zu sich gegenseitig unterbietenden Preisen. Das wird aber noch nicht mal das Problem, denn bereits am ersten Verkaufstag kann man das Buch sowieso kostenlos aus dem Netz ziehen, da der erste Käufer das Buch einfach online gestellt hat. Die Verlage verlieren durch mein Modell am Meisten, da sie schon jetzt nur wenig und bald gar keine eigene Leistung mehr anbieten, die sie verkaufen können. Das Verlegen ist in Zeiten von digitalen Lesegeräten kein kapitalintensives Geschäft mehr.
    Es bleibt – das gestehe ich ein – das Problem, dass Autoren kein gesichertes Bonuseinkommen haben werden – das Grundeinkommen ist in dem Szenario ja sicher und bedingungslos. Das kann natürlich dazu führen, dass manche Autoren eben kein oder kaum Geld bekommen und entweder aus Leidenschaft weitermachen oder aufhören.
    Und so, wie Du Kunst als Lebensmittelpunk beschreibst, ist das kein Beruf oder eine Berufung, sondern eine Sucht und gehört behandelt. Eine solche Sucht will ich weder finanzieren noch will ich, dass sie für groteske Regeln und Gesetze in der ganzen Gesellschaft sorgt. Also, mal im Ernst: das BGE soll es ja gerade ermöglichen, dass die Menschen von den finanziellen Zwängen frei werden. Kannst Du momentan von Deiner künstlerischen Arbeit leben? Und Deine Rente sichern? Und Steuer, Versicherung, Auto und so weiter bezahlen? Ich vermute mal, ohne Dir nahetreten zu wollen, höchstens sehr knapp. Warum sollte sich das durch eine nach Deinen Vorstellungen veränderte Schutzzeit ändern?
    Vielleicht gelingt Dir ja mal mit einem Projekt finanziell der große Wurf – ich würde es Dir wünschen und gönnen – und Du kommst in die Position, in der der Unterschied zwischen einer zehnjährigen, einer lebenslangen oder einer darüber hinausgehenden Schutzfrist für Dich persönlich wirklich bedeutungsvoll wird. Ich glaube aber, dass die große Mehrheit der Künstler unserer Gesellschaft in einer ähnlichen Situation leben wie Du jetzt: Sie können von der Kunst allein nicht oder kaum leben und es macht für sie persönlich kaum einen Unterschied, wie lange ihr geistiges „Eigentum“ geschützt ist. Das BGE würde es ihnen aber ermöglichen, ohne Existenzangst an ihre Kunst heranzugehen. Und dann vielleicht – nur vielleicht – auch damit Geld zu verdienen.
    Das meinte ich auch, als ich in meinem Blog von fairer Bezahlung sprach. Fair bedeutet eben nicht zwangsläufig, dass ein Autor, der ein halbes Jahr intensive Arbeit in ein Buch investiert hat, dafür auch zwangsläufig Geld bekommt. Vielleicht ist das Buch einfach nicht gut oder nicht erfolgreich, vielleicht scheitert es auch an der Vermarktung oder an widrigen Umständen oder daran, dass ein anderer Autor einen Tag zuvor ein ganz ähnliches Buch auf den Markt gebracht hat und jetzt alle Leute das andere Buch lesen. Nicht jedes halbe Jahr intensive Arbeit verdient eine finanzielle Entlohnung. Der Markt – auch und gerade nach der Einführung des BGE – lebt von Angebot und Nachfrage und wenn die Nachfrage ausbleibt, ist auch dass qualitativ hochwertigste Angebot finanziell niedrig bewertet.
    So, jetzt fällt mir allerdings nix mehr ein. Ist auch schon spät. Ich diskutiert morgen mit Dir weiter! 🙂

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