Alltagssexismus, Alltagsrassismus

Vor ein paar Tagen ging dieser Blogeintrag auf Twitter herum. http://kegelklub.wordpress.com/2011/12/05/ich-bin-alltagssexist-aber-ich-arbeite-daran/ sehr empfehlenswert, keine Frage, und irgendwie brachte es mich mal ein bisschen zum Grübeln. Auf der einen Seite, Einiges, was die Autoren da geschrieben haben, gilt für mich genauso. Die Sache mit dem Autofahren gilt für mich nicht, das mit den Blicken schon, und ich weiß auch nicht, ob ich Frauen etwas Technisches anders erkläre, als Männern, kann schon sein.

Der Blogeintrag hat mir allerdings nicht die Augen geöffnet, meine Augen waren da schon offen, ich unterschreibe das Ende, ich weiß davon, dass ich manchmal in alten Mustern denke, ich arbeite dran. Das gleiche gilt übrigens zum Beispiel für meinen Umgang mit Homosexuellen, mit dem Thema Homosexualität. Wahrscheinlich ist es irgendwie die Erziehung in ein Männerbild, die besagt, man sollte Vorurteile gegenüber Homosexuellen haben. Ich lache trotz dieses Wissens manchmal über Witze, die ich nicht machen würde, Witze, die sich über Menschen lustig machen, die eh schon zu einer Minderheit gehören. Ich find mich in dem Augenblick nicht gerade wie der König der Welt, will aber auch nicht mit einem Gewissensrucksack herumlaufen. Ich sehe eine Freiheit von diesen Vorurteilen als eine Utopie, die man sich gerne und gut als ein Ziel am Horizont setzen sollte. Vielleicht erreiche ich diese Utopie nie, aber ich kann es ja versuchen.

Ich bin nicht nur ein heterosexueller Mann, ich bin auch weiß. Seit ich dieses Buch (http://www.amazon.de/Deutschland-Schwarz-Weiss-allt%C3%A4gliche-Rassismus/dp/3442155754/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1323353792&sr=8-1) gelesen habe, dass ich jedem empfehlen würde, der seinen Geist mal aufmachen will, weiß ich, dass ich auch da Vorurteile habe, und nicht wenige. Ich glaube manchmal doch wirklich mit dem Stammhirn, dass schwarze Menschen weniger clever sind, das sie automatisch schneller laufen und besser singen und tanzen können. Inzwischen weiß ich wenigstens mit dem brauchbareren Teil meines Hirnes, dass das Quatsch ist. Inzwischen rege ich mich über dümmliche Witze auf, die Herr Lanz macht, wenn Nelson Müller bei ihm kocht, inzwischen kann ich „N.-kuss“ vermeiden und verabscheue Kolonialchic. Ich bin mir bewusst, dass ich auch manchmal positivem Rassismus, Sexismus usw. anheimfalle, wenn ich ausländischen Kindern übermäßige Aufmerksamkeit schenke, oder lauthals bestaune, wenn eine Frau mit Technik besser umgehen kann, als ich – was eigentlich keine Sache sein sollte ;). Positiver Rassismus ist immer noch Rassismus. Vorurteile einfach mal aus dem Kopf hauen, das wäre mal was, oder?

Aber eine Sache bleibt auf jeden Fall, ich kann mir nicht vorstellen, dass ich da jemals mit klar komme: Ich werde wohl immer im Schnitt lieber Frauen anschauen als Männer … sorry …

Advertisements

Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 8, 2011, in Nicht kategorisiert. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Hm. Auch hier passt mein Artikel recht gut hinein, oder? Ein bisschen ein anderer Standpunkt: http://blogaoke.blogspot.com/2011/12/alltagssexismus-vorurteile-und.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: