Elf Prozent … Zwölf Prozent …

Es kann einem schon Angst und Bange werden. Wir wachsen im D-Zug-Tempo, wir haben Umfragewerte, von denen FDP und Linke nur träumen können, wir sind in aller Munde, wie man so schön sagt. Das ist toll, wir surfen nicht mehr nur im Internet, sondern inzwischen auch auf einer Welle der Euphorie. Gestern konnte der Landesverband NRW vermelden, dass wir uns innerhalb eines guten halben Jahres in Sachen Mitgliederzahl verdoppelt haben – und das ist ein schon ein Pfund.

Das hat Gefahren, das ist sogar ein Punkt, an dem andere Parteien sehr schnell kollabieren könnten. Ich hoffe nicht nur, dass und das nicht so ergehen wird, ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass wir damit fertig werden, natürlich nicht spielend, aber letztlich doch ohne große Probleme.

Was sind die Gefahren? Eine Gefahr, die zum Beispiel die Linke, und zu allgemeiner Belustigung vor allem die NPD immer wieder beispielhaft aufzeigen, sind schlechte Kandidaten. Kaum jemand kann so schön aufzeigen, wie wenig sie für so einen Job geeignet sind, wie einige Landtagsabgeordnete der NPD im Osten unseres schönen Landes. Im Westen sind es meist eher die Abgeordneten der Linken, die scheinbar gewählt wurden, weil man keinen anderen hatte.

Ich habe keine Ahnung, wie das in den anderen Ländern ist, aber hier in NRW sehe ich dieses Problem überhaupt nicht. Selbst wenn wir völlig utopische zwanzig Prozent bekommen würden. Selbst wenn die Liste vollständig ausgeschöpft würde, niemand von den 42 würde uns peinlich sein. Ich sage damit nicht, dass alle Profis mit geschliffener Rede sein werden, ich sage auch nicht, dass alle immer wunderbare Arbeit machen werden. Aber sie werden gute Arbeit machen, sich schnell im Parlament zurechtfinden, sich einarbeiten und wenn alles gut läuft, werden wir, die Basis, ihnen so gut zuarbeiten, dass man überrascht sein wird, wie überzeugend der Schwarm ist.

Eine andere Gefahr sind Grabenkämpfe, Flügelkämpfe … man setze bei Bedarf noch mehr kriegerische Vokabeln hier ein.  Die sind bisher noch kaum ausgebrochen. Ja, es wird um einiges heftig gestritten, keine Frage, aber bisher sind wir alle so von unserem Grundkonzept überzeugt, dass wir wissen, der Schwarm kommt insgesamt auf sinnvolle und richtige Ideen. Und ganz nebenbei, der nächste Zeitungsredakteur, der schreibt, dass wir ja noch kein Programm haben, sollte dringend seine Papiere bekommen – wegen sauschlechter Recherche!

Ja, es gibt sehr verschiedene Piraten. Es gibt Strömungen und Gruppierungen. Es gibt bei teilweise sehr zentralen Punkten große Fragen und manche Bundes-AG ist eine einzige Troll-Weide. Aber es gibt Gegenbeispiele. So haben wir am gestrigen Abend die ersten drei Stunden zusammengesessen – also virtuell im Mumble – um das Bildungsprogramm, einen Kern des piratigen Programmes, auf den neuesten Stand zu bringen. Einige, die sonst immer dabei sind, waren nicht dabei, oder nur manchmal, andere bringen sich ein, die wie ich, eher unerfahren in dem Arbeitskreis sind. Und es wird manchmal erbittert um einzelne Sätze gerungen, anderes wird durchgewunken – aber immer kommt dabei etwas Sinnvolles rum. Richtig gute, konzentrierte Arbeitsatmosphäre das! Und man einigt sich trotz mancher gegensätzlicher Meinungen. Piraten sind zum allergrößten Teil diskussionsfähig. Dogmatiker findet man da fast nie.

Das letzte Problem ist die Integration so vieler Neupiraten in die Partei. Und dieses Problem wiegt tatsächlich ein bisschen schwerer.  Zweitausend Altpiraten stehen genauso viele Neupiraten gegenüber. Nun haben die Neulinge zu einem großen Teil eine gewisse Scheu vor den Erfahrenen. Die meisten suchen erst mal nach Anleitung, wundern sich manchmal, dass sie die nur selten bekommen, oder in kryptischen Sätzen wie: „Gute Idee, mach mal!“ Letztlich haben wir, die wir nun kürzer oder länger, aber auf jeden Fall nicht erst dieses Jahr eingetreten sind, zur Partei gehören, die Aufgabe, allen zu sagen: Wir sind die Piraten, springe ins kalte Wasser, es wird nicht weh tun, mit der Zeit macht es sogar Spaß! – Ganz ehrlich? Es macht fast immer Spaß, man könnte sogar sagen, wir sind eine Spaßpartei! Wo sonst bekommt man für 36 Euronen so viel zu lachen für ein ganzes Jahr?

Und wenn wir mit dem Programm und dem Wahlkampf fertig sind, wird es unsere wichtigste Aufgabe sein, weiterhin ein gut funktionierender Schwarm zu sein.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am April 3, 2012 in Piraten, Politik und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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