Servicegruppen, Intransparenz und wir zerfleischen uns wieder

EDIT: Es stimmt nicht alles, offenbar sind meine Informationen unzureichend. Viele Schlussfolgerungen stimmen trotzdem. Man kann sich genauere Informationen über die Links holen, die in Gefions Kommentar zum Blog stehen.

Inzwischen sollten es die meisten gemerkt haben, wenn man in eine Partei geht, um etwas zu erreichen und zu ändern, dann sollte man zu uns kommen, zu den Piraten – ABER …

Wir hindern uns mal wieder selbst. Alles wie gehabt. Dieses Mal geht es um Servicegruppen, die eine totale Neuerung darstellen. Die grundsätzliche Arbeit auf Bundesebene funktionierte bisher über AGs, also Arbeitsgemeinschaften – und da arbeitet man halt mit, wenn man mag, oder auch nicht. Das natürlich transparent, wie man das kennt. Meistens über offene Mailingliste und Pads, auch übers Wiki und per Mumble – je nach Geschmack, unsere Kommunikationsformen sind weit verzweigt, zum Ärger für viele Neulinge wie Altpiraten – ein wenig Ordnung wäre da wünschenswert. Aber wir wollen vieles, ja eigentlich ales anders machen, da bleibt Ordnung fast notwendigerweise auf der Strecke.

AGs sind auf Bundesebene in der programmatischen Arbeit hier und da recht produktiv, an anderen Stellen eher nicht. Vor allem dann, wenn es einzelne Extrempositionen gibt, deren Inhaber dann die Liste trollen, wo sie nur können, oder dann, wenn die Koordinatoren gerne auch mal ihr eigenes Süppchen kochen und die Lsite moderieren, ohne dass das wirklich nötig wäre. Auf einen Konsens kommt keine AG und deswegen kommen die Anträge dann doch meistens von Einzelpersonen oder aus kleineren Gruppen, die einfach eine größere Chance haben, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Nun gibt es auch unprogrammatische AGs, die AGs, die bei uns in NRW auch so heißen würden – Gruppen, die programmatische Arbeit machen, nennen wir auf Landesebene zur besseren Unterscheidung AK. Und diese AGs, die zum Beispiel Technik betreuen, Pressearbeit machen, recherchieren und ähnliches, werden nun in SGs umgewandelt. Und das von oben nach unten, also durch den Bundesvorstand und speziell durch Gefion Thürmer, die für die Servicegruppen zuständig ist.

Und das hat wieder mal Grabenkämpfe angeregt, die sich gewaschen haben. Das ist auch nicht so einfach. Bisher waren die AGs unabhängig, die diverse Arbeiten übernommen haben.  Diese Unabhängigkeit gilt für die SGs nicht, die sind direkt dem Bundesvorstand untergeordnet. Aber was bei programmatischen AGs natürlich entgegen allem stehen würde, was die Piratenpartei ausmacht, das ist bei den Servicegruppen und ihren Aufgaben deutlich besser nachvollziehbar. Eine Gruppe, die die Website managet, sollte nicht entscheiden können, was sie auf dieser Präsenz veröffentlicht – schließlich hat die AG keine andere Legitimation als die aus sich selbst heraus. Hier könnte eine Gruppe eine AG kapern und damit treiben, was sie will – wenn sich vorher nicht der Shitstorm des Todes +5 sich erheben würde. Letztlich ist es aber eine ganz normale Sache, dass es hier eine gewisse Koordination geben muss, die sicherlich bei den SGs durch den BuVo gegeben ist.

Die Einführung der SGs ist also durchaus kein falscher Schritt, allein, die Frage, wie man eine solche Einführung gestaltet, sollte man sich allerdings besser überlegen, als es nun geschehen ist. Die meines Wissens erste AG, die zu einer SG wurde, war die, die sich um Presseangelegenheiten kümmert. Die AG wurde aufgelöst, nach demokratischem Votum, das aber von manchen angezweifelt wird. Dann wurde die SG gegründet und gleich wurde auch noch ein Aufnahmestopp verhängt – ja, das macht Vertrauen in neue Strukturen, oder? Und als ob das noch nicht unclever genug gewesen wäre, man machte auch noch die Mailingliste nicht öffentlich. Und das, obwohl die Intransparenzallergie der Piraten allgemein bekannt ist. Und ganz nebenbei hat noch niemand, der nicht dazugehört, so richtig verstanden, warum diese Liste nicht öffentlich ist.

Als letztes Problem bei der Einführung besteht noch, dass Gefion, die ja nun mal die Sache managet,  nicht einfach mal Klartext spricht, es gut erklärt, sondern es viel mehr aussitzt – Politik 1.01, und wir wollten doch mal mindestens auf den 2.0-Standard.

Klar muss sein, eine ähnliche Struktur wie bei den SGs darf es nicht für die programmatischen AGs geben, programmatische Arbeit kommt von der Basis, oder gar nicht. Hier darf es keine Gruppen geben, die vom BuVo Weisungen empfangen. Aber es muss auch klar sein, dass wir langsam aber sicher zu einer ernstzunehmenden Partei werden wollen, zu einer Partei, bei der grundlegende Sachen auch funktionieren müssen – und das geht nicht, wenn AGs ohne Legitimation und Struktur vor sich hin wursteln – ich gehe davon aus, dass das im Moment eher nicht so ist, allerdings sehe ich da eine mehr oder weniger inaktive AG in NRW auf die wir prinzipiell angewiesen sind. Ich bin bei der Mailingliste angemeldet, und bekomme keine Mails von dieser Liste – und das wohl nicht, weil es da auch irgendwelche Probleme gibt, sondern weil einfach nichts passiert. Ich geh jetzt mal davon aus, dass das auf Bundesebene nicht so schnell passiert, aber die Gefahr besteht halt. Die SGs oder ähnliche Strukturen muss es geben, und da darf es auch Kontrolle durch den BuVo geben. Schließlich wählen wir die Vorstände, damit die die Strukturen verwalten. Das sollten sie auch dürfen.

