Archiv für den Monat Mai 2012

Minihörspiel: „Ist das Leben nicht Tarantino“

Ich wurde vor knapp zwei Wochen gefragt, ob ich was wüsste, aus dem man ein Hörspiel von gerade mal anderthalb Minuten Länge machen könnte. Aus irgendeinem Grund dachte ich an eine Krimiszene, an Profikiller, die ihr Opfer noch kurz darüber aufklären, warum man es denn jetzt wohl erschieße – also so ein bisschen wie bei Tarantino, mit dem ich mich natürlich nicht messen will. Ich sehe sowas eher als eine Hommage. Als ich überlegte, welche Namen ich denn mal verwenden könnte. Und dann kam „Ernie und Bert“ und dann kam „Ist das Leben nicht schön?“, der Weihnachtsklassiker, und plötzlich hatte ich das Hörspielchen schon geschrieben. Viele Sätze aus einem Weihnachtsfilm, die man für eine blutige kleine Spielerei verwenden konnte …

Inzwischen ist das Werk fertig aufgenommen. Die Leitung dabei hatte Daniel Beer, gesprochen haben Ronald Zwick, Tobias Zippel und Sebastian Brings. Und man kann sich das hier anhören. Viel Spaß!

 

PS Man schreibt und produziert so was, damit es Menschen hören, verbreitet es also gerne weiter!

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AG Waffenrecht, Lobbyismus und ein Mailinglistenmassaker

Auf der NRW-Aktiven, also der offenen Liste für alle, gab es in den letzten Wochen neben lustigen Trollversuchen, die dazu führen, dass ganze Kochbücher veröffentlicht werden – so wehrt man sich gegen Antisemiten und Rechtsesoteriker -, auch heiße Diskussionen um die AG Waffenrecht, die ein piratiges Vorderladerschießen ankündigten, und gleich mit heftigem Gegenwind zu kämpfen hatten.

In dieser AG gibt es einige Mitglieder unserer Partei, die sich ein bisschen an der NRA Amerikas orientieren. Die NRA (National Rifle Association) ist eine Waffenlobby in Amerika, die den kaum eingeschränkten Waffenbesitz jedes freien Amerikaners fördert – ähnliche Ideen, hat auch eine waffenlobbyistische Vereinigung namens „prolegal“ in Deutschland.

Ob es prolegal gibt oder nicht, könnte uns ja prinzipiell egal sein, problematisch werden die Waffennarren erst dadurch, dass Mitglieder dieser Lobby auch Mitglieder der AG Waffenrecht in der Piratenpartei sind. (btw. Wenn man mal auf die HP von prolegal geht, sieht man, wer hier die Unterstützer sind. Da tauchen viele Waffenhändler auf, Schießhallen – ergo, es geht um wirtschaftliche Interessen, worum auch sonst?)

Jetzt sind die Piraten die Partei, die gegen die gegenwärtige Lobbykratie intensiver zu Felde zieht, als sonst eine Organisation in Deutschland. Da passt eine solche AG nicht wirklich ins Portfolio. Und das bringt die deutliche Mehrheit von Waffengegnern in der Partei natürlich auf die Barrikaden. Wie geht man nun mit so was um?

Ich denke, zuerst muss man sich selbst positionieren, wenn man das Problem diskutieren will: Ich persönlich kann die Faszination Waffe vollkommen verstehen. Ich bin Rollenspieler und schaue da immer auf die Bewaffnung. Ich habe auch schon das eine oder andere Mal mit einem Bogen auf Zielscheiben geschossen, und es hat mir viel Spaß bereitet. Ich könnte mir auch, da ich ja ein fantasiebegabter Mensch bin, vorstellen, dass das Abfeuern einer Feuerwaffe Spaß machen kann. Mit ungeladener Schreckschusspistole habe ich im Theater auch schon rumgefuchtelt, und das Gewicht solch einer Waffe gibt schon ein interessantes Gefühl. Wenn es nicht politisch aufgeladen wäre, würde mich ein Vorderladerschießen durchaus interessieren.

