Quick – Infostand /LQFB-Diskussion

Ja, gestern war bei uns der erste Pirateninfostand, bei uns in der Provinz, wahrhaftig. Und weil ich ja Neupirat bin, war ich auch so lange dabei, wie ich konnte.
Also kam ich in einer kleinen unbedeutenden Fußgängerzone an, sah den Fahnenmast, der die Piratenfahne zum höchsten Punkt machte, ärgerte mich ein bisschen, dass die Piraten vor fünf Jahren bei Gründung auf Orange verfallen sind, kann die Farbe einfach nicht ab. Egal. Am Stand waren unsere „Entwicklungshelfer“, alte Informationsstandhasen aus der Nachbarregion. Kaum war ich da, schon hat jemand den Oflfine-Troll, einen überzeugten Christen, an mich abgestreift, den ich nicht ganz so schnell los wurde. Wer christliche Werte für die einzige Hilfe in der heutigen Zeit hält, strapaziert meine Geduld. Welche Werte? Glauben an einen starken Führer? Hexenverfolgung? Antisemitismus? Achja, die althergebrachten christlichen Werte, wunderbar …
Aber davon wollte ich doch gar nicht, entschuldigt meine Ablenkbarkeit …. Katze!
Nun stand ich also am Infostand, bewunderte die Kollegen für schnelle Piratensäbel und -schwerter aus Formballons und für sehr offenes Zugehen auf Passanten, die doch eigentlich gar nichts von einem wollten. Mir fällt das ja immer ein wenig schwer. Bin der geborene Nicht-Verkäufer, kann zwar reden aber viel besser, wenn man mich fragt. Ja, ich rede auch viel wenn man mich nicht fragt – Klappe auf den billigen Plätzen!
Also schaute ich den erfahrenen Kräften zu, und sprach selbst nur Menschen an, die direkt auf den Stand los gingen. Und es wurden ein paar sehr interessante Stunden, einerseits, weil ich meine wenign Erfahrungen auf dem Piratenklipper an recht viele Menschen weitergeben konnte, andererseits, weil viele Menschen diskutierten, fragten und sich erstaunlich viele mit „Bis Dienstag!“ verabscheideten – am Dienstag ist nämlich unser erster Stammtisch. Das Interesse ist viel größer, als ich jemals vermutet hatte.
Natürlich gingen auch viele Menschen vorbei, nahmen allenfalls aus Höflichkeit Informationen an, ein Mann reagierte auf emeine Frage, ob ich ihm Informationen geben dürfe, mit: „Mit Sicherheit nicht!“ – und da habe ich dann auch ein Merkmal der Piraten bemerkt, das mir noch fern ist. Eine gewisse Nachgiebigkeit im Umgang mit Kritik. Auf Kritik an der Partei antworten die Kollegen mit: „Kommen sie zu uns, machen sie Vorschläge, nur wenn viele mitmachen, kommen wir weiter!“ Ein bisschen bewundere ich das, ein bisschen frage ich mich, ob ich das selbst so ehrlich sagen kann. In meinem Hinterkopf sagt nämlich eine nicht sehr freundliche Stimme: Sie finden uns doof, ihr gutes Recht! Dann gehen sie mir jetzt auch aus der Sonne!“ Aber ich lerne ja noch.
Aber das Piraten doch streitbar sind, wurde mir dann in einer Diskussion mit einem unseer „Entwicklungshelfer“ deutlich. Ich, der ich ja bisher reiner Online-Pirat bin, pries im Umgang mit den Passanten Mumble und Liquid Feedback an – wer nicht weiß, wovon ich rede, einfach mal auf den letzten Artikel zurückblättern – und dann ging es los: „Also, ich benutze Liquid Feedback ja nicht!“ War erstmal für mich schwierig. Für mich ist gerade für die ja immer größer werdende Partei das LQFB die einzige Möglichkeit, Basisdemokratie aufrechtzuerhalten, weil sonst immer nur die über wichtige Anträge abstimmen, die es sich finanziell und zeitlich leisten können, auf Landes- und Bundesparteitage zu fahren – für mich ein netter Wunschtraum. Es stellte sich heraus, dass die Ablehnung auf dem mangelnden Datenschutz beruht. Er meint, er will nicht, dass man sein Abstimmungsverhalten nachverfolgen kann. Er will aber auch nicht unter einem Pseudonym ins LQFB – man kann ja völlig unerkannt im Programm unterwegs sein – weil es dann ja keine Möglichkeit gibt, das jemand ihm Stimmen deligiert. (Ist ja ein so ein Ding bei der Liquid Democracy, man kann seine Stimmen anderen Nutzern in treue Hände geben, jederzeit aber auch selbst abstimmen oder die Delegation ändern). Das Dilemma ist also, wenn man einerseits sich öffentlich macht, um Stimmen anderer auf sich zu vereinen, hat man auch sein Abstimmungsverhalten veröffentlicht. Was ich aber auch jetzt nicht wirklich schlimm finden kann. Wenn ich jemandem meine Stimme deligiere, dann will ich auch wissen, wie er sich in früheren Abstimmungen verhalten hat. Seine Argumentation war, dass er nur ein kleiner Pirat sei, kein öffentliches Licht, kein Berufspolitiker, und deswegen Datenschutz wichtiger sei, als Transparenz. Ich denke, man muss sich entscheiden. man kann nichtöffentlich arbeiten, sich hinter einem Pseudonym verstecken und wird dann allenfalls, weil man Anträge stellt und für andere nachvollziehbar sinnvoll stimmt, Delegationen bekommen, oder man möchte die „Macht“ der Delegationen und macht sich damit auch zur öffentlichen Person – natürlich nur innerhalb der Partei. Da gibt es innerparteilich noch Einiges auszudiskutieren. Interessant fand ich, dass er dabei sehr emotional beteiligt war, was ich dabei nicht war. Man merkt, wie er für den Datenschutz eintritt, wie wichtig ihm dieses Anliegen ist. Meine Delegation in Sachen Datenschutz hätte er.
Ich finde es schade, dass von den nun gut fünfzehntausend Piraten nur gut fünftausend im LQFB sind. Ich finde Liuid Democracy das Beste, was der Politik passieren kann. Man kann sicher immer über die Software diskutieren, aber Liquid Democracy hat es mir echt angetan.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 6, 2011 in Nicht kategorisiert und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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