Ein paar Gedanken über Herrschaft

Eigentlich wollte ich was ganz anderes schreiben, aber das Thema, an dem ich die letzten Tage rumdenke, ist noch nicht fertig, und wirft hier den zweiten Ableger, die Sache mit den Todsünden kam auch daher.

Nun also Herrschaft. Ein Thema, über das wir meiner Meinung nach zu wenig nachdenken. Wen wir Herrschaft vom Beginn an denken, dann sind wir irgendwo im Bereich der Gewaltherrschaft. Ich glaube, die muss sich in grauer Vorzeit mal entwickelt haben. Ein charismatischer Mensch mit Kraft, Intelligenz und weiteren Vorzügen, hat mal ein Stück Macht übertragen bekommen, und Strukturen geschaffen. Und vielleicht folgten alle freiwillig, vielleicht hat er oder sie alle immer überzeugen können, in einer eher kleinen Gruppe ist so was machbar. Aber irgendwann braucht man einen Nachfolger, irgendwann werden die Strukturen größer, und wie beherrscht man dann? In dem man anderen sagt, dass sie furchtbar in die Fresse bekommen, wenn sie nicht spuren. Ist bis heute ein mehr oder weniger gut funktionierender Ansatz in der Kinderaufzucht.

Nun wird Gewaltherrschaft allgemein als unzivilisiert angesehen. Diktaturen sind nicht gern gesehen, es sei denn, sie verkaufen zuverlässig Öl. Also hat man andere Wege gesucht und gefunden, wie man herrscht. Im Mittelalter vielfach praktiziert wurde Herrschen durch Religion. Eine Methode, die man im Altertum schon hier und da ausprobiert hatte, Pharaonen und Kaiser wurden vergöttlicht, aber das funktioniert nicht sehr gut. Denn wie göttlich sie auch sein mochten, manchmal hatten sie Fieber und flüssigen Stuhl, das kann man nicht immer verbergen, und dann ist religiöse Verehrung so eine Sache – obwohl ich mir nicht sicher bin, ob eine Exkrementprobe von Karol Wojtyla nicht unter der Hand manchem Katholiken eine Menge Geld wert wäre. Aber ich schweife ab.

So richtig gut funktionierte Herrschaft durch Religion erst mit dem Christentum, auch der Islam ist übrigens praktisch – aber ich bleibe erst mal in Europa, und so lange gehört der Islam ja noch nicht zu Deutschland, richtig? Das Christentum hat ein paar sehr gute Forderungen an den Menschen. Zum Beispiel Gewaltlosigkeit, Feindesliebe, Armutsgebot – und alles das ist sehr praktisch für die Machthaber, die sich an solche Sachen garantiert nicht halten. Das Überbleibsel davon ist das C, dass die Unionsparteien im Namen führen, und ganz in der Tradition verhaftet, sind die es auch, die die christlichen Werte, die sie nach außen hin vertreten, am gewissenlosesten mit Füßen treten. Spektakuläre Rücktritte und Rauswürfe der letzten Zeit haben das mal wieder eindrucksvoll uner Beweise gestellt.

Was machte das Christentum? Es indoktrinierte Bescheidenheit und Schwäche in die Menschen hinein. Es sprach von Sünde – und was könnte praktischer sein, als wenn die, die herrschen, erst alle Sünden gebeichtet bekommen, wegen derer sie später die Beherrschten von der Kanzel herab anherrschen können – ja, das schwache Wortspiel war gewollt. Besonders die Leib- und Sexualfeindlichkeit, die einige antike Religionen für exakt genauso hirnverbrannt gehalten hätten, wie sie denn sind, ist ein wenig subtiles Mittel der Herrschaft. Wenn man vieles, was Menschen Spaß macht, was Menschen Lust bereitet, verdammt – und das ist wörtlich gemeint -, wenn man also den Menschen erklärt, dass sie wegen dieser Lust und wegen diesem Spaß nach ihrem Tode in eine ewige Hölle kommen, dann erzeugt das Angst, es demütigt – und beides macht Menschen beherrschbar. Es ist nicht klar, ob die Erfinder des Christentums, also hauptsächlich Paulus, genau das vorhatte, aber man hat diese Religion sehr bald als Instrument zu nutzen gelernt, und wenn der gute Benedetto im Bundestag gegen Schwule predigt (hab ich drüber gebloggt, Erklärungen findet man da), dann funktioniert das immer noch bei einigen Menschen sehr gut.

Als ich aufwuchs, war kein Mittelalter mehr, und obwohl die Gegend hier religiös infiziert ist, war das Christentum keine Möglichkeit mehr, die Menschen klein zu halten. Aber schon in der Grundschule habe ich verstanden, wie Atomwaffen so wirken, und wie viele es auf der Welt gibt und noch mehr gab. Und als der kalte Krieg keine Angst mehr einjagen konnte, da wurde Terror und die Angst vor dem Islam instrumentalisiert. Und dazwischen immer die Angst um Arbeitsplätze, die Angst vor Fremden, die Angst vor der Zukunft, vor der Zerstörung der Umwelt. ANGST!

„Angst essen Seele auf“, so heißt ein Film von Rainer Werner Fassbinder, und noch wichtiger ist die Erkenntnis, Angst macht beherrschbar. Und wenn man darüber nachdenkt, dann kommt man auch darauf, warum einige Sachen groß aufgebauscht werden, andere Sachen völlig egal sind. Es ist nicht nur so, dass tausende tote Kinder in Afrika eben in Afrika, also weit weg sind, und jeder Mord in Deutschland viel mehr zählt – also, wenn nicht gerade ein Dönerbudenbesitzer von Nazis erschossen wird -, weil es näher ist, nein, es geht auch immer um die Angst, die damit erzeugt werden kann.

Ja, das klingt gerade danach, als ob ich den Medien Absicht vorwerfe – nun, zum Teil mach ich genau das auch. Die Medienmacht wurde ein den letzten Jahren immer mehr auf einige wenige Konzerne konzentriert. Zweifel an manchen besonders wirtschaftlichen Dogmen, kommen überhaupt nicht mehr vor, obwohl namhafte Wissenschaftler anderes sagen. Ist irgendeinem etablierten Printmedium je aufgefallen, dass ESM grundgesetzfeindlich ist? Ist irgendwem aufgefallen, was man mit ACTA eventuell alles machen kann? Denkt irgendwer darüber nach, dass eine Schuldenbremse auch einen Investitionsstopp bedeutet? Welcher Redakteur schreibt denn so was freiwillig, und muss dann nicht befürchten, sein Hinterteil vor die Tür gesetzt zu bekommen?

Ja, ich bin mir relativ sicher, dass es eine Regierung neben der Regierung gibt – denn die regierende Koalition fragt doch nur danach, wie die Märkte reagieren. Es gibt Meinungsmacher in allen Medien, und und außerhalb der Bloggerszene gibt es wenige, die dagegen an schreiben. Und diese Meinungsmacher schüren immer wieder Angst, vor Krankheiten, vor wirtschaftlichem Niedergang, vor körperlicher Gewalt. Und man kann nur annehmen, dass das den Regierenden sehr gefällt.

Übrigens ist die Frage nach der Gewaltherrschaft auch nicht unspannend. Sieht man nämlich, wie teilweise maximal brutal „Sicherheits“-Kräfte zum Beispiel gegen Occupy vorgegangen sind, aber auch gegen S21-Aktivisten und viele mehr, dann weiß man, dass manche Demonstrationen mit staatlicher Gewalt so beendet werden sollen, dass auch hier Angst erzeugt wird. Ich wäre ja mal echt überrascht, wenn es ähnliche Einsätze gegen Nazidemonstrationen gäbe – aber die müssen ja immer vor den Gegendemonstranten geschützt werden.

Wir sollten dieses Herrschaftsgefüge, die Herrschaftsstrukturen, unbedingt im Auge behalten, etwas dagegen tun, wo immer wir können. Alle Gewalt sollte doch irgendwann mal vom Volke ausgehen, oder? Bleiben wir dran!

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Juni 18, 2012 in Gesellschaft, Philosophie, Politik und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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