Ja, jetzt kommt das „Aber“:  Aber politisch bin ich anders strukturiert. Als ich mit verspäteter Verweigerung in der Grundausbildung der Bundeswehr war, habe ich auch den Dienst an der Waffe verweigert – und das einerseits aus pazifistischer Überzeugung heraus, und durchaus auch der Idee heraus, dass ich der Faszination Waffe nicht verfallen möchte. Ich halte Militarismus für eine sehr gefährliche Sache, ich halte eine Verbreitung von Waffen für eine Verrohung. Eine Zivilgesellschaft ist dann zivilisiert, wenn keine Waffen mehr nötig sind.

Irgendwo in diesem Blog habe ich mal über den einen oder anderen Amoklauf geschrieben, und da gab es einen, der sehr glimpflich ablief, weil der Amokläufer keinen Vater hatte, der ihn mit Waffen und Munition ausrüstete. Mir ist durchaus klar, dass Jäger Schusswaffen brauchen, und ja, die müssen dafür Tresore haben und die müssen überwacht werden. Bei Sportschützen würde ich aber anders argumentieren: Meiner Meinung nach ist eine Waffe, mit der es ein leichtes ist, jemanden zu töten, kein Sportgerät. Großkalibrige Waffen sind keine Sport-, sondern Mordgeräte. Und wenn es um Sport geht, darum, wie gut jemand zielen kann, dann brauche ich dafür heute eigentlich gar keine Schießprügel mehr, da reichen Laserpointer für – und die bitte nicht auf Flugzeuge richten, danke!

Jetzt kann man großartige Argumente bringen, darüber reden, dass jeder Stein, von Hackebeilchen und Tranchiermessern ganz zu schweigen, zu einer Mordwaffe werden kann. Das ist richtig. Aber es ist immer noch ein riesiger Unterschied, ob ich ein Gerät mit mir herumtrage, dass für nichts anderes gut ist, als zu zerstören und zu ermorden, oder etwas, dass für andere Zwecke gemacht ist. Es ist einfach ein Unterschied in der Frage von Macht, von Verführbarkeit, von Verfügbarkeit. Nehme ich eine Pistole in die Hand, denke über ihren Gebrauch nach, dann denke ich über nichts anderes nach, als dass ich damit etwas zerstören kann, jemanden verletzen oder umbringen kann – bei einem Messer kann ich immer noch über das Hacken von Petersilie nachdenken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Gedanken an etwas auch die Hemmungen automatisch senken – und deshalb ist die Verfügbarkeit von Waffen eine Verrohung, weil sie den Einsatz von Waffen zu einer mehr oder weniger naheliegenden Möglichkeit macht. Und mir ist durchaus klar, dass mit legalen Waffen wenig Schindluder getrieben wird – mir ist aber auch klar, dass ein GAU in einem Atomkraftwerk unwahrscheinlich ist – das Problem ist in beiden Fällen das Risiko. Man kann mit Schusswaffen einfacher zum Tode von auch vielen Menschen führen, als mit einem Küchenmesser. Und deshalb gehören Schusswaffen nicht in die Zivilgesellschaft.