Andererseits wollen einige Vorstände wiedergewählt werden, da gehört auch Gefion zu – und ganz ehrlich, sollte sie bis zum BPT ihre Informationspolitik nicht gründlich überarbeiten, dann glaube ich da überhaupt nicht dran.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Februar 4, 2012 in Piraten und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 7 Kommentare.

  1. Ich erlaube mir grad mal hier einfach die drei Seiten zu verlinken, die die Situation bereits erklären:
    http://www.gefiont.de/2012/01/die-servicegruppe-pressearbeit.html (Zur Entstehung der SG Presse)
    http://wiki.piratenpartei.de/Servicegruppen/Presse (Wikiseite der SG Presse, inklusive aller Protokolle und Konzept)
    http://wiki.piratenpartei.de/Servicegruppen (Übersicht der Servicegruppen – die Pressegruppe ist die fünfte, aber das nur am Rande)

    Sobald ich zwischen BuVo-Arbeit und Shitstorms mal dazu komme, plane ich einen umfangreichen Blogpost zu dem Thema. Bislang fehlt dafür einfach die Zeit.

    Beste Grüße,
    Gefion

  2. Ja, sachliche Richtigkeit war da nicht meine größte Stärke … man nehme es als Zeichen dafür, wie wenig da die Kommunikation funktioniert.

  3. „Auf einen Konsens kommt keine AG und deswegen kommen die Anträge dann doch meistens von Einzelpersonen oder aus kleineren Gruppen, die einfach eine größere Chance haben, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

    Das stimmt schlicht und einfach nicht. Der AK Bildung NRW hat im Konsens ein Bildungsprogramm auf dem LPT vor der Landtagswahl eingebracht, das nahezu ohne Abstriche vom LPT akzeptiert wurde. AGs können sehr wohl effizient und konsensual arbeiten.

    Es wäre sinnvoll zu ermitteln, unter welchen Bedingungen AGs gut zusammenarbeiten und unter welchen nicht. Daraus lassen sich vielleicht Anforderungen an die AG-Struktur ableiten, wodurch auch mehr Übersicht in das AG-Wesen käme.

    „Klar muss sein, eine ähnliche Struktur wie bei den SGs darf es nicht für die programmatischen AGs geben, programmatische Arbeit kommt von der Basis, oder gar nicht.“

    Das möchte ich dreimal unterstreichen! Leider habe ich das Gefühl, das wir hierum in der Partei kämpfen müssen. Es lief da in letzter Zeit zu viel, was in die Richtung SG Programm ging.

  4. In weiten Strecken guter Artikel, der trotz oder möglicherweise gerade ob der inhaltlichen Fehler in einzelnen Details gut wiedergibt, worin die Problematik bestehen könnte.

    Ein bisschen stört mich nur zweierlei:
    1. kann und sollte zwischen der neuen Struktur mit SGs statt AGs und der Intransparenz unterschieden werden. Für SGs gibt es gute Gründe (z.B. basisdemokratische Legitimation), für Intransparenz habe ich im Fall der SG Presse noch keine gelesen.
    2. mag ich keine Totschlagargumente. Kommt bei mir immer so ein ‚Brrr‘ aus dem Bauch und ich neige sofort zur gegenteiligen Meinung. Wenn Du sagst – ok, das war jetzt in einer Mail, aber der Grundtenor erscheint mir hier auch zwischen den Zeilen – „Leute, wir haben genug, über dass es sich eher lohnt, zu sprechen.“ – damit kann man das Ende jeder Diskussion oder Kritik herbeireden, deswegen akzeptiere ich es nicht als Argument. (Da bin ich vielleicht auch zu sehr Idealist für, ich will bitte, dass alles perfekt und ideal ist, nicht nur das (scheinbar) wichtige, (scheinbar) drängende, (scheinbar) aktuelle.)

    Aber insgesamt: Sehr guter Blogpost.

    Ein P.S. fällt mir noch ein, weil Du und ein Schreiber auf der nrw-öa das in meinem Kopf richtiggestellt haben: Wenn die SGs dem BuVo direkt weisungsgebunden unterstellt sind, muss deren (also der der SGs) Mist ja dem BuVo angelastet werden. So ein Mist, ich wollte unseren BuVo eigentlich mögen, aber so eine Intransparenz kann ich nicht mögen…. :-/

    • @juh: stimmt, die NRW-AKs, und ich gehöre ja neuerdings auch zum AK Bildung, funktionieren … und was ist mit der AG Bildung? Auf deren Mailingliste unglaublich viel Unsinn verzapft wird, und die auch noch nicht so ganz transparent moderiert wird … meinst du, die bringt auch irgendwas? – Es ist, wie ich geschrieben habe, die guten Sachen kommen aus kleinen Gruppen, und das ist der AK Bildung ja relativ gesehen auch noch 😉
      @mideg: Der Rant in meiner Mail ist eine andere Sache als dieser Blogpost 😛

      • Da hast Du Recht, aber Du rantestest in der Mail ja in der selben Sache und vertrittst doch wohl in Mail und Blog kompatible Ansichten, oder gespaltene Persönlichkeit? 😉

      • ich bin nicht schizophren, und Holger auch nicht!

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