Regionalisierung? Werden wir provinziell?

Piraten sollten Piraten sein, man braucht kein Namenssuffix, man braqucht keine Unterscheidung zwischen NRW, Bayern, Berlin oder Niedersachsen, und noch weniger braucht man eine Unterscheidung zwischen Stadtpiraten und Landpiraten, oder zwischen Westfalen und Rheinländern, oder?

Auf dem letzten BPT in Bochum hallte es durch den Saal. Die einen verfluchten die verrückten Berliner, die nächsten verzweifelten an den Bayern und alle schimpften plötzlich über uns NRWler, weil wir kein Interesse hatten, unsere finanzielle Eigenständigkeit aufzugeben, und statt dessen die anderen Bundesländer zu finanzieren (was prinzipiell in Ordnung ist, aber bisher ja auch untereinander unbürokratisch gewährleistet wurde) und auch dem Bundesvorstand einen kräftigen Schluck aus der Pulle zu erlauben. Vorgeschlagen von der Bundesschatzmeisterin – okay, gegen solche Top-Down-Kacke konnten wir nur gegen sein, und wurden natürlich bei anderen Verbänden sofort zum Feindbild.

Da gefällt es mir übrigens sehr viel besser, dass die Niedersachsen uns ein bisschen in die Pflicht nehmen, und sogar ich, der ich nun nicht unbedingt ein Profi der Infostände bin, denke ernsthaft darüber nach, ein Wochenende mit in Niedersachsen zu verbringen und mein Bestes zu geben. Daneben unterstützt zum Beispiel die AG Öffentlichkeitsarbeit nach Kräften, auch wenn wir ein bisschen schockiert waren, wie wenig im Moment in Niedersachsen rund läuft. Aber ganz prinzipiell ist das die Sache, wie sie funktionieren soll: Man fragt nach Hilfe und bekommt sie. Piratige Verbundenheit und so.

Aber ich habe durchaus das Gefühl, dass die kleinen Animositäten zwischen Ländern nicht alles sind, was sich im Moment regionalisiert. Der NRW-Landesverband hat natürlich erst mal das Problem, dass es da Rheinländer und Westfalen gibt, dass es die Städte und weite Flächengebiete gibt. Etwas was bisher kaum ein Problem war. Also so lange man sich unter den Aktiven eigentlich durchgehend kannte. Aber wir sind viele geworden. Und ich sehe ja, wie viele die Kollegen am Stammtisch so kennen, die zwar durchaus vor Ort aktiv sind, aber nicht die Twitterer und ML-Schreiber und vielleicht auch nicht in mehreren AGs/AKs aktiv. Da gibt es dann nur wenige Berührungspunkte, und wenn es dann ernst wird mit der Bundestagsliste, dann werden die wahrscheinlich schon fragen, wen ich kenne – es geht um Vernetzung, wie soll man Leute anders einschätzen? Aber was ich eigentlich sagen wollte:

Nun wurde zu einem Rheinlandtag eingeladen, auf dem sich die rheinischen Kandidaten für die BT-Liste schon mal vorstellen können. Da kann man sich sozusagen auf gewisse Kandidaten schon mal einschwören, so wirkt die Sache. Einen ganz großen Deut kleiner soll das auch in Südwestfalen, also Sauer- und Siergerland passieren – wo wir Oberberger , die wir noch Rheinländer sind, aber wir sind mit den sauerländischen Nachbarkreisen befreundet, auch eingeladen sind – sollten wir  also Kandidaten für die Liste haben, können wir uns gleich auf zwei solchen Veranstaltungen zeigen. Das ist sehr nett, aber das, was dahinter steckt, finde ich überhaupt nicht okay.

Es gibt die Tendenz, Fronten aufzubauen, die nicht nötig sind. Wir brauchen keine Fronten zwischen uns. Wenn ich gar auf der Kölner Liste lese, dass man sich doch im ja sehr starken Kölner Kreisverband auf ein bis zwei Kandidaten festlegen sollte, die dann von allen unterstütz werden, dann zweifele ich letztlich an unseren Idealen. Waren wir das nicht, die ohne Proporz auskommen wollten? Fangen wir das jetzt auch an? Leute, dann können wir auch gleich  ein Delegiertensystem aufbauen, und uns auch von dem Rest verabschieden, mit dem wir Sachen anders machen wollten.

Man muss sich darüber klar sein, dass zum Beispiel mein Kreis kaum mehr als ein Zehntel der Mitglieder von Köln hat. Wenn die Kölner jetzt unbedingt einen der ihren im Bundestag haben wollen, dann ist es möglich, dass sie das fast aus eigener Kraft hinbekommen – gut, das wird nicht passieren, so einig werden die sich nie, das sind Piraten … und Kölner.

Aber das ist schon so eine Sache. In der Fraktion dominieren Düsseldorf und Neuss, und dann gibt es noch einige Ruhrgebietler, und weite Gebiete NRWs sind in Münster abgehängt worden – lag das jetzt alles an der Kompetenz der Kandidaten? Müssen wir uns überlegen, wie wir da faire Strukturen hinbekommen? Müssen wir das mit dem Proporz machen?

Ich dreh mich gerade schreiend im Kreis, ich weiß nicht, wie es besser wird. Aber lasst uns mal dran gehen, dass wir das mit dem einen Boot vernünftig hinbekommen. Ich habe keinen Bock, dass sich die Regionen gegenseitig bekriegen, ich habe auch keinen Bock mehr auf die ganzen persönlichen Angriffen, die sich überall ausbreiten. Ist ne Pest, sollten wir von lassen.

Ich habe das schon bei vielen Gelegenheiten gesagt, es gilt auch und unbedingt für die Piraten: Wir erreichen nichts, wenn wir uns zu ernst nehmen. Was wir tun, das müssen wir ernst nehmen, was wir sagen sollte durchdacht sein, was wir lassen auch. Aber jeder, der sich, oder seine Crew, oder seinen KV oder seinen Stammtisch für wichtiger als die Sache hält, der darf sich sehr gepflegt aber endgültig verpissen. Entschuldigt den Stilbruch, er tut mir nicht leid.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 7, 2012 in Piraten und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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