So, jetzt habe ich mich positioniert. Es sollte klar sein, dass mein Ziel gegensätzlich zu den Zielen dieser Waffennarren von prolegal ist. Und ja, ich halte es für ein ziemliches Problem, dass Anträge dieser AG zum Beispiel in Schleswig-Holstein wohl in das Wahlprogramm eingeflossen sind, und ja, wenn solches in NRW auf der Tagesordnung stände, wäre ich einer von denen, die sehr entschieden gegenreden würden. Nun gibt es Leute, die wollen die AG Waffenrecht verbieten, auflösen, aus der Partei weisen – zumindest kommen einige Mails so bei mir als Rezipienten an. So sehr ich inhaltlich da übereinstimme, so sehr ich etwas anderes im Waffenrecht will und so problematisch ich diese eindeutige Lobbyarbeit sehe, ich denke, wir müssen diese AG Waffenrecht akzeptieren – so lange es dort nicht die faschistoiden Umtriebe gibt, die man schon mal von den amerikanische Waffenlobbyisten hört, da wäre natürlich keinerlei Toleranz mehr – wir müssen sie akzeptieren, weil sie ein Meinung haben, die auch noch durchaus libertär ist, und mir ist klar, dass diese Seite für viele Piraten gut nachvollziehbar ist. Wir müssen sie akzeptieren, ihnen auf die Finger schauen und ihre Anträge, einfach mal gnadenlos durchfallen lassen, so lange sie eindeutig waffenlobbyistische Züge tragen. Ich mein, muss ja nicht so bleiben. Vielleicht gibt es dort ja gute Diskussionen und ein paar Leute zeigen sich als echte Piraten und ändern ihre Meinung aufgrund der besseren Argumente.

Der dritte und der vierte Akt – Diablo III

Ja, inzwischen bin ich durch, ja, ich hab mir Zeit gelassen, nein, ich habe mich nicht bemüht, wirklich gut zu spielen. Im dritten Akt hatte ich auch Probleme, kam um die eine oder andere Ecke und war sofort tot. Kleiner Tipp für Neu-Mönche: Nur auf Schaden gehen ist blöd, man sollte auch ein bisschen Vitalität sockeln.

Also von vorn. Die dämonischen Heerscharen sind los, ausgebrochen aus dem Krater des Arreat und die Bastion, der letzte strategische Punkt, den die Menschen halten, ist unter starkem Beschuss. Hier müssen wir uns als wahrer Held erweisen. Die belagerte Mauer schützen, eine Bresche in der Mauer schließen, Katapulte des Gegners plätten. Der dritte Akt ist kriegerisch hoch fünf, und er ist insgesamt der aufwendigste. Was hier abgeht, ist schwer zu beschreiben.

Ein Beispiel: Während man auf der Mauer dafür sorgt, dass die Dämonen zurückgedrängt und die eigenen Katapulte in Betrieb genommen werden, brechen nicht nur hier und da Stücke aus der Mauer, sitzen nicht nur plötzlich hausgroße Dämonen auf der Mauer und spucken ihre kleineren Kollegen dem Helden vor die Füße, nein, man kann auch immer wieder einen Blick aufs Schlachtfeld werfen, Dämonensoldaten in Massen und riesige Ungetüme einzeln heranwanken sehen. Das Gefühl, dass hier ein großer fantastischer Krieg geführt wird, ist greifbar.

Später, wenn man den Krater ein bisschen erforscht, kommt man in Teile der Hölle, und auch dort sind einige wirklich erstaunliche Bilder zu sehen. Es ist, wie so oft. Nein, die Grafik dieses Blizzard-Spiels ist nicht atemberaubend neuartig, eher ein Stück weit altmodisch – wer sich erinnern mag, der Vorgänger hatte schon dasselbe Problem, die Auflösung war unter aller Sau – und dennoch wurde er bis letzten Dienstag gespielt. Was Blizzard grafisch unglaublich gut hinbekommt, ist der Detailreichtum, die Stimmung, die Fantasie – auch wenn die in dem Fall Diablo düster ausgefällt. Vielleicht nicht ganz düster genug übrigens. Das hätte durchaus noch ein bis drei Spuren böser sein können.

Im vierten Akt, kam dann zugegeben die erste Enttäuschung. Zwar sind die Einspielfilmchen toll gelungen, der Himmel als Spielort ein netter Ausgleich – aber sorry, der vierte Akt ist definitiv zu kurz, nicht mal halb so lang wie die Akte zuvor und dazu auch noch nicht mal sehr abwechslungsreich. Tja, und dann ist man auf Stufe etwas über dreißig, weiß, dass die Höchststufe bei 60 liegt und fragt sich, ob die Langzeitmotivation ausreichend sein wird.

