Transparenz – oder warum Wulff widerlich ist

Eine halbe Million Euro bekam Herr Wulff, damals Ministerpräsident, von einer Industriellen-Gattin privat geliehen. Das ist eine Menge Geld und an sich schon alles andere als ehrenhaft. Wenn ein Ministerpräsident Geld braucht, um sich ein Haus zu kaufen, dann soll er zu einer stinknormalen Sparkasse gehen – nicht, weil irgendwas daran schlimm ist, wenn einem Freunde Geld leihen, sondern weil es einfach miserabler Stil ist, weil man als Politiker ein bisschen Normalität bewahren sollte. Auf jeden Fall sollte man als Ministerpräsident einen solchen Kredit öffentlich machen – so was nennt man Transparenz, ja, das ist den etablierten Parteien eher unbekannt, aber ein ziemlich cooles Prinzip.

Dann wurde Wulff vom Landtag gefragt, ob er mit dem Industriellen, dessen Frau ihm Geld geliehen hatte – wie gesagt, eine halbe Million Euronen, kein Pappenstiel -, irgendwelche geschäftlichen Verbindungen hatte – er hat verneint, und das stimmt ja auch, rein aussagenlogisch und so – nimmt man den Sinn der Frage auf, dann ist diese Verneinung eine riesige und durch und durch widerliche Lüge.

Wulff zeigt damit nicht nur kein Ehrgefühl – und dabei sind es doch immer die Konservativen, die von Werten sprechen -, er zeigt auch der ganzen Welt, dass er auf Ehrlichkeit pfeift, und nicht zuletzt, dass ihn die parlamentarische Kontrolle, die im Landtag ausgeübt wurde, allenfalls peripher tangiert.  Wir haben einen Bundespräsident, der ein Freund des mehr als dubiosen Schneeballsystemerfinders Maschmeyer ist, der offenbar mit sehr reichen Menschen fest verbandelt ist, und das – wenn es geht – vertuschen möchte. Dieser Brechreiz, der jedem denkenden Menschen beim Anblick des ewigen Lächlers überkommen muss, wird immer stärker.

Wulff ist ein schmieriger Widerling, ein Speichellecker des Geldes, und das solche Politiker in höchsten Ehren sind, zeigt deutlich, dass wir einen ganz anderen Wind brauchen, eine Säuberung der Politik von solchen Kreaturen. Wir brauchen Transparenz statt Käuflichkeit. Wir müssen diese bigotte Machtschickeria von ihrer Droge Macht wegbekommen. „Es gibt viel zu tun, packen wir es an“.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 14, 2011 in Piraten, Politik und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Da hat Wulff wohl einen sehr guten Lehrmeister gehabt: Bill Clinton. Der ist damit durchgekommen und Wulff wird es auch. Es ist widerlich!

  2. Erstmal: cooles Design.

    Ich kann Dir zustimmen und Dir widersprechen. Zustimmen, weil Wulff das Geschäft öffentlich hätte machen müssen. Widersprechen, weil Privatkredite nicht unüblich sind und daher die Forderung, Wulff hätte bitteschön zur Bank gehen sollen nicht sinnvoll ist. Nicht der Kredit als solcher ist das Problem, sondern die mangelnde Transparenz.

    Zumindest nach dem, was ich bisher weiß.

    • @bravo56: falsch, bei Clinton ging es um Sex, bei Wulff um GEld, bei Geld hört der Spaß auf. Mit wievielen Frauen ein Politiker schläft, mit wievielen Männern eine Politikerin, oder alles umgekehrt oder durcheinander ist total egal – es sei denn, das Beschlafene profitiert davon 😉

      @mideg: ich habe ja geschrieben, prinzipiell ist nichts gegen einen Privatkredit einzuwenden – es ist nur schlechter Stil, weil man als Ministerpräsident einfach keine solche Nähe zum Geld demonstrieren sollte, weil man diese Nähe nicht haben sollte.

      • Naja, da bin ich eben anderer Meinung. Als MP sollte man nicht mehr Nähe zum Geld haben als, aber man muss auch nicht jede Freundschaft kündigen. Und Freundschaft muss eben nicht bei Geld aufhören.

        Die entscheidende Frage – neben der Transparenz, die ich ja ebenso wie Du einfordere – ist ja, inwiefern der Verleiher des Geldes da von Wulff’s MP-Amt profitiert hat, haben kann. Und da ist keinerlei Verdacht geäußert, deswegen bin ich da noch halbwegs entspannt.

        Siehe auch hier: http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-24474/wulff-affaere-um-privatkredit-wir-waren-und-sind-freunde-da-hilft-man-sich_aid_693993.html

      • Geld oder Sex, das ist doch bei dem Vergleich nicht die Frage. Wulff sagt, er hätte keine geschäftlichte Beziehung zu Geerkens oder seinen Firmen. Clinton sagte: „I did not have sexual relations with that woman, Miss Lewinsky.“
        Diese spitzfindige „Wahrheit“, die Du ja auch angesprochen hast, meinte ich. Ich dachte nicht, dass ich das erklären müsste.

  3. @bravo56: Der Unterschied ist doch, dass Clinton etwas leugnete, was sowieso keine Rolle spielen sollte. Wullf leugnete aber etwas, was eben schon eine Rolle spielt. Wenn auch keine so große, wie der Aufschrei jetzt denken ließe, meiner Meinung nach. 🙂

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