Ich mach das dann mal mit der Kandidatur …

Oh nein, nicht noch einer! Richtig, den Gedanken habe ich inzwischen ja eigentlich auch. Die Liste der Menschen, die auf die Landesliste für die Bundestagswahl wollen, schwillt stetig an. Man kann dort auch illustre Gestalten finden, aber ehrlich gesagt nicht so viele, von denen ich jetzt sagen würde: Ja, richtig, den oder die muss ich unbedingt wählen.

Ist das ein Grund, selbst den Hut in den Ring zu werfen? – Nein, erstens habe ich keinen Hut, zweitens muss es mir unglaublich egal sein, wer so alles auf der Liste steht, wenn ich mir nicht sicher bin, dass ich das selbst wirklich will und kann. Also das mit dem Mandat. Ich habe vor einem Jahr auch für die Liste in Münster kandidiert, wäre also gerne einer der heute 20Piraten gewesen. Und damals, als ich noch viel unbedarfter an die Sache gegangen bin, als mir auch klar war, dass ich keine Chance hatte, die aber nutzen wollte, da habe ich gesagt, nein, Bundestag, das wäre nichts für mich. Tja, da stehe ich jetzt doof da. Aber in der Zwischenzeit ist viel passiert. Und durch fantasievolle Erzählungen einer Schülerin wurde mein Leben größtenteils zerstört. Jetzt bin ich an einem Neuanfangspunkt. Das Verfahren ist eingestellt, ich bin unschuldig, freigesprochen, wie man es immer auch nennen mag, und ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich sage: Hallo Welt, ich war acht Monate ganz unten, aber jetzt möchte ich zurück, ich lebe noch, auch wenn sich da vielleicht manche drüber ärgern. Will heißen, ich bin auch bereit, ganz neue Ufer aufzusuchen.

Ich hätte diese ganze Krise nicht durchgestanden, wenn ich die Partei nicht gehabt hätte. Ich versuche jetzt, der Partei ein bisschen was zurück zu geben, und ich bin durchaus der Meinung, dass ein guter Wahlkampf ein Mittel zu diesem Zweck sein könnte. Ich habe auch den Vorteil, dass ich nicht auf Familie Rücksicht nehmen muss, und ja, ich gebe es gern in aller Offenheit zu, ich bin armer Künstler, ein paar Jahre wirklich gut zu verdienen, das wäre durchaus nichts, was ich total doof fände.

Die Arbeitsbelastung aushalten, ja, das kriege ich hin, die Reiserei wird mir ein bisschen auf den Zeiger gehen, aber das klappt schon. Und kann ich mit Shitstorms umgehen? Ich bin damit fertig geworden, dass man mir Missbrauch vorgeworfen hat, mir, der ich mein Geld seit Jahren nur mit dem Unterrichten von Jugendlichen und Kindern verdiene. Ich glaube, kein Shitstorm kann so brutal sein, wie von den Medien mit Namen und Bild mit einem solchen Vorwurf herumgezeigt zu werden. Und wenn doch, ach, das kriege ich jetzt auch hin.

Was kann ich? Hm, ich habe ein abgebrochenes Studium, ich habe es nicht abgebrochen, weil ich nicht recherchieren oder schnell große Mengen von Inhalten mir aneignen kann, sondern weil ich es mir letztlich nicht leisten konnte zu studieren. Das mit dem Recherchieren habe ich dann ja auch als freier Journalist einige Zeit gemacht, so lange, wie man als Freier noch ohne Werbung sein Geld verdienen konnte und dann wurde eine Redaktion geschlossen, und ich habe mir andere Tätigkeitenfelder gesucht. Der Journalismus hat mir erstens gezeigt, wie die Medien arbeiten und denken – und ich habe mir auch eine ganz brauchbare Schreibe zugelegt. Und sehr aufnahmefähig war ich dabei auch immer. Vielleicht wäre das ja gar nicht so unpraktisch für einen MdB.

Ich habe jahrelang, inzwischen ungefähr mein halbes Leben Nachhilfe gegeben. Junge Menschen durchs Abitur gebracht, weil unser Bildungssystem genau das ja fördert. Ich würde gerne den nah an prekär bezahlten Job des Nachhilfelehrers abschaffen, das Schulsystem so umbauen, dass wir die Nachhilfe nicht mehr brauchen – aber ich habe dabei auch etwas gelernt. Ich kann komplexe Zusammenhänge nicht nur selbst verstehen, ich kann sie so erklären, dass die meisten sie verstehen können.

Und dann habe ich Theater gemacht, einige Jahre, so lang, dass ich als Autodidakt irgendwann in Anspruch genommen habe, Regisseur und Theaterpädagoge zu sein. Der Teil der Politik, die Show ist, könnte davon profitieren – laut 20Piraten ist das Plenum immer nur Show, die Politik wird in den Ausschüssen und auf den Fluren gemacht. Vielleicht ist es dann ja nicht so falsch, wenn jemand dabei ist, der sich mit Show auskennt. Nebenbei, ja, ich kann vortragen, ich kann vorlesen, ich kann im Notfall auch singen – ich mein, wer weiß, wofür es gut ist. Aber vor allem weiß ich, was Timing ist, vor allem weiß ich, wie man Pointen setzt, wie man provoziert und ich schreibe nicht nur diesen Blog, ich habe auch mehr als ein Dutzend Theaterstücke geschrieben – ich versteh was davon, das gesprochene Wort vorzuproduzieren.