Ja, die Geschichte ist gut, ja, sie wird überragend gut und clever erzählt, und ja, alle paar Stufen spielt man aufgrund neuer Fertigkeiten und Runen ein fast ganz anderes Spiel, und dennoch, reicht das? Reicht das Erfolgssystem – das übrigens nicht so komfortabel zu erreichen ist, wie man das von WoW oder SCII gewohnt ist – dazu aus, dass man alle Klassen bis 60 bringen will? Oder könnte Diablo III ein Strohfeuer sein, dass in zwei bis drei Monaten niemand mehr spielt? Man bedenke, es gibt im Moment noch gar kein PvP – das soll nachgereicht werden -, es gibt keine Funmaps, keinen Mehrwert. Wie lange wird man spielen? Bis man alle drei Schwierigkeitsgrade durch hat? Bis man die Ultrarüstung hat, die Waffe, die unglaubliche DPS verteilt? Wenn ja, wofür?

Noch spiele ich, ich werde weiter berichten …

Piratige Außenwirkung – Müssen wir uns professionalisieren?

Liest man in der Presse, schaut man Fernsehen, dann ist der zweithäufigste Vorwurf, neben  – ich kann diesen Schwachsinn nicht mehr hören! – unserer Programmlosigkeit, die Art wie wir auftreten. Es gibt zwar durchaus ein paar Lieblinge der Medien bei uns, aber es gibt auch einige, die schon mal mit nicht so cleveren Auftritten aufgefallen sind, es gibt viele, die sich offenbar vor Kameras eher unwohl fühlen.

Jetzt versteh ich von Berufs wegen ein bisschen was vom Auftreten und überlege mir, wie man diese Situation verbessern kann, speziell, weil es ja immer mehr werden, die ihre Nase in die eine oder andere Kamera halten,  eine Entwicklung, die prinzipiell zu begrüßen ist. Jetzt ist kaum jemand ein rhetorisches Wunderkind, und trotzdem müssen Reden gehalten werden, auch ist nicht jeder total schlagfertig und souverän und kann sich problemlos der Jauchs und Lanz‘ dieser Welt erwehren.

Die etablierten Parteien begegnen solchen Aufgaben mit Schulungen, da wird in eine brave Kluft gesteckt, und das nicht nur in Sachen Kleidung. Hört man fünf jungen Politikern der Unionsparteien zu, so wird man sich bald kaum noch daran erinnern können, wer wer war und wer was gesagt hat, so einförmig ist das – und bei den anderen Parteien sieht es nicht viel anders aus. Außer vielleicht bei den Linken, da sieht man keine jungen Politiker.

Sollte man auch Piraten schulen? Viele werden jetzt sagen: Nein, lass mal, wir sind einfach wir selbst und die anderen müssen damit klar kommen. Das hat auch viel Gutes für sich, ich sehe allerdings einen großen Nachteil. Wir brauchen viel Personal, das in die Parlamente geht, wir brauchen auch in Zukunft Vorstände und Amtsträger, und ja, wir brauchen auch eine Außendarstellung, und viele werden sich das gar nicht trauen. Und ganz ehrlich, ich möchte nicht nur die Leute, die sich einfach so trauen, ich möchte nicht nur die Leute, die es eh gewohnt sind, vor vielen Leuten zu reden, ich möchte auch die Leute in Ämtern sehen, die viel Qualität mitbringen, sich aber nicht ständig in die erste Reihe stellen. Ich möchte auch gerne gute Leute überreden, sich mit in die erste Reihe zu stellen – es gibt mir eigentlich immer zu viele, die es sich zutrauen, denen es aber sonst keiner zutraut. Zu viele Selbstdarsteller – auch wenn ich diesen Begriff eigentlich nicht gerne so negativ konnotiert haben möchte.

Ich schau mir mal ein paar Beispiele von Piraten in den Medien an.  Aus Lokalpatriotismus fange ich mit Joachim Paul an, der kurz nach seiner Aufstellung zum Spitzenkandidaten der NRW-Liste noch nichts von dieser Rolle wissen wollte. Und dann war er im ganzen Wahlkampf der nicht nur führende Kopf, sondern auch der Sympathieträger, der viel für uns getan hat.

Joachim Paul ist sehr gerne als untypischer Vertreter unserer Partei bezeichnet worden – was ich irgendwie nicht so nachvollziehen konnte und kann, einen typischen Vertreter der Partei findet man nur selten, und fast nie in der ersten Reihe – also wenn ich jetzt an die vielbeschworenen Nerds denke. Typisch für uns sind unsere Werte, aber ein spezielles Auftreten?

Zurück zum Thema: Joachim ist im Fernsehen genauso, wie auf dem Parteitag oder der Sitzung vom Arbeitskreis Bildung. Mit sonorer Stimme und klaren Worten, man merkt ihm große Lebenserfahrung an, und eine Souveränität die offenbar aus Kompetenz erwächst. Kein Wunder, dass er in der Spitzenkandidatenrunde viele sehr gute Noten bekam. Was mir auffällt: Seine Souveränität und Autorität kommt nicht mit der Alphamännchenattitüde daher, die man zum Beispiel bei Siegmar Gabriel studieren kann.  Joachim hat das nicht nötig, der kann poltern, aber dann, wenn er von irgendwas tief bewegt ist, nicht aus Arroganz heraus.

Schauen wir mal weiter, zum Beispiel bei Johannes Ponader, unserem neuen politischen Geschäftsführer im Bund. Den habe ich nun zweimal im Fernsehen erlebt, und auch der ist souverän, wirkt fast buddhistisch ausgeglichen. Bei seinem fast schon legendären Auftritt bei Jauch wirkte er erst mal ähnlich wie andere Piraten als zu defensiv. Erinnert man sich an andere Auftritte in Talkshows zurück, hatte man oft das Gefühl, dass die Piraten gar nicht zu Wort kommen – Talkshow ist Stehgreiftheater und Hühnerhof in einem, es geht darum, wer das große Wort führen darf, man plustert sich auf, hackt die Hierarchie aus, und dabei haben Piraten schon mehrfach nicht gut ausgesehen. Johannes ließ es dabei aber nicht bewenden. Er beantwortete nicht nur Fragen, er mischte sich auch ein, und das im Gegensatz zu den anderen Politikern in der Runde eigentlich kaum polemisch und mit enorm viel Inhalt.

Viel ist über seine Kleidung geschrieben und gesprochen worden, er ist auch angegriffen worden, weil er ALG II bezieht. Beides finde ich zum Kotzen. Was man wo trägt, ist meines Wissens nach Privatsache. Und Johannes wirkte absolut authentisch, man hatte das Gefühl, dass er sich in seinen Klamotten wohl fühlte, und er wirkte einfach nicht so dämlich uniformiert, wie die Anzugträger um ihn herum. Die Sache mit den Sozialleistungen, meine Fresse, soll jeder froh sein, der solche nie in Anspruch nehmen musste. Wenn du dich in der Kunst nicht verbiegen willst, kann das passieren – viele auch durchaus nicht unbekannte Schauspieler sind schon auf dem Arbeitsamt gesehen worden, und für Regisseure und Theaterpädagogen gilt durchaus Ähnliches. Aber Künstlerbashing ist ja nichts Neues – auch in der Piratenpartei übrigens, in mancher Urheberrechtsdebatte wird auf Künstler eingeprügelt wie nichts Gutes. Egal, ich bin froh, dass Johannes im Moment sechzig Stunden die Woche für die Demokratie arbeitet.

Kommen wir zu den ersten Medienstars unserer Partei. Zum Beispiel Christopher Lauer: Dessen Reden im Berliner Abgeordnetenhaus sind vielfach unterhaltsamer als das Wochenprogramm von RTL, auch in Talkshows macht er eine oft rechtgute Figur – allerdings auf andere Art, als die beiden Erstgenannten. Souveränität und Ruhe ist sein Ding nicht. Er ist hibbelig und laut, wirft mit Ironie um sich – er ist schon ein wenig der Klassenclown der Piratenpartei. Aber das auf durch und durch positive Art. Er spielt mit den Klischees, er spielt mit dem politischen Gegner – Kurt Beck wird ihn auf jeden Fall nicht vergessen – und er ist einfach unglaublich schnell. Er irritiert auch, die Lauerfaces sind ja auf ihre Art auch schon legendär. Er grimassiert, egal, ob er gerade im Bild ist, oder nicht, man sieht, was in ihm rumort. Das würde man einem Kollegen der FDP aber schnell aberziehen. Aber auch hier kommt wieder ein Wort ins Hinterköpfchen, das auch bei den anderen beiden durchaus zu passen schien: Er ist er selbst, er ist natürlich.

Zum Schluss Marina Weisband, die Vorgängerin von Johannes Ponader, und über Monate das Gesicht der Partei. Bei Marina hat man oft das Gefühl gehabt, dass sie gerade lernt, ein neues Spiel zu spielen. Sie hat hier und da das Risiko in Kauf genommen, auch mal zu verlieren und hat dabei die Regeln des Talkshow-Geschäftes schnell gelernt, ohne dass man das Gefühl gehabt hätte, sie hätte sich sehr verbogen. Marina ist eine Vordenkerin der Piraten, speziell was die neue piratige Art, Politik zu machen, angeht. Diese Eigenschaft macht sie Schlagfertig und führte dazu, dass sie überall, wo es um das Update ging, das wir dem System angedeihen lassen wollen, sehr weise Worte gesagt hat. Bei konkreten Inhalten war sie oft nicht ganz so stark, aber sie musste von Null auf Tausend, das wird auch nicht so einfach sein.

Da haben wir nun vier Beispiele von Piraten, die sich offenbar gut geschlagen haben, ja, den Zuschauern der Talkshows und Politsendungen teilweise sogar richtig was Neues vorgesetzt haben.

Es gab auch andere Beispiele, das prominenteste wäre Sebastian Nerz, der immer blass blieb, und oft ziemlich stereotyp antwortete – vor allem, weil er ständig dieses Schild vor sich her trug: „Wir haben dazu noch keine Meinung!“ Dieses Schild ist ein fundamentaler Fehler, wir haben zu manchen Themen eher noch viel zu viele Meinungen, die Sachen sind nicht ausdiskutiert.  Insgesamt habe ich bei Sebastian immer das Gefühl, dass er zu sehr wie ein richtiger Politiker sein will, irgendwie in seiner CDU-Vergangenheit gefangen ist, kein piratiges Selbstbild entwickelt hat.

So, was schließen wir denn jetzt daraus? Der positive Aspekt ist doch eigentlich durchgängig, dass Piraten in den Medien so schön normal sind. Einfache Menschen, die einen guten Job machen wollen, eine größere Ehrlichkeit in die Politik bringen. Wie kann man denn Menschen dabei helfen, ehrlich zu sein? Sollten wir Piraten uns schulen, werden wir doch auch mehr Show machen, oder? Und mehr Show heißt doch, weniger Ehrlichkeit, oder?

Fragen über Fragen, aber ja, Show gehört durchaus auch zur Politik dazu. Es gibt keine Politik ohne Medien, man muss, das, was man zu sagen hat – und davon haben wir eine Menge – auch ans Wahlvolk bringen. Das muss aber nicht heißen, weniger Ehrlichkeit. Es wäre geradezu tragisch, wenn das passieren würde. Aber es ist klar, nicht jeder, der gute Sachen denkt und politisch ein wichtiger Mitstreiter sein kann, ist auch Medienprofi und weiß, wie man Reden hält. Aber da kann man schon ansetzen. Denn mit Sprache umzugehen, das kann man lernen, mit Lampenfieber auch, und dann gibt es noch etwas sehr wichtiges: Schauspieler lernen, sich verschiedene Sachen bewusst zu machen, die wissen, was ihre Hände gerade tun, und wie es wirkt, wenn sie den Kopf gerade jetzt heben – Politiker sollten keine Schauspieler sein, einstudierte Gesten sind furchtbar, aber wenn man über seine Wirkung Bescheid weiß, wenn man auch die Körpersprache der anderen zu lesen weiß, dann kann man auch viel einfacher zu dem finden, was jeder in den Medien braucht, ein Selbstbild, eine Persönlichkeit, so ehrlich, wie möglich – aber nicht schutzlos.

Der zweite Akt – Diablo III

Ja, ab in die Wüste, ab in den zweiten Akt, das war ja schon immer so, im zweiten Akt muss man … ja, es ist ein irgendwie seltsamer Zusammenhang, dass man wie im zweiten Diablo auch im dritten Diablo den zweiten Akt in der Wüste spielt, man kommt sogar einmal in die Endlosen Sande, die auch schon im zweiten Teil eine Ortsbezeichnung waren.

Das war es aber auch mit den großen Ähnlichkeiten, die Eisenwölfe ausgenommen, die man früher als Söldner mitnehmen konnte, die jetzt aber in der kaiserlichen Wache wichtig sind. In der Kaiserstadt Caldeum gibt es Stress. Die Hexe Maghda, die uns schon im ersten Akt ein bisschen auf die Nerven gegangen ist, hat ihre Hände im Spiel, es gibt auch wieder Schwierigkeiten mit irgendwelchen Dämonen, die alle Wege unsicher machen und während unsere Verbündeten sich um den Kaiserpalast kümmern, sorgen wir unterwegs für einige blaue Augen und abgerissene Körperteile. Apropos Körperteile, später müssen wir auch noch einen alten Magier zusammensetzen, und das gerät nicht zuletzt wegen dessen Versuchen, meinen asketischen Mönch zur Macht zu verführen, schon sehr unterhaltsam – ja, er redet mit uns auch schon bevor wir ihn wieder zusammengesetzt haben, was glaubt ihr denn?

Insgesamt gestaltet sich der Akt ähnlich wie der erste sehr abwechslungsreich. Weiter Bereiche mit einigen kleineren Zwischendungeons – ähnlich wie bei Diablo II, nur halt schöner – wechseln mit größeren Dungeons ab, sehr geskriptete Passagen mit den typisch zufällig generierten Landschaften. Auch in Sachen Monsterverteilungen darf man sich immer mal wieder stark an den zweiten Teil erinnert fühlen. Einzelne goldene Minibosse mit einigen Dienern drumherum kommen ebenso vor, wie die blauen Bossgruppen – fürs Spiel relevante Bosse sind violett beschriftet, da weiß man doch, woran man ist.

Mit dem geringen Übel Belial – die großen Übel wie Diablo selbst oder Baal, hat man ja schon in Diablo II geplättet – haben wir dann am Ende des zweiten Aktes auch den ersten so richtig üblen Boss. Und der ist immerhin so schwer, dass er mir wirklich Mühe machte – kein Boss für Nahkämpfer, und ich habe irgendwie ewig gebraucht, um die Mechanik zu kapieren.

Ansonsten ist der Schwierigkeitsgrad nicht übel. Kein großes Problem, aber auch nicht so, dass man überall einfach reinlaufen kann. Es gibt sehr interessante Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Fähigkeiten, und irgendwie bin ich ganz froh, dass mein Mönch sich auch ein bisschen heilen kann. Ab dem zweiten Akt, so hat man das Gefühl, werden die Heilorbs einfach weniger, und das stört schon mal ein wenig.

Abwechslungreich, gut erzählte Geschichte, jo, das ist schon sehr gut im zweiten Akt … es wird eine Fortsetzung geben.