Approval Voting … Wir haben eine Liste ….

Ja, wir haben eine Liste. Nach zwei langen Tagen, anstrengenden Tagen, haben wir 42 Kandidaten aufgestellt, und das durch Approval Voting. Will heißen, man macht überall dort Kreuzchen, wo man nicht das Gefühl hat: „oh wtf, der oder die kann es gar nicht!“

Von denen gab es gar nicht so wenige. Und die Verstrahlten sind auch nicht ins Team gekommen. Ich kenne einen großen Teil der Listenkandidaten, und alle, die ich kenne, kann ich auch mit ganzem Herzen unterstützen.  Bei dem Rest, bei denen, deren Namen mir nicht wirklich etwas sagen – sogar, wenn ich die Nicknames nachschaue – bei denen bin ich mir auch ziemlich sicher, ich glaube an die Schwarmintelligenz, ich kann mir nicht vorstellen, dass da totaler Schrott bei wäre.

Aber so richtig warm konnte man an diesem Wochenende mit dem Wahlsystem nicht werden. Im ersten Wahlgang, als vier Kandidaten gewählt werden sollten, kam gerade mal einer über das Quorum von fünfzig Prozent. Das war mit Nick Haflinger, oder auch Dr. Joachim Paul – manche Leute brauchen ja Realnamen – auch wirklich einer der allerbesten. Außer vielleicht Michele Marsching hätte ich mir auf dieser Position niemand besseren vorstellen können.

Aber dennoch war das nicht das Ergebnis, was wir gebraucht hätten, es war eben nur einer gewählt worden, statt vieren. Im zweiten Wahlgang nach vielfacher Beschwörung, viele Kandidaten anzukreuzen, wurden dann die restlichen 19 gewählt, um die ersten zwanzig Plätze zu komplettieren. Und zwar als Punktlandung, es war auch keiner mehr.

Der dritte Wahlgang ging dann wieder in die Hose, man hatte offenbar zu Unrecht gemeint, dass nun alle verstanden hätten, man müsse viele Kandidaten wählen, um ein Ergebnis zu bekommen, bei dem viele auf die Liste kämen – nur sechs kamen über das Quorum, der Tag zog sich hin, es wurde nochmal zwei Stunden später. Und vor dem letzten und letztlich erfolgreichen Wahlgang, waren die Bitten wieder inständig, eine bestimmte Quote mindestens anzukreuzen, damit das Quorum geschafft würde. Viele, die nicht das Gefühl hatten, so viele Kandidaten ankreuzen zu können, verzichteten gleich auf diesen letzten Wahlgang – was nun auch nicht das ist, was man sich von solch einer Veranstaltung erwartet.

Noch problematischer ist, dass auf der einen Seite argumentiert wird, man müsse ein Quorum von fünfzig Prozent haben, gleichzeitig aber immer wieder die Versammlung bittet, ja fast unter Druck setzt, doch auf jeden Fall viele anzukreuzen. Also mehr, als nur die, von denen man überzeugt ist. Dieser Druck ist unangenehm, er zwingt uns dazu, Leute anzukreuzen, bei denen die Überzeugung wacklig ist – ich versteh das Prinzip, dass man einfach nur die Leute rausnehmen soll, die man für unwählbar hält, aber Leute, die einen gelangweilt haben, die muss man dann wählen, damit man das verdammte Quorum schafft?

Was dabei passiert, kann man sehr schön am Fall von Mike Nolte, dem „Lautsprecher“ aus Köln, ablesen. Mike ist unbestreitbar streitbar, ein Arbeitstier, rhetorisch kein Idiot, und oftmals recht ruppig – durchaus keine uninteressante Zusammenstellung für einen Abgeordneten. Ich bin wahrlich kein Fanboy, und ich weiß, dass Mike hier und da mit dem Hinterteil einreißt, was er gerade vorher aufgebaut hat. Ja, ein Empath und Diplomat ist er nicht, aber er ist ein Typ – und auch solche braucht man in Parlamenten.

In den ersten drei Wahlgängen war Mike immer im Mittelfeld, und wurde bei jedem Wahlgang wieder von Kandidaten überholt, die vorher deutlich tiefer lagen, um am Ende nicht auf der Liste zu landen. Dabei hatte er im ersten Wahlgang noch auf Platz 18 gelegen. Was war passiert. Mike hatte eine relative große Menge Wähler, aber er hatte auch über die Hälfte der Wähler gegen sich – nun kreuzten diese zwar Wahlgang für Wahlgang mehr Leute an, die sie irgendwie in Ordnung fanden, aber den polarisierenden Mike Nolte konnten sie nicht in ihr Herz schließen. Und so fiel er von Wahlgang zu Wahlgang hinter mehr Leute zurück.

Das ist eine schwierige Sache. Es fördert die falschen Leute. Es fördert die braven Mitläufer. Die Typen, die Polarisierer, die mit ihrer vielen Arbeit auch viele vor den Kopf stoßen, die fallen durch das Quorum immer weiter zurück. Und so waren letztlich ja auch der größere Teil der Reden, der Kandidaten. Da wurde lang und breit erzählt und aufgelistet, was man so alles für die Partei gemacht hat – aber einfach mal eine gute Rede halten, eine kleine Show bieten, zeigen, dass man auch auf dem parlamentarischen Parkett für ein bisschen Rabatz sorgen kann – dass taten viel zu wenige – man hätte ja polarisieren können.

Ich habe kein System anzubieten, wie es besser geht – wobei ich schon allein das Quorum auf der Höhe als eher hinderlich ansehe – aber beim nächsten Mal sollte das System ein anderes sein.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am März 27, 2012 in Piraten, Politik und mit , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. The Piratenpartei is very very lucky to be using Approval Voting. I co-founded The Center for Election Science, and we would be very happy if the USA would adopt this system. With Plurality Voting, we have two-party domination, because people don’t want to „waste“ their one vote on candidates who can’t win. Thus, new parties can never grow out of their infancy. It also means that special interests can stop good candidates from winning, merely by convincing voters that those good candidates are „unelectable“.

    But there is a system that is even better than Approval Voting. It’s called Score Voting (aka Range Voting). You rate the candidates on a scale, like 0-10 or 1-5, just like online reviews of products, movies, etc. (Approval Voting is actually just Score Voting on a 0-1 mini-scale.) Here’s more information:
    clayshentrup.blogspot.com/2012/03/should-pirate-party-use-score-voting.html

    Tactical voters will, of course, use only minimum and maximum scores, making it identical to Approval Voting. But for voters who want to be more expressive, using the intermediate scores is easy, and has about 90% as much effectiveness as the ideal exaggeration strategy. So honesty is not a bad strategy!
    ScoreVoting.net/RVstrat3.html

    And that effectiveness doesn’t require the complex calculation required to figure out where to draw your approval threshold. So for most voters, it’s worth it to just vote honestly, which leads to better overall results for the average voter.

    Score Voting is the system that my group would ideally promote, but we have to take one step at a time. Score Voting is too novel and different to be politically practical in the USA. So we are starting with the simplest version, Approval Voting. But the Piratenpartei is full of smart and analytical people who are also more open to new ideas. So we believe you could try Score Voting in a few limited areas, and see how it works.

    You are our only hope. Please give it a chance. 🙂

    Regards,
    Clay Shentrup
    San Francisco, CA, USA

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