Inhalt, ach ja, der Inhalt, okay, da ist der Hauptgrund, weshalb ich eigentlich gar nicht die Sache mit dem Bundestag wollte. Ich habe mich bisher in Sachen Kultur und Bildung engagiert – klassische Landesthemen. Mein Blog kennt solche Themen, und ganz viele innerparteiliche Sachen – ich gebe gerne zu, in anderen Themen bin ich oft nicht so zu Hause. Aber ich war schon der Liebling einiger Lehrer, weil ich so verdammt neugierig bin. Ich kann mich auch für viele andere Sachen interessieren – und das muss nichts Innenpolitisches sein, was eh, da Kernthemen, überlaufen sein wird. Aber Ausschüsse im Bereich Entwicklungspolitik oder Landwirtschaft finde ich genauso interessant, wie in meinen eigenen Spezialthemen Kultur und Bildung.  Und in allen vier Bereichen gibt es Ausschüsse, ich bin da also gar nicht so schlecht aufgestellt.

Aber so irre das klingen mag, es ist nicht in erster Linie der Inhalt, der mich kandidieren lässt, der ist wichtig, aber ich bin mir sicher, den würden andere auch hinbekommen. Aber in einer Sache habe ich kein Vertrauen mehr, das würde ich lieber selbst machen. Ich hatte das in Münster so verstanden, dass wir uns einen Hack vorgenommen hatten. Wir wollten da in den Landtag und das Geschäft dort verstehen lernen, und dann darüber aufklären. Ich gehe jetzt davon aus, dass die 20Piraten das mit dem Verstehen geschafft haben, aber leider haben sie keine Zeit, uns das Ganze zu erklären – und wenn ich jetzt sage, dass sie ihre Prioritäten falsch gesetzt haben, weil sie lieber Minister anzeigen, als mal ein vernünftiges Wörterbuch „Landtäglich – Deutsch“ zu erstellen, dann bin ich mir der Polemik bewusst. Ich wollte ja auch nur darauf hinweisen, dass ich Polemik auch kann. Back to topic: Ich möchte, dass eine Bundestagspiratenfraktion vom ersten Tag an Gegenöffentlichkeit macht, erklärt, was man macht. Tägliche Blogeinträge, Videoblogs, Podcasts, das ganze Programm, und auch immer schön auf Social Media gestreut. Ich möchte der Mahner in jeder FraSi sein: „Und wer denkt an die Gegenöffentlichkeit?“ – auch wenn ich damit sicher sehr bald allen auf den Sack gehen werde. Ich möchte die Herrschaftssprache der Politik entschlüsseln und die Politik damit auch entzaubern – die 20Piraten – naja, viele davon –  haben sich lieber integriert, die sprechen jetzt auch schon politisch und nicht mehr piratig. Ich find das schade.

Disclaimer: Ich bin mir bewusst, dass mich jetzt viele aus den Stammtischen der 20Piraten nicht mehr wählen werden, aber hey, das ist genauso unglücklich, wie der Umstand, dass ich erst 2011 in die Partei eingetreten bin, eigentlich bin ich eh unwählbar! Aber sagte ich bereits, dass ich mich eher ungern unterkriegen lasse? Und das mich nicht mehr so viel schreckt?

Es gibt ja genug, für das mich einige steinigen werden. Zum Beispiel bin ich fürs BGE, aber auch dafür, das erst dann groß zu verkaufen, wenn ein paar mehr Menschen die Idee verstehen. Zum Beispiel bin ich für eine SMV – nicht unbedingt mit LQFB, weil ich die Software auch nicht so intuitiv finde, um  hier einen kleinen Euphemismus zu verwenden – aber prinzipiell muss das sein, denn der letzte BPT hat gezeigt, dass eine solche Veranstaltung nicht sehr effektiv ist.  Ich neige auch sonst zum Querulantentum.  Ich sage meine Meinung, nicht ohne Rücksicht auf Verluste, aber selbstbewusst und manchmal eher undiplomatisch.

Aber auf der anderen Seite kann ich durchaus ausgleichend sein, bin Teamplayer so lange man mit mir zusammen spielt. Ich verstehe etwas von Gruppendynamik, ich kann Menschen motivieren und ganz nebenbei, ich kann Kritik annehmen, kann mich von Argumenten umstimmen lassen – das ist nicht einfach, aber ich weigere mich standhaft unflexibel zu werden. Und ich habe Humor – also manchmal, und vor allem, ich nehme mich selbst nicht zu ernst. Das was ich mach, das nehme ich ernst, aber mich selbst? Nein, das überlasse ich kleineren Egos.

Wer wissen will, was ich wozu denke, der mag hier im Blog stöbern, der mag die Podcasts hören, die ich mit @ThoroughT bastel – der übrigens kein Pirat ist – oder mich im Kandidatenportal grillen. Ansonsten gibt es auch meine Nummer oder Mail-Addy hier im Impressum oder im Wiki.

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Über Hollarius

Ich bin in den Siebzigern geboren, halte mich voll Hybris für einen Künstler und meine auch noch, alle müssten lesen, was ich so meine ...

Veröffentlicht am Dezember 22, 2012 in Piraten und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

  1. Schade, dass Du in einem anderen Bundesland lebst, denn meine Stimme hättest du. 🙂

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