Erster Piratenstammtisch in Gummersbach

Ja, heute war es so weit, selbst im eher ländlichen Oberbergischen hat sich ein Stammtisch der Piraten versammelt, der nun die politische Arbeit aufnimmt, oder aufgenommen hat, wie immer man das auch sagen will. Dass das Procedere in einer Raucherkneipe ablief, war übrigens eher ein Missverständnis, und wird sich auch so nicht wiederholen – zumindest nicht, wenn ich in irgendeiner Weise involviert bin, werde zwei Tage husten dürfen, um den Scheiß wieder aus meiner malträtierten Lunge zu bekommen.

Als ich ankam, waren die Vertreter der Presse schon da – und zwei davon auch noch gute Bekannte, was dann dazu führte, dass ich gleich mal interviewt wurde. Ich hoffe, bei meiner Theaterpremiere Ende November wird das Interesse genauso groß sein. Auf jeden Fall atmete ich doch einigermaßen auf, als die „Entwicklungshelfer“ aus Wuppertal und Solingen hinzukamen, vor allem, da mit Alexander Reintzsch der politische Geschäftsführer im Landesverband mit dabei war und das ist ein Titel, darauf fliegen wir Piraten nicht so sehr, aber die Presse tut es natürlich.

Und dann ging es bald auch schon so richtig los, irgendwas zwischen dreißig und vierzig Piraten und Interessierte hatten sich versammelt, viel mehr, als es im ganzen Oberbergischen an Parteimitgliedern gibt. Und es waren Menschen aus den verschiedensten Bereichen, Beamte und Unternehmer, ITler Menschen ohne Internetanschluss, Menschen, die sich für Finanzpolitik interessieren und andere, denen das soziale am Herzen liegt. Ehemalige CDU-Wähler und alte SPD-Parteisoldaten. Viele, die mit dem unzufrieden sind, was in der Kommunalpolitik nicht gut läuft, viele, die was ändern wollen, und natürlich auch viele, die erst mal schnuppern wollten, wer wir wohl sind, was wir so vorhaben.

Und für viele waren die piratigen Ideen auch nicht immer einfach zu verdauen. Ist das BGE denn denk- und bezahlbar? Wie kann man denn Basisdemokratie durchhalten, und ist es möglich, koalitionsfähig zu sein, wenn man jede Fraktionsdisziplin ablehnt und seinen Abgeordneten jederzeit die freie Entscheidung über seine Stimme zubilligt? Und es wurden Fragen gestellt, natürlich die nach Tauss, natürlich nach Wirtschafts- und Außenpolitik, einem vollständigen Programm, das alle Bereiche der Politik abdeckt, und sicherlich wird nicht jeder, der die Fragen gestellt hat mit den Antworten zufrieden gewesen sein. Aber das Potenzial, dass bei diesem Stammtisch zu spüren war, ist schon groß, das Interesse daran, dass mehr Demokratie gewagt, mehr Lobby für die Bürger möglich gemacht werden soll, ist spürbar. Kontakte wurden geknüpft, Visitenkarten und Mitgliedsanträge weitergereicht – und besonders froh bin ich, dass die Wuppertaler und der Kölner Pirat, die uns besuchten, auch für die Zukunft Hilfe angeboten haben – sicher werden wir noch des Öfteren Leute brauchen, die sich auskennen, die einfach mehr Piratenerfahrung haben, und die wissen, wie man diese schicken Säbel aus Formballons macht, auf die Kinder so stehen – so was müssen wir halt erst noch lernen.

Über Mike Nolte, den Kölner Piraten, habe ich mich besonders gefreut, einerseits, weil ich mit ihm nicht gerechnet hatte – er war auch eher zufällig in der Gegend -, und andererseits, weil er einer der Stammgäste der Mumble-Kneipe „Dicker Engel“ ist, wo ich seine markante Stimme und seinen trockenen Humor schätzen gelernt habe.  Besonders interessant finde ich , dass es da auch keinerlei Dünkel gibt, die Piraten, die schon ihre zwei Jahre Parteiarbeit hinter sich haben, sind uns Neulingen gegenüber völlig offen, es gibt keine „Prominenz“, die einen herablassend würdigt, wie das in anderen Parteien durchaus nicht selten ist, sondern nur andere Piraten, die mit diskutieren, die Fragen beantworten und einfach auf gleicher Ebene mit allen Anwesenden sprechen, immer wieder darauf hinweisen, dass um Mitarbeit, um Mitdenken und um Fragen-Stellen gebeten wird. Man muss kein Mitglied sein, um mitzuarbeiten, man muss nicht mit allem übereinstimmen, man braucht nur den Wunsch, etwas zu verändern und die Bereitschaft, sich offen, kritisch und neugierig in die Diskussionen zu werfen.

Da ich jemand bin, der sehr gerne schriftlich kommuniziert, sich an einer Tastatur sehr wohlfühlt und vor allem deutlich eloquenter schreibt als spricht, wird der Stammtisch nicht mein Lieblingstool werden, auch wenn mir die Wichtigkeit natürlich klar ist. Weil ich allerdings nun mal immer meine Klappe aufreiße, werde ich in der nächsten Zeit wohl erst mal ein Ansprechpartner sein, morgen die Pressemitteilung für den nächsten Stammtisch herausgeben und auch den Kontakt zu den Wuppertalern halten, die uns ja weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen. Da wir Oberberger allerdings dazu neigen, ein aufsässiges und selbstständiges Völkchen zu sein, kann ich mir gut vorstellen, dass wir hier bald ein buntes Piratenleben auf die Beine stellen. Na, dann mal Ahoi!

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am November 9, 2011 in Piraten